Montagsfrage | Hast du schon mal versuchst ein Buch zu schreiben?

montagsfrage

Eine wöchentliche Aktion von Paperthin.

Ich hab eine Weile mal Geschichten geschrieben, oder mich zumindest daran versucht.
Die frühesten „Werke“ entstanden in der 5./6. Klasse und lassen sich an einer Hand abzählen: Da war die eine Geschichte für den Geschichtsunterricht, in der wir den Aufbau einer Burg beschreiben sollten. Ich hab’s gemacht, indem ich einen burgfremden Narren da durchgeschickt habe. Dummerweise erfuhr er von einer Verschwörung gegen seinen eigenen Herrn und wurde dabei erwischt, wie er diese Information an seinen Herrn weitergeben will, weswegen die Geschichte mit ihm am Galgen endet. Die zweite (noch viel, viel kürzere Geschichte) war erneut für den Geschichtsunterricht gedacht und ist im Grunde der Tagebucheintrag einer jüdischen Arzthelferin zur Zeiten der Pest, die beschreibt, wie ein christlicher Patient sie verprügelte, als er sie allein antraf, aber nicht von ihr behandelt werden wollte. Sie wurde infiziert und beendet den Eintrag mit der Vorhersage, dass sie bald sterben wird, weil wohl auch der christliche Arzt, für den sie arbeitet, sie nicht behandeln wollen wird. Anybody sensing a pattern here?
Die anderen zwei Sachen waren Gedichte für den Deutschunterricht; also eines davon, das andere hab ich so geschrieben und stolz meiner Deutschlehrerin gezeigt – es ging um Trauer. Das andere wurde damals sogar im Jahrbuch abgedruckt und beschreibt einen Familienurlaub. Noch Jahre danach möchte ich zwei Zeilen austauschen, aber … zu spät.

Die nächste Phase begann mit 14 oder so, als ich eine Geschichte über Gestaltwandler begann – übrigens die einzige meiner Geschichten, die ich auch beendet habe. War weder lang noch gut, und ich hab sogar den Titel vergessen, auch wenn ich noch weiß, dass einer ein Bär war, es teilweise dort spielte, wo ich damals gelebt habe und ich, glaube ich, die Eltern habe sterben lassen.
Alles andere waren meist fixe Ideen, die mal mehr oder weniger lang verfolgt wurden, bis die nächste Idee angetänzelt kam. So richtig im Gedächtnis blieben mir nur ein paar.
„Slavery“ war ein bisschen mein Herzstück, mit dem ich auch vergleichsweise weit kam und welches ich komplett umgeschrieben habe, als ich nicht weiterkam … bis ich wieder nicht weiterkam. Mein Problem ist eigentlich, dass ich zwar Ideen, aber keinen Plot habe. Jedenfalls ging es hier – grob gesagt – um Vampire, und zwar welche der mordenden Sorte, aber auch mit Tiervampiren, weswegen es an einer Stelle auch ein Vampirlamm und einen Vampirregenwurm geben sollte. Aus Gründen. Im Zentrum stand aber die Protagonistin, die dummerweise vom größten Arschloch auf Erden verwandelt wurde, den einige Leser irgendwie sexy fanden, obwohl er wirklich nur ein sadistischen Arschloch war. Nennen wir es das Edward-Cullen-Syndrom. Eine Romanze war jedenfalls nirgendwo eingeplant.
Geschichte Nummer 2 hieß „Breakable“ und wurde im Rahmen eines Schreibwettbewerbs von Heyne begonnen (und hatte sogar einen Plot). Es ging um Namuh, Wesen, die in einer parallelen Welt zur Erde, einer Unterwasserwelt leben, deren Leben aber stark mit dem Schicksal der Menschen verknüpft ist – weswegen das alles dezent unterging, Umweltverschmutzung sei Dank. Long story short: Eine Gruppe sollte in die Welt der Menschen (was geht, weil Magie), weil eine Prophezeiung eine mögliche Lösung versprochen hatte und am Ende sollten die Menschen tot und die Namuh glücklich sein. Kommt aber anders, blablabla, Protagonist verliebt sich in einen Menschen (ja, ich schäme mich) und am Ende sind alle tot. (Schon wieder.)
Eines meiner Lieblingsprojekte war aber „Arbitrary“, das genau das war, was der Titel verspricht. Das Prinzip war einfach: Die Leser schreiben, was sie lesen wollen (jedes Mal wer anders) und ich schreibe den entsprechenden Part. Ein anderer Leser sagt, wie’s weitergehen soll, ich setze das um – wobei es am Ende immer noch meine Sache war, wie ich manche Angaben interpretiere. Wenn ein Leser schreibt, X solle Y küssen (was nie geschah), hätte das dann passieren können, als X gerade ein Messer in Ys Brust rammt. Zum Beispiel.
Last but not least: Tiffany. Keine Geschichte, sondern ein Charakter einer Geschichte, die nie sehr weit kam, aber irgendwie mochte ich die Dame. Sie ist extrem verbittert (manipulativem Bruder und einem ignoranten Umfeld sei Dank) und als ihr die Möglichkeit gegeben wird, andere Menschen ihrem Willen zu unterwerfen, nimmt sie an, und nutzt diese Fähigkeit schamlos aus. Sie ist wahnsinnig rachsüchtig und es wär sicherlich spannend gewesen zu gucken, wie weit sie es treiben würde, ehe sie zur Besinnung kommt. Und was sie sich ausdenken würde, um ihrem Bruder eins auszuwischen. Und überhaupt.

