Rezension | Will Grayson, Will Grayson | David Levithan, John Green

Will Grayson Will GraysonGenre: YA, Contemporary
Verlag: Penguin
ISBN: 978-0-141-34611-3
Preis: £ 7.99
Erscheinungsdatum: Mai 2012
Format: Paperback

Will Grayson hält sich lieber im Hintergrund und fällt nicht auf, auch wenn das schwer ist mit einem Freund wie Tiny Cooper, der in jeder Weise eine schillernde Persönlichkeit ist. Zumal es nur von Nachteil ist, unauffällig zu sein, wenn es Mädchen wie Jane gibt – ein Mädchen, dem er sehr gern auffallen würde. Will Grayson ist schwul und depressiv, auch wenn das beides nicht miteinander zusammenhängt. Lichtblicke bietet ihm Isaac, ein Junge, den er nur über’s Internet kennt, den er aber sehr gern mal treffen möchte und bald auch kann. Einerseits reiß ihn das ein bisschen aus der Depression heraus, andererseits ist da diese Angst, dass was schiefgeht und dass er wieder einmal alleine dasteht.
Nein, Will Grayson hat keine gespaltene Persönlichkeit, es sich zwei Personen. Beide Will Graysons könnten unterschiedlicher nicht sein und doch befinden sie sich in recht ähnlichen, schwierigen Situationen – bis sie sich dann ganz zufällig mal treffen. Enter Tiny Cooper, helfender Engel im Großformat seit jeher, ohne dass ihm jemals dafür gedankt wird. Sei’s drum, er ist trotzdem zur Stelle und so werden die beiden Wills ganz freundlich gezwungen, ihr Leben in den Griff zu kriegen.

„Will Grayson, Will Grayson“ war mein erstes Buch von David Levithan und zumindest das erste, das ich von John Green gelesen habe – wir ja auch mal langsam Zeit!, dürften einige sagen. Stimmt.
Ich muss zugeben, dass ich in gewisser Hinsicht ein wenig zwiegespalten bin. Ich fand David Levithans Parts klasse, während mich John Greens Seite der Geschichte manchmal fast ein bisschen gelangweilt hat, auch wenn wir ihm Tiny Cooper zu verdanken haben, der wortwörtlich der heimliche Star dieses Buches ist. Trotzdem konnte ich mich nicht so recht für seinen Will Grayson interessieren, zumindest nicht die ganze Zeit über.

Aber bleiben wir erst mal beim Positiven: Die Art, wie dieses Buch erzählt wird, ist fantastisch. Die Kapitel wechseln sich immer zwischen den zwei Wills ab und auch wenn nie dabei steht, um welchen es sich gerade handelt, ist es immer offensichtlich. Die Autoren haben ihren Charakteren sowohl optisch als auch vom Ton her eine ganz eigene Stimme geschenkt. Zugegeben, von dem was ich bisher so gelesen habe, scheint mir John Green in seiner typischen Manier geschrieben zu haben (die an sich auch sehr lesenswert ist). David Levithan hat dagegen was anderes ausprobiert und aus Wills Sicht geschrieben, nicht seiner eigenen. Hinzu kommt, dass dieser Will ganz dem Internetzeitalter entsprechend hintereinander ohne Großbuchstaben schreibt, was das Erkennen seiner Perspektive natürlich umso einfacher macht.
Schon vom ersten Satz an ist klar, dass Levithans Will entweder stark gelangweilt und müde oder depressiv ist – zweiteres ist der Fall, und zudem ist er wirklich nicht immer der sympathischste Charakter. So zum Beispiel betont er immer und immer wieder auf eine eher herablassende Art und Weise Tinys Körperumfang, was ungerecht ist und nervt. Trotzdem waren mir seine Parts mit all der Negativität und all den Sorgen die liebsten. Sorgen hat Greens Will auch, aber er war eben der typische, normale Nerd, der auf mich weder besonders liebenswert noch unsympathisch wirkte. Der andere Will dagegen hat eine viel interessantere Persönlichkeit und eigentlich ist er nicht so gemein, wie er immer tut. Das entschuldigt seine Handlungen nicht – vor allem nicht die gegenüber Tiny Cooper –, aber ich konnte gar nicht anders, als ihm das Beste zu wünschen, was seine Storyline umso spannender machte.

So ernst das alles klingt, „Will Grayson, Will Grayson“ ist vor allem ein lustiges Buch, jedenfalls die meiste Zeit über. (Zum Weinen schön ist’s übrigens auch.) Viele Lacher habe ich Tiny zu verdanken, aber nicht nur; Spaß konnte ich dank beider Autoren haben, ohne dass die ernsten Themen durch den Kakao gezogen wurden. Da wäre zum einen Homophobie, mit der vor allem Tiny zu kämpfen hat, auch wenn er sich das herzlich wenig ansehen lässt. Zum anderen ist da auch Wills Depression, die nicht über Nacht verschwindet, nur weil er andere Freunde findet. Nein, die zeigt sich mal stärker und mal weniger und auch am Ende ist sie noch immer ein Thema, an dem gearbeitet werden muss. Ohnehin erwartet uns hier kein gänzlich abgeschlossenes Ende, sondern vielmehr ein Punkt, an dem sich eine bestimmte Richtung erahnen lässt, auch wenn sie nicht als selbstverständlich angesehen werden kann – ich aber finde gerade das so toll und drücke den Charakteren alle Daumen und Zehen, die ich in die Finger kriegen kann.

