Montagsfrage | Welche Bücher hast du über die Ostertage gelesen?

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Eine wöchentliche Aktion von Libromanie.

Zwei Bücher waren es, die ich allerdings schon eine Weile vorher angefangen hatte. Wirklich viel bin ich eigentlich auch gar nicht zum Lesen gekommen, denn am Osterwochenende war dieses Jahr wieder die HobbitCon – und ich mittendrin. Jetzt bin ich um einiges ärmer (dafür mit neuen Fotos, Autogrammen und der Erinnerung an eine Dwalin-Umarmung <3), und denke beschämt an die blöden Dinge zurück, die ich an den paar Tagen von mir gegeben habe. (Jep, ich hab absolut Dean O’Gorman für sein S bei der Widmung in meinem Hobbit-Buch gelobt. Ich stand leicht neben mir, ne?) Trotzdem ließen sich ein paar Seiten einschleusen, weshalb „Art and Lies“ von Jeanette Winterson endlich beendet ist, und ich mit „Bi: Notes for a Bisexual Revolution“ von Shiri Eisner ein ganzes Stück weiter bin. Wen es etwas genauer interessiert:
Art and Lies
Joah, nee, das war nix. Nicht für mich zumindest. Erzählt wird die Geschichte dreier Personen: die vom katholischen Arzt Handel (benannt nach Händel), von einer jungen Malerin namens Picasso, und der mittlerweile mythischen Gestalt Sappho, die im 6. Jahrhundert v. Chr. lebte, sich nun aber auch im London des 21. Jahrhunderts befindet. Einen konkreten Plot gibt es nicht. Die Charaktere erzählen und reflektieren, erinnern sich und sinnieren über die Welt, in der sie leben und was all das eigentlich noch wert ist. Das Buch hat ganz wunderbare Passagen, in denen ich mich durchaus selbst wiedergefunden habe und Jeanette Wintersons Art zu erzählen ist hier sehr poetisch, die meiste Zeit auf eine sehr angenehme, schöne Weise. Zumindest was das sprachliche Level angeht. Die Präsentation der Geschichte selbst war mir zu wirr, zu sprunghaft, zu metaphorisch. Und so bleibt es bei einigen schönen Passagen, was aber nicht wirklich reicht, um ein Buch richtig genießen zu können.
Aber um euch mal einen Eindruck zu geben:

What marries me to you? Is it a piece of paper? Then I am not married to you. Is it Church approval? Then I am not married to you. Is it the fact of a roof, the fact of a bed, the fact of two keys in one lock? Then I am not married to you. Is it the Eye of the Law? Then I am not married to you.
If it is the daily pleasure in your face. If it is the quickening of my spirits at your face, if it is your face I seek when I seek no other, if it is the love of you that is consent, if it is consent to be of the same mind, then let me not to the marriage of true minds admit impediments. There is some Latin that I understand; Consensus facit matrimonium et non concubitus. (Winterson 1995: 58)

In the new Church-abandoned morality, a curious hierarchy of values had asserted itself. The serially monogamous, as the magazines called the marriage junkies, were a step up in virtue from any couple who either would not or could not marry. The unmarried, however faithful, were at least two steps down from the man who kept his wife but enjoyed his mistress(es). (ebd.: 83)

With a single stroke of my pen I condemned her child to life. It would not be for me to feed him, to clothe him, to bathe him, to wipe his head, to wake for him when he cried, to sleep beside him when he was afraid. It would not be for me to walk out every morning to provide for him. To comfort him. It would not be for me to tell the little creature, born full of hope, that there was no hope in the world. (ebd.: 180)

bi notes for a bisexual revolution Ich bin bisher sehr, sehr angetan von diesem Buch. Perfekt ist es nicht, manche Sachen werden einfach hingestellt, ohne weiteren Nachweis – andererseits schreibt Shiri Eisner aus einer gänzlich anderen Perspektive als der meinen. Shiri lebt in Tel Aviv und identifiziert sich im Gegensatz zu mir als genderqueer und ist zudem Aktivistin, hat also wesentlich mehr Erfahrungen z.B. mit Biphobie, oder auch den bisexuellen, schwulen und lesbischen Gemeinschaften – wenn sie also sagt, dass die bisexuelle Gemeinschaft wesentlich respektvoller mit Menschen umgeht, die sich nicht in das binäte Gendersystem unserer Gesellschaft pressen lassen, dann kann ihr das wohl auch geglaubt werden – Nachweise und Zahlen für die Zweifler wären aber trotzdem schön. (Theoretisch lassen die sich bestimmt auch anderweitig finden, aber da dieses Buch speziell für Menschen mit weniger Zugang zu akademischen Quellen geschrieben wurde, wäre es hier wirklich von Vorteil gewesen.) Sind aber nur Details! Ansonsten bietet sie einen wirklich interessanten Blick auf Biphobie, die Löschung von Bisexualität aus dem gesellschaftlichen Gesamtbild (bzw. Sexualisierung, wenn es doch mal vorkommt), rechnet mit Stereotypen ab und zeigt auf, warum diese zum Teil wahr sind und warum genau das eigentlich richtig gut ist. Kritik wird zwar auch an schwulen und lesbischen Gemeinschaften geübt, die eigentliche Quelle all der Probleme (Monosexismus, vor allem aus dem Bereich des Heterosexismus‘ als dominantes Unterdrückungssystem) wird aber nie aus den Augen verloren. Es ist es sehr feministisches Werk, das auch Rassismus und Transphobie anspricht. Denn Biphobie befindet sich nicht in Isolation – andere Formen der Unterdrückung greifen genauso ein, während manche Gruppen (zuoberst bisexuelle, weiße Cis-Männer ohne körperliche oder geistige Behinderung und/oder Erkrankung) privilegierter sind als andere, auch wenn sie sich ebenso mit Formen von Biphobie konfrontiert sehen.
Sprachlich ist das Ganze sehr verständlich formuliert, mit Erklärungen von Fachbegriffen wie z.B. auch „cisgender“, „transgender“, „monosexual“ etc. für all die, die die Begriffe vielleicht nicht kennen oder zu kennen glauben. Was wir zu glauben denken, muss nicht immer das sein, was die jeweilige Gruppe über sich sagt – dabei sollte das Wort der jeweiligen Menschen Gebot sein. Und falls zwischendurch mal ein Begriff entfällt, gibt’s auch ein Glossar.
Einige Kapitel – zu den Themen Bisexualität und Transgender, Bisexualität und Racialization, sowie Bisexualität und die GGGG-Bewegung (meinend: Gay Gay Gay Gay statt Lesbian Gay Bi Trans, LGBT) – stehen noch aus und ich freu mich richtig. Mir war bisher nicht in diesem Ausmaß bewusst, in welch monosexueller Gesellschaft wir leben, auch wenn die Erkenntnisse, leider, nicht unbedingt überraschend sind. So oder so, es ist ein lohnenswertes Buch für alle, die die Augen offen halten wollen, ob sie nun bisexuell sind oder nicht – eigentlich dürfte es sich gerade auch für Menschen anderer Sexualität lohnen, denn was für viele andere Bewegungen gilt, findet auch hier Anwendung: Es ist nicht unsere Aufgabe, euch zu unterrichten. Ihr lebt nicht allein auf dieser Welt, also bildet euch selbst weiter. Bücher wie „Bi: Notes for a Bisexual Revolution“ sind da ungemein hilfreich!

