Rezension | Silber: Das erste Buch der Träume | Kerstin Gier

Silber

Reihe: Silber #1
Genre: Jugendbuch, Romantik, Paranormal Fantasy
Verlag: Fischer Jugendbuch
ISBN: 978-3-8414-2105-0
Preis: 18,99€
Erscheinungsdatum: Juni 2013
Format: Hardcover

Liv und Mia Silber haben sich gefreut – nach Jahren des Umherziehens sollen sie nun endlich einen festen Wohnsitz erhalten. Ein hübsches Cottage in England, aus dem sie nicht wieder nach zwei Jahren ausziehen … tja, wäre da mal nicht Mr. Planänderung, in den sich ihre Mutter verliebt hat. So landen die Schwestern und ihr bayerisches Kindermädchen Lottie in London und an einer Privatschule – samt Mitschülern mit Namen à la Persephone Porter-Peregrin und des Fleisch gewordenen Rasierspaß-Kens ohne Manieren. Damit aber nicht genug: Liv hat schon immer etwas außergewöhnlich geträumt, jetzt aber nimmt das Ganze neue Dimensionen an. Sie begegnet ihrem künftigen Stiefbruder und seine Freunden (zu denen aus Rasierspaß-Ken gehört) im Traum – und die Jungs wissen davon, ja, wollen das sogar. Da steckt eindeutig ein Geheimnis dahinter, und wenn Liv etwas liebt, dann ist es das Lüften eben solcher!

Wenn ich zu einem (Jugend-)Buch von Kerstin Gier greife, dann möchte ich vor allem eines: Lachen. Klar, die Geschichte sollte wenigstens ein bisschen spannend sein, aber solange ich mich gut unterhalten fühle, sind mir die Details relativ egal.

Daher: „Silber“ ist keineswegs ein perfektes Buch. Die Charaktere glänzen nicht unbedingt mit Tiefe, und gerade zwei von ihnen gingen mir besonders auf den Senkel: Florence, die Livs künftige Stiefschwester und bildhübsch ist, deswegen aber vermutlich auch eine dumme Pute sein muss. Und Jasper Grant alias Rasierspaß-Ken, der ganz nebenbei einer der größten Vollidioten ist, die die Buchwelt je besiedelt haben. Das Gute daran ist, dass Liv durchaus sieht, was für ein Blödmann er ist. Das Schlechte daran? Sie sagt es ihm nie ins Gesicht. Also wenn der nicht irgendwann eine gepfeffert kriegt, bin ich wirklich enttäuscht. Abgesehen davon war mir Livs Schwarm relativ egal – das einzig Positive, das ich über ihn sagen kann, ist, dass er nicht so ein Ekel ist wie Gideon. Das ist doch schon mal was.

Abgesehen davon hat das Buch seine kitschigen Stellen, die mich allerdings nicht wirklich gestört haben – Kitsch gehört bei Kerstin Gier irgendwie dazu und Liv merkt selber, was für einen Stuss sie da manchmal quasselt. Und da es nie zu viel des Guten wird … was soll’s?
Wovon es mehr hätte geben können, ist Spannung. Die macht sich gerade am Anfang ein wenig rar (was nicht heißt, dass es langweilig wäre), und daran ändern auch die eingestreuten Blogeinträge à la Gossip Girl nichts. Die hätte man meinetwegen auch weglassen kann, es ist nämlich viel interessanter, was hinter der Traumsache steckt, statt wer die Tratschobertante der Schule ist. So lässt sich der rote Faden nicht wirklich erkennen – was man aus den anderen Büchern aber nicht anders kennt. Die Eskalation kam dann fast ein bisschen plötzlich, aber das hat mich wirklich nur minimal gestört.

