Rezension | Beautiful Disaster | Jamie McGuire

Beautiful Disaster Diese Rezension ist lang und voller Spoiler. Wer das Buch noch nicht kennt, sollte allerdings auch mal reinlesen, damit ihr wenigstens davor gewarnt seid, wie schlecht dieses Buch ist.

Reihe: Beautiful Disaster #1
Genre: Bücher, die nie hätten veröffentlicht werden sollen
Verlag: Simon & Schuster
ISBN: 978-1-471-11503-5
Preis: £7.99
Erscheinungsdatum: August 2012
Format: Paperback

Vielen Dank für die Leihgabe an Captain Cow!

Um ihrer Vergangenheit entfliehen zu können, besucht Abby mit ihrer Freundin America ein College, das möglichst weit von zu Hause entfernt liegt. Dort läuft auch alles ganz gut, bis sie auf den Cousin von Americas Freund trifft: Travis. Was im Buch theoretisch folgen soll, ist die Entwicklung hin zur Freundschaft und dann zur Liebe. Was wir tatsächlich geboten bekommen, ist die Romantisierung einer ungesunden Beziehung, Slutshaming galore und generell ein Riesenhaufen Mist.

Normalerweise halte ich die Inhaltsangabe wertfrei und erläutere danach, was am Inhalt tatsächlich funktioniert oder eben auch nicht – allerdings ist „Beautiful Disaster“ das wirklich nicht wert, zumal ich niemanden mit einer lückenhaften Inhaltsangabe in die Irre führen möchte. Das, was da steht, ist zu kurz, um nicht lückenhaft zu sein? Nun, die Details fehlen, aber das Wichtigste ist gesagt – der Rest folgt jetzt und seid gewarnt: Das hier wird ein Weilchen dauern.

Bei diesem Buch soll es sich angeblich um eine Romanze handeln und allein dafür gehören die Publizisten – und allen voran die Autorin – verklagt. Wer kennt das denn nicht, wenn ein Klappentext bereits die Hälfte des Buches verrät oder was ganz anderes verspricht – das ist ärgerlich. In diesem Fall ist es schon beinahe gefährlich und die unkritische Darstellung von Abbys und Travis‘ Beziehung ist nichts, was irgendjemandem empfohlen werden sollte. Mal abgesehen davon, dass das Buch generell kein Meisterwerk ist (mehr dazu später), vieles, was hier vermittelt wird, ist schlichtweg falsch.

Es dauert wirklich keine zehn Seiten, bis schon das erste Problem auftaucht: Slutshaming. Travis hat seinen ersten Auftritt, an seiner Seite eine junge Frau namens Lex, die deutlich an ihm interessiert ist. Sie sitzt auf seinem Schoß und gerät in einen streit mit America – den America gestartet hat; trotzdem meint Travis, sie für ihr Verhalten America gegenüber bestrafen zu müssen, also lässt er sie mitten in der Cafeteria auf den Boden fallen. Hier geht’s zwar noch nicht um Lex‘ sexuelle Aktivitäten – „nur“ darum, dass er meint, es sich herausnehmen zu können, andere Menschen wie Dreck zu behandeln –, aber im Laufe der Geschichte wird sehr schnell deutlich, dass es genau darum geht. Ginge es nach der Autorin, wäre Travis hier der Geschädigte, immerhin muss der arme Kerl die Aufmerksamkeit von so vielen Frauen ertragen. Und ja, das ist sicherlich nervig, aber es ist auch nicht gerade so, als würde es ihn ärgern – er will ständig wechselnde Sexualpartnerinnen, und das geht nur, wenn es viele Interessentinnen gibt. Nun ist er dafür bekannt, dass er wirklich nur Sex will, aber es kommt immer wieder zu Situationen, in denen einige Frauen ihre Nummer dalassen wollen, was er prinzipiell ablehnt. Und natürlich könnten es die Frauen auch selbst auf sich nehmen, ihn vorher darauf anzusprechen, dass sie eventuell mehr wollen und nachfragen, ob er ähnlich denkt? ABER: Er kennt das Problem, es passiert ihm immer und immer und immer wieder – wenn es ihn so nervt, warum unternimmt er nichts dagegen? Warum sagt er zu Beginn nicht noch einmal klipp und klar, dass er nur Sex möchte? Allerdings: Wer sagt, dass die Frauen etwas anderes wollen? Dass sie ihre Nummer hinterlassen möchten, heißt nicht, dass daraus mehr als eine Sexbeziehung werden soll, Travis geht aber scheinbar davon aus, dass es etwas Romantisches ist. In Hinblick darauf, und darauf dass er sein Verhalten nicht ändert, lässt das nur den Schluss zu, dass er all das genießt. Dass er sie bestrafen will, weil sie offen mit ihrer Sexualität umgehen. Er sagt direkt, dass sie es verdient hätten, so behandelt zu werden, wenn sie für jeden Arsch die Beine spreizen (seine Worte) – ignorieren wir einfach mal, dass auch er ständig bereitwillig zu Werke geht. Er ist ein Kerl, er darf dafür nicht schlecht behandelt werden. Während des weiteren Verlaufs werden seine Bekanntschaften immer wieder als Schlampen bezeichnet, sei das nun von ihm oder America oder auch Abby, die anfangs dagegen protestiert, es letztlich aber amüsant findet, wie Travis andere Frauen behandelt, weil nur Saint Abigail seinen Ansprüchen genügt. Immerhin will er zunächst auch nicht mir ihr schlafen, weil er sie mag – das sagt doch eigentlich alles über sein Frauenbild aus, was man/frau wissen muss.
Nun, willkommen in der hochgradig sexistischen Welt von Jamie McGuire.

