Shiku rants #1

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Ich denke, es ist auch mal an der Zeit für einen Rant meinerseits. Themen muss man dafür in der Buchwelt nicht lange suchen, denn was manche Autoren da fabrizieren, grenzt schon beinahe an Körperverletzung. Seit 2010 haben sich bei mir dann doch so einige Bücher angesammelt und wenn man viel liest, ist eben auch ganz schon viel Mist dazwischen – auch wenn es immer nur ein paar Bücher schaffen, in die große Liga der furchtbarsten Bücher aller Zeiten aufzusteigen. (Die absolute Krönung: Das „neue Twilight“, das derartige Aggressionen auslöst, dass man wildfremde Menschen verprügeln will.)

Aber darum soll’s nicht gehen. Mein momentan sehr spezielles Problem ist kein neues und sicherlich haben schon zig Leute darüber geschrieben, aber irgendwie muss man sich ja auch mal Luft machen. Das hier wird übrigens kein hochstudierter Text über Vor- und Nachteile, sondern ist ganz ungeniert meine Meinung über … Romanzen.

Nur um das klarzustellen: Ich hab nichts gegen Romanzen an sich. Ich werd immer noch ganz hibbelig, wenn ich an Saba und Jack denke, und man braucht den Namen „Derek“ nur zu erwähnen, damit ich einen tiefen Sehnsuchtsseufzer Richtung Derek und Chloe schicke. Herrje, Jacqueline Carey hat es geschafft, mich mit nur einem einzigen Kuss innerhalb von 800 Seiten (von einem bestimmten Paar, insgesamt gab’s da deutlich mehr xD) zum Schmelzen zu bringen. Solange sie gut gemacht ist, bin ich eine der Ersten, die eine Romanze gutheißt.

Aber so wie es schlechte Bücher gibt, gibt es nun mal auch schlechte Romanzen (bestenfalls in Kombination …) und es sind diese Momente, in denen ich mich frage, warum es überhaupt immer eine geben muss. Warum hier, warum so? Warum das, was einem schon in etlichen anderen Büchern genau so geboten wurde?

Zugegeben: Wenn ich mir mein Regal so ansehe, dann finden sich da schon einige Bücher, die ohne Romanze auskommen oder sich zumindest nicht darauf konzentrieren. Teilweise sind das Sachbücher, teils Kinderbücher, in denen Romanzen scheinbar (meist) noch nicht erwünscht sind, aber auch einige Jugendbücher, die durch ihre Geschichte funktionieren. Es geht also, warum fühlen sich dann trotzdem viele berufen, die „Liebe“ auf höchst plumpe Art und Weise in die Geschichte zu pressen? Das Problem hier sind vermutlich die Instaloves, die im Grunde genau die schlecht dargestellten Romanzen sind, die ich bereits ansprach. (Dass ich ein Pärchen nicht mag, heißt schließlich nicht, dass es eine schlechte Romanze ist – die Charaktere muss man nun einmal mögen.)

Aber was genau ist romantisch daran, wahllos Kerle in die Geschichte zu werfen, so dass die weiblichen Protagonistinnen (denn i.d.R. sind es ja junge Mädchen) sich in etwas hereinstürzen, dass vielleicht mit jugendlicher Entdeckungsfreude, ganz bestimmt aber nichts mit Liebe zu tun hat?
Apropos Liebe, ich möchte hier mal den Joker zitieren: Warum denn so ernst? Sicherlich gibt es Pärchen, die sich bereits in der Schulzeit finden und dann glücklich bis an ihr Lebensende sind. Meine eigenen Eltern sind beinahe so ein Beispiel, denn hätte ich’s wie sie gemacht, wäre ich bereits seit zwei Jahren verheiratet und es würde auch nicht mehr allzu lange dauern, ehe das erste Kind unterwegs wäre. Aber das ist nicht die Norm, und an diesen Unsinn von wegen „Ich sah ihn/sie und es war um mich geschehen – ich liebe dich!“ glaube ich erst recht nicht. Wie kann man jemanden lieben, ohne ihn zu kennen? Interesse und Attraktion mal beiseite geschoben, meiner Erfahrung nach wachsen mir Menschen erst dann so richtig ans Herz, wenn ich die Details bemerke, die kleinen Spinnereien kennenlerne – vier Unterhaltungen reichen da nicht. Statt also sofort ins Ganze zu gehen, kann es wesentlich romantischer sein, wenn da wirklich erst die Verliebtheit ist und die beiden sich kennenlernen. Macht übrigens auch mehr Spaß als ein spontanes Drama erster Güteklasse.

