Liebe Buchproduktionswelt, selbst weißes Licht enthält viele Farben | Teil 1: Das Problem

Vorab: Wenn Begriffe unklar sind, kann ein Blick ins Glossar helfen.
balkenWenn jetzt irgendwem von euch bei dem Titel ein „the fuck“ durch den Kopf ging, kann ich’s euch nicht verdenken. Also, worum geht’s hier eigentlich? Um Vielfalt, grob gesagt. Es gibt da so eine Sache, die mich immer mehr annervt, je länger ich darüber nachdenke: Bücher (gerade deutsche) sind da viel zu eintönig! Wir haben in der Regel weiße Cis-Charaktere, die zudem heterosexuell sind und wenn sie denn mit irgendwelchen Einschränkungen leben, dann ist das viel zu oft kein Teil ihres Lebens, sondern ihr ganzes Leben sondern/gleich das einzige Thema des Buches. Aber wie gesagt: wenn.
Das nervt, und es ist schädlich. Die Welt ist so unglaublich vielfältig, warum wird da meistens nur der Status Quo vertreten? Ich will nicht schon wieder einen weißen Charakter – 1) kann ich mich sehr wohl mit PoCs identifizieren und 2) haben wir unsere Repräsentation. Wir können da aus zig Büchern auswählen … und eine PoC darf dann aus dem kläglichen Rest auswählen, in der Hoffnung, dass sie vielleicht sogar sich selbst wiederfindet? Denn: People of Color umfasst so, so viele Menschen. Und das Leben eines Schwarzen Menschen ist nicht das gleiche wie das eines Menschen aus Asien – und je nach Land sieht das alles noch einmal anders aus! Wo die Eltern oder Großeltern etc. aufgewachsen sind, spielt eine Rolle. Wo die Menschen jetzt leben und aufgewachsen sind, spielt ebenso eine.
Und warum wird so getan, als wären (fast) alle Menschen heterosexuell? Warum ist die einzige Alternative Homosexualität? Sexualität ist kein binäres System, in dem wir in die eine oder andere Box fallen. Sie ist bunt und vielfältig – und wisst ihr was? Sie ist auch noch flexibel!
Machen mir mit Gender weiter! Wer noch immer glaubt, dass es nur Männer und Frauen gibt und dass erstere immer einen Penis und letztere immer eine Vagina haben müssen, führt ein blindes Leben und muss endlich die Augen aufmachen. Aber wie viele Transgendercharaktere gibt es schon in der Literatur? Wie viele von ihnen sind nicht binär? Wie viele sind intersexuell, wie viele genderfluid …? Antwort: kaum welche.

Dabei sind all diese Themen so wichtig, vor allem auch für Kinder und Jugendliche, die sich vielleicht schon gefunden haben, aber allein denken, oder die sich erst noch finden müssen. Aber diese Bücher können auch all denen helfen, die mehr oder minder dem „normalen“ Bild entsprechen: Sie können zeigen, dass Depressionen ernstzunehmende Krankheiten sind. Sie können zeigen, dass Menschen, die in ihrem Rollstuhl stehen, nichts vortäuschen. Sie können ihnen helfen zu realisieren, dass sie vielleicht doch nicht hetero oder cis sind, dass sie sich da bisher in Boxen haben schieben lassen und deswegen nie wirklich glücklich mit sich waren. Sie können helfen, wenn ihnen selbst etwas passiert und sie bereits wissen, dass das Leben trotzdem gut sein kann.

Literatur wird nicht die Welt retten. Das meiste hängt immer noch von uns ab, wie wir miteinander umgehen und was wir einander vermitteln. Sind Bücher deswegen unwichtig? Nein, keineswegs, und deswegen ist es so schädlich, dass es diese Vielfalt zumindest im Mainstream nur selten gibt – es wird ein falsches, weißgewaschenes Bild vermittelt. Natürlich lassen sich schon einige Bücher finden, die in der einen oder anderen weise Vielfalt näherbringen, der Literaturmarkt ist zumindest im (englischsprachigen) Jugendbuch- und YA-Bereich auf dem richtigen Weg. Aber das Verhältnis stimmt noch lange nicht, und der Fokus liegt noch zu wenig auf Menschen, die sich bisher fast gar nicht in Büchern finden können. (Es wird noch mal einen Zacken schwieriger, wenn es Bücher auf Deutsch sein sollen – ich kenne einige wunderbare Titel, nur macht sich kein Verlag die Mühe, sie zu übersetzen. Ich sprach auch letztens mit einer Kollegin über meine neuen „Ansprüche“ an Bücher, und ihre erste Reaktion war: „Da wirst du aber kaum was finden.“ Die traurige Wahrheit ist, dass sie damit nicht Unrecht hat.)

