Rezension | The Fault in Our Stars | John Green

Fault in Our Stars

Genre: YA, Contemporary
Verlag: Penguin
ISBN: 978-0-141-34565-9
Preis: £7.99
Erscheinungsdatum: Januar 2013
Format: Paperback

Hazel ist 16, und obwohl ihr Schilddrüsenkrebs vorerst unter Kontrolle ist, ist es nur eine der Frage der Zeit, bis es ihr wieder schlechter gehen wird. Sie weiß das, es ist schon ein Wunder, dass sie überhaupt noch lebt. Dies ist auch der Grund, warum sie sich von ihren Mitmenschen fernhält. Dann aber begegnet sie auf einem Treffen mit anderen krebskranken Jugendlichen Augustus. Er selbst ist vorerst geheilt, und er sieht nicht ein, warum er sich von Hazel fernhalten sollte. Das Leben ist schließlich zum Leben da, nicht wahr?

You’ve failed me. You’ve all failed me so badly. Immer hieß es, es sei so ein schönes und tieftrauriges Buch, aber auch richtig witzig und klug und was weiß ich … So wie immer alle von Hazel und Augustus schwärmten, müssten sie das Superpaar der Literaturwelt sein.
Was ich bekam: Natürlich ein trauriges Buch. Es geht um krebskranke Jugendliche, wie kann das nicht traurig sein? Wirklich schön fand ich es nur passagenweise, witzig war es auch nur manchmal, und die extrem gekünstelten Charaktere waren mir fast egal.

Ich mein, natürlich ist das traurig, wenn ein Mensch todkrank ist, und bei Jugendlichen umso mehr. Aber es gibt einen Unterschied zwischen „generell traurig“ und „persönlich betroffen“ und Hazel und Augustus waren für mich nie mehr als Namen auf dem Papier. Ich kann bei Namen nicht persönlich betroffen sein.
Woran es wohl lag? Ich bin nicht sicher … dass ich ihnen ihre Romanze nicht abgekauft habe, ist nur ein weiteres Ergebnis des gleichen Problems. (Wäre viel interessanter gewesen, wären die beiden nur Freunde geworden. DAS hätte ich ihnen abkaufen können.) Vermutlich war es die Künstlichkeit der Dialoge, die Künstlichkeit des ganzes Romans. Hazel und Augustus waren durch ihre Krankheiten so „speshul“, so super-philosophisch, dass eine unangezündete Zigarette zur Metapher für die Gefahr wird, der keine Macht gegeben wird. The fuck, Leute, the fuck? Dank Sätzen wie „My thoughts are stars I cannot fathom into constellations“, könnte ich Schmerzensgeld von John Green fordern; bei dem ganzen Augenrollen hab ich mir bestimmt was gezerrt.
Es war fast, als wollte der Autor ein Buch schreiben, in dem möglichst viele Sätze zitierwürdig sind, und in meinen Augen ging das ziemlich nach hinten los.

Hinzu kommen vollkommen unnötige und problematische Szenen, die in starkem Kontrast zu dem stehen, was John Green sonst so äußert.
1) Wenn ein Typ dich unentwegt anstarrt, ist das nicht okay, nur weil er gut aussieht, Hazel/John. Es ist genauso creepy, als wenn der Typ unattraktiv wäre. Wenn sich einer in der Bahn neben mich setzt und mir keinen Platz lässt, guck ich doch auch nicht, ob er gut aussieht oder nicht und geh dann vielleicht auf Kuschelkurs mit einem Fremden. Ich fahr die Ellenbogen in jedem Fall aus und verschaff mir Platz. Daher: Schäm dich, Augustus. Du auch, John.
2) Können wir aufhören, so zu tun, als gäbe es „boy movies“ und „girl movies“? Ja? Danke. Ist nämlich vollkommener Unsinn.
3) Warum ist es wichtig zu betonen, dass Hazel ein Kleid trägt, das ein bisschen Haut zeigt, aber nicht zu viel? Dass sie nichts trägt, was „unzüchtig“ („obscene“) wäre? Das trägt doch wieder zu dem Bild bei, dass etwas falsch daran wäre, viel Haut zu zeigen, und das, meine lieben Mitmenschen, ist „slut“ shaming, wenn auch im Kleinen.
Wenn John Green es schon so schreibt, dass Hazel und Augustus durch ihre Krankheiten sehr erwachsen geworden sind, warum müssen sie dann solchen Mist mitmachen? Sind sie nicht angeblich zu schlau dafür?