Warum also wird uns dieser Blödsinn für Romantik verkauft … und warum finden das offenbar so viele so überzeugend, dass die Verlage immer wieder solche Geschichten an Land ziehen? Und vor allem gleich in doppelter Auslage? Das Problem kennen wir ja alle: Da haben wir bereits ein Pärchen, das nach einem Fingerschnippen unsterblich ineinander verliebt ist, aber das wird auf Dauer ja langweilig. (Kleiner Tipp am Rande: Wenn sie sich erst kennenlernen, könnte sich dieses Problem von selbst erledigen.) Also schnippen wir noch mal mit den Fingern und prompt erscheint ein weiterer Kerl/der beste Freund/der sexy Bösewicht, in den die Protagonistin sich – huch! – auch verlieben kann (am Ende aber trotzdem mit Herr #1 zusammenkommt).
Natürlich gibt es auch gut gemachte Liebesdreiecke, in denen Protagonisten die anderen kennenlernen, sie interessant finden und vielleicht etwas für sie empfinden … eben die Geschichten, die das Ganze irgendwo auch realistisch angehen. Die gehen in der Masse aber leider unter, weswegen man meist auf solche Bücher trifft (zumindest meiner Erfahrung nach), in denen das Liebesdreieck eingebaut wird, weil die Autoren scheinbar sonst nicht wussten, was sie noch machen könnten.

Ich hab die Schnauze ehrlich voll davon, und auf all die gestellten Fragen finde ich keine einzige sinnvolle Antort. Das Problem: Manchmal hat man ja doch Lust auf was Romantisches (oder ein Liebesdreieck), aber nicht jeder Rezension kann man trauen und nicht immer gibt es da viel Aussagekräftiges – und dann stellt sich die Frage: Wage ich es und möchte im schlimmsten Fall mal wieder jede Seite einzeln ausreißen oder lass ich es einfach sein? Leider ist die Wahrscheinlichkeit, dass der schlimmste Fall eintritt, nicht direkt gering und mir tut’s immer ehrlich leid um die ganzen guten Bücher, die ich deswegen verpasse.

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20 thoughts on “Shiku rants #1

  1. Uaaaah ja ja ja ja! Du schreibst mir aus der Seele, ich frage mich das auch immer wieder. Und selbst wenn man eine Liebesgeschichte in irgendeine Geschichte einbaut – können sich da Autoren nicht mal was anderes einfallen lassen? Hauptfiguren die schon lange zusammen sind und dann einfach etwas andere Probleme haben? Und nicht immer dieses ständige „Er ist zu gut für mich/ Ich bin zu stolz um mir einzugestehen, dass ich ihn mag“-Hin und Her. Es gibt ja durchaus auch andere Phasen in solchen Beziehungen, nur kommen die irgendwie in Büchern so selten vor, weil… sie weniger aufregend sind? Vielleicht denken das die Autoren oder Verlage, keine Ahnung. Ich fänd’s jedenfalls auch mal schön, über solche Sachen zu lesen.
    Oder eben die Romanze ganz raus lassen oder zumindest weiter in den Hintergrund stellen. Eben normale Begegnungen zwischen normalen Menschen, die sich vielleicht anziehend finden, aber nicht sofort über die ewige Liebe reden sondern einfach ein bisschen Zeit miteinander verbringen.
    Ach ach ach… So vieles, was man da verbessern könnte.

    • DAS wär auch mal was. :/ Spontan fällt mir da nur ein Pärchen ein (aus „Hunger“ von Jackie Morse Kessler), aber da ist es auch nicht das Hauptthema. (Nicht mal wirklich Nebenthema. xD)
      Manchmal frag ich mich, ob man sich überhaupt was denkt außer „das und das hat sich in der Vergangenheit gut verkauft“. An sich hab ich ja nichts gegen das bekannte Prinzip, aber wie gesagt: Kommt auf die Machart an, und dann auch lieber in Maßen als in Massen. Aber mal ehrlich, wie viele Menschen können sich mit diesem Überdrama wirklich identifizieren?
      Vielleicht, irgendwann … ein paar Perlen finden sich ja auch jetzt schon, auch wenn’s nicht immer leicht ist, sie zu entdecken. ;)

  2. Ach ja, du hast vollkommen recht. Besonders in den YA/Jugendbüchern muss es eigentlich nicht immer gleich die große Liebe sein. Aber anscheinend wird das von Autoren oder Verlagen anders gesehen.