Aus reinem Interesse habe ich meine eigenen Bücher mal grob ausgezählt; das war Mitte Mai, als ich erst angefangen hatte, gezielt vielfältige Bücher zu kaufen und diese noch ungelesen auf einem Stapel lagen. Daher geben die daraus resultierenden Zahlen ein recht gutes Bild dafür ab, wie „vielfältig“ so ein Regal aussehen kann, wenn einfach nur nach aktuellen Trends, Bestsellern und prominenten Empfehlungen gekauft und gelesen wird.
Vorher aber ein paar Anmerkungen: Die Ergebnisse sind mit Vorsicht zu genießen, denn wenn ich meine, dass ich grob ausgezählt habe, dann meine ich das auch so.
Gezählt wurde nach LGBTQIA+-Charakteren: schwule, lesbische, bi-/pansexuelle, asxuelle und Transgender. Kategorie 2 machen People of Color aus (der Einfachheit halber wurden hier auch amerikanische Ureinwohner dazugezählt), Kategorie 3 Behinderungen, Krankheiten, Einschränkungen physischer und psychischer Art.
Direkt zusammenhängende Reihen wurden als ein Titel gezählt, und sie waren für die jeweilige Kategorie dann gültig, wenn es nicht nur ein Minicharakter in einem einzigen Band war; außerdem musste es aus der Geschichte selbst hervorgehen. Harry Potter zählt also nicht bei den LGBTQIA+-Büchern, weil JKR erst später verriet, dass Dumbledore schwul ist.
Unsichere Titel (z.B. da das Lesen zu lange her ist) wurden als „nein“ gewertet, dafür war es unwichtig, ob es sich um Neben- oder Hauptcharaktere handelt. Auch teilweise fragwürdige Darstellungen wurden gewertet, z.B. also: Kelley Armstrongs Protagonistin Maya, die als „halb“ uramerikanisch beschrieben wird, während von den Völkern selber nur davon ausgegangen wird, dass jemand dazu gehört oder eben nicht. Außerdem konnten Bücher auch doppelt zählen; wenn eben schwule und lesbische Charaktere vorkamen, galt es für beides, da gerade in dem Zusammenhang Lesben gerne verschwiegen werden.
Kurz: Es sind sehr ungenaue Zahlen, die nur einen Hinweis liefern. Und gerade deswegen ist das Ergebnis ein echtes Armutszeugnis. Zumal das Vorhandensein auch nichts darüber sagt, wie die Themen behandelt wurden.

Die traurige Wahrheit (die Prozentzahl bezieht sich immer auf die Gesamtzahl der Bücher (130), da Titel, wie gesagt, auch mehrfach zählen konnten) kommt jetzt:
7,7% aller Bücher enthalten lesbische Charaktere, bei schwulen Charakteren sieht es mit 14,6% etwas besser aus. Bi- und pansexuelle Charaktere (zusammen, da oftmals nicht gesagt wird, was nun zutrifft) geht es mit 6,9% noch mieser als lesbischen Charakteren. Asexualität wurde nie als solches thematisiert und magere 3% der Bücher enthalten Charaktere, die in das Transgenderspektrum fallen (beinhaltet hier auch Drag).

20,8% aller Bücher enthalten Women of Color, mit 21,5% gibt ein ein paar mehr Men of Color.

4,6% aller Bücher enthalten Charaktere mit mentalen Einschränkungen, von denen allesamt psychische Krankheiten sind. 2,3% enthalten Charaktere mit physischen Einschränkungen, z.B. Blindheit oder ein verformter Fuß.

Das Fazit? Alles viel zu wenig! Was aber viel zu viel ist: 48% aller Bücher beschäftigen sich mit keinem einzigen der Themen, es geht in beinahe der Hälfte der Bücher nur um weiße, heterosexuelle Cis-Menschen ohne jede