Rezension | Charm and Strange | Stephanie Kuehn

Charm and StrangeGenre: YA (mehr siehe Rezension)
Verlag: Electric Monkey
ISBN: 978-1-405-26784-7
Preis: £10.99
Erscheinungsdatum: Juni 2013
Format: Paperback

Wer ist Andrew Winston Winters? Niemand weiß es so recht und er am allerwenigsten. Einst war er Drew, ein gewalttätiger Junge, der immer wieder die Kontrolle über sich verlor. Jetzt ist er Win, ein einsamer 16-Jähriger in einem Internat, der niemanden an sich ranlässt – es auch nicht könnte, wenn er wollte. Doch ist Drew vollkommen verschwunden? Was machte Drew zu dem, der er war? Und wie wurde er Win? Er weiß es nicht alles, manches auch nicht mehr; doch etwas lauert in ihm, dessen kann er sich sicher sein. Und dieses Etwas, diesen Wolf, der da ist, darf er nie herauslassen – oder hat er es vielleicht schon getan?

„Charm and Strange“ ist ein Buch, das schmerzt und auch wenn ich hier und da ein paar Lichtblicke erspähen konnte, so ist es im Großen und Ganzen ein sehr dunkles, ein sehr hoffnungsloses Buch.
Das ist es aber nicht, was mich so daran faszinierte, denn die Ausmaße des Schreckens werden erst nach und nach enthüllt. Was mich aber sofort in den Bann zog, war diese Ungewissheit. Womit habe ich es hiermit überhaupt zu tun? Ist es ein reiner Psychothriller? Oder geht es doch in Richtung Fantasy? Wins gefährliche, wölfische Seite ist von Anfang an kein Geheimnis, doch was alles dahinter steckt, ist nicht ganz klar – Hinweise gibt es in beide Richtungen und mehr möchte ich dazu eigentlich gar nicht sagen. Nehmt einfach das Buch zur Hand und lasst euch drauf ein, lasst euch überraschen; immer und immer wieder, weil es Gewissheit nur am Ende geben wird. Zumindest ein wenig.

Erzählt wird die Geschichte aus zwei Perspektiven, auch wenn immer von der gleichen Person. Die eine Hälfte ist Win gewidmet, wie er versucht, im Internat zurechtzukommen und dabei kläglich scheitert. Mitschüler schikanieren ihn, doch er wehrt sich nie, wagt es nicht – nicht aus Angst, die Situation für sich schlimmer zu machen, sondern aus Angst darüber, die Kontrolle zu verlieren. Eine Leiche, die kürzlich im Wald gefunden wurde, stürzt ihn dabei einmal mehr in seine Zweifel und die Angst, endgültig ein Monster zu werden.
Die andere Hälfte gehört Drew, und der Zeit seit seinem ersten Ausraster bis zu einem tragischen Sommer, der ihn so unglaublich viel verlieren ließ. Beide Perspektiven beschreiben ganz eigene Leidenswege, die doch eng miteinander verknüpft sind. Stephanie Kuehn präsentiert sie so geschickt, dass das Rätseln einfach kein Ende nimmt – zumal noch so viel nebenher geht. Es gibt Probleme mit Verwandten, Eifersucht, den Verlust von Freunden, aber auch Krankheiten, bei denen nicht sicher ist, ob diese nun Symptome sind oder Nebenwirkungen. So oder so, es schmerzt. Von all den Beschreibungen mag Win nicht wie der sympathischste Kerl wirken, aber er ist so verwirrt und hilflos, obwohl er alles versucht, um Gewissheit zu kriegen, dass es gar nicht anders geht, als mit ihm mitzufühlen. Das entschuldigt nicht alles, aber es ist doch wichtig für alle – ihn und sein Umfeld –, um zu verstehen. Und dass das irgendwann möglich ist, hab ich mir mehr als alles andere gewünscht.

Viel mehr kann ich zum Buch auch gar nicht sagen, ohne euch viel zu viel zu verraten, deswegen belass‘ ich es hierbei. Zum Abschluss vielleicht noch: Ich fand das Buch klasse. Es ist kein fröhliches Buch, aber manchmal ist das eben so, und die Bücher können trotzdem begeistern. Ich bin daher schon sehr gespannt, wie Stephanie Kuehns nächstes Buch sein wird – wenn es nur ansatzweise mit „Charm and Strange“ mithalten kann, ist es schon ein gutes Buch.

05

Nehmt „Charm und Strange“ nur zur Hand, wenn es euch selbst nicht zu schlecht geht, denn es ist ein düsteres Buch. Aber behaltet es unbedingt im Auge, denn wie auch immer es euch beim Lesen gehen wird – es ist es wert. Stephanie Kuehn erzählt geschickt die traurige Geschichte eines Jungen, der selbst nicht mehr weiß wer oder was er überhaupt ist – und auch wir werden es die meiste Zeit nicht wissen, sondern nur Vermutungen anstellen können. Aber gerade das macht den Reiz des Buches aus. Also kauft es euch einfach schon mal und wenn es dann gerade gut passt, wagt euch in Andrews Leben.

„Charm und Strange“ hat mittlerweile ziemlich viele Cover, auch wenn die Ergebnisse des US-Verlags nicht so bahnbrechend sind. Das UK-Paperback ist ganz nett, aber die schönste Ausgabe ist wohl doch das UK-HC, welches hier rezensiert wurde. Der Vollständigkeit halber sind hier aber noch mal das US-HC, das US-PB und das UK-PB:

Charm and Strange_USHCCharm and Strange_USPBCharm and Strange_UKPB

Stephanie Kuehns nächstes Buch steht auch bereits in den Startlöchern: „Complicit“ klingt schon wieder sehr spannend, aber ich werd die coole Inhaltsangabe nicht durch meine mittelmäßigen Wiedergabefähigkeiten verhunzen – ein Klick aufs Cover verrät euch dann alles, was ihr eventuell wissen wollt. Was ihr wissen müsst, ist einfach nur, dass es von Stephanie Kuehn stammt. Bisher ist nur ein US-Hardcover angekündigt und der britische Verlag hat auf eine Nachfrage bisher auch nicht geantwortet – aber ich bleib dran. Denn obwohl das US-Cover okay ist, hab ich ja die leise Hoffnung, dass das UK-Cover wieder genial werden würde.

Complicit

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One thought on “Rezension | Charm and Strange | Stephanie Kuehn

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