Denn: Neben all dem gab es nun mal viel zu lachen, und das ist es ja, was ich wollte. Zwar hat mir die Rücksichtslosigkeit der Eltern (und die ungewollte Grausamkeit der Mutter) beinahe körperliche Schmerzen bereitet, aber mit vielen anderen der Charaktere kann man jede Menge Spaß haben. Liv ist eine coole Protagonistin mit netten Sprüchen, auch wenn sie sie nicht immer dann loslässt, wenn ich es mir wünsche. Trotzdem: Mit ihr ein Abenteuer zu erleben, macht Spaß, und selbst wenn sie mal kurz ins Kitschland reist, gibt es immer noch ihre kleine Schwester Mia. Die ist selbsternannte Detektivin und hält nicht viel von diesem Liebeskram; wenn sie mich liebreizend lächelnd mit unverschämten Fragen bombardieren würde, würde sie mir vermutlich auf die Nerven gehen, aber so als Zuschauer kann einem eigentlich kein besserer Charakter begegnen. Nicht zu vergessen Lottie und ganz besonders Grayson, der sehr schnell Großer-Bruder-Qualitäten zeigt, was gerade mich – als älteres Geschwisterkind mit ewig unerfülltem Wunsch nach einem großen Bruder – sofort ins Schwärmen gebracht hat. Gerade auf ihn und Mia freue ich mich im nächsten Band – manchmal gibt es eben doch nichts Besseres als Geschwister.

Und wie gesagt, am Ende wird es sogar spannend, mal abgesehen davon, dass die ganze Traumsache an sich einfach wahnsinnig cool ist. Mit der Auflösung hatte ich so auch nicht gerechnet, auch wenn „Auflösung“ vielleicht ein zu großes Wort ist. Das Geheimnis ist fast sofort offensichtlich, aber was steckt noch dahinter? Warum kann Liv in den Träumen wandeln, wie gelingt es den anderen? Und warum nur sie? Hat das wirklich mit einem Dämon zu tun? Oder was? Und wie? Und hä?? Es bleiben da einige essentielle Dinge ungeklärt, aber auch das ist man von der Edelstein-Trilogie gewöhnt. Spätestens im letzten Band wird sich wohl alles aufklären, aber bis dahin … einfach Spaß haben und gut ist.

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Allzu viel sollte man nicht erwarten – die Spannung lässt sich recht spät blicken, der rote Faden nicht wirklich und besonders originell mögen die Figuren auch nicht sein. Aber wer nach locker-flockiger Unterhaltung sucht, ist bei Kerstin Gier mal wieder genau richtig. „Silber“ ist nicht nur schnell gelesen, sondern macht auch richtig Spaß, vielen sympathischen Charakteren sei Dank. Außerdem sorgen viele ungeklärte Fragen dafür, dass der nächste Band eigentlich nicht schnell genug erscheinen kann, aber da wird man sich wohl trotzdem noch etwas gedulden müssen.

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6 thoughts on “Rezension | Silber: Das erste Buch der Träume | Kerstin Gier

  1. Gestern stand ich im Buchladen noch rätselnd davor und hab’s dann aber dagelassen, weil es einfach nicht in meinen Finanzplan passt. :<
    Jetzt bin ich aber ganz froh darum, denn obwohl du dem Buch vier Sterne gegeben hast und Träume immer gut sind, habe ich das Gefühl, dass es mir nicht gefallen würde. Vielleicht les ich es ja irgendwann doch, aber ich kann mir gut vorstellen, dass ich dabei andauernd genervt aufseufze. :D

  2. Klingt für mich zwar jetzt nicht nach „wow! Muss ich haben!“ aber es hört sich so an, als würde es bei mir den gleichen Eindruck hinterlassen wie Rubinrot. Also vielleicht irgendwann mal lesen, wenn ich denn dann mal die Edelstein Trilogie beendet hab :D

    • Denke ich auch – auch wenn ich grad nicht im Kopf hab, wie du Rubinrot fandest. xD Aber vom Grundtenor sind die Bücher ja auch ähnlich, vor allem was den Humor angeht. Gibt viel davon und alles andere läuft so nebenher. xD

Und ihr so?

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