FYI | Allegiant, Veronica Roth | Curtsies & Conspiracies, Gail Carriger

Lange hab ich überlegt, ob „Allegiant“ nun eine eigene Rezension bekommt (oder ob überhaupt eine), weil ich immer noch nicht so recht weiß, was ich von dem Buch halten soll; da wäre ein ausführlicher Beitrag wohl angebracht, aber da hab ich einfach keine Lust drauf. Deshalb nur ein paar Worte dazu und natürlich eine Empfehlung für „Curtsies & Conspiracies“.

Da es Reihenfortsetzungen sind, gilt wie immer leichter Spoileralarm, wenn ihr die vorherigen Bände nicht kennt und auch überhaupt nichts über sie wissen wollt.

Allegiant

Das Leben, das Tris und ihre Freunde bisher gelebt haben, war eine Lüge – eine Lüge, die bereits viele Opfer gefordert hat. Während das Leben innerhalb Chicagos immer mehr ins Chaos stürzt, macht Tris sich auf den Weg nach draußen, um zu erfahren, was dort liegt. Doch was sie findet, ist nicht das, was sie erwartet hat und auch hier ist sie nicht sicher. Es ist nur wieder eine Gesellschaft voller Vorurteile, in der Unterdrücker und Unterdrückte versuchen, das Ruder an sich zu reißen. Gefangen zwischen diesen neuerlichen Konflikten, gibt es wieder neue Geheimnisse, wieder diese Hilflosigkeit und die Frage: Was können wir tun?

Ach Mensch, Allegiant. Ich wollte es ja mögen, besonders nachdem so viele so enttäuscht waren. Und tatsächlich finde ich es weder richtig schlecht noch kann ich den Hass, den das Buch teilweise auf sich zieht, nachvollziehen. Andererseits gibt es ein paar Dinge, die können so auch nicht übersehen werden. Da wäre die Handlung, die über weite Strecken vor sich hindümpelt, unter anderem auch weil Handlungsstränge gewählt werden, die wir bereits aus „Insurgent“ allzu gut kennen: Tobias und Tris haben Geheimnisse voreinander, Tobias lässt sich auf die falschen Leute an, es gibt Streit und so weiter und so fort. Nicht dass mich ihre Streits gestört hätten, ich mag die beiden als Paar, gerade weil sie ihre Probleme haben, an denen sie ein Stück weit auch arbeiten. Sie erkennen ihre Fehler, und genau die machen für mich den Reiz aus. Andererseits ist dieser Verlauf nur allzu bekannt und ihre Freunde geraten dabei sehr in den Hintergrund, was wirklich schade ist.
Abgesehen davon schienen manche Dinge nicht ganz so viel Sinn zu ergeben. Praktischerweise verstehen es die Protagonisten selber nicht, da kann man ja behaupten, was man will. Gerade zum Schluss werden manche Konflikte so schnell und so einfach gelöst, dass ich da nicht ganz mitgehen wollte. Außerdem wird die ganze Welt in ihrem Aufbau nie gestärkt. Viele kritisierten, dass Chicagos Konzept keinen Sinn macht und auch hier wird sich das mit den neuen Erklärungen nicht ändern. Letztendlich geht es in dieser Trilogie, denke ich, auch nicht darum, sondern um das Konzept des Opfers und des Opferbringens. Diese Geschichte hätte – in ihrer Essenz – auch in einer anderen Welt erzählt werden können, was eventuell auch besser gewesen wäre.

All das hätte mich insgesamt aber gar nicht so sehr gestört und abgesehen davon hab ich an der Geschichte Spaß gehabt und mitgelitten – und auch das Ende fand ich gut, andererseits aber auch nicht. Es folgt ein Spoiler, zum Lesen bitte den Text markieren.
Ich denke, mein großes Problem ist, dass es so dargestellt wird, dass jemand in einem derart jungen Alter tatsächlich bereit ist, sich selbst zu opfern. Ich sage nicht, dass es nicht manchmal notwendig ist, aber hier erscheint es in einem derart positiven Licht, dass es gut ist, dass es etwas ist … wonach gestrebt werden sollte? Danach vielleicht nicht, und eventuell beeinflussen meine eigenen Erfahrungen meine Meinung ein wenig zu sehr, aber niemand hat sein Leben zu so einem Zeitpunkt schon so gut und ausreichend gelebt, dass es in irgendeiner Weise okay ist, zu gehen. Niemand. Aber genau dieses Bild wird vermittelt und da kann ich einfach nicht zustimmen.
Genau deswegen bin ich mir bei der Bewertung so unsicher, dass ich sie wohl ganz weglassen werde. „Allegiant“ hat viele, kleine Fehler, die ich verschmerzen könnte und gerade das Ende fand ich vom Hergang her toll und nachvollziehbar – nicht aber in der Darstellung. Der dritte Band sollte trotzdem gelesen werden, die Erwartungen sollten nur nicht zu hoch sein.

