Rezension | Lovesong | Gayle Forman

Lovesong

Originaltitel: Where She Went
Reihe: If I Stay #2
Genre: New Adult
Übersetzer: Bettina Spangler
Verlag: Blanvalet
ISBN: 978-3-7645-0402-1
Preis: 12,99€
Erscheinungsdatum: Juni 2011
Format: Paperback

Mia blieb, doch nicht bei Adam. Der Unfall ist nun Jahre her, genauso wie die Trennung der beiden. Vom ursprünglichen Adam ist nicht mehr viel übrig – mit der Band zerstritten und auf beruhigende Medizin angewiesen, hat er zwar wirtschaftlichen Erfolg, doch er selbst geht immer mehr am Leben kaputt. Doch dann ist da diese Nacht, in der er die Frau wiedertrifft, die ihm nie gesagt hat, warum sie ihn verließ. Sie haben eine Nacht, um miteinander zu reden und vielleicht die eine oder andere Frage zu klären – aber kann das ausreichen?

Ich war sicherlich nicht die Einzige, die ein wenig skeptisch war, als die Fortsetzung zum vielfach gelobten „Wenn ich bleibe“ angekündigt wurde. Nicht nur aus Sorge, dass der zweite Band im Vergleich zum Vorgänger eine Enttäuschung sein könnte, sondern auch weil dessen bloße Existenz Probleme ankündigt. Probleme, die wohl niemand Adam und Mia wünscht. Als ich damals das erste Mal den Klappentext las, war ich schon zutiefst betrübt. Mia und Adam getrennt? Warum? Ich hatte den beiden eine schöne(re) Zukunft gewünscht und so, wie die Dinge damals standen, bedeutete das eine gemeinsame Zukunft. Es erklärt vielleicht, warum es fast zwei Jahre dauerte, ehe ich das Buch wieder in die Hand nahm.

Rein formal betrachtet funktioniert „Lovesong“ wie schon „Wenn ich bleibe“. Die Geschichte startet relativ schnell, auch wenn sich der Unfall der Halls wesentlich schneller ereignete, und es ein paar Seiten mehr dauert, ehe Adam auf Mia trifft. Wir befinden uns in der Gegenwart, doch dank vieler Rückblenden (die aber nie zu viele werden), erfahren wir, wie es früher war – teils Passagen aus der Zeit vor dem Unfall, aber vor allem aus der Zeit nach Mias Erwachen und nach der Trennung. So offenbart sich Stück für Stück, was damals geschehen ist, warum Adam solche Probleme mit der Band hat, zumal sie sich früher wunderbar verstanden, und auch warum Mia Adam verließ.

Das ist die große Frage des Buches, die mich die ganze Zeit über an die Seiten geschweißt hat, und ich will nicht lügen: Mein Herz hat für Adam regelrecht geblutet. Ob berechtigt oder nicht, er leidet und das ziemlich deutlich. Nicht nur wegen Mia, aber ihre Abwesenheit ist mit vielem verknüpft und einer der Hauptgründe für Adams Trauer und Wut. Man bekommt schnell eine Ahnung, warum Mia so gehandelt hat und zumindest ich konnte es schon vor ihrer Erklärung verstehen. Aber warum so, wie sie es letztlich tat? Das schien mir nicht in Ordnung und das hat sich auch nach der Lektüre nicht geändert. Denn „Lovesong“ hebt etwas hervor, dass vorher schon klar, nie aber stark betont wurde: Auch Adam hat Mias Familie verloren. Gayle Forman spielt in ihrer Fortsetzung keineswegs Mias Verlust herunter, aber sie zeigt, dass solche Ereignisse auch andere Menschen tief zeichnen können. Man merkt es ja an sich selbst: Man kennt die Halls aus einem einzigen Buch und trotzdem ist die Trauer zurück, sobald nur der kleine Ted erwähnt wird. Ein „gutes“ Ende heißt eben nicht, dass danach alles besser wird. Dafür muss man arbeiten, was Zeit und Einsicht braucht – eine Garantie, dass es am Ende klappt, gibt es trotzdem nicht.

Es lässt sich schon herauslesen: Gayle Forman ist es mal wieder gelungen, mich mitzunehmen, mir die Tränen in die Augen zu treiben, mir die Charaktere nahe zu bringen und mich hoffen zu lassen – nicht ganz so sehr wie noch in „Wenn ich bleibe“, aber doch so, dass ich das Lesen des zweiten Bandes in keiner Weise bereue. Das einzig Negative, das ich zu vermerken habe, betrifft die Übersetzung: An sich schien sie mir angemessen, Adams Ton treffend, auch wenn ich sie nicht mit dem Original verglichen habe. Die Songtexte zu Beginn einiger Kapitel wirkten auf Deutsch aber eher lächerlich – was nichts daran ändert, dass ich die Songs, die Adam geschrieben hat, sehr gern mal hören würde.