Oh, es gab auch mal eine Kurzgeschichte aus Sicht einer Kannibalin. Kam irgendwie gut an, auch wenn sie furchtbar geschrieben war. (Lustigerweise hab ich vor einer Weile ein paar Sachen wiedergefunden und gelesen und … puh. Ein paar gute Stellen sind zwar hier und da dabei, das meiste ist aber wirklich nicht gut gewesen. xD)

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9 thoughts on “Montagsfrage | Hast du schon mal versuchst ein Buch zu schreiben?

  1. Das war super! Deine Ideen waren voll toll und ich hab mich gerade wirklich weggeschmissen vor Lachen. Der Vampirregenwurm xD ! Da können meine kunterbunten sprechenden Wölfe ja mal nicht mithalten. Aber Handlung hatten meine Buchprojekte auch nie, weil ich immer einfach mal drauflosgeschrieben habe, und mir dachte, dass das noch irgendwann kommt … ähm … nicht so ganz. Aber so ganz aufgegeben habe ich die noch nicht alle. Dafür hänge ich viel zu sehr an so manchen Charakteren. In Mondi klammere ich mich zu sehr an meinen Drazan, der einfach sooo toll böse ist (zumindest oberflächlich) und was Tiffany für dich ist ist Síne für mich (und ich glaube, die beiden hätte man nicht aufeinander loslassen dürfen. Wenn die sich verbündet hätten, na dann herzlichen Glückwunsch).

    • Es kommt sogar noch schlimmer: Die Tiervampire sollten auch Menschen in Vampire verwandeln können und generell wurden beim Biss Eigenschaften mit „vererbt“. (War zumindest der Plan für die 3. Überarbeitung, die es nie gab.) Die Eigenschaften wären stärker vertreten, wenn der Mensch dadurch auch verwandelt wurde, schwächer, wenn der/die Gebissene bereits Vampir ist. Deswegen sollte es auch ein Mädchen geben, das von einem Vampiraxolotl verwandelt wurde & daher einzelne Körperteile regenerieren konnte, nur dummerweise hatte ihr Verstand dabei Schaden genommen. Ein anderer Charakter wäre nach der Verwandlung von einer Eidechse gebissen worden, die selbst kleine Mengen Wasser über ihre Schuppen zum Mund weiterleiten kann – der Typ hätte dann in einer Pfütze Blutstehen und es trinken können. Klang damals wesentlich cooler als jetzt gerade. xD
      Kunterbunte sprechende Wölfe haben aber defintiv auch ihren Reiz. *-* Wölfe generell, aber wenn die Tierchen auch noch sprechen können, klingt das doch nach einer idealen Welt für mich!
      Ha, genau das dachte ich mir auch immer – jedes verdammte Mal und wenn nicht meine Faulheit das Projekt gekillt hat, dann diese Planlosigkeit. xD
      Ganz losgelassen hab ich es zugegebenermaßen auch nicht, manchmal krieg ich sogar wieder Lust zu schreiben, was in der Regel Tiffany und Slaverys Grundideen enthält. :‘) Und wer weiß, vielleicht wird es eines Tages doch was … meine Mutter meint immer wieder, ich solle doch endlich mal einen Bestseller schreiben. xD
      Tehehehe, klingt, als es wäre gerade das eine wunderbare Idee. Let’s watch the world burn. <3

      • Haha, das ist echt eine super verrückte Idee! Aber wirklich interessant und definitiv was neues.

        Naja, also ich hab den Fehler gemacht und meine Freundinnen gefragt, welche Farbe sie gerne für ‚ihre‘ Wölfe hätten. Der eine war dann glaub ich gelb oder rosa. Bin mir grad nicht mehr sicher. Die anderen beiden waren etwas gediegener. Dann gab es noch eine weiße weise Löwin die aber Sprichwörter immer durcheinander gebracht hat und meine Schwester wollte immer ein fliegendes Schweinchen.

    • Mit Hinweis darauf, dass es auch böse enden darf? xD Aber unbedingt merken! Gibt zwar (wie immer …) Schüler, die da murren, aber ich fand solche Aufgaben immer ganz cool, wenn man nicht gleich einen Roman verfassen sollte und außerdem freie Wahl in der Umsetzung hatte.

      • Klar darf es böse enden. Und letztendlich hat dann ja jeder Schüler selber in der Hand, wie ausführlich und fiktiv er so einen Rundgang gestaltet. :)
        Hach, ich möchte so gerne JETZT SOFORT das Thema Mittelalter unterrichten. Verdammte Ferien ;)

      • xD Zur Not den Stoff schon mal vorbereiten? Dann kann es am allerersten Tag gleich richtig losgehen – die Ferien sind schließlich vorbei. x)

  2. ui spannende antwort, klingt irgendwie richtig nach vielen tollen ansätzen.. das mit den umschreiben kenn ich. manchmal verfährt man sich derart in einer sackgasse, dass man nicht heraus kommt… und rückwärts muss… nur um eine neue zu finden… aber hey du bist immerhin viel weiter als ich gekommen…

    • Wenn’s nur mal mehr als Ansätze wären. :‘) Sicher? Sehr weit bin ich nämlich nie gekommen, selbst die abgeschlossene Geschichte war recht kurz, auch wenn ich gerade keine Seitenzahl im Kopf habe. Wenn der Computer mehrmals den Geist aufgibt, geht immer einiges verloren. :(

Und ihr so?

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