Rezension | Pure | Julianna Baggott

PureReihe: Pure #1
Genre: YA, Postapokalypse, Dystopie
Verlag: Grand Central Publishing
ISBN: 978-1-455-50305-6
Preis: $9.99
Erscheinungsdatum: September 2012
Format: Paperback

Es mag sein, dass die Welt einst schön war, doch fast ein Jahrzehnt nach einer nuklearen Bombenkatastrophe ist davon herzlich wenig zu sehen. Die Welt heute ist Asche, ein graues, tristes Etwas, das von den verzweifelten Überlebenden bewohnt wird – auch diese wurden nicht verschont, haben sie doch mit erheblichen gesundheitlichen Konsequenzen zu kämpfen oder wurden damals mit dem verschmolzen, was damals bei ihnen war. Mit den Straßen, Autos, mit ihren Kindern … Pressia hat es mit einem Puppenkopf als Hand noch relativ gut getroffen und soll nun, wie alle in ihrem Alter, der Miliz beitreten. Daran ist für sie nicht zu denken.
Partridges Leben dagegen ist ein vollkommen anderes; seine Familie konnte sich damals, zumindest zum Teil, in den Dom retten. Dort ist alles noch in Ordnung, die Luft ist sauber, die Menschen sind gesund, ja sogar besser und für viele draußen wirkt es wie ein Paradies. Doch das ist es nicht und dies wird Partridge immer deutlicher, je mehr er nachforscht. Für ihn gibt es nur einen Weg: Raus aus dem Dom, wo er vielleicht sogar seine Mutter wiederfinden kann – doch sein Vater, einer der einflussreichsten Männer im Dom, ist nicht bereit, ihn einfach so gehen zu lassen.
Beide sind auf der Flucht, aber sie verbindet viel mehr als das; was sie entdecken könnten, würde nicht nur ihre eigenen Leben verändern.

Ach, „Pure“, ich hab versucht, es richtig zu lieben, aber so richtig ist es mir nicht gelungen. Es gibt sicherlich einiges, was für das Buch spricht, das kann und will ich gar nicht verleugnen. Das fängt mit der personalen Erzählperspektive an, die nicht nur zwischen Pressia und Partridge wechselt, auch wenn diese beiden die am häufigsten vorkommenden ErzählerInnen sind. Das ist freilich nichts gänzlich Neues, aber es ist doch mal erfrischend anders und eine nette Abwechslung von der sonstigen Ich-Erzählperspektive.

Mit Pressia und Partridge präsentiert uns Julianna Baggott auch zwei Charaktere, über sie ich sehr gern mehr erfahren möchte, besonders jetzt da ich schon etwas mehr über sie weiß. Unterstützt werden sie von allerlei zweifelhaften und weniger zweifelhaften Figuren – da wäre Bradwell, der jede Menge Theorien über die Geschehnisse in Vergangenheit und Gegenwart hat, oder auch El Capitan, der mit seinem jüngeren Bruder zusammengeschmolzen wurde und den ich, trotz seiner zweifelhaften Loyalitäten, irgendwie in mein Herz geschlossen haben. Es gibt noch mehr Namen und sie alle bilden eine recht bunte Mischung, die mir aber unheimlich gut gefallen hat. Natürlich – leider? – muss sich hier und da auch eine Romanze entspinnen, wird aber vergleichsweise klein gehalten und gehört zumindest nicht in die Sparte „epische Liebe auf den erste Blick“, weil für so was gar keine Zeit ist. (Auch wenn ich genauso wenig sagen kann, dass ich gänzlich überzeugt wäre.)