Kommen wir zum nächsten Teil der Travis-‘Mad Dog‘-Maddox-Bullshit-Parade: Erpressung, ein scheinbar gern genutztes Mittel in der Maddox-Familie. Es fängt vergleichsweise harmlos an, indem Travis Abby folgt, rumnervt und meint, er würde damit aufhören, wenn sie zu seiner Party komme. Wie das wohl weitergegangen wäre, hätte sie sich verweigert? Hätte er sie weiter verfolgt, am Ende gar gestalkt, sich ihr immer wieder aufgedrängt, bis sie nervlich am Ende ist und gar nicht mehr Nein sagen kann? „Zum Glück“ lässt sie sich auf ihn ein, das heißt aber nicht, dass die Dinge besser werden. Es gibt da diese wunderbare Szene, in der Travis Abby einen Welpen schenkt. Romantisch, heißt es? Absolut herzallerliebst? Im Gegenteil. Erstens bringt ein Tier eine Menge Verantwortung mit sich, und ich finde es etwas seltsam, jemandem einen Hund zu schenken, wenn dieser jemand im Studentenwohnheim lebt und neben dem College vermutlich nicht immer so viel Zeit hat, sich vernünftig um das Tier zu kümmern. (Natürlich geht das theoretisch, aber wie viel weiß er schon über Abby, dass er das einschätzen könnte?) Der Hund muss also bei Travis bleiben und auch Abby muss zu ihm, wenn sie ihren Hund sehen will. Travis gibt sogar zu, dass er ihr dieses Geschenk gemacht hat, damit sie immer wieder zu ihm kommen muss, und sei es nur, um den Hund zu sehen.
Bei solchen Aktionen würde es mich nicht wundern, wenn Travis noch viel mehr manipuliert hat. Seht ihr, Abby wohnt zwischenzeitlich mit America bei Travis und Shepley (Travis‘ Cousin und Americas Freund), doch irgendwann muss sie auch mal wieder zurück. Das Verhalten von beiden ist ohnehin lächerlich – sie verhalten sich, als würde Abby auf einen anderen Kontinent ziehen –, aber wer weiß, wie viel davon von Travis gespielt wurde, damit sie denkt, es gäbe nur einen Weg, „seinen Schmerz zu lindern“: mit ihm zu schlafen?

