Rezension | Drowning: Tödliches Element | Rachel Ward

Drowning

Originaltitel: The Drowning
Reihe: Drowning #1
Genre: YA, Fantasy, Thriller
Übersetzer: Uwe-Michael Gutzschhahn
Verlag: Chicken House
ISBN: 978-3-551-52052-4
Preis: 14,99€
Erscheinungsdatum: 22.11.2013
Format: Paperback

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an Chicken House.

Als Carl zu sich kommt, sieht er ein Gesicht neben sich – sein Gesicht, das Gesicht seines Bruder, bleich und schlammverschmiert. Tot. Was geschehen ist und wer das schreiende Mädchen im Krankenwagen ist, weiß er nicht mehr, und auch ansonsten sind seine Erinnerungen wie ausgelöscht. Die Frau, die ihn vom Krankenhaus abholt, kennt er nicht, auch wenn es heißt, dass es seine Mutter sei. Doch mit jedem Tag kehren mehr und mehr Fragmente zurück – Schreie seiner Mutter, Bilder von seinem Bruder, wie er Löcher in die Wand schlägt. Was ist am See wirklich geschehen? War es ein Unfall, wie in der Presse behauptet, oder doch mehr? Carl zumindest sieht seinen Bruder noch. Riecht das verdreckte Wasser. Hört ein Flüstern …

„Drowning: Tödliches Element“ startet damit, dass Carl Adams seinen toten Bruder neben sich entdeckt. An sich ein guter Start und auch die weiteren Ereignisse sind soweit erst mal spannend. Ich habe mir nicht von Anfang an die Frage gestellt, ob Carl vielleicht etwas mit dem Tod seines Bruders zu tun hat, aber je mehr über die Familie und auch die Brüder enthüllt wird, desto komplizierter wird die Situation. Hat Carl doch etwas damit zu tun? Und sollte an diesem Tag nur Rob sterben?
Allerdings ist ab einem gewissen Punkt relativ klar, was geschehen ist und ab da wurde es langweilig. Von Rob wurde ein deutliches Bild gezeichnet, sodass eine andere Lösung gar keinen Sinn machen würden. Zwar versucht die Autorin mit der einen oder anderen kleinen Wendung noch mal, ein wenig Spannung zu erzeugen, aber diese Versuche sind vergeblich. Und warum sollte man mit jemandem mitfiebern, den man nicht einmal mag?

Das ist ein großes Problem, das das ganze Buch betrifft: Die Charaktere waren mir vollkommen egal. Als die Erzählung startet, ist Carl den Umständen entsprechend recht gefühllos, aber als sich das langsam ändert, konnte die Figur dahinter mich nicht überzeugen. Wir treffen mit Carl jemanden, der sicherlich nicht aus dem besten Elternhaus kommt. Ein gewalttätiger Bruder und eine hilflose Mutter hinterlassen ihre Spuren und da werfe ich ihm nicht mal vor, dass er in vielem mit seinem Bruder mitgezogen ist. Teilweise wird gezeigt, wie sehr er vergangene Taten bereut, allerdings wird man nicht viel mehr über ihn in Erfahrung bringen. Abgesehen davon, dass er in jemanden verliebt ist – ohne Romanze geht es schließlich nicht und wenn nicht irgendwann auch von richtiger Liebe die Rede ist, dann ist es vermutlich auch keine richtige Romanze. Dummerweise bedeutet das viele Szenen mit einem Mädchen, dem ich einfach nicht trauen konnte. Wer es lustig findet, mal eben in eine Schule einzubrechen und rumzukokeln, wird bei mir nicht sonderlich hoch angesehen.

Ich fühlte mich auch ein wenig ausgetrickst. In der Inhaltsangabe des Buches heißt es noch, dass die Brüder sich nahe standen, doch merkt man das im Buch? Ja, in einer Szene ganz am Ende, die mir tatsächlich auch nahe ging. Bis dahin ist Rob der Böse, Carl der arme kleine Bruder; von einer innigen Beziehung kann man da nicht gerade reden, dabei war gerade das der Aspekt, der mich am meisten interessiert hat, gefolgt von der Beziehung zwischen Carl und seiner Mutter nach dem Verlust der beiden, und das wird zumindest im Ansatz behandelt. Letztlich sind diese Szenen auch der Grund, warum es mehr als einen Stern gibt.

Dank der Charaktere und all der Dinge, die nicht vorkamen, fiel es mir immer schwerer, mich überhaupt noch für die Geschichte zu interessieren – um genau zu sein: Am Ende war mir im Grunde egal, was wirklich passiert ist oder noch passieren wird, es spielte einfach keine Rolle. Dabei hätte „Drowning: Tödliches Element“ richtig gut werden können. Manch einem könnte auch die Atmosphäre gefallen, denn so ein Erlebnis geht natürlich nicht spurlos an Carl vorbei. Wasser macht ihm Angst, versetzt ihn zurück unter Wasser; die Folge sind Halluzinationen, oder vielleicht doch mehr als das? Ist der Wasserfleck an der Decke real und ist es vielleicht Zufall, dass in letzter Zeit immer wieder der Wasserhahn tropft? Es ist einige Zeit lang nicht klar, ob Carl langsam den Verstand verliert, oder ob sein Bruder doch noch nicht ganz „fort“ ist. Wer nach leichtem Grusel Ausschau hält, kann zumindest in dieser Hinsicht hier fündig werden.

Das reicht jedoch nicht aus, um die Geschichte an sich spannender zu machen, zumal der Schreibstil nicht jedermanns Sache sein wird. Über weite Strecken gibt es da kein Problem, immerhin kann man von Carl auch keine Texte à la Goethe erwarten. Ab und an war es aber zu abgehackt. Drei kurze Sätze direkt hintereinander, ohne dass etwas näher betont wird oder werden soll; das stört den Lesefluss ungemein, mindert die Lesefreude aber nicht signifikant – die war bei mir ohnehin kaum noch vorhanden.

02_Wertung

„Drowning: Tödliches Element“ kann bei einigen sicherlich atmosphärisch punkten, die Geschichte selbst gibt aber wenig her. Schuld daran haben die blassen Charaktere, mit denen zumindest ich nichts anfangen konnte; aber auch der abgehackte Schreibstil hilft nicht unbedingt, das Buch ein wenig interessanter zu gestalten.

Wenn ich mich recht entsinne, ist eine Fortsetzung des Buches bereits geplant und verfilmen will man das Ganze auch noch. Ersteres erscheint mir sinnlos, da ich keinen Punkt sehe, an den man spannend anknüpfen kann, Letzteres dürfte aber interessant werden, da ein Film die ganze Atmosphäre noch mal anders rüberbringen kann. Wenn es richtig gemacht wird, könnte das ein schön gruseliger Film werden.

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