Das Buch ist ja nicht komplett schlecht. Einige Passagen sind in der Tat sehr schön und zitierwürdig, genauso manche Ideen, die dahinterstehen. Beerdigungen sind nur für die Lebenden? Unterschreib ich so!
Die meisten Zeit über mochte ich auch, mit welchem Sarkasmus Hazel ihre Geschichte erzählte; etwas, mit dem auch Augustus manchmal glänzen konnte. Was zu lachen hatte ich also trotz allem. Die beiden zeigen außerdem, dass ein schönes, auch glückliches Leben möglich ist, trotz der Krankheiten und Einschränkungen, mit denen sie zu kämpfen haben. Es mag nicht leicht sein, aber es ist möglich, und das ist eine Botschaft, die ich durchaus zu schätzen weiß. Mal abgesehen davon, dass es mal ein YA-Buch mit fantastischen Eltern ist – diese waren hier sogar meine Lieblingscharaktere. Zu schade, dass alles andere das ruiniert hat.

02_5

Nope, nichts für mich. Manche Ideen waren sehr schön, und natürlich ist das Buch traurig. John Green müsste schon ein sagenhaft schlechter Autor sein, damit die Thematik nicht traurig ist. Aber die Charaktere sind zu gekünstelt, der Text genauso, und manche Passagen so unsinnig, dass es schon beinahe schmerzt. Pluspunkt: Die Eltern in diesem Buch sind klasse.

Für den Fall, dass es euch noch nicht aufgefallen ist: Das Buch gibt es auch auf Deutsch (mittlerweile auch als Taschenbuch) und heißt Das Schicksal ist ein mieser Verräter. Oh, und einen Film wird es auch geben. Leider.

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10 thoughts on “Rezension | The Fault in Our Stars | John Green

  1. Ich bin ja froh, das endlich noch jemand das Buch nicht nur über den grünen Klee lobt ^^
    Ich empfand einiges zwar nicht ganz so krass wie du, aber die Charaktere sind auch bei mir einfach nicht zum Leben erwacht. Ich weiß nicht, ob John Green immer so schreibt, aber dieses verstellte, pseudo philosophische Zeug mag ich auch nicht. Das ist einfach kein Buch, welches das wahre Leben widerspiegelt und hat mich als Angehörige einer Betroffenen mit fast gleicher Erkrankung streckenweise richtig wütend gemacht!
    Ich finds so schade, bei der Lesung wirkte John Green so natürlich, bodenständig und trotzdem ein kleines bisschen durchgeknallt. Warum konnte er so nicht genauso an dieses Buch herangehen? :(

    • Ganz allein sind wir zum Glück nicht!
      Vermutlich nehme ich es vor allem auch so krass wahr, weil ich ihn bis dato wirklich immer so locker und vernünftig „kennengelernt“ hatte. Bzw. waren die anderen beiden Bücher, die ich von ihm kenne (Will Grayson & Alaska) auf jeden Fall lockerer geschrieben, auch wenn ich mit den Büchern bzw. seinen Parts darin auch nicht 100%ig warm wurde. Es war aber bei Weitem nicht so krass wie in diesem Buch. Wenn ich an TFiOS denke, ist das erste Wort, das mir in den Sinn kommt, „pretentious“ (die deutschen Übersetzungen treffen es nicht so gut.)
      Das hab ich mich auch ab und an gefragt, wie es Menschen, die diese Situation selbst erleben/erlebten, mit diesem Buch geht; scheinbar nicht so gut. :/
      Für mich war es zum „Glück“ fern genug, weil ich Krebs in anderen Situationen kennengelernt habe, in denen es einfach ein wenig leichter zu akzeptieren war. Aber das gilt ja längst nicht für alle.

  2. Deine Rezension ist wirklich klasse, obwohl ich sie nur teilweise so unterschreiben würde. Ich mochte die Charaktere und diese „Künstlichkeit“, was vielleicht daran liegt, das ich sonst viel viel schlechteres lese. Aber gerade deine Punkte 2 und 3 sind mir super aufgestoßen. Gerade der dritte. Das Kleid ist unanständig, aber eine Sechzehnjährige geht nach einem Kuss sofort mit dem Typen ins Bett ist nicht zu schnell? Also keine Wertung hier, aber einfach eine zu krasse Doppelmoral wenn man es mit dem Kleidkommentar vergleicht.