Travis Maddox ist letzten Endes sich selbst am nächsten und egal wie oft er behauptet, Abby wäre sein Ein und Alles, seine Taten sprechen eine andere Sprache. Wenn ich jemanden wertschätze und liebe, dann achte ich doch sicherlich die Privatsphäre dieser Person? Travis lässt das gleich zu Beginn vermissen. Schlimmer noch: Er ist von Anfang an vollkommen rücksichtslos. Als Abby und America bei den beiden Männern einziehen, geht Abby ins Bad, um zu duschen. Travis bringt ihr Handtücher und meint, das wäre außerdem ein guter Zeitpunkt, um Zähne zu putzen. Obwohl Abby protestiert und ihn bittet, das Bad zu verlassen, schrubbt er in aller Ruhe seine Beißerchen, immerhin möchte er danach ins Bett. Er geht danach zwar nicht gleich ins Bett und hätte das erledigen können, wenn sie im Bad fertig ist, aber Logik ist ohnehin eine der größten Schwächen des Buches. Oh, und er geht mal eben davon aus, dass sie kein Problem damit hat, mit einem Kerl, den sie nicht kennt, in einem Bett zu schlafen – könnte ja nur sein, dass sie negative Erfahrungen damit gemacht hat, zumal man so was generell vorher absprechen sollte. Aber hey, Abby sagt selber, dass Travis sehr aufmerksam sein kann, wenn er will! (Falls es jemanden interessiert: Mit diesen Ereignissen werden wir bereits auf Seite 40 konfrontiert.)
Gut, das ist erst der Anfang der Beziehung, mögen manche sagen, aber leider wird es nur schlimmer. Zum Beispiel wenn die beiden mal wieder getrennt sind und Travis nicht akzeptieren kann, dass Abby erst einmal allein sein möchte und ihre Tür einrammelt. (Seine Gewaltbereitschaft ist auch so ein Thema für sich. Abby verschwindet ohne ein Wort, nachdem sie das erste Mal Sex hatten – siehe „nur so kann ich seinen Schmerz lindern“ – und er rastet komplett aus, demoliert seine Wohnung.)
Der endgültige Beweis, dass ihm sein eigenes Wohl am wichtigsten ist, ist die Tatsache, dass er seiner Familie – die ihn und Abby zu sich eingeladen hat – nichts von der (erneuten, glaube ich) Trennung erzählt. Warum? Er will sich nicht vor seinem Vater blamieren. Stattdessen hat er die Dreistigkeit, Abby – die Frau, die er angeblich liebt – darum zu bitten, eine für sie höchst unangenehme Situation zu ertragen. Vermutlich war ihm bewusst, dass sie Ja sagt, wenn er sie im richtigen Winkel anblinzelt. Vor Ort kann sein liebreizender Vater Abby dann noch mal in aller Ernsthaftigkeit klarmachen, dass sie Travis jeden Mist verzeihen muss, weil er sie lieben würde, eine schlimme Kindheit hatte und es ihn zerstören würde, sollte auch sie ihn (wie seine Mutter) verlassen. Offensichtlicher kann man einen Wendepunkt nicht erzwingen, denn an diesem Punkt ist leider klar: Abby glaubt das und nimmt es sich zu Herzen. Sie verzeiht Travis, weil er sie „liebt“ – ich derweil wusste nicht mehr, ob ich fluchen oder weinen soll.

Da muss man/frau sich doch fragen, wie das mit den anderen Versprechungen aussieht. Wird er ihr wirklich niemals wehtun? Immerhin hat er auch behauptet, dass er Abby nie wieder auf ihre Vergangenheit ansprechen würde, aber irgendwie versucht er dann doch wieder, sie in dieses Leben reinzuziehen. Zugegeben, sie hat den ersten Schritt gemacht, aber er will da was vergleichsweise Dauerhaftes drausmachen, weil er dann viel Geld für die beiden verdienen könnte. Was ja auch absolut das Wichtigste ist und nicht etwa, dass die beiden ein gemeinsames Leben führen (was an sich auch nicht so toll ist) – wenn sie dafür leiden muss, dann ist das eben so.