Anmerkung: Ich erkenne die Ironie an, dass ich genau diese beiden Bücher las, als ich mich auf einer Convention befand, die Filme feiert, die in Ansätzen sexistisch und rassistisch sind und auf Büchern basieren, die erst recht sexistisch und rassistisch sind. Vom Autoren fang ich gar nicht erst an.

balken

Die Zitate beziehen sich auf folgende Ausgabe:
Winterson, Jeanette (1995). Art & Lies: A Piece for Three Voices and a Bawd. London: Vintage.

Ellie, das hab ich sowas von von dir geklaut. :’D

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7 thoughts on “Montagsfrage | Welche Bücher hast du über die Ostertage gelesen?

  1. Jeanette Winterson Experiment also nicht geglückt? Schade :/ Die Auszüge, die du bei Instagram gepostet hast, sahen ja irgendwie vielversprechend aus.
    Btw, wie es sich gehört mit richtiger Quellenangabe xD

    • Nee, zumindest vorerst nicht. :/ Einige Passagen sind ja wirklich toll, aber so insgesamt … andererseits war „Art & Lies“ eins der Bücher von mir, die damals erst mal auf der Vielleicht-Liste landeten, es lief mir nur als erstes über den Weg. Ich probier es bestimmt irgendwann noch mal mit einem Buch, bei dem mich auch der Inhalt mehr interessiert – es klang zumindest in einigen Reviews auch so, als wäre die Erzählweise hier gewöhnungsbedürftiger als sonst, das macht mir ja Hoffnung.
      Jaaaa, ich fand das bei Ellie so herrlich, und ehe es irgendwie doch mal Ärger gibt. xD

  2. HAHAHAHAHAAAAA! Mein erster Gedanke: Oh, wie toll, eine bibliographische Angabe! Dann hab ich den Satz untendrunter gesehn und es war um mich geschehen :’D !

    Um die HobbitCon beneide ich dich ja. Dazu wird es doch hoffentlich noch einen Beitrag geben?! *Bettelblick aufsetz* Und es ist vollkommen zulässig, schöne S zu loben. Ich hätte vermutlich überhaupt keinen Ton von mir bekommen ;)

    Bi klingt sehr interessant. Das wäre was für ne gute Freundin von mir, die sich brennend für diese Thematik interessiert.

    • Hihi. <3 Dann hab ich das sekundäre Ziel auch erreicht, wie schön! :'D

      Ein Beitrag wird schwierig, weil ich wirklich null Fotos gemacht habe … das wird dann vielleicht ein bisschen langweilig? xD (Oh, und wenn's dich brennend interessiert: Es gibt immer DVDs von den Cons, die vom letzten Jahr hab ich daheim. Wenn du magst, kann ich sie dir mal schicken?)
      Puuuuh. Er hat dann aber wirklich sehr seltsam geguckt. xD

      Ist auch wirklich sehr interessant! Sehr radikal und nicht immer 100% nachvollziehbar (für mich), aber trotzdem sehr gut und vor allem auch "locker" geschrieben, nicht in diesem hochtrabenden akademischen Ton, den kein Schwein leiden kann außer die Schreiber selbst. Empfiehl es ihr mal! :D Und gerne auch den Bibliotheken in der Nähe, die brauchen alle eh mehr Bücher in die Richtung. xD

      • Schaaaade! Aber würdest du die mir vllt am We mitbringen? Da würde ich zu gerne mal reinschaun!

        Meine Freundin hat sich das Buch jetzt gleich als gedruckte Ausgabe geholt, nachdem sie mal reingelesen und es für interessant befunden hat. Sie liest nicht gerne am Bildschirm.

      • Mach ich! Gibt noch eine Extraregel: Immer, wenn du mich im Bild entdeckst, muss Schoki gegessen werden. :D

        Sehr gut. x) Das Buch fasst sich auch schön an, weil es so ein wabbeliges, großes TB ist. <3

  3. Pingback: Shiri Eisners “Bi: Notes For a Bisexual Revolution” and warum ihr es vielleicht jetzt lesen solltet | Muh, das Telefonbuch

Und ihr so?

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