Rezension | Wolfszeit | Nina Blazon

Wolfszeit
Genre: Jugendbuch, historischer Roman, Fantasy
Verlag: Ravensburger Buchverlag
ISBN: 978-3-473-40070-6
Preis: 17,99€
Erscheinungsdatum: März 2012
Format: Hardcover

Frankreich im 18. Jahrhundert: Ein Unwesen treibt sich in der Provinz umher, und immer wieder fallen ihm Menschen zum Opfer. Manche glauben, dass sie geschickt wurde, um die Sünder zu bestrafen, doch alle Gebete der Welt reichen nicht aus, das Grauen zu beenden. Die Bestie wütet weiter, und auch die Krone muss endlich reagieren. Zusammen mit Jägern reist auch der Zeichner Thomas an, der überzeugt ist, dass es sich hierbei nicht um ein Ungeheuer oder göttlichen Zorn, sondern um ein bisher unbekanntes, wolfsähnliches Tier handelt. Doch je weiter die Suche voranschreitet, desto mehr beginnt auch er zu zweifeln. Womit hat er es hier wirklich zu tun?

Es kann gut sein, dass ich mit zu hohen Erwartungen an „Wolfszeit“ herangegangen bin. Als ich damals Nina Blazons historischen Roman „Totenbraut“ las, hatte ich mich sofort in diesen verliebt und war besonders von seiner Undurchsichtigkeit begeistert. Es ging scheinbar um Vampire, aber handelte es sich hier wirklich um übernatürliche Wesen, oder gab es auch eine irdische Erklärung?
Diese Ungewissheit wollte ich auch von „Wolfszeit“, diesmal auf den Werwolfsmythos übertragen. In gewisser Hinsicht ist das auch eine der zentralen Fragen von „Wolfszeit“, aber sie ist nie sonderlich drängend gewesen. Es kann daran liegen, dass die Handhabung in „Totenbraut“ Hinweise gibt, wie es hier laufen wird – ich jedenfalls hatte dank des anderen Buches von Anfang meine Meinung und sollte Recht behalten. Spannend kann das Buch deswegen noch immer sein, aber mir fehlte doch ein entscheidender Aspekt, um es lieben zu können.

Am Ende gingen aber noch ein paar mehr Sachen schief. Um mal vorwegzugreifen: „Wolfszeit“ ist keinesfalls ein schlechtes Buch. Das Rätsel um die Bestie hat noch immer seinen Reiz und Nina Blazon präsentiert hier mal wieder einige sehr liebenswerte Charaktere, was der Geschichte – den Ereignissen geschuldet – eine gewisse Tragik verleiht. Ob das nun die Grafentochter Isabelle ist, die die Nase voll hat von den Vorschriften ihrer Familie, oder Thomas, der sich mit Feuereifer in die Suche stürzt und dabei auch dem einen oder anderen Fettnäpfchen nicht aus dem Weg gehen kann (und dabei zugegebenermaßen auch seine blöden Momente hat). Mein heimlicher Liebling war Bastien, ein junger Mann, der mich vor allem durch seine Beziehung zu Thomas überzeugt hat – ich glaube, die beiden waren mir die liebsten besten Freunde, die ich seit langem kennengelernt habe. Beste Freunde ist vielleicht übertrieben, aber ich mochte die beiden doch sehr miteinander.
Dafür funktionieren andere Beziehungen überhaupt nicht, vor allem Thomas‘ und Isabelles Liebesbeziehung, die ich nicht ganz nachvollziehen konnte. Zwar mag ich beide Charaktere für sich alleinstehend, aber ich konnte nie ganz verstehen, was sie aneinander finden, das über einfache Sympathie hinausgeht. Ich mein, ich mag viele Menschen, aber deswegen will ich keine Beziehung mit ihnen anfangen. Bis zum Ende wird das auch nicht deutlicher gemacht; sie lieben einander eben und darauf baut alles weitere auf. (Instalove kann ich es allerdings auch nicht unbedingt nennen, mir fehlt nur eine gewisse Basis.)
Mein allergrößtes Problem ist aber die Auflösung. Ich stehe zu dem, was ich vorher geschrieben habe: Die Suche nach Antworten ist trotz allem spannend, das betrifft aber hauptsächlich das Was und Wie. Bezüglich des Wers – und ob überhaupt jemand etwas damit zu tun hat – wird von Anfang an eine sehr deutliche Spur gelegt. Sie ist so offensichtlich, dass es nur zwei Optionen geben kann: Entweder ist der Charakter tatsächlich involviert und es ist quasi von Anfang an bekannt, oder aber der Charakter ist nur eine falsche Fährte, die durch ihre Offensichtlichkeit aber viel zu misstrauisch macht. In beiden Fällen kann das Buch nur verlieren. (Was nun zutrifft, verrat ich euch trotzdem nicht …) Daher waren die Auflösung und auch verschiedene andere Enthüllungen nicht immer (allerdings manchmal) überraschend, eigentlich ein bisschen enttäuschend.