All das ist eigentlich schon schlimm genug, aber Travis paart es mit einer Eifersucht, die erschreckende Ausmaße annimmt und extrem heuchlerisch ist. Dass er stark zwischen seiner Beurteilung von Frauen und Männern unterscheidet, hat er bereits auf den ersten Seiten bewiesen und auch er selbst darf Dinge, die sich aber ja niemand sonst wagen soll. So flirtet er anfangs spielerisch mit America und beschwichtigt Shepley, der daraufhin protestiert; immerhin will er nicht ernsthaft was von America. Sollte aber jemand Abby auch nur anlächeln …
Der erste gemeinsame Discobesuch ist durchaus aussagekräftig: Abby und Travis sind nicht zusammen, kennen sich kaum, und Abby flirtet mit einem jungen Mann namens Ethan. Travis geht wutschnaubend dazwischen und bugsiert Abby nach draußen, die zwei verlassen mit Shepley und America die Party. Ausnahmsweise hat er einen Grund für seinen Ausraster: Ethan wurde scheinbar schon mal wegen sexueller Belästigung verhaftet und eine gewisse Sorge ist da durchaus berechtigt. Im Grunde ist es sogar schön, dass da jemand Acht gibt – ganz und gar nicht schön ist, dass er meint, er könne über Abby bestimmen und richten, wie es ihm passt. Statt ihr zu erzählen, warum das mit Ethan keine gute Idee ist – damit sie ihre eigene Entscheidung treffen kann –, schleppt er sie davon und erzählt ihr erst nach mehrmaligem, sehr energischem Nachfragen davon.
Auch das bleibt kein einmaliger Ausrutscher, denn bei nächster Gelegenheit schreibt er ihr sogar vor, was sie zu tragen hat – nämlich keine zu freizügige Kleidung. Immerhin könnte jemand anderes sie dann angucken und er ist nicht in der Lage, auf sie aufzupassen und gleichzeitig jedem, der sie anguckt, eine reinzuhauen. Was daran romantisch und nicht durchweg erschreckend ist, wird sich mir nie erschließen. Zumal er seine Drohung wahr macht – zu einem späteren Zeitpunkt (sowohl Abby und Travis, als auch America und Shepley sind getrennt) krallt er sich zusammen mit seinem Cousin als die Männer, die mit America und Abby tanzen, um sie zu bedrohen, zu schlagen und zu verjagen. Umso interessanter ist es, dass er seinen Brüdern Flirterei mit Abby durchgehen lässt – vermutlich hat er Angst, dass er bei dieser Konfrontation selbst den größten Schaden erhält.
Travis versucht konstant, Einfluss auf Abbys Leben zu nehmen, ob sie nun ein Paar sind oder nicht. Er will sie mit niemandem teilen (als wäre sie ein Gegenstand, den er besitzt!) und stört ihre Beziehungen mit anderen Männern. Als er zum Beispiel glaubt, dass sie Sex mit jemand anders in einem Auto hat, reißt er die Tür rauf, ungeachtet dessen, dass ihn das nichts angeht, und er Abby damit mal wieder in eine extrem unangenehme Situation bringt. Und wenn sie doch mal wieder zusammen sind, bezeichnet er seinen „Konkurrenten“ in ihrer Gegenwart als „spoiled stain of shit“ und befiehlt ihm, sie nicht einmal mehr anzusehen.

