Rezension | Dark Triumph: Die Tochter des Verräters | Robin LaFevers

Dark triumph_300

Originaltitel: Dark Triumph
Reihe: His Fair Assassin #2
Genre: YA, historischer Roman, Romantik
Übersetzer: Michaela Link
Verlag: cbj
ISBN: 978-3-570-40179-8
Preis: 14,99€
Erscheinungsdatum: Juni 2013
Format: Paperback

Bretagne, 1489: Sybella ist aus einem ganz bestimmten Grund zu Graf d’Albret geschickt worden: Sie ist seine Tochter und kann ihn als Einzige ausspionieren, ohne sofort aufzufliegen. Einfach ist es deswegen noch lange nicht. Zum einen muss sie mit der Zeit immer neue Risiken eingehen, die sie verraten könnten und Sybella macht sich keine Illusionen darüber, dass ihr Vater sie nicht sofort hinrichten würde, würde er sie erwischen. Zum anderen geht sie selbst an ihrer Vergangenheit, ihrer Kindheit und ihrem Leben mit diesem Mann zugrunde. Zu viele schreckliche Dinge sind geschehen, weitere bahnen sich an. Da erhält sie den Auftrag, einen Gefangenen, einen Anhänger der Herzogin, zu befreien und auf den Weg zu seiner Herrin zu schicken – er könnte nicht nur deren, sondern auch Sybellas Rettung sein.

Ich hatte gehofft, dass „Dark Triumph“ noch ein Stück besser sein würde als „Grave Mercy“, am Ende war es – für mich – aber weder besser noch schlechter; was an sich nicht schlimm ist, immerhin hatte mir Band 1 schon irgendwie gefallen.
Damals hatte ich für einen sehr kurzen Moment gehofft, dass es hier mit de Lornay weitergehen würde, aber wer den ersten Band nicht komplett vergessen hat, weiß ja, dass das nicht funktionieren würde – deswegen: ja, der geheimnisvolle Ritter hier ist die Bestie. Was von Anfang an klar war, weswegen ich nicht verstehe, warum so ein Geheimnis draus gemacht wird.
Sei’s drum, die Autorin hat damit eine ziemlich gute Entscheidung getroffen. Nicht dass de Lornay (oder sonst wer) eine schlechte gewesen wäre, aber wer würde diesen großherzigen Mörderbrummbär nicht sofort ins Herz schließen? (Egal wie oft erwähnt wird, wie hässlich er sei – und es wird sehr oft erwähnt. Manchmal hab ich mich gefragt, warum sie nicht gleich mit Steinen nach ihm schmeißen, meine Güte.)

Und wie sich herausstellt, ist Benabic (so lautet nämlich sein wunderschöner Vorname) genau der Mensch, den Sybella gerade braucht. Wer so einen Vater hat, hat logischerweise keine schöne Kindheit hinter sich und … wie sag ich das jetzt am besten? INCEST FUCKING EVERYWHERE. Mich hat’s ja regelmäßig geschüttelt, was zugegebenermaßen zum Großteil auch an den Personen an sich liegt. (Dagegen wirken die Lannisters harmlos. Wobei … nein. Ich sag nur „Joffrey“.) Bei der Familie wundert einen irgendwann gar nichts mehr und mal Spaß beiseite: Es ist vollkommen verständlich, dass Sybella in die Verzweiflung getrieben wurde und es dauert wirklich nicht lange, bis man mit ihr mitfiebert und hofft, dass sie bald den Klauen ihres Vaters entfliehen kann.
Mit der Zeit wurde es allerdings ein wenig anstrengend, dass sie wirklich alles auf sich bezogen hat –alles ihre schuld, ihr Fehler, muss von ihr wieder gerichtet werden. Was natürlich völliger Humbug ist, nur sieht sie das vorerst ein bisschen anders. Und genau hier kommt zum Glück Benabic mit ins Spiel. Erwähnte ich, dass er sehr großherzig ist? (Nicht dass es etwas gäbe, das er wirklich verzeihen müsste – er muss nur Sybella klarmachen, dass es da nichts zu verzeihen gibt.)
Dagegen war es wunderbar, wie sie das Kloster und die Äbtissin – noch mehr als Ismae – in Frage stellt und letzten Endes eine junge Frau ist, die ihre eigenen Entscheidungen fällt und so auch ihren eigenen Weg findet – und lasst euch gesagt sein, das ist ein ziemlich cooler Weg.

