Rezension | Shattered | Teri Terry

Shattered Es handelt sich hierbei um den Abschlussband der Slated-Trilogie. Die Rezension enthält Spoiler zu den vorherigen zwei Bänden.

Reihe: Slated #3
Genre: YA, Dystopie
Verlag: Orchard Books
ISBN: 978-1-408-31950-5
Preis: £6.99
Erscheinungsdatum: März 2014
Format: Paperback

Wer ist Kyla? Diese Frage stellt sich die junge Frau wohl selbst am meisten, denn eine klare Antwort gibt es darauf nicht. Ist sie das junge Mädchen Lucy, an das sie sich gar nicht mehr erinnern kann? Oder Rain, eine Terroristin, die bereit ist, mit allen Mitteln gegen das Regime zu kämpfen? Oder haben ihre Erlebnisse, das Slating, sie zu einer gänzlich anderen Person gemacht? Nun, da sie gesucht wird und daher untertauchen muss, gibt sich vielleicht die Möglichkeit, diesen Fragen nachzugehen – und die Veränderung herbeizuführen, die das Land dringend nötig hat.

Es scheint, ich kann weder mit noch ohne Teri Terrys Trilogie (TTT, hihi), denn wie auch schon in den vorherigen beiden Bänden gibt es Aspekte der Geschichte, die ich toll fand, allerdings auch solche, die mir weniger zusagten. Band 1 war zu Beginn wahnsinnig interessant, nahm allerdings nie an Fahrt auf und verbaute sich damit jede Möglichkeit auf Spannung. Band 2 hielt generell das Level von Band 1, zog aber auf den letzten hundert Seiten aber noch mal richtig an – ähnlich verläuft es auch mit dem dritten Band, allerdings nur, wenn ihr euch für Kylas Vergangenheit interessiert.

Denn darum scheint es zuallererst zu gehen. Wo Kyla (bzw. Lucy) herkommt, wie sie zu der terroristischen Vereinigung kam, wer inwiefern Schuld daran hat, was ihre Erinnerungen an ihren Vater bedeuten … und wir lernen auch einen Teil ihrer Familie kennen. Ohne diesen Umstand hätte es all diese Antworten auch nie geben können.
Natürlich gibt es all das nicht in einem Batzen, sondern es braucht Zeit, manches sogar bis ganz zum Schluss. Kylas missliche Lage und die größere, politische Situation werden dabei nicht außer Augen gelassen, der Fokus liegt aber etwas mehr auf der bisher sehr schwammigen Vergangenheit. Mir hat das sehr gut gefallen, denn all das waren Aspekte, die mich seit Beginn der Trilogie interessiert haben, weshalb ich es auch mit Spannung verfolgt habe. Wer aber (politische) Action erwartet, könnte wohl etwas enttäuscht werden. Dazu kommt es auch, aber später und zu einem etwas geringeren Anteil, auch wenn sich die Waage im Großen und Ganzen dennoch hält.

Auch sehr lobenswert ist, dass der Romantikteil angenehm klein gehalten wird. Kyla verliebte sich (für mich unerklärlicherweise) schon im ersten Band in Ben, was vorerst aber tragisch endete; was mit ihm geschah – und im zweiten Band aus ihm wurde –, spielt auch hier eine Rolle, die doch noch sehr interessant geworden ist. Sie wirft nämlich die Frage auf, wie sehr wir Äußerlichkeiten vertrauen können – und zeigt außerdem, dass Wahrheiten tatsächlich schmerzhaft sein können, manchmal geradezu zerstörerisch. Es ist ein schönes Bild für die größere, politische Handlung, wie sie sich die Aktivist_innen von MIA erhoffen: dass die Wahrheit das Regime zerstören kann, dass die Menschen rebellieren, sobald sie erfahren, was wirklich vor sich geht. MIA ist die gewaltlose Alternative zur „Free UK“ (besagte terroristische Organisation), und Teri Terry zeigt hier nun, dass Gewalt nicht nur Gegengewalt erzeugt, es kann dieser auch anders und effektiver begegnet werden – was notwendig ist, um eine wirkliche Veränderung zu erzeugen. Ein Umstand, den sich einige Leute sicherlich noch einmal in Erinnerung rufen müssten.

Klingt doch alles ziemlich super, aber ein kleines, aber sehr wichtiges Detail ist mehr als nur enttäuschend. Für alle, denen der Begriff „deus ex machina“ nicht geläufig ist: Wörtlich bedeutet es „Gott aus der Maschine“ und bezeichnet eine Situation, die durch das plötzliche, unerklärte Auftauchen einer Person/Begebenheit (quasi aus dem Nichts) aufgelöst wird. Und genau das passiert einmal in „Shattered“, was mich doch mehr als nur unzufrieden zurückgelassen hat. Gerade da sonst immer nach Lösungen gesucht wird, die im Rahmen der Möglichkeiten sind (z.B. eine Veränderung der Situation im Land durch gewaltfreie Mittel – und all den damit verbundenen Schwierigkeiten) und logischen Strukturen folgen, fällt so eine spontane Aktion doch sehr negativ auf. Um ehrlich zu sein: Ich fand’s richtig blöd. Zum Glück ist es nur einmal passiert.

04

„Shattered“ ist in gewisser Hinsicht wie „Fractured“: macht nichts schlechter als der erste Band, und nur ein bisschen etwas besser – von einem Detail mal abgesehen, ohne welches das Buch wirklich klasse hätte sein können. Das aber auch nur für all die, die sich für Kylas Vergangenheit interessieren. Diese steht hier deutlich im Fokus, auch wenn die politischen Aktivitäten von ihr und anderen nicht zu kurz kommen. Wer aber nur das erwartet hat, wird leider enttäuscht werden. Ehe Kyla etwas verändern kann, muss sie sich erst mal selbst richtig kennenlernen. Insgesamt ist „Shattered“ ein ordentlicher Abschluss einer guten, aber nie ganz herausragenden Reihe.

Bisherige Rezensionen zur Reihe: Slated | Fractured

Deutschleser müssen nicht verzagen, auch in Deutschland ist die Reihe beinahe komplett erschienen; die Cover sind die gleichen wie die britischen Ausgaben, nur die Titel sind natürlich etwas anders: Gelöscht und Zersplittert sind bereits erschienen, Vernichtet wird diesen Juni folgen. Erschienen sind alle drei Bände bei Coppenrath.

Wer auf Englisch liest und die Cover nicht so schick findet, könnte dafür mit den US-amerikanischen Ausgaben Glück haben (die es dann übrigens auch als Hardcover gibt):

SlatedUSFracturedUSShatteredUS

Oh, und falls jemand ganz, ganz dringend literarischen Nachschub von Teri Terry braucht: 2014 soll ein neues (dystopisches? Science-Fiction-?) Buch erscheinen, namentlich The Game of the Few. Könnt ihr euch ja mal merken.

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