Rezension | Ink | Amanda Sun

Ink_MiraInk

Reihe: Paper Gods #1
Genre: YA, Romantik, Urban Fantasy
Verlag: Mira Ink
ISBN: 978-1-472-01059-9
Preis: £6.99
Erscheinungsdatum: 5. Juli 2013
Format: Paperback

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an Mira Ink. (via NetGalley)

Nach dem Tod ihrer Mutter muss die 16-jährige Katie Greene zu ihrer Tante ziehen – nach Japan. Dort scheint sie vieles zu überfordern, allem voran die Sprache, mit der sie eher schlecht als recht zurechtkommt. Als sie eines Tages auch noch Yuu Tomohiro über den Weg läuft, stellt dieser ihre Welt vollkommen auf den Kopf, denn als sie eine Zeichnung von ihm findet, bewegt sich diese. Das war keine Einbildung, da ist sie sich sicher, besonders als es wieder passiert. Was aber steckt dann dahinter? Und wer ist Tomohiro wirklich? Hoffentlich nicht dieser üble Typ, den alle in ihm sehen, der seinen besten Freund ins Krankenhaus bringt, seine Freundin betrügt und das andere Mädchen auch noch schwängert … denn so langsam, aber sicher verliebt sich Katie in ihn.

Ihr findet auch, dass es ein bisschen seltsam ist, dass man sich in den Typen verknallt, der ein ziemlicher Idiot zu sein scheint? Da stimme ich euch absolut zu, dennoch ist das genau, was in „Ink“ passiert. Immerhin sieht Katie sofort, dass Tomohiro eigentlich ganz anders ist, erkennt seine wahren Emotionen in seinen Augen, wenn er nicht aufpasst und kann daher nicht anders, als ihn zu stalken – anfangs wollte sie ihn noch zur Rede stellen, aber dieses Ziel verlor sie aus den Augen – und sich nach und nach in ihn zu verlieben. Denn wie soll es auch anders sein: Er ist natürlich kein vollkommener Idiot, zumindest möchte uns das die Autorin weismachen.

Wie man lesen kann, war ich von dem Buch alles andere als begeistert. Es hat durchaus seine positiven Aspekte, diese sind aber nicht besonders zahlreich vertreten. Da wäre zum einen der Fakt, dass es in Japan spielt, was definitiv mal ein anderes Setting ist und zudem den Vorteil hat, dass hier und da japanische Worte ihren Weg in den Text finden. Wer wie ich den Klang der japanischen Sprache liebt, wird mit diesen Stellen seine helle Freude haben und für all die, die bisher weniger Kontakt zu ihr hatten, gibt es im Anschluss ein Glossar. Allerdings ist Japan letzten Endes wirklich nur das Setting – dazu gehört, dass es zum Mittag nun mal ein Bento gibt, man in der Schule Hausschuhe trägt und man an der Schule Kendo lernen kann – ansonsten wird dieses Land, diese Kultur nie so sehr etabliert, dass das Buch nicht auch an jedem anderen Ort hätte angesiedelt sein können.
Und zum anderen gibt es die Idee. Ich bin mit der japanischen Mythologie nicht vertraut genug, um sagen zu können, wie sehr sich die Autorin tatsächlich an dieser orientiert hat. Die meisten Namen und Begriffe kamen mir bekannt vor, aber das muss nichts weiter heißen. Fakt bleibt aber, dass es ein erfrischender Ansatz war, bei dem es leider auch bleibt. Wir erfahren im Laufe des Buches ein wenig mehr darüber, aber viel ist es nicht.

