FYI | Cress, Marissa Meyer | 151 Days, John Goode

Da es Reihenfortsetzungen sind, gilt wie immer leichter Spoileralarm, wenn ihr die vorherigen Bände nicht kennt und auch überhaupt nichts über diese wissen wollt.

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Cinder kennt ihre Mission: Sie muss Levana aufhalten, bevor sie sich auch noch den Eastern Commonwealth und gar die ganze Erde untertan machen kann. Keine leichte Aufgabe, aber allein steht sie damit auch nicht da. Neben Thorne und Iko stehen nun auch Scarlet und Wolf an ihrer Seite, und auch Kai wird Levana nicht all das, was sie sich wünscht, auf dem Präsentierteller anbieten. Hilfe naht auch von unerwarteter Seite: Cress ist eigentlich damit beauftragt, Cinder und die anderen ausfindig zu machen, doch sie gehorcht der Königin schon lange nicht mehr bedingungslos. Was nur ein bisschen was mit dem attraktiven Carswell Thorne zu tun hat …

Doch mit jedem weiteren Schritt steigt auch Levanas Wut und ihre Entschlossenheit, Cinder ein für alle Mal auszuschalten. Die Freunde schweben in größter Lebensgefahr, und momentan sind sie eindeutig im Nachteil.

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Bisherige Rezensionen: Cinder | Scarlet

Was hab ich gehibbelt, dass dieses Buch endlich erscheint! Umso begeisterter war ich, als sich herausstellte, dass es auch noch ganze 550 Seiten dick ist. Wenn Marissa Meyer diesen Trend beibehält, können wir in „Winter“ mit mindestens 600, vielleicht sogar 700 Seiten rechnen? Ergibt aber auch Sinn, schließlich gibt es immer mehr zentrale Charaktere, die hinzukommen, und in diesem Band bekam nicht nur Cress ihre eigenen Kapitel, auch andere, bereits bekannte Charaktere durften ab und an aus ihrer Perspektive erzählen. Außerdem dürfen wir einen Blick auf Winter erhaschen – und, holla, ich will sofort mehr über sie lesen!
Hier ging es aber erst mal um Cress, die im Gegensatz zu Cinder und Scarlet nicht viel physische Schlagkraft besitzt. Sie ist ein zarter Mensch, ähm, Lunar natürlich, zudem sehr schüchtern und die Jahre, in denen sie in einem Satelliten eingesperrt war, haben nicht unbedingt dazu beigetragen, dass sie „groß und stark“ wird. Cress ist hoffnungslos romantisch und bis über beide Ohren in Thorne verknallt. Er ist ihr Ritter in weißer Rüstung, und wenn den Charakteren Rollen zugeordnet werden müssten, dann wäre sie eindeutig das Fangirl. Klingt nicht so berauschend? Weit gefehlt! Cress ist ein Computergenie, hat Cinder und ihre Mannschaft unterstützt und beschützt, ohne dass es aufgefallen ist, und sie ist eine sehr große Bereicherung für das Team. Sie verschließt auch ihre Augen vor der Realität nicht, weswegen wir das Vergnügen haben zuzusehen, wie ihre Schwärmerei sich wandelt und über die Zeit mehr wird, mehr an die Realität gebunden. Marissa Meyer zeigt: Auch sehr feminine und tendenziell eher als schwach angesehe Charaktere können ordentlich mitmischen.

Spaßig sind natürlich auch wieder die Märchenelemente, in diesem Fall von Rapunzel. Manche Entwicklungen sind durch die Vorlage eigentlich ziemlich logisch, kommen aber doch sehr überraschend. Das Beste daran ist, dass Märchen schon immer ein bisschen grausam waren, und sich das auch in Marissa Meyers Geschichten widerspiegelt. Den Charakteren kann etwas passieren, fühlt euch also bloß nicht zu sicher. Vorhersehbar wird das Buch dadurch aber nicht, denn wie immer orinientiert sich die Autorin nur an Eckpunkten, erzählt ansonsten aber ihre eigene Geschichte.

Heißt das jetzt, dass das Buch total super ist? Nicht ganz. Die Charaktere sind zwar immer noch fantastisch (vor allem in der Interaktion miteinander), Cinders Reise ist spannend, und muahahahaha, ich hatte mit meiner einen Vermutung sowas von recht! (Jep, das ist ein Pluspunkt.) Aber zwischenzeitlich, ausgerechnet nach dem sehr rasanten Start, zieht es sich ein wenig. Außerdem ist es der Autorin nicht ganz gelungen, allen Heldinnen den gleichen Platz zu bieten. Mit Scarlet und Cinder klappte das im zweiten Band ganz gut, aber im dritten erhalten vor allem Cinder und Cress das Wort. Scarlet ist ein bisschen außen vor, was an der einen oder anderen Stelle doch negativ auffiel.

Trotzdem ist „Cress“ mal wieder ein spaßiges, spannendes Abenteuer; dank einiger Hinweise und Ausblicke auf den letzten Band erscheint das Jahr bis zum Erscheinen mal wieder viel zu lang.