Wie spielt Abby in das Ganze rein? Ich wünschte, sie hätte jemanden, der ihr wirklich zur Seite steht und ihr hilft, von Travis wegzubleiben oder ihn zumindest so mit seinem Verhalten zu konfrontieren, damit sich tatsächlich etwas ändern kann. So jemanden hat sie nicht und sie selbst ist nicht in der Lage, das allein zu bewältigen – nicht dass sie damit große Probleme hat, vermutlich weil die Autorin denkt, dass all das, was hier geschieht, vollkommen in Ordnung ist.
Abby fühlt sich minderwertig, wenn Travis nicht mit ihr schlafen möchte, und am Ende ist sie sogar bereit, um Sex zu betteln. Sie gehorcht auf’s Wort, und das von Anfang an. Sie verliert eine Wette und soll weiter bei Travis bleiben – zwischendurch trifft sie sich mit jemandem anders und da diese Situation verständlicherweise alles andere als entspannt ist, möchte sie zurück ins Studentenwohnheim. Statt das zu tun – immerhin handelt es sich hierbei um einen Wetteinsatz, keinen Vertrag, der eine Bestrafung mit sich zieht, sobald sie ihn bricht – fragt sie Travis um Erlaubnis. Und da er Nein sagt, bleibt sie natürlich – und beschreibt Travis kurz darauf als liebenswerten, geduldigen Menschen, weil er ihr trotz allem erlaubt, ein angeblich normales Leben zu führen. Am Ende muss Travis nur bemerken, dass es praktisch wäre, hätten sie mehr Kurse zusammen, und schon versteht Abby es als Auftrag, den sie zu erfüllen verspricht.
Schuld ist am Ende nur sie, sagt das Buch. Sie zögert es heraus, dass die beiden wieder zusammenkommen, aber der liebe Travis – der zwar auch Fehler macht, die am Ende aber als nichtig dargestellt werden, weil er sie schließlich angeblich liebt – ist so gütig und verzeiht ihr. Letzten Endes. Dabei ist es Travis, der auch in aller Öffentlichkeit eine Ansprache hält, wie sehr sie ihm das Herz gebrochen habe. Es ist Travis, der mal wieder jemanden verletzt, weil er mit Abby Kontakt hatte. Es ist Travis, der sich Abby über die Schulter wirft und sie entführt. Es ist Travis, der behauptet, sie würde sich hier zum Affen machen. Es ist Travis, der Abby ignoriert, als sie ihm sagt, er solle sie runter lassen. Es ist Travis, der sie dann in der Wohnung anschreit. Und dann ist es auf einmal Abby, die ihn küsst und um Sex bettelt, ihm sagt, dass sie ihn liebt und verspricht, für immer bei ihm zu bleiben.
Es gibt Momente, da merkt sie, dass was schiefläuft. In denen sie erkennt, dass es so nicht laufen sollte. Aber dann sagt er ihr, sie sei wunderschön oder kommt mit irgendeiner anderen Floskel daher, und alles ist wieder gut.

Leider sind all diese Beispiele – obwohl schon zahlreich – längst nicht alle, die das Buch zu bieten hat. Trotzdem wird mehr als deutlich: Das, was Travis und Abby haben, ist keine romantische Beziehung zwischen jungen, unentschlossenen Menschen. Dieses Zusammensein ist hochgradig ungesund, denn es ist, wie es ist: Travis missbraucht Abby. Noch nicht körperlich (die meiste Zeit über), aber das macht es nicht weniger schlimm. Nun ist die Thematisierung von ungesunden Beziehungen an sich etwas Gutes; es gibt solche Beziehungen und es hilft niemandem, wenn versucht wird sie totzuschweigen, vor allem nicht den Menschen, die darunter zu leiden haben. Dennoch ist es immer eine Frage des Wies – wird die Thematik kritisch und aufgeklärt dargestellt, oder versucht hier jemand, das alles als sexy und wünschenswert darzustellen? Jamie McGuire tut Letzteres; Travis ändert nichts an seinen besorgniserregenden Verhaltensweisen und Abby akzeptiert dies schlussendlich, die beiden bekommen – mit all diesen Problemen, die für zu viele Menschen in ernsthaften Verletzungen und gar dem Tod enden – ihr Happy End. All is well, also warum sollte irgendwas kritisch gesehen werden? Warum so viele LeserInnen die Geschichte der beiden trotzdem romantisch finden, weiß ich nicht. Aber es bereitet mir Sorgen.

Ein kurzes Wort vielleicht noch zu America, die mich ungefähr genauso wütend gemacht hat wie Travis. Sie soll Abbys beste Freundin sein und ganz ehrlich: Dann braucht Abby wirklich keine Feinde mehr. Sie hilft ihrer Freundin zwar ab und an, sich von Travis fernzuhalten, aber wenn es wirklich darauf ankommt, schubst sie sie wieder in seine Richtung. Als Abby von Travis entführt wird und Abby ihr sogar entgegenruft, dass sie ihr doch bitte helfen möge – da lacht sie, und tut nichts.

