Reihe | Chaos Walking | Patrick Ness

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Titel: The Knife of Never Letting Go | The Ask and the Answer | Monsters of Men
Kurzgeschichten (#): The New World (0,5) | The Wide, Wide Sea (2,5) | Snowscape (3,5)
Genre: YA, Science Fiction, Postapokalypse
Verlag: Walker Books
ISBN: 978-1-406-34446-2 | 978-1-406-34447-9 | 978-1-406-34448-6
Preis: £8.99
Erscheinungsdatum: Mai 2013
Format: Paperback

Todd Hewitt ist der letzte Junge in Prentisstown, doch sein dreizehnter Geburtstag steht bald bevor und dann ist auch er ein Mann. Es ist einer dieser Davor-Tage wie jeder andere auch – nur dass einer seiner Väter ihn bittet, Äpfel aus dem Sumpfgebiet zu holen. Äpfel findet er, aber auch etwas ganz anderes: eine Stille, die es in dieser Welt gar nicht mehr geben sollte. Denn seit die Ureinwohner die neu auf diesem Planeten angesiedelten Menschen mit einem Virus angriffen, starben all die Frauen und die Gedanken der Männer und Tiere sind für jedermann zu hören, verpesten die Luft mit ihrem Lärm. Die Dinge starten, sich zu verändern, doch nicht zwangsläufig zum Guten. Todds Welt wird in Scherben liegen, doch das sind nicht die größten Verluste, die auf ihn warten – fragt sich nur, was er aus all dem gewinnen kann.

Für alle, die einfach nur eine kurze Empfehlung wollen: Lest die Bücher, verdammt noch mal.

Für den Rest jetzt etwas ausführlicher:
„Chaos Walking“ ist eine dieser Reihen, um die (sicherlich nicht nur) ich schon länger herumschleiche. Vor einem Jahr hatte ich sie zumindest schon mal komplett ausgeliehen, aber doch nie gelesen. Das hat sich mittlerweile – ganz offensichtlich – geändert und ich kann nur jedem anderen – was auch offensichtlich ist – ans Herz legen, die Bücher endlich zur Hand zu nehmen.

Die Reihe hat mich nicht von Anfang an begeistert, auch wenn ich Band 1 keineswegs schlecht fand. Denn auch dort fand sich, was später genauso begeistert, angefangen mit der Sprache, die ganz einem jungen Menschen entspricht, der kaum lesen kann und in einem groben Umfeld aufgewachsen ist, um es nett auszudrücken. Todd redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, was unweigerlich einige „ain’t“s und doppelte Verneinungen mit sich bringt, um das mal als Beispiel zu nennen. Dass Englisch außerdem ein bisschen willkürlich scheint, was die Korrelation zwischen Lautung und Schreibung angeht, ist auch bekannt und so ist es kein Wunder, dass einige Worte hier so geschrieben werden, wie man sie spricht: „reckernize“ oder „redemshun“ zum Beispiel. Das mag einigen am Anfang Probleme bereiten, aber ich denke, jeder kann sich schnell reinfinden, wenn man das nur will. (Und nein, das ist kein schlechtes Englisch, sondern gehört zum Charakter, um dieses „Argument“ mal wieder aufzugreifen.)
Abgesehen davon versteht Patrick Ness es wunderbar, Spannung zu erzeugen und zwar nur dann, wenn es wirklich nötig ist. Wir alle kennen diese Autoren, die drei abgehackte Sätze hintereinandersetzen, um die Aussage zu bekräftigen und es dabei heillos übertreiben. Dieser Autor wartet, bis die Charaktere geschockt oder entsetzt sind, es selber nicht ganz fassen können, und so ist es vollkommen passend, dass da auch mal mehr als drei abgehackte, teilweise unvollständige Sätze stehen, während der Charakter versucht, die Informationen zu verarbeiten. Denn erst wenn das geschehen ist, können sie uns mitgeteilt werden – macht Sinn, oder?
Sehr begeistert hat mich ebenso die Darstellung des Gedankenlärms. Hier bekommt jeder seine eigene Schriftgröße und –art, und beides kann je nach Situation variieren. Als wir das erste Mal mit Todd Prentisstown betreten und eine halbe Seite voll ist mit den Gedanken der Männer, alles vollkommen durcheinander und unterschiedlich und so dick … ja, da lief mir ein Schauer über den Rücken. Hut ab für diese Darstellung, die ihre Wirkung wirklich nie verfehlt.