Curtsies & Conspiracies

Das erste Jahr ist überstanden, da kann das nächste doch gleich mit Problemen begonnen werden: Hier wird in einer Prüfung ein kleines Gerät entwendet, dort wenden sich Sophronias Freunde von ihr ab. Sollte sie deswegen den Kopf hängen lassen? Nicht doch! Schließlich gibt es genügend neue Geheimnisse zu erkunden. Gefühlt ganz Großbritannien ist hinter dem Prototyp hinterher, und auch ein Besuch in London scheint nicht ganz das zu sein, was die Lehrer behaupten. Wenn dann auch noch lästige Lords auftauchen, die einfach nicht aufgeben wollen, wird es langsam Zeit, die ganze Erziehung zur Lady zumindest eine Zeit lang zu vergessen und den Dingen auf den Grund zu gehen.

04

Gail Carrigers Bücher sind wohl nie ganz perfekt, zumindest die bisherigen Bände der „Finishing School“-Reihe nicht: In diesem Fall schien mit der Schreibstil zu Beginn ein wenig abgehackt und eine gewisse Oberflächlichkeit kann dem Text nicht abgesprochen werden. Gerade die aufkeimenden Schuldgefühle, die bei Sophronias Aktivitäten früher oder später aufkreuzen mussten, werden eher erzählt als gezeigt. Die Geschichte an sich ist daher okay – charmante Carriger-Unterhaltung mit einer Menge abstruser Situation und der wohl amüsantesten Rettungsaktion, die es jemals gegeben hat.
Die Stärke liegt hier mal wieder im Humor und den Charakteren. Über Humor kann zugegebenermaßen gestritten werden, aber wer Band 2 in Betracht zieht, wird wohl schon Band 1 genossen haben und wissen, was eine/n hier erwartet.

Zumindest gegen die Charaktere wird wohl nichts einzuwenden zu sein, denn Sophronia ist spionierend und intrigierend wie nie zuvor, was allein schon mehr als überzeugend ist. Nicht zu vergessen Bumbersnoot, der heimliche Star der ganzen Reihe. Ansonsten lässt es sich wohl zusammenfassen mit: Geh weg, Felix, keiner mag dich. Soap lässt all unsere Herzen doch schon längst höher schlagen und hier noch einmal mehr als sonst. (Auch wenn ich hoffe, dass eine gewisse Dreistigkeit eine Ausnahme bleibt. Ja, die Feministin in mir hat gesprochen.) Und wer auch mit Dimity, Sidheag, Vieve und allen anderen vorher schon Spaß hatte, wird auch hier ganz bestimmt nicht enttäuscht werden.

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16 thoughts on “FYI | Allegiant, Veronica Roth | Curtsies & Conspiracies, Gail Carriger

  1. Pfff, ich mag Felix! Ich find diese Flirterei zwischen ihm und Ria unglaublich lustig, weil sie ihm dabei einfach alles um die Ohren haut. Meinetwegen kann er also ruhig noch bleiben.
    Soap ist schon toll, nur finde ich, dass er irgendwie zu kurz kommt. Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll, aber wirklich viel Raum um sich zu entfalten wird ihm ja leider nicht gelassen.

    • Ah, da sind also die 2%, in denen ich nicht deine Vertretung sein kann! xD Mich hat der Typ total genervt, zumal er ein Nein scheinbar nicht zu akzeptieren weiß. (Und dass er sie gleich und immer Ria nennt, grrrrrrrr.) Dass Sophronia ihm immer wieder eine reingedrückt hat, fand ich auch klasse, aber das kann sie ja auch mit anderen Charakteren machen, da brauch ich diese Nervensäge nicht für. :D
      Ich finde, das viele Charaktere etwas kurz kommen, aber ein bisschen gehört’s für mich dazu. Also, das ist unter anderem diese Oberflächlichkeit, die ich meinte. Ich hoffe ja, dass er jetzt wichtiger wird und öfter aufkreuzt – gerade gegen Ende hat er ja ein bisschen mehr Sendezeit bekommen. :3
      (Ich hab mich aber erschrocken, als es hieß, er sei schon 17. Hatte ihn immer etwas jünger geschätzt. xD)

      • Ich dachte bei den 2% zwar eher an Jaime, aber auf das kann man es wohl auch anwenden ;) !
        Es stimmt schon, dass er ein bisschen zu aufdringlich ist, aber irgendwie fand ichs total lustig, zumal Sophronia da eben so total drübersteht und ihn einfach sowas von in der Hand hat. Von daher hoffe ich, dass er noch ein bisschen dabei bleibt.
        Oh bitte! Er soll auch mehr aus seinem ewigen boiler room rauskommen. Das ist so furchtbar einengend und erlaubt ihm nicht wirklich, viel Einfluss auf die Geschehnisse zu nehmen oder sich mal großartig zu Entwickeln. Deswegen war das am Ende auch so toll.