Als wären diese monströsen Probleme nicht genug, ist das Buch auch noch in allen anderen Punkten unkreativ, fragwürdig und plump. Abby musste natürlich eine dunkle Vergangenheit haben, ohne geht es vermutlich nicht; genauso wie der Protagonistin immer wieder gesagt wird, wie toll sie sei, weil sie so schlau ist oder – in diesem Fall – sich Travis‘ Mist nicht gefallen lässt, während sie es doch tut. Wann lernen einige AutorInnen endlich, dass es nichts bringt, etwas über einen Charakter sagen zu lassen, ohne es aber in der Geschichte zu zeigen?
Immerhin hat die Autorin, zumindest zum Teil, von der Instalove abgesehen. Zumindest sollen Abby und Travis anfangs nur Freunde sein und sich nach und nach ineinander verlieben. Da man von dieser angeblichen Freundschaft aber nicht viel merkt, läuft es irgendwie auf’s Gleiche hinaus. Auch ansonsten spinnt die Autorin ihr Netz nicht gerade geschickt. Als ein Charakter einen Witz über Travis macht, verteidigt Abby, die ihn kaum kennt, sofort, sodass auch der schläfrigste Leser merken kann, dass sich da was anbahnt. Wenn die Handlung vor sich hinplätschert, muss mal eben ein bisschen Drama daherkommen: Das sind mal vollkommen überzogen handelnde Charaktere (siehe Abbys „Auszug“ der wie ein Abschied für immer gehandhabt wurde), dann wieder plötzliche Ex-Freunde, die nur auftauchen, um Travis eifersüchtig zu machen oder sonst welche Katastrophen, damit Travis den Ritter in weißer Rüstung spielen kann/Recht behält/einfach ein toller Kerl ist. Ganz zu schweigen vom Fazit: Alles, was Travis falsch gemacht hat, ist egal oder gar toll, denn die beiden lieben sich, Punkt. Kombiniert mit einem fantasielosen Schreibstil und willkürlichen Beschreibungen von Travis ach-so-tollem Aussehen, ergibt das kein zufriedenstellendes Ergebnis.

Das alles verblasst aber vor der Gewalt, die hier propagiert wird. Gewalt ist sexy, ist wünschenswert, das will uns die Autorin scheinbar mitteilen. Wenn dein Freund randaliert, renn zu ihm statt weg. Ermuntere ihn, anderen „Manieren beizubringen“, was in diesem Fall heißt: Er tritt Menschen auch mal eben in den Rücken und niemand erwähnt auch nur, dass er damit bleibenden Schaden hätte anrichten können. All die anderen Ausraster bleiben ohne Konsequenzen; obwohl Travis immer wieder Menschen blutig schlägt, zeigt ihn niemand der Körperverletzung an – was soll das bitte für eine Botschaft sein?

Wenn das Buch mal kritisch wird, werden diese Anmerkungen schnell negiert. Abby lässt sich sehr schnell beschwichtigen, und, wie gesagt, am Ende ist trotzdem alles gut, weil die zwei sich „lieben“. Was sie haben, ist besonders und schön und damit liegt jeder grundsätzlich falsch, der/die was dagegen sagt; namentlich: Kara, Abbys Mitbewohnerin, die als Einzige zu verstehen scheint, was hier vor sich geht und durchgehend als langweilige, verständnislose Antagonistin dargestellt wird.

Da bleibt mir nur eines zu sagen: Alle, die an der Entstehung dieses Buches mitgewirkt haben, sollten sich schämen.

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Für all jene, die keine Zeit für/keine Lust auf diesen langen Text haben: „Beautiful Disaster“ glorifiziert immer und immer und immer wieder die ungesunde Beziehung, in der sich Abby und Travis befinden. Er schreibt ihr vor, was sie zu tragen hat, verprügelt Männer, die sie nur anlächeln, schreibt ihr vor, wie sie ihr Leben zu leben hat und entführt sie sogar an einer Stelle – sie derweil zeigt sich manchmal damit nicht einverstanden, akzeptiert all das letzten Endes aber, denn Travis ändert sich nicht wirklich und sie gehen trotzdem keine getrennten Wege. Aber sie muss ihm auch alles verzeihen, schließlich liebt er sie (es wird behauptet, ist aber nicht tatsächlich der Fall) und deswegen kann er im Grunde machen, was er will; sie hat dankbar für seine Liebe zu sein und die Klappe zu halten.
Jamie McGuires Buch hat mich oft zum Weinen gebracht, und zwar vor Wut. Was grundsätzlich ein wichtiges Thema ist, wird hier mit all seinen Problemen und Gefahren als erstrebenswert und romantisch dargestellt. Sowohl für diese Verantwortungslosigkeit als auch die plump konstruierte und lustlos geschriebene Geschichte kann es keinen einzigen Punkt geben.

