Rezension | Babe in Boyland | Jody Gehrman

Babe in Boyland

Genre: YA, Chick lit
Verlag: Speak
ISBN: 978-0-803-73274-2
Preis: $8.99
Erscheinungsdatum: Februar 2011
Format: Paperback

Unter dem Pseudonym „Dr. Aphrodite“ veröffentlich Natalie in der Schulzeitung eine Kolumne mit Liebestipps für alle, die danach fragen – allerdings hat sie von diesen Themen selber nicht allzu viel Ahnung, mangelnde Erfahrung sei Dank. Stattdessen sagt sie den (weiblichen) Lesern, was sie hören wollen und den anderen reicht es irgendwann. Nach ihrer neuesten Kolumne wird ihr genau das vorgeworfen und auch wenn es etwas dauert, Natalie sieht ein, dass sie Recht haben. Um künftig bessere Tipps zu geben (und ein Thema für einen Wettbewerb zu haben), muss sie herausfinden, wie Jungs so ticken. Da ihr niemand richtige Antworten geben will, greift sie zu anderen Maßnahmen: Als Junge verkleidet schmuggelt sie sich in eine Jungenschule in der Nähe. Dumm nur, dass Nat selber noch lernen muss, wie man sich am besten als Junge verhält ohne aufzufallen – sich in den neuen Zimmernachbarn zu verlieben, ist da garantiert nicht hilfreich.

Es gibt Bücher, für die muss man in der richtigen Stimmung sein und „Babe in Boyland“ ist definitiv eines davon. Denn mal ehrlich, man wird hier mit so einigem konfrontiert: Es gibt recht klischeehafte Charaktere, mit denen ich mich – zumindest auf weiblicher Seite – nicht so recht identifizieren konnte. (Ich würde wohl mit an Tylers Tisch hocken, wenn ich ehrlich bin.) Die Geschichte an sich lässt in vieler Hinsicht auch zu wünschen übrig. Da kennt Natalies Freundin zufälligerweise jemanden, der sich in Schulsystem der Jungenschule einhacken und sie einschreiben kann. Dass das ernsthafte rechtliche Konsequenzen haben kann, interessiert hier erst mal niemanden. Es wundert sich auch keiner so richtig, wo dieser Überraschungsschüler auf einmal her kommt. Zwischendurch wird die Handlung durch Zufälle am Laufen gehalten, wenn zum Beispiel Nat auf einem Date (ja, mit einem Mädchen) ist und prompt jemand reinschneit, der sie erkennen könnte. Na, wer hätte das gedacht. Im Laufe der Geschichte gab es immer wieder Punkte, bei denen Atze Schröder in meinen Gedanken spöttisch sein „Ja nee, is‘ kla!“ von sich gab.

Aber. Verdammt, das Buch macht Spaß! Man muss in der Stimmung für was Leichtes, manchmal Unlogisches und ganz gewiss nicht Perfektes sein und schon kann man „Babe in Boyland“ wunderbar genießen. Es ist eines dieser Gute-Laune-Bücher, bei denen selbst das Drama Spaß macht (zumal es hier eher peinlich war, ich hab mich kaum getraut weiterzulesen). Wenn ihr Leser seid, die, nun, sehr aus sich rausgehen, lest das Buch lieber daheim. Ich für meinen Teil hab mich geschüttelt vor Lachen, laut losgebrüllt (freudig und vor Entsetzen), meinen Schreibtisch geschlagen und unangemessen gekichert. „Babe in Boyland“ lebt eindeutig von seiner Situationskomik. Nat weiß nun mal nicht so viel über Jungs (oder hat sich sonderlich viele Gedanken über dieses Abenteuer gemacht) und fällt in der neuen Umgebung auf wie ein bunter Hund. Abgesehen davon stellt sie unangemessene Fragen (das würd ich teilweise nicht mal mit Freunden besprechen), hat diverse Probleme, einen unbeobachteten Platz zum Umziehen zu finden, übersteht einen Basketball zwischen die Beine ohne größere Schmerzen und hat arge Probleme damit, sich beim Anblick (und auch Geräusch) von bemannten Urinalen nicht zu übergeben. Sie hat’s wirklich nicht einfach, aber selbst schuld ist sie ja, da macht es nichts, wenn man sie konsequent auslacht.

Zwischendurch lernt man zugegebenermaßen auch ganz interessante Charaktere kennen, für die man sich ein Happy End wünscht, auch wenn ich wohl niemanden davon lange im Gedächtnis behalten werde. Es werden auch nicht undumme Dinge angesprochen, aber dass die Herren der Schöpfung Menschen wie alle anderen auch sind, sollte eigentlich jedem klar sein, der tatsächlich an der Gleichberechtigung festhält. Andererseits ist es doch schön, wenn ein Buch einem zeigt, dass es am besten ist, wenn man sich selbst verkörpert und nicht nur eine Rolle, die von anderen erwartet wird. Da gibt es wesentlich schlimmere Dinge, die Bücher vermitteln können und wenn das Ganze auch noch Spaß macht … geht klar.

04

„Babe in Boyland“ ist weder besonders tiefgehend noch originell, aber es macht verdammt Spaß. Man muss nur gerade wirklich Lust auf das Buch haben, um die Unstimmigkeiten ignorieren zu können – ansonsten könnte diese Begegnung genauso unangenehm werden wie Nats Erfahrungen auf der Jungstoilette.

Advertisements

3 thoughts on “Rezension | Babe in Boyland | Jody Gehrman

  1. Ich hab das Buch wohl in der falschen Stimmung gelesen. Bei mir kamen nämlich weder der Humor noch die Klischees an ;D Ich bin ganz beeindruckt, dass du darüber so gnädig hinwegsehen konntest ;)

    • Manchmal hab sogar ich meine wohlgesinnten Phasen. :D Unter anderen Umständen wäre das Buch sicherlich gnadenlos untergegangen – Glück gehabt. xD

  2. Pingback: April 2013 | Muh, das Telefonbuch

Und ihr so?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s