    Kurz noch am Rande: Mein Lieblingsdreieck aller Zeiten – Die Idhún-Saga von Laura Gallego García. Falls du es noch nicht kennst, verrate ich nix, aber so einen Ausgang für eine Triangel gibt es selten. Ist schon lange her, dass ich es gelesen habe, aber die Idee dahinter kann mich noch heute begeistern:D.

    • Ist doch auch total unrealistisch. v-v (Ja, Monster und Götter find ich da sinnvoller. xD) Aber wenn ich da an mich zurückdenke … ich war einmal etwas ernsthafter verliebt und ich habe nur kurze Zeit lang gedacht, ich wäre ernsthaft verknallt, aber die große Liebe? Ich persönlich hatte mit 16/17 auch echt andere Probleme. o-o

      Davon hab ich noch nie gehört! Die spanischen Cover sehen aber mal richtig, richtig genial aus … die deutschen sind auch okay, aber mit dem Original können sie mal wieder nicht mithalten. xD
      Dann setz ich die mir mal auf meine Liste, danke für den Tipp! :D

    • Ich kann ja noch verstehen, wenn es einen Freund aus Kindergartentagen gibt, in den die Protagonistin sich so nach und nach verliebt. Ich meine, die Person kennt sie dann wenigstens richtig gut. Aber ein sehen und ZACK große Liebe ist einfach unrealistisch. Klar verlieben kann man sich auf dem Weg, aber für Liebe braucht es doch mehr – da zählen auch die Dinge, die eine Person eben nicht perfekt machen und auch, dass die Person die eigenen Fehler kennt.
      Insgesamt fände ich es auch schön, wenn gerade Jugendbücher ein realistischeres Bild von Beziehungen und Freundschaften zeigen würden. Aber das ist leider oft nicht der Fall. Über die Tiefe und Sinnhaftigkeit mancher Jugend- und YA-Bücher (und nicht nur solcher) kann man vermutlich Jahre diskutieren und hat immer noch nicht alles gesagt;).

      • „Nach und nach“ ist hier wirklich der Schlüssel zum Erfolg!
        Es wäre eigentlich schön, wenn sowas mal an Orten diskutiert wird, die vllt. wirklich was ändern können – okay, manch Autor kriegt das auch von alleine hin und wenn wir uns ständig aufregen, wird das vermutlich nicht an jedem vorbeigehen (hoffe ich), aber in ganz „hohen Kreisen“ erachtet man solche Literatur vermutlich eh nicht lesenswert. v-v

  3. Amen! Es scheint gerade im Fantasybereich nur noch unsterbliche Liebe auf den ersten Blick zu geben, das geht mir auch so tierisch auf die Nerven. Genau wie die daraus folgenden Liebesdreiecke, kotz. Man müsste wirklich mal festhalten, wie viele Liebesdreiecke man liest und wie viele davon wirklich etwas verändern, d.h. dass die Protagonistin sich am Ende für den zweiten Kerl entscheidet. Statistiken an die Macht!

    • Mir fällt dazu auch nach langem Überlegen nur eine englische Serie ein. Und da ist es auch eher so, dass die Entwicklungen die Protagonistin von ihrer ersten Liebe trennen, sodass sie sich jemand anderem (der im Kontext der Geschichte auch wirklich besser zu ihr passt) zuwendet – es ist also keine direkte Dreiecksgeschichte. Die Bücher habe ich erst kürzlich gelesen und war wirklich positiv überrascht. Jetzt ist nur die Frage: Willst du wissen, um welche Serie es geht? Das ware jetzt über die Reihe gesehen, schon ein gewisser Spoiler…

    • Die haben mich mit dem Mist jetzt schon so amnipuliert, ich warte immer drauf, dass mir endlich mein Traumvampirprinzdingstyp über den Weg läuft, aber noch kam keiner, der erkennt, was für eine superbesondere Schönheit in Not ich bin! :<
      Eine Statistik ist echt keine schlechte Idee. Wenn wir Langeweile haben, können wir ja mal unsere Regale durchgehen. xD

      • @Anja
        Die Mindjack-Trilogie von Susan Kaye Quinn. Viel Spaß beim Austesten:)

        @Shiku
        Meinst du, da kommen noch mehr Bücher zusammen, bei denen sich das Mädel für Typ Nr. 2 entscheidet? Na, ich bin gespannt.
        Vielleicht sollte man eher ungewöhnliche Lovestorys sammeln. Da besteht vielleicht mehr Aussicht auf Erfolg;)