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„Will Grayson, Will Grayson“ ist ein ernstes, aber auch ungemein lustiges Buch, dem ich einen gewissen Wohlfühlfaktor wirklich nicht abschreiben kann. Lachen, entsetzt aufstöhnen, weinen – das ist hier alles mit dabei, was ich aber doch eher David Levithan als John Green zuschreiben möchte. Zumindest konnte mich sein Teil der Geschichte durchweg begeistern, während John Green das etwas seltener gelang. Andererseits gäb’s ohne diesen keinen Tiny Cooper und allein für den lohnt sich das Lesen schon!

Das Buch gibt’s in drölfzigtausend Ausgaben, die ihr alle bei Goodreads findet. Wer die deutsche Ausgabe sucht, sollte es mit „Will & Will“ aus dem cbt-Verlag probieren. Das gibt’s sowohl als Hardcover (mit knapp 15€ sogar ziemlich günstig) als auch als Taschenbuch, und sieht so aus:

Will & Will

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18 thoughts on “Rezension | Will Grayson, Will Grayson | David Levithan, John Green

  1. Ja, Tiny Cooper war wirklich eine Schau! Das ist einer dieser Buchcharaktere, mit denen ich gerne befreundet wäre.
    Was die beiden Schreibstile betrifft, gebe ich dir durchaus Recht, auch wenn ich fand, dass der von Green ebenso gut zu dem eher „zurückhaltenden“ Will passt, wie der von Levithan zu seinem Will. Was mir aber am besten gefallen hat war zu sehen, wie realitätsnah die beiden Autoren ihre Charaktere wirken lassen. Die beiden könnten direkt in meiner Schule sitzen und über die Leute schreiben, die ihnen so über den Weg laufen :D

    Liebe Grüße,
    Bramble

    • Gepasst hat er durchaus, aber für mich klang es ganz ganz typisch nach Green – ich muss aber auch zugeben, dass ich zu dem Zeitpunkt nur ein Buch komplett kannte und in andere nur reingelesen hatte (mittlerweile sind es immerhin drei). Ich fürchte, John Green ist einfach nicht „mein“ Autor, aber Fans hat er ja eh genügend. :D
      Ha, ich wünschte, es hätte bei mir einen Tiny Cooper gegeben! Recht hast du aber – insgesamt ist es eben doch ein lohnenswertes Buch. <3

  2. oh gott, wenn ich das so lese, merke ich, wie viel ich von dem Buch schon wieder vergessen habe ;_; dabei fand ich es wirklich toll! auch wenn ich am Anfang sehr von den zwei Wills irritiert war XD Ich glaube das schreit bald mal nach nem Reread. :)

  3. Haha, in letzter Zeit wandern immer mehr Bücher auf meine Wunschliste, wenn ich bei dir lese ;-)
    Das Buch ist das Lieblingsbuch einer guten Freundin und sie hatte mich schon halb davon überzeugt.

    • Das ist doch ein schöner Nebeneffekt. :D Bzw. ist das doch genau das, was ich will. x)
      Dann schließ ich mich mal deiner Freundin an, auch wenn es nicht mein Lieblingsbuch ist!

  4. Schade, dass dir das Buch nicht 100% gefallen hat, aber manchmal hat man es ja mit einem Autor, den (fast) jeder mag und mit dem man selbst nichts anfangen kann. Dafür gibt es ja verschiedene Geschmäcker ;) Will Grayson, Will Grayson gehört zu meinen Lieblingsbüchern und Tiny Cooper zu meinen all-time favourite characters, bei denen ich mir wünschen würde, es gäbe sie wirklich…

  5. Ich hab mich damals riesig auf das Buch gefreut, weil ich dachte, dass bei meinen beiden Lieblingsautoren gemeinsam eigentlich nur etwas Perfektes herauskommen kann. Vielleicht waren meine Erwartungen also auch etwas zu hoch, ich fand das Buch dann nämlich nur „ganz gut“, also echt nicht schlecht, aber es hat mich nicht so umgehauen wie ich gern wollte oder wie beide Autoren es schon mit ihren Einzelwerken geschafft haben :(
    Mir ging es wie dir, ich fand DLs Will noch ein ganzes Stück besser und interessanter. Ich fand bei JGs Will zwar, dass man gemerkt hat, welcher Autor dahinter steckt, ich finde aber auch, dass JG viel mehr kann und WGWG nicht zu seinen Meisterwerken zählt (was echt nicht heißt, dass ich es nicht gut fand).
    Ich glaube mir war die ganze Tiny Sache etwas zu überdreht. Würde das Buch eigentlich gern noch mal lesen, weil es schon so lange her ist und weil meine Erwartungen jetzt nicht so hoch wären.

    • Ein Reread klingt doch gut! ;D
      Tiny ist eindeutig sehr überdreht, aber für mich hat das gerade seinen Charme ausgemacht. Ich bewundere jeden Menschen, der so „schamlos“ ist. :’D
      Vielleicht arbeiten die Autoren allein auch besser, wer weiß … ich weiß gar nicht warum, aber mir ist es immer lieber, wenn ein Buch nur von einer Person stammt. :0 (Zumindest der Text.)

Und ihr so?

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