Schuld ist daran, dass sich alles immer nur um Tomohiro dreht – der hängt mit dem übernatürlichen Part der Geschichte natürlich zusammen, dennoch weiß auch er weniger als andere und dem Leser bleibt das Wissen verwehrt.
Auch in anderer Hinsicht ist das ein entscheidender Nachteil von „Ink“, denn wenn ich etwas nicht gutheißen kann, dann dass sich das Leben der Protagonistin plötzlich nur noch um einen Jungen herum anordnet. Dass er nicht der charmanteste Herr ist, habe ich bereits angesprochen. Abgesehen davon hat Katie eigentlich genügend Sachen, die sie beschäftigen könnten: die fremde Kultur, der Verlust ihrer Mutter … und ansatzweise geschieht das auch, das prominente Thema ist und bleibt aber Tomohiro. Es wird sogar so extrem, dass sie sich erst richtig mit ihrer Trauer auseinandersetzt, als Tomohiro es ihr sagt.
Da ist es wenig verwunderlich, dass sie nach kaum der Hälfte der Geschichte schon nicht mehr ohne ihn leben kann und auch von Liebe ist schnell die Rede, während man das Knistern zwischen den beiden vergeblich suchen wird. Umso unverzeihlicher ist es, dass die Autorin später sexuelle Belästigung romantisiert. Schon zu Beginn serviert unser „Held“ seine Freundin eiskalt ab, um sie zu schützen; mal abgesehen davon, dass er damit Entscheidungen über den Kopf seiner Partnerinnen hinweg trifft, er geht dabei entschieden zu weit, als er Katie – ohne ihr Wissen – in ein sogenanntes „love hotel“ (dort kann man sich ein Zimmer mieten, um ungestört Sex haben zu können) führt und auch nachdem sie ihm sagte, dass sie das nicht möchte, hört er zunächst nicht auf, sie zu berühren. Am Ende soll das natürlich eine selbstlose Tat gewesen sein, um Katie zu helfen – Entschuldigung, aber NEIN. Es gibt Grenzen, und Missbrauch und Belästigung jedweder Art, die als legitim und gar erstrebenswert dargestellt werden, überschreiten diese deutlich. Es ist außerdem nicht so, als hätte Tomohiro keine anderen Handlungsoptionen gehabt.

Die Handlung lässt hier wirklich zu wünschen übrig, weil schlichtweg alles Tomohiro als Motivation hat. Es geht nicht um Japan, nicht um ihre Familie, nicht ihr eigenes Wohlergehen – immer nur um ihren „Liebsten“. Das regt mich nicht nur auf, es ist auch noch langweilig, besonders wenn man liebend gern mehr über andere Aspekte des Buches erfahren möchte. Die bleiben dann logischerweise hintenan. Bisweilen ist das Buch auch vorhersehbar. Das betrifft sowohl vergangene Ereignisse als auch das Ende, sodass ich keinerlei Bedürfnis verspüre, diese Reihe weiter zu verfolgen.
Hinzu kommt, dass die weiteren Charaktere eher blass sind und höchstens mal was ausplappern und ein wenig Drama hinzufügen. Das war es dann vorerst aber.

02_Wertung

„Ink“ ist kein vollkommen schlechtes Buch, zumindest der Ort des Geschehens und die Grundidee sind zum Teil interessant. Letzten Endes handelt es sich hierbei aber um keine fantastische Geschichte mit romantischen Elementen, sondern um eine Romanze mit fantastischen Elementen. Dabei überzeugt selbst die Romanze nicht, gerade weil sich alles immer nur um den Herrn dreht, der die Grenzen an einem gewissen Punkt deutlich übersteigt. Das ist nicht nur langweilig, sondern auch inakzeptabel.

Zur Fortsetzung ist bisher nichts weiter bekannt, allerdings soll am 1. Juli die Kurzgeschichte Shadow erscheinen, die das Leben der Protagonisten vor „Ink“ beschreibt.

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6 thoughts on “Rezension | Ink | Amanda Sun

  1. Ich wüsste eigentlich schon gern, ob es mir immer noch gut gefällt, wenn ich das jetzt nochmal lesen würde. Ich glaube ja wirklich nicht. Irgendwie fand ich das echt gut so in dem Moment und ich hab das ja auch wie nichts weggelesen, aber ich verstehe da total deine Kritikpunkte. Normalerweise gefällt mir das auch gar nicht XD

    • Dann lies es fix noch mal und find es doof, damit wir dich wieder liebhaben können! xD (Scherz beiseite – haben wir auch so!)
      Aber vielleicht wirkte es auch einfach nur anders auf dich … wer weiß. Wäre aber echt interessant, wie du das Buch beim zweiten Mal findest. :0

      • wenn doch nur die Zeit wäre für einen Reread! aber da stehen erstmal noch andere Bücher an die nochmal gelesen werden wollen, das muss sich also gedulden XD
        aber ich glaube, da käme nichts gutes bei raus.

  2. Hm, na dann Danke für die Warnung :-) Ich mag es auch nicht, wenn in Büchern Sachen wie sexuelle Belästigung verharmlost werden. Ganz schlimm ist mir das aufgestoßen bei „Night School #1“, wo ein Mädchen arg bedrängt wird, aber statt dem Kerl hinterher die Hölle heiß zu machen, akzeptiert sie eine einfache Entschuldigung. Sorry, aber ne.

    • Dann danke auch an dich für die Warnung! Das Buch hab ich irgendwo auf meinem eReader … zum Glück gab’s das damals kostenlos zum Download. :0

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