Im Gegensatz zu Band 1 beschäftigt sich „Dark Triumph“ gar nicht so sehr mit Politik. Ismae musste sich noch verbale Duelle liefern, Sybella dagegen ist viel schneller mit ihren Messern. Das Buch beschreibt vielmehr ihren Weg, bei dem zwar die Ziele meist sichtbar sind, nicht aber wo sie langgehen muss, um diese zu erreichen. Das ist über weite Teile spannend und dürfte für viele auch interessanter sein als Band 1 für mich. Hier wird nun mal nicht mit versteckten Bedeutungen um sich geworfen, dafür werden umso mehr Hälse umgedreht – und wohin das führt? Nun, ich war mit dem Ende nicht sonderlich zufrieden, hauptsächlich aber weil es so pathetisch formuliert war. (Meine Kritik am Schreibstil vom letzten Mal bleibt übrigens: Manche Begriffe wirken viel zu modern für das 15. Jahrhundert.)

Eine kleine Erwähnung für die Nebencharaktere ist auch noch drin. Sie kommen zwar insgesamt eher selten vor, und einige davon sind wahre Biester, aber manch einer ist doch sehr wichtig für die Handlung, und dafür hat man sie doch umso mehr lieb. Ich hoffe, ich bin nicht die Einzige, die möchte, dass Sybella und Tephanie einfach heiraten? (Und ja, mir ist durchaus bewusst, dass das niemals geschehen wird.)

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„Dark Triumph“ mag für den einen oder anderen ein bisschen was besser machen als „Grave Mercy“, für mich hält das Buch das Level, auch wenn es sich durchaus vom ersten Band unterscheidet. Wer damals auf ein bisschen mehr Blut gehofft hatte, sollte dringend zur Fortsetzung greifen!

Bisherige Rezensionen zur Reihe: Grave Mercy: Die Novizin des Todes

Die englischen Cover gleichen – bis auf kleine Details – dem Deutschen, also gibt’s mal wieder keine Coverschau. Wer das Ganze im Original lesen möchte, kann sich zwischen dem amerikanischen Hardcover und dem britischen Paperback entscheiden.
Band 3 wird übrigens nicht „Dark Hope“ heißen, sondern Mortal Heart und erscheint 2014.

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5 thoughts on “Rezension | Dark Triumph: Die Tochter des Verräters | Robin LaFevers

  1. Das hört sich echt gut an! Ich bin nämlich beim lesen von “Grave Mercy” fast eingeschlafen. Kein Blut, keine Morde und das sollte eine Assassine sein? oO Eigentlich hatte ich mir geschworen die Fortsetzung nicht anzuschauen. Nun hatte ich von Lisa gehört, es wäre deutlich blutiger und interessanter. Aus deiner Rezension kann ich dasselbe rauslesen. Hach, da werde ich dann wohl doch schwach :)

    Danke dir für deinen Eindruck!

    • Ich kann allerdings nichts behaupten, dass ich diese Meinung nachvollziehen kann … xD Für mich waren sie nämlich nicht nur Assassine, sondern auch Spione und die können schlecht jeder zweiten Person einen Dolch ins Herz rammen. (Oder sie sonstwie erledigen – fällt irgendwann eben auf. xD)

      Aber ja, „Dark Triumph“ dürfte dann mehr nach deinem Geschmack sein. :D Mal sehen aber, wie es bei Band 3 dann wird … Annith scheint mir keine zweite Sybella zu sein.

      • Naja, naja. Also unter Assassinen stelle ich mir solche vor, wie bei Assassin’s Creed zum Beispiel. Still und heimlich meucheln. Spione sind ja etwas anderes, die töten nicht zwangsläufig. Und Ismae stand ja nur in ihrem Kleidchen rum und hat höfische Intrigen beobachtet (und ist auch noch voll draufrein gefallen). Wenn auf einem Buch Assassine draufsteht, dann sollten auch welche drin sein :) Wär es vom Klapptext her eine Teenieromanze in höfischer Umgebung gewesen, hätte ich ganz andere Erwartungen gehabt.

        Aber Band 2 hört sich wirklich mehr danach an. Annith, wer war das nochmal?^^

      • Unter Assassinen schon, aber ich fand es von Anfang an klar, dass man – gerade die intrigante Äbtissin – die Mädchen nicht nur als solche verwenden würde, sondern auch als Spione. Ich fand das Beobachten der Intrigen aber auch spannend bzw. mag ich sowas generell, vor allem wenn nicht klar, wem man nun trauen kann oder nicht. (Okay, bei Dingsbums WAR es klar. xD Perfekt fand ich das Buch ja auch nicht. :D)

        Das war die dritte Freundin im Kloster, die sich als Erste Ismaes angenommen hatte (glaube ich) und eigentlich auch raus will, aber die ganzen Jahre über immer im Kloster bleiben müsste. War, glaube ich, geschickt mit Giften … aber da bin ich mir gerade nicht mehr so sicher.

  2. Pingback: Juni 2013 | Muh, das Telefonbuch

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