Eine kleine Bitte an euch:
Falls ihr „Beautiful Disaster“ – aus welchem Grund auch immer – lesen wollt, gebt bitte kein Geld dafür aus; für dieses Buch wurde schon beim ersten Exemplar zu viel bezahlt. Letzten Endes kann man auch so legal an den Text herankommen: Fragt in einer Bibliothek nach, leiht es euch von jemandem aus, der es hat, oder kauft es zumindest gebraucht. Dann bleibt auch genügend Geld für die richtig guten Bücher und AutorInnen, die der Leserschaft tatsächlich etwas Wertvolles mitgeben. :)

Bitter, wie es ist: Es bleibt nicht nur bei diesem Desaster. Weil alle folgenden Bücher die Mühe aber nicht wert sind, such ich das jetzt nicht noch einmal alles raus.

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14 thoughts on “Rezension | Beautiful Disaster | Jamie McGuire

  1. Am schlimmste finde ich, dass es zu solch grauenvollen Büchern auch noch extrem viele 5 Sterne Rezenionen gibt. Dann auch noch von Leuten, die total überzeugt davon sind. Ist mir unbegreiflich.

    Lieben Dank Shiku, du hast allen Willen in mir bekämpft, ich werde das Buch nicht anrühren^^

    • Ich find’s schade. Bei anderen Büchern kann ich’s gut nachvollziehen, Geschmäcker sind nun mal verschieden. Hier macht’s mir eher Angst.

      Dann hat die Rezension doch ihren Zweck erfüllt. :D

  2. Pingback: November 2013 | Muh, das Telefonbuch

  3. Nachdem mein Handy anscheinend meinen Kommi verschluckt hat, wollte ich nur noch mal anmerken, was für eine geniale Rezi das ist! Ich werde es auf alle Fälle ganz bestimmt nicht lesen.

    • Böses Handy!
      Und dankeschön, zu beidem. <3 Ist aber bestimmt auch das beste für dein Wohlergehen; das Buch macht wütend und das ist auf Dauer ja auch nicht gut. xD

  4. Ich muss mich wirklich dagegen aussprechen.
    Ich kann überhaupt nicht verstehen, warum man dieses buch so schlecht macht.
    Keinerlei angesprochenes trifft für mich zu.
    Ich finde dieses buch perfekt. Eine kleine träumerei für zwischendurch, aber auch viele dinge die realistisch sind. Es ist der autorin meines erachtens gelungen, diese geschichte tief in einen zu brennen. Habe das Buch in 2 tagen verschlungen und es geht mir positiv gesehen nicht aus dem kopf. Und ich freue mich jetzt schon darauf den 2. teil „walking disaster“ zu lesen.

    Also wirklich, ich denke hiermit ist wieder bewießen: Jeder Geschmack ist individuell.
    Für micht gibt es kein besseres Buch :)

    • Ich mache das Buch nicht schlecht, ich liste einfach nur auf, wie ungesund es eigentlich ist, weswegen ich es wirklich traurig finde, dass es trotz allem so gut ankommt. Zeigt mir eigentlich nur, dass noch viel Arbeit in der Welt wartet.

      Dass Geschmäcker verschieden sind, muss wirklich nicht bewiesen werden. Aber es gibt noch immer einen Unterschied zwischen „Ich mag keine Romanzen“ und „Ich mag keine Geschichten über ungesunde Beziehungen, die uns ein gefährliches Bild von ‚Romantik‘ vorspielen“.
      Das wird deine Meinung vom Buch jetzt nicht ändern, das weiß ich. :) Ich wünsche dir aber trotzdem, dass du privat niemals an einen Travis gerätst.

Und ihr so?

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