Was missfiel mir also am ersten Band? Nun, mein Problem war, dass ich nicht an die Charaktere rankam. Im Nachhinein muss ich sagen, dass es auch am Stress gelegen haben kann, den ich während des Lesens (aber nicht deswegen) hatte; so oder so: Mir war nicht alles, was geschah, vollkommen egal, einiges hat mich aber doch kalt gelassen, was wiederum das Buch in einem schlechteren Licht dastehen ließ.
Dabei werden uns hier wirklich tolle Charaktere geboten, was auch ich während der weiteren zwei Bände mitbekommen habe. Ich bin immer noch begeistert davon, wie die Protagonisten im ersten Band gedanklich bei mir noch Kinder waren, sich das am Ende aber vollkommen geändert hat. Ich habe sie mir älter vorgestellt – weil sie das natürlich sind, aber oft passiert es bei mir, dass mein Bild eines Charakters gleich bleibt. Diese hier wurden erwachsen und reiften heran, und zwar auch mein Bild von ihnen.
Abgesehen davon wird hier wunderbar dargeboten, dass Schwarz und Weiß selten der Realität entspricht. Todd selbst ist ein Charakter, den ich abwechselnd umarmen und schlagen wollte. Über die anderen will ich gar nicht wirklich was sagen, einfach damit nichts gespoilert wird: Lasst euch einfach gesagt sein, dass wir es hier mit einer ganzen Bandbreite an Personen zu tun bekommt, bei der jeder ein ganz individueller Charakter ist, selbst wenn die Auftritte rar sind. Mögen muss man davon wahrlich nicht jeden – denn selbst die „Bösewichte“ zählen dazu. In der Tat hat es Patrick so geschickt gemacht, dass mir ein Charakter ans Herz wuchs, der ein einziges Mal vorkam – gekonnt ist eben gekonnt. Teilweise so sehr, dass es schon wieder frustrierend ist. Denn wenn bei den Menschen eines sicher ist, dann dass sie Fehler machen. (Anmerkung: Nicht alle der fantastischen Charaktere sind Menschen.)

Ohnehin handelt es sich hier um eine Reihe, die sich mit jedem Buch steigert, und mir mit jedem Kapitel mehr zusetzte. Was anfangs ein Einzelschicksal ist, betrifft irgendwann die ganze neue Welt, und das kann für viele böse enden. Der Autor ist ganz gewiss nicht zimperlich, weder mit seinen Charakteren noch seinen Lesern; wer also eine geringe Leidtoleranz hat, lässt besser die Finger davon. Wer bereit ist, ständig mit der Frustration zu kämpfen, verzweifelt etwas ändern zu wollen, aber nicht zu können, und immer wieder Tränen zu vergießen, der kommt mit diesen Büchern nicht nur auf seine Kosten, es gibt gewissermaßen auch eine Belohnung.
Die Menschen auf diesem neuen Planeten haben das gemacht, was sich in der Vergangenheit bereits oft als fatal erwiesen hat: Sie kamen an und nahmen sich, was sie brauchten, und zwar ohne Rücksicht auf Verluste. Patrick Ness zeigt einmal mehr in aller Deutlichkeit und mit all der Brutalität, die dies mit sich bringt, dass dies nicht der Weg sein kann, was das aus den unschuldigsten Menschen machen kann – und dass es anders geht, wenn man sich nur auf etwas Fremdes einlassen würde.
Neben all dem finde ich es wahnsinnig schön, dass viele Dinge nie ganz klar werden. Was geschah wirklich mit den Frauen in Prentisstown? Wem hätte man vertrauen sollen, wem besser nicht? Selbst das Ende ist offen (es ist kein Cliffhanger, keine Sorge) und damit gleichermaßen traurig und schön. Eine gewisse Hoffnung ist da, aber auch Sorge und das aus verschiedenen Gründen, der oberste davon dass wir es hier nun einmal mit Menschen zu tun haben. Ich finde es fast schade, dass ich die anschließende Kurzgeschichte gelesen habe, denn auch wenn sie den Effekt nicht gänzlich zerstört, ihr Ende ist doch weit weniger kraftvoll.