04

Gayle Forman ist es gelungen, mit „Lovesong“ eine gute, wenn auch nicht ganz so herausragende Fortsetzung zu „Wenn ich bleibe“ zu schreiben. Im Großen und Ganzen ist es eine Suche nach Antworten – was damals weiter geschah, warum die Dinge so sind, wie sie jetzt sind. Wen diese Fragen brennend interessieren, der wird sich schwer damit tun, sich wieder von den Seiten loszureißen.

Bisherige Rezensionen zur Reihe: Wenn ich bleibe

Cover über Cover … leider blieb weder dem Original noch der deutschen Übersetzung das schöne Design vom ersten Band erhalten, stattdessen gab’s in unserem Fall Standardcover und einen dämlichen Titel, für das Original hässliche Cover. Wer’s einheitlich möchte, muss in jedem Fall mit den Taschenbüchern vorlieb nehmen.

Deutschland:

If I Stay_DIf I Stay_Where She Went_D

USA:

If I Stay_USIf I Stay_Where She Went_US

UK:

If I Stay_UKIf I Stay_Where She Went_UK

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7 thoughts on “Rezension | Lovesong | Gayle Forman

  1. Jaaaa :D Ich kann dir da nur zustimmen, obwohl ich Band 2 sogar noch besser und berührender fand als den ersten. Aber besonders diese ganze Sache um den Verlust, und wie er verschiedenste Menschen treffen kann, fand ich auch ganz toll und interessant.
    Die Songtexte waren wirklich manchmal ein bisschen lächerlich in der Übersetzung. Ich hoffe ja noch, dass es irgendwann mal zwei richtig schöne englische Cover geben wird, dann lege ich mir die Reihe noch mal im Original zu und starte einen Reread :D

    • Das ist ein guter Plan! :D Dann hoffen wir mal auf das Beste … die momentanen Cover sind ja wirklich alle nicht allzu prickelnd. xD

  2. Sehr schöne Rezi!!!
    Mir persönlich hat Bd. 2 auch noch besser gefallen als Bd. 1, aber das ist einfach Geschmackssache. Wichtiger sind die Fragen und Gedanken, die du aufwirfst: Wie verarbeitet man einen schweren Verlust? Wohin mit sich, wenn man in diese Wutphase nach dem Tod einer oder mehrerer geliebter Personen eintritt? Das ist wirklich eine schreckliche Phase, die zum Glück vorbeigeht. Aber ganz ehrlich irgendwie muss man den Frust, dass man zurückgeblieben ist und nie wieder mit den Personen/der Person sprechen kann, ja verarbeiten. Und Wut ist da ein ziemlich gutes Mittel.
    Am Ende ist es so, wie Gayle Forman schreibt – man erinnert sich häufiger an die schönen und glücklichen Momente, auch wenn man die schlechten Erinnerungen natürlich trotzdem hat. Auch freut sich über alle Menschen, mit denen man diese Erinnerungen teilen kann. Doch man kann mit einem Lächeln an die geliebten Personen denken und ich denke, dass ist es, was zählt.

    Ach ja. Zwar besitze ich die deutschen Ebooks, bin aber froh, dass ich die Bücher im Original gelesen habe, wenn ich deinen Kommentar zu den Songtexten bedenke:).
    Ein schönes Wochenende
    Nia

    • Dankeschön!

      Ich hätte mir immer noch gewünscht, Mia hätte Adam diese Wut offen gezeigt, damit man darüber hätte sprechen können – aber wer würde in dieser Situation nicht ein bisschen hilflos sein und Fehler machen? (Zumal sich das ja auf beide bezieht.) Solange man die Fehler auch einsehen kann … :)

      Da kannst du wirklich froh sein. xD Vielleicht klingen die Texte aber auch nur für uns weniger lächerlich auf Englisch, weil es nicht unsere Muttersprache ist, wer weiß. Der Inhalt bleibt an sich der gleiche, aber trotzdem. xD

  3. Pingback: Mai 2013 | Muh, das Telefonbuch

  4. Ich glaube, ich hätte auch lieber mal die englische Ausgabe lesen sollen. Leider gabs bei uns in der Bib nur die deutsche. Mit den Songtexten hatte ich nämlich auch so einige Probleme :/
    Aber ich hatte mit der Geschichte generell so meine Schwierigkeiten. Ich hoffe ja, dass das bei der Fortsetzung zu Just One Day nicht auch so wird…

    • Wie schade. :/ Vllt. ergibt es sich irgendwann noch mal, das Buch auf Englisch zu lesen und eventuell gefällt es dann besser … kann ja vorkommen. x)
      Ich drück aber die Daumen, dass es bei dir mit „Just One Year“ besser klappt. :D

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