Das Beste am ganzen Buch ist aber die Welt selber. Sie ist verdammt gruselig. Das geht mit der unglaublichen Tristesse los, die im Grunde sofort heraufbeschwört wird und steigert sich mit jeder Neuentdeckung nur mehr. Ein Teil des Grusels rührt einfach daher, was mit den Menschen geschehen ist – die Schäden nach den Angriffen an ihnen sind irreparabel und unglaublich traurig – und so, wie sie sich nun in der Gegenwart manifestieren, jagen sie mehr als nur einen Schauer über den Rücken.
Vielleicht liegt es auch daran, dass manches davon so „nah“ ist. Niemand muss lange nach Bildern und Berichten aus Nagasaki und Hiroshima suchen, die von den verheerenden Folgen der Atomangriffe berichten. Niemand muss besonders gut in der Schule aufpassen, um zu wissen, dass diese Folgen ganze Generationen betreffen und es in einem solchen Fall ein „mit einem blauen Auge davonkommen“ nicht gibt. Und niemand muss extra gesagt bekommen, dass viel zu viele atomare Sprengköpfe existieren – die Folgen auch nur eines Angriffes wären schrecklich. Allein der Gedanke, dass diese Welt so oder so ähnlich durch eben diese Grundbedingungen möglich wäre, und das, wenn ich es sehr paranoid umschreiben wollte, sogar zu jedem Zeitpunkt, macht sie so erschreckend, denke ich. Es regt zum Nachdenken an – hinterher ist die Gefahr zumindest ein bisschen bewusster.

Warum konnte es mich also nicht gänzlich begeistern? Die Autorin ist schuld, und das auf einer sogar recht objektiven Ebene. Den Charakteren kommen immer mal wieder Eingebungen, die wirklich sehr plötzlich, wie aus heiterem Himmel auftauchen. Gleiches gilt für Ereignisse, die die Handlung voranbringen und den Charakteren helfen können – da gibt es keine Vorwarnung, keine logische Herleitung, es passiert einfach. Weil Gründe vermutlich. Durch diese Momente hatte ich immer wieder das Gefühl, in der Luft zu hängen, nicht ganz mitzukommen oder etwas verpasst zu haben. In dieser Art und Weise immer wieder aus dem Lesefluss rausgeschmissen zu werden, stört ungemein.

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„Pure“ überzeugt mit interessanten Charakteren und einer faszinierenden wie erschreckenden Welt – versagt aber, wenn immer wieder Dinge aus heiterem Himmel geschehen und den Eindruck erwecken, als wäre eine logische Erklärung dafür aus dem Buch gestrichen worden. So wurde zumindest mein Lesefluss immer wieder unterbrochen; neugierig auf die Fortsetzung bin ich trotzdem.

Die Reihe ist seit diesem Februar im Original komplett, zumindest was die US-amerikanischen Hardcover- und die (extrem hässlichen) britischen Paperbackausgaben angeht. Aus ästhetischen Gründen hier mal nur die folgenden Hardcover, „Fuse“ und „Burn“:

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Auf Deutsch läuft die Reihe unter dem Titel „Memento“, ist bisher nur als Hardcover (und eBook) bei Baumhaus erschienen und wird im Juni 2014 beendet werden. Die Titel der einzelnen Bände lauten „Die Überlebenden“, „Die Feuerblume“ und „Der Neubeginn“.

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8 thoughts on “Rezension | Pure | Julianna Baggott

  1. Die Reihe wollte ich eigentlich auch endlich mal beginnen, ich hab ja noch nicht genug XD bisher wusste ich aber nichtmal wirklich worum es geht, die Welt hier klingt aber wirklich creepy und was so nah an dem ist, was hier auch passiert, ist sowieso immer am gruseligsten…
    Mal schauen, ob ich mir die Bücher dann nicht besser ausleihe, wenn ich mir eh nicht so sicher bin :)

  2. Jetzt wo die Reihe komplett ist, will ich ich die auch unbedingt mal anfangen. Ich mag ja so richtig gruselige, hoffnungslose Welten. Fan ich in der Marbury Lens Reihe auch so toll.
    Dass da so viele Dinge aus heiterem Himmel passieren lässt mich jetzt irgendwie ein wenig an Ashes denken. Mal sehen wie mir das dann hier gefällt. In Ashes war ich etwas genervt :D

    • Ashes hat aber keine coolen Puppenköpfehände! Ashes mochte ich zumindest etwas weniger, und hier ist alles andere ja eigentlich ziemlich cool. :3 Da kann es nicht schaden, den ersten mal zu lesen – mittlerweile gibt’s ja auch günstige TBs, da schmerzt es nicht mal finanziell, falls es doch nicht das Richtige ist. Oder ich leih’s dir aus, wenn du magst. Mir fiel grad meine „Bibliothek“ wieder ein. xD

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