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Patrick Ness hat hier etwas ganz Wundervolles geschrieben, dass euch mit hoher Wahrscheinlichkeit das Herz brechen wird. Aber um es mit Ron Weasleys Worten auszudrücken: Du wirst leiden, dich aber unheimlich darüber freuen. Sprachlich genial mit einer fantastischen Gestaltung, sehr gut ausgearbeiteten und deswegen umso frustrierenderen Charakteren, und einer spannenden, auf ihre Art und Weise leider sehr wahre Geschichte – warum nur viereinhalb Sterne? Die Reihe steigert sich mit jedem Band, was aber heißt, dass gerade Band 1 nicht ganz an die Perfektion des letzten Bandes herankommt. Aber das verlangt ja auch keiner.

Die Ausgaben, die hier vorgestellt sind, enthalten praktischerweise gleich die jeweiligen Kurzgeschichten. Wer noch die „alten“ Ausgaben hat, muss sich die Bücher aber nicht komplett neu kaufen, man kann die Geschichten hier kostenlos lesen. Viel Spaß!

Ansonsten gibt’s hier mal wieder einen ganzen Batzen an Covern (mir gefallen die UK-Varianten am besten), den ich euch dieses Mal nicht entgegenschleudern werden. Wenn ihr oben auf den Goodreadslink klickt, könnt ihr euch alle Cover in Ruhe anschauen und entscheiden, welche Ausgaben ihr wollt – gibt Hardcover- und Paperbackausgaben zur Genüge. ;)
Nur zur Ankurbelung des deutschen Buchmarkts, und weil ja nicht jeder auf Englisch liest, hier noch mal die neuen deutschen Ausgaben:

new world 1new world 2new world 3

Nicht schön, aber die vorherigen Cover waren richtig hässlich. Band 3 soll übrigens in diesem Monat erscheinen, also ab in den Buchladen mit euch!

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19 thoughts on “Reihe | Chaos Walking | Patrick Ness

  1. Ich les den Beitrag jetzt mal nicht, bin ja noch beim ersten Band XD Aber ich find die deutschen Cover eigentlich ganz ok. Zwar keine Meisterwerke, aber kann man sich angucken. Die neuen Cover schlägt natürlich nix. Ärgere mich ein bisschen, dass ich nicht noch ein paar Monate mit dem Kauf gewartet habe, dann wären es nämlich die engl. statt deutschen Ausgaben geworden.

    • Den ersten Band find ich auch gar nicht sooo übel, aber bei Band 2 find ich die Personen etwas ungekonnt ausgeschnitten und bei Band 3 sieht’s in einer größeren Darstellung ein bisschen aus, als hätte man das Feuer mit Paint reingesetzt, find ich. xD Auch wenn sie zumindest thematisch gut passen, das ist ja auch was!
      Du kannst dir die englischen Bücher ja auch noch holen. :D Doppelt hält eh besser!