    Liebe Grüße,
    Suey

    • Gerade die Künstlichkeit ist zum Teil auch einfach Geschmackssache; ich z.B. war schon immer eine Freundin direkter Worte und hab einen klaren Stil hochtrabenderen Formulierungen meist vorgezogen. Hier wird zwar direkt gesagt, was eine Metapher ist und was nicht, aber das ist dann auch nicht das, was ich mag. :’D
      Stimmt, daran hab ich gar nicht gedacht. Wobei es in dem Rahmen vermutlich so oder so okay ist, da Augustus sich wahrscheinlich als „der Eine“ qualifiziert hat.

  3. Erfrischend, auch mal was negatives zum Buch zu lesen :) Ich fands gut, aber auch nicht so überragend, wie viele andere. Ich hab das beim Lesen alles nicht so schlimm empfunden, würde mir im nachhinein vielleicht jetzt auch anders ergehen. Und trotzdem freu ich mich auf den Film – bisschen heulen tut manchmal ganz gut ;)

    • Meine Abneigung gegen den Film kommt wahrscheinlich zum Großteil auch daher, dass so viele das Buch lieben und ich … eben nicht. xD Gerade bei solchem Gegenwind/solchen Hypes verstärkt sich mein negatives Gefühl immer mal. Ist z.B. auch bei „The Eternity Cure“ von Julie Kagawa so. Fand das Buch okay, aber extrem vorhersehbar. Von etlichen anderen heißt es aber immer, dass das Buch so wahnsinnig spannend sei – ich hab mittlerweile eine regelrechte Abneigung gegen das Buch entwickelt und werd deswegen auch den dritten Band nie anrühren. xD Ergibt nicht viel Sinn, aber … es ist, wie es ist.

  4. Für mich war es das erste John Green Buch, das ich wirklich gut fand. Und ich finde es nicht tragisch, wenn eine 16-jährige sich Gedanken darüber macht, wieviel Haut sie zeigen will. Ist doch nicht alle automatisch Slut-Shaming, nur weil nicht alle freizügig rumlaufen möchten ;)

    • Ich fänd’s auch okay, wenn sie sich einfach Gedanken drüber macht; nicht jede_r fühlt sich mit viel gezeigter Haut wohl, da geht’s mir ja nicht anders. ;)
      Mir geht es vor allem um die Wortwahl: Sie macht sich nicht einfach nur drüber Gedanken, sie bezeichnet es wortwörtlich als „obscene“, wenn ein Kleidungsstück „zu viel“ Haut zeigen würde. Das ist eine negative Wertung, die automatisch die betrifft, die sich so kleiden. Es selbst nicht machen zu wollen, ist das eine. Die, die es machen, indirekt abzuwerten, ist etwas anderes. (Wie gesagt, es ist nicht der härteste Fall von „slut“ shaming, aber für mich spielt es dort mit rein, und selbst so kleine Sachen sind vollkommen unnötig.)

  5. Ich finde es richtig schade das es dir nicht gefällt aber natürlich hat jeder seine eigene Meinung und ich denke es wird niemals ein Buch geben können das jedem gefällt. :) Das ist natürlich auch gut so!

    John Green hat mich wirklich begeistert und TFIOS zählt auf jeden Fall zu meinen Lieblingsbüchern allein schon wegen der wundervollen Zitate die man daraus entnehmen kann. Die Liebe zwischen Hazel und Gus empfinde ich als sehr besonders. Sehr schön fand ich auch das die beiden aus dem Wort ‚okay‘ etwas so besonderes gemacht haben.

    Liebe Grüße,
    Jasi ♥
    Hab noch einen schönen Sonntag :)

    • Hach, dieses ‚Okay‘. xD Normalerweise fänd ich das auch sehr süß, aber bei den beiden ist es mittlerweile so oft benutzt worden (nicht von den beiden, aber außerhalb des Buches von Fans), dass mich selbst das irgendwie nervt. :( Schade eigentlich, im Buch fand ich die Stelle eigentlich ganz niedlich.

      Du auch! :D

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