Da überzeugt das Ende schon eher, welches zwar nicht gänzlich offen, aber auch nicht vollkommen abgeschlossen ist. Ich kann nicht einmal sagen, ob es ein Happy End oder das Gegenteil ist – denn keins von beidem trifft zu. Das entspricht aber nur den Ereignissen des Romans und ist damit nicht nur passend, sondern auch auf seine eigene Art und Weise schön. Letztendlich ist es eben doch ein Buch von Nina Blazon.

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„Wolfszeit“ kann nicht mit ihrem Vorgänger „Totenbraut“ mithalten und auch andere Bücher Blazons sind deutlich besser als dieses – trotz Spannung und einnehmender Charaktere können sowohl die Romanze als auch die Aufklärung zu großen Teilen nicht überzeugen. Für Fans der Autorin ist das Buch wohl trotzdem einen Blick wert, es muss aber nicht ganz oben auf der Wunschliste stehen, ob bei Fans oder anderen.

Mittlerweile ist „Wolfszeit“ schon wieder nur über private Anbieter als Hardcover zu bekommen. (Warum werden Hardcover jetzt eigentlich immer so schnell rausgehauen? Das Buch ist gerade mal zwei Jahre alt.) Aber es gibt ja eine Taschenbuchausgabe, auf die zurückgegriffen werden kann. Mir persönlich gefällt das Cover des gebundenen Buches wesentlich besser, auch wenn ich schon deutlich schlimmere Mädchengesichtcover gesehen habe:
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8 thoughts on “Rezension | Wolfszeit | Nina Blazon

  1. Hat Wolfszeit jetzt tatsächlich was mit Totenbraut zu tun oder hast du die nur als „Vorgänger“ bezeichnet, weil es halt auch historisch und mit einem Mythos ist?
    Und das ist echt schon vergriffen? Ist ja krass. Wieso drucken die das nicht nach? Das PB sieht furchtbar aus D:

    • Nur Vorgänger in dem Sinn, dass es beide historische Romane sind, die sich eines Mythos‘ annehmen und auf dieser Linie zwischen Realität und Fantasy wandeln – inhaltlich haben die Geschichten absolut nichts miteinander zu tun. :)
      Jep; scheint jetzt immer öfter Gang und Gebe zu sein. Passiert mir bei Droemer z.B. oft, dass das HC ganz schnell nicht mehr zu haben ist.

  2. Nachdem mir schon Blutbraut nicht so zugesagt hat, sollte ich wohl besser die Finger von dem Buch lassen. Aber noch behalte ich Nina Blazon im Hinterkopf

    • Blutbraut war was von Lynn Raven, oder?
      Aber merk dir Nina Blazon wirklich mal. <3 Schon allein, weil sie eine so sympathische Frau ist. :D

      • Gott ich bin soo doof! Ich meinte natürlich Totenbraut. Es gibt so manche Titel, die ich echt immer durcheinanderbringe.

      • Sooooorry, aber irgendwie hat mir das nicht so zugesagt. Am Anfang fand ich es zwar wirklich klasse, aber irgendwann hab ich angefangen mich zu langweilen.

      • Pfffffft. Schande über dich, Schande über deine Kuh! (Ich hoffe, du hast Mulan geguckt, sonst kommt das garstiger und sinnloser rüber, als es gemeint ist. xD)

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