      • Den ersten Band davon hatte ich sogar auf meiner Vielleichtliste … immer wieder lustig, wie klein selbst die Buchwelt sein kann. :D

        Einige wird es sicherlich geben; spontan will mir eine Reihe einfallen, in der sowas in der Art passiert. Es gibt ja nie nur einen Menschen, der eine Idee verfolgt. :D

  4. Oh jaaa, wie recht du hast! Mir geht diese Instalove wirklich dermaßen auf den Keks. Da ist absolut nix romantisch dran, wenn Protagonistin einen Typen sieht, meint, er wäre die große Liebe, und dann zu seinem Wackeldackel wird und sich dann natürlich auch selbst einfach mal so vollkommen aufgibt. Sowas wie eine eigene Meinung oder eigene Ziel kann Frau ja nun einmal gar nicht haben – schließlich ist Mr. Liebe-ihres-Lebens ja Gott höchstpersönlich, und hat daher die einzig wahre Sichtweise in allen Dingen. Und mit Dreiecksbeziehungen braucht man mir eigentlich erst gar nicht zu kommen. Die sind doch eh immer total gleich konzipiert und dann meistens auch noch schlecht geschrieben, so dass ich mit dem zweiten Kerl meist sowieso nichts anfangen kann.

    • Wobei das dann wirklich der allerallerallerschlimmste Fall ist – einige kriegen es zumindest ein bisschen besser hin. Oder ich hab für sowas einfach ein gutes Händchen. xD (ODER ich verdränge den gröbsten Mist sofort wieder. Vergessen, damit die Zukunft möglich wird!)
      Aber die Liebesdreiecke misslingen meist wirklich, zumindest ist das bisher mein Eindruck. :( Andererseits: Umso schöner ist es, wenn einem ein gutes über den Weg läuft. xD

      • Also wenn ich an die Instalove-Bücher denke, die ich so gelesen habe, dann fallen mir nur solche ein, in denen die Protagonistin alles für ihre ach so große Liebe tun würde (am liebsten natürlich sterben – wer stirbt schon nicht gerne für einen fast vollkommen Unbekannten, nur weil er vielleicht gut ausschaut?!). Das da mal eine sich hinstellt und mit dem Fuß aufstampft, damit Herr Wunderbar mal nach ihrer Pfeife tanzt, ist mir bisher in der Beziehung entweder noch nie begegnet oder das Buch war so schlecht, dass ich auch die Verdrängungstechnik angewendet habe.

        Also ein gutes Dreieck ist mir bisher noch nicht untergekommen. Bisher hat mich einjedes auf die Palme getrieben. Wenn es etwas gibt, dass mich Bücher sofort wieder ins Regal zurückstellen lässt, egal wie toll die Cover sind oder die Autoren sonst schreiben, dann ist es der Hauch einer Dreiecksbeziehung.

      • Mir will spontan Kelley Armstrongs „The Gathering“ einfallen; auch wenn es da nicht ganz die klischeehafte Instalove ist (aber das Ganze geht schon ein bisschen schnell). Ein paar Weder-positiv-noch-negativ-Beispiele gibt’s garantiert. :D

        Mir ist letztens „Dark Currents“ von Jacqueline Carey in die Hände gefallen, da ist sie seit der Grundschule in einen Kerl verschossen, was dieser auch weiß – ist also dann seine Entscheidung und es werden noch zwei weitere Herren eingeführt, aber alles in aller Ruhe. Der eine ist erst mal gar kein Loveinterest in dem Sinne, sondern mehr jemand, der der Protagonistin mit ihren Fähigkeiten helfen kann; und der andere ist ein netter Kerl, den man eigentlich sofort in sein Herz schließt. x) Nirgendwo findest du pathetisches Gelaber von wegen, sie würde alle lieben und blablabla, sondern sie ist an allen aus verschiedenen Gründen interessiert, zwingt niemanden zu was und lässt sich zu nichts zwingen … ich fand, dass das wirklich gut gehandhabt wurde, zumal es am Ende gar kein wirkliches Liebesdreieck (oder -viereck) war, obwohl es schnell dazu hätte werden können.

      • Danke für die Tipps! Wenn sich die Gelegenheit ergibt, werde ich die mal testen. Ich hätte ja wirklich nichts dagegen, mal zur Abwechslung vom Gegenteil überzeugt zu werden. Bisher hat das nur leider noch kein Dreieck geschafft.

      • Letztlich lesen wir alle ja gern, was gut gemacht ist. x) Früher oder später muss man ja mal einen Glückgriff landen. :D

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