Rezension | The Pirate’s Wish | Cassandra Rose Clarke

The Pirate's Wish

Reihe: The Assassin’s Curse #2
Genre: YA, Fantasy
Verlag: Strange Chemistry
ISBN: 978-1-908-84428-6
Preis: $9.99
Erscheinungsdatum: Juni 2013
Format: Paperback

Ananna und Naji sind weit gekommen, doch der Fluch, der sie aneinander bindet, ist nicht gebrochen. Tatsächlich scheint dieses Ziel ferner denn je zu sein, denn bevor es dazu kommen kann, muss Naji drei Aufgaben erfüllen, die ihm unmöglich erscheinen – denn dazu gehört, dass jemand ihn liebt. Ananna weiß, dass dies das geringste seiner Probleme ist, immerhin gibt es eine solche Person bereits: sie selbst. Trotzdem müssen die beiden erst einmal von der Insel runter, was sich ohne Schiff schwierig gestaltet. Hilfe könnte bald kommen, aber die Wesen auf der Insel, die ihnen das Leben nehmen wollen, mehren sich – sollten sie das überleben, wird es erst richtig gefährlich.

Es gibt so einige Aspekte, die für „The Pirate’s Wish“ sprechen. Im Grunde könnte ich die ersten zwei Paragraphen meiner Rezension von „The Assassin’s Curse“ hier reinkopieren, denn Ananna hat ihr loses Mundwerk nicht verloren und das spiegelt sich genauso wunderbar im Text wieder wie noch im ersten Band. Gleiches gilt für die junge Frau selbst: Auch wenn ich ihr manchmal einen Schlag auf ihren unsäglichen Starrkopf verpassen wollte, sie ist ein Tunichtgut mit Herz, der das, was zu tun ist, letztlich auch macht. Nehmen wir die erste Ausgangssituation: Ananna liebt Naji, macht sich aber keine Hoffnungen, dass er das erwidert. Statt – wie von manch einem vielleicht befürchtet – im Selbstmitleid zu baden, sorgt sie einfach dafür, dass eine der drei Aufgaben erfüllt wird. Ein bisschen Selbstmitleid mag trotzdem vorkommen, aber solange es die Geschichte nicht komplett ausbremst, sei ihr das erlaubt.

Diesmal kommt auch Naji nicht ganz so blass daher, auch wenn der gute Herr einfach nicht an Ananna heranreicht. (Das hat nichts mit deinen Narben zu tun, Naji, sondern einfach mit ihrer Coolness, sorry.) Noch viel toller ist aber ein weiterer Charakter, auf den die zwei Protagonisten gleich zu Beginn treffen. Lasst mich sie kurz umschreiben: Sie hat einen furchtbar komplizierten Namen, frisst gerne bestimmte Menschen und meint, sie ist höflich, wenn sie zulässt, dass Menschen ihr dienen. Auf ihre mörderische Art und Weise ist sie furchtbar sympathisch und mit ihrer förmlichen Ausdrucksweise konnte sie mein Herz im Sturm erobern.
Abgesehen davon gibt es nicht nur bei den Charakteren, sondern auch beim fantastischen Aspekt der Geschichte ein paar Erweiterungen, die allesamt ungemein faszinierend und glatt ihr eigenes Buch wert sind.

Ich weiß, es geht kaum, aber es geht noch viel cooler. Denn der Umgang des Buches mit dem Thema Sexualität ist klasse und in YA-Büchern eindeutig viel zu selten so vorzufinden. Kein Slutshaming, sondern die Befürwortung des Erkundens und Experimentierens – Masturbation wird direkt angesprochen, wie oft kommt das in „normalen“ Romanen vor? Auch ein lesbischer Charakter ist vorhanden, ohne dass ihre Sexualität der Dreh- und Angelpunkt ihrer Storyline wäre. In dem Sinne: Danke, Cassandra, danke! Kannst du bitte Workshops veranstalten, damit der erschreckend hohe Anteil der Autoren, die in ihren veralteten Denkmustern feststecken, genauso schreiben lernen wie du?

Last but not least: Das Buch hat mich einfach auf einer ganz persönlichen Ebene erfreut, weil Dinge geschahen, die ich mir wirklich erhofft hatte. Abgesehen davon gibt es kein Karies verursachendes Ende, was ich auch nicht erwartet habe, aber diese leise Gefahr ist ja immer da. Deswegen: Nein, Cassandra Rose Clarke ist eine gute Autorin und hat für ihre Geschichte ein entsprechendes Ende gefunden.

Trotzdem ist nicht alles Gold, was glänzt, denn insgesamt muss ich sagen, dass mir das Buch gefiel, aber eben nicht ganz so sehr wie der erste Band. Manche Szenen endeten ein wenig abrupt und gerade die Vorgänge am Ende des Buches wollten sich nicht unbedingt harmonisch in das Gesamtbild einfügen. Besser kann ich es euch nicht erklären, denn im Grunde haben mir die Ideen dort sehr gut gefallen – es wurde nur nicht nahtlos mit dem Rest der Geschichte verknüpft.

Mein größtes Problem war aber Najis und Anannas Miteinander. Dass solche Starrköpfe, von denen einer quasi kein Selbstwertgefühl hat, nicht sofort ihre Herzen ausschütten, ist mir klar. Es wäre auch ein bisschen zu einfach gewesen, hätten sie sofort Klartext miteinander geredet. Auf Dauer wurde das ganze Liebesdrama aber doch zu anstrengend; das Ende vom Lied: Die Spannung geht ein bisschen verloren. Es ist besonders schade, wenn ich mir ansehe, wie toll das Buch an anderer Stelle ist, aber zu spät ist zu spät. Und zum Glück kann man das Buch trotz allem noch sehr gut genießen.

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Wer sich schon vom ersten Band verzaubern ließ und den zweiten Band noch immer nicht kennt, sollte sich so langsam mal ranwagen, was übrigens auch für die gilt, die bisher noch bei der Reihe am Überlegen waren. Cassandra Rose Clarke kann vieles, was einige andere Autoren vermissen lassen und schafft nebenbei Charaktere, denen man gerne durch diese gefährliche Welt voller Flüche und Menschenfresser folgt. Weder „The Assassin’s Curse“ noch „The Pirate’s Wish“ mögen perfekt sein, eine interessante Lesezeit wird es aber trotzdem.

Bisherige Rezensionen zur Reihe: The Assassin’s Curse

„The Witch’s Betrayal“ und „The Automaton’s Treasure“ sind Kurzgeschichten, die zeitlich vor „The Assassin’s Curse“ einzuordnen sind. Mit diesen vier Titel ist diese Geschichte vorerst auch abgeschlossen, allerdings soll es weitere Romane geben, die in derselben Welt spielen.

Witch's BetrayalAutomaton's Treasure

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