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Durch homophobes Mobbing ist es nun zum Schlimmsten gekommen: Ein homosexueller Teenager, Kelly, hat sich das Leben genommen. Kyle und er hatten eine kurze, aber schwierige Zeit miteinander, aber noch sind es 151 Tage bis zum Schulabschluss und die will er nutzen. Um endlich etwas zu bewegen, um die Leute zum Aufwachen zu zwingen, um Kelly wenigstens ein bisschen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen – und um dafür zu sorgen, dass so etwas nie wieder in Foster geschieht. 151 Tage hat er dazu Zeit, dann ist er raus aus Foster.

Doch Veränderung lässt sich nicht leicht herbeiführen und immer wieder funkt das Leben dazwischen; die Homophoben der Stadt geben keine Ruhe und auch kleinere Sorgen verfolgen Kyle. So zum Beispiel: Was wird nach dem Abschluss? Haben Brad und er überhaupt eine Zukunft außerhalb Fosters?

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Bisherige Rezensionen: Tales from Foster High

Was war das denn? Bisher hab ich alle Foster-Bücher sehr genossen, und das, was ich so an ihnen mochte, hat sich auch hier wieder gefunden. Der Autor hat sich in diesem Fall aber für eine Erzählweise entschieden, dich sich – in meinen Augen – als sehr unglücklich erwies. Bisweilen habe ich sogar in Betracht gezogen, das Buch abzubrechen.

Trotzdem ist das Buch, genau wie die anderen zuvor, ein ordentliches „Fuck you, homophobes!“ Wer also auch mal wieder eine Erfolgsgeschichte braucht, in der auch Einzelne etwas verändern können, ist hier noch immer richtig. Ist natürlich alles fiktiv, aber dennoch mutmachend und irgendwie aufbauend.
Schön fand ich ja auch, dass hier wirklich alle Charaktere ihre guten und ihre schlechten Seiten haben. Gerade die Mütter, die ihre Kinder zwar zunächst vernachlässigt und im Stich gelassen haben, hören endlich zu und tun, was sie schon längst hätten tun sollen (bzw. einige von ihnen schon seit einer Weile machen): Sie beschützen ihre Kinder. Die Väter teilweise auch, yay! Über Robbie müssen wir wahrscheinlich nicht reden. Jen setzt aufreizende Outfits mit dem Wort „Schlampe“ gleich, ist aber auch für ihre Freunde da und behält im Notfall einen ruhigen Kopf. Brad hat auch mal wieder seine Arschlochseiten (er mag es nicht, wenn Kerle sich nicht wie „Kerle“ benehmen), und selbst unser Held (so kann er wohl genannt werden) Kyle muss alles auf eine Art und Weise verkomplizieren, die es fast scheinen lässt, als wollte er sich schlecht fühlen. Außerdem gibt’s Leute, die endlich mal ihre homophoben Vorurteile beiseite werfen, manche davon aber auch nicht so sehr, dass sie als „die Guten“ gelten könnten. Kurz: Vieles ist problematisch, aber zum Teil ist das auch ein positiver Aspekt.
Und auch wenn es nach wie vor nur um schwule Cis-Männer geht, wurde immerhin ganz kurz ein bisexueller Charakter vorgestellt und positiv dargestellt. [An dieser Stelle bitte einen kleinen Freudentanz vorstellen.]

Dummerweise hätte ein Drittel vom Buch weggelassen werden können. Denn John Goode hatte die unglaublich schlechte Idee, Flashbacks einzufügen. Viele Flashbacks, und zudem Kapitel noch mal komplett neu aus einer anderen Perspektive zu erzählen. Das sieht dann so aus: Brad erlebt was, im nächsten Kapitel erleben wir es zum Teil aus Kyles Sicht, bis der dann woanders hingeht. Ab und an mag das angehen, es passierte aber viel zu oft. Viel schlimmer ist es jedoch, dass teilweise der komplette Inhalt aller bisherigen Bücher noch mal nacherzählt wird, zum Beispiel aus Jennifers Sicht. Blöd nur, dass da vielleicht eine oder zwei Szenen wichtig waren, der Rest dagegen absolut langweilig. Bisweilen war es richtig frustrierend, da später im Buch eine sehr ernste Situation angesprochen wird; die Erzählung unterbricht dann mitten in einer Szene, in der das Wohlergehen eines Charakters auf dem Spiel steht. Statt diese aber aufzulösen, wird die Lebensgeschichte eines anderen, involvierten Charakters erzählt. An allen anderen Stellen wäre das sehr willkommen, in dem Fall ist es eine zu stark gekünstelte Spannungserzeugung, die als solche nicht einmal funktioniert. So hat John Goode seine Geschichte einfach nur unnötig gestreckt; schade, denn wenn es „normal“ weiterging, war das Buch eigentlich gut.

„151 Days“ ist übrigens das letztes Buch aus Foster, aber nicht das letzte über Kyle, und wer auch immer an seiner Seite steht. (Ob das Brad ist, müsst ihr schon selbst nachlesen.) In der Hoffnung, dass der Autor entweder seine Rückblick-Technik verbessert, oder aber zu einer chronologischen Erzählweise zurückkehrt, bin ich dann wohl auch wieder dabei.

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