      • Nee nee, so verrückt bin ich nicht XD Außerdem: wo soll ich das denn noch unterbringen? Keinen Plaaaatz ;)

      • Die sind so hübsch, die sehen aus super als Wanddeko auf einem Extraregal aus! Da findet sind bestimmt noch ein freies Fleckchen neben der Tür. ;D

  2. Also dass du Band 1 nicht sooo gut fandest, muss an deinem Stress gelegen haben! Das ist mein Lieblingsband :) den zweiten fand ich etwas schwächer, aber den dritten dann wieder knallermäßig.
    Was das Ende der Kurzgeschichte angeht, muss ich dir zustimmen. Ich fand das ein bisschen überflüssig, hätte die Story (weder die lange noch die kurze) gar nicht gebraucht. Dafür fand ich den Rest der Geschichte echt schaurig o.O

    • Wer weiß, wer weiß … bei den Büchern steht irgendwann bestimmt ein Reread an, da kann ich den Leseeindruck ja noch mal korrigieren. ;) (Auch wenn ich Band 2 wohl trotzdem besser finden werde. Glaube ich.)
      Aber hallo! Ich bin eigentlich ein Freund vom negativen Utilitarismus, aber in der Form ist es doch sehr extrem. Ist aber auch sowas, dass mich wünschen lässt, dass Patrick Ness weiterschreiben würde – man kann zwar auch selbst überlegen, wie es weitergeht, aber er hat viel schönere Worte dafür. :D

      • Du meinst im Cassandra Clare Style noch Band 4-6 hinterher? xD Nee, das fänd ich doof. Ich finde das Ende ist sehr gut geworden so wie es ist… könnte mir höchstens noch mal eine Reihe (oder ein Buch) in der gleichen Welt vorstellen, mit anderen Figuren, das wär besitmmt ganz cool. Aber ich find’s auch gut, wenn PN ne neue Jugendbuchreihe schreibt :)

      • Nicht im Cassandra-Clare-Style, im Patrick-Ness-Style! Gegen andere Charaktere hätte ich auch nichts (oder gegen Bens oder Lees Perspektive …) – Hauptsache, man kann die Welt dort noch etwas näher kennenlernen. Wie es scheint, gibt es da noch einiges zu entdecken. :)
        Das auf jeden Fall! Zumindest ein neues Jugendbuch steht ja an, oder? Ist noch keine Reihe, aber vielleicht wird das noch.

      • Mh, das weiß ich gar nicht genau, aber ich freu mich drauf. Erst mal gibt’s ja noch seine zwei anderen Bücher, obwohl mich die nicht soo stark interessieren.

      • Ich meinte „More Than This“, aber von dem weißt du ja theoretisch schon – welches gibt’s denn noch? (Außer den sieben Minuten.)

      • Also bei den goodreads shelves sieht es nach YA aus und die Hauptfigur wird als „teen“ beschrieben. Du hast also völlig Recht. Ich hatte irgendwie aufgrund des Covers gedacht, dass es für Erwachsene ist. Das sieht so untypisch aus.

  3. Pingback: Juni 2013 | Muh, das Telefonbuch

  4. So jetzt bin ich auch endlich durch mit den drei Büchern :D ich lebte ja in ständiger Angst vor Spoilern, nachdem ich mich schonmal selbst gespoilert hatte zum ersten Band, deshalb wollte ich das erst jetzt lesen XD

    Mir gefällt der erste Teil wirklich noch am besten, und der Zweite eher am schlechtesten, wobei man das gar nicht so sagen kann, denn großartig sind die ja alle. Aber lustig, dass es bei dir genau andersrum ist :)

    Ich werde mir wohl auch noch die neuen Paperback Ausgaben zulegen, die sind wirklich wunderschön!

    • Als ob ich euch spoilern würde! xD Da könnt ich die Reihe ja gar nicht empfehlen, ohne irgendwann gelyncht zu werden. q-q

      Ich steh mit der Meinung scheinbar echt alleine da. xD Dummerweise ist gerade echt keine Zeit für einen ReRead, bzw. wäre es dann so langgezogen, dass das auch nicht bringt. v-v

      Jaaa! Und sie haben die KGs. xD

Und ihr so?

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