      • Bei Ersterem stimm ich dir nicht zu, Letzterem aber schon! xD Ich kann solche aufdringlichen Säcke einfach nicht leiden, aber bei meinem Glück muss ich ihn vermutlich doch noch länger aushalten.

  2. Ach Allegiant, kleines Problemkind. So direkt nach dem Lesen hab ich das Buch eigentlich gut bewertet, ich fand das Ende schlüssig und mochte irgendwie die generelle Entwicklung. Aber irgendwie setzt bei mir jetzt so eine negative Grundstimmung ein, was das betrifft, weil mir immer mehr Sachen auffallen, die mich daran stören. Auch wieder so, wie du das Ende beschreibst. Ich kann das total gut nachvollziehen und dann bleibt irgendwie dieser bittere Nachgeschmack. So ganz große Freunde werden das Buch und ich wahrscheinlich nicht mehr :/

    • Direkt nach dem Lesen (und nachdem ich mit dem Weinen aufgehört habe xD), hätte ich auch drei, vielleicht sogar vier Sterne gegeben, aber in den darauffolgenden Tagen musste ich immer wieder drüber nachdenken – vor allem über das Ende – und je mehr ich das gemacht habe, desto unsicherer wurde ich mir bei der Bewertung. (Weswegen ich die letzten Endes auch weggelassen habe.)
      Ist eigentlich echt schade, aber zu spät ist wohl zu spät. :/ Und immerhin war es kein langweiliges Einheitsbuch, das ist doch auch schon mal was … Ich werd Veronica Roth aber auf jeden Fall im Auge behalten, Band 1 und 2 waren schließlich toll. :3

      • Ich bin mir nicht sicher, ob ich Band 2 jetzt auch noch so toll finden würde, das hab ich halt nie nochmal gelesen. Band 1 war aber natürlich sehr gut! Den werde ich auch behalten, nur den Film werd ich wohl nicht anschauen…Band 2 und 3 hab ich quasi schon Ellie vermacht XD

      • Riiiiiiic, was tust du! xD Die sehen doch zumindest schick im Regal aus!
        Ich fand Band 2 zumindest auch beim Reread toll. :D
        Den Film werd ich wohl auch sehen, einfach aus Neugierde. Vor „Allegiant“ war ich richtig hibbelig, aber wenn das Ende bekannt ist … nun ja.

  3. Also bei Allegiant und den ewigen Streitereien von Four und Tris kann ich dir nur zustimmen. Besonders Four hat mich irgendwann ziemlich genervt, mit seinem Anfall, weil er nicht komplett unversehrt ist. Hach ja, ich fand das wirklich den schwächsten Band der Reihe, wobei er mir immer noch gefallen hat ^^.

    • Der schwächste Band ist es definitiv – aber nu isses auch vorbei. So oder so, wir haben es überstanden! xD Wobei, Fours Geschichten kommen ja auch noch, fällt mir gerade ein. Die les‘ ich dann doch noch. xD

      • Ach, ich glaube, die lasse ich ^^. Ich finde das immer so dumm mit den ganzen Novellas, die man dann nur als sündhaft teueres eBook bekommen kann :-/.

      • Normalerweise mag ich sowas auch nicht, aber diesmal hab ich’s mir geleistet. xD Das Ganze gibt’s dann auch als passendes HC, da sieht’s dann wenigstens auch gut aus. xD

  4. Ach, Allegiant…. das hast du schön zusammengefasst. Das wirklich schlimme ist auch, dass ich ständig im Hinterkopf hatte, dass Roth ein riesen Harry Potter Fan ist und dann fallen Begriffe wie ’sacrifice‘ und ‚for the greater good‘ und da bin ich einfach aus dem ‚Ich möchte das Buch mögen‘-Zug ausgestiegen =/ Und von der Logik möchte ich gar nicht anfangen… ^^

    • Ja, schweigen wir darüber lieber. xD Aber immerhin sind diesmal keine Pistolen aus dem nichts aufgetaucht und wieder verschwunden, das ist doch auch schon mal was.
      Auch wenn ich grad auf dem Schlauch stehe – hängt dir das zu sehr mit HP zusammen oder wie meinst du das?

      • Vielleicht denke ich zu kompliziert oder interepretiere zuviel rein, aber dieses Opfer-Ding spielt ja in HP auch ne große Rolle, ganz besonders im letzten Teil. Es hat mich halt sehr daran erinnert, aber während das in HP immer negativ behaftet war, wirds hier positiv dargestellt, was mir – wie dir – sauer aufgestoßen ist. Finde die Botschaft, die damit vermittelt wird, einfach nicht gut.

      • Hm, wenn sie so ein großer Fan ist, hat es sie vielleicht beeinflusst/inspiriert, auch wenn es an sich kein direkt ungewöhnliches Thema ist. Die Darstellung machts’s dann eben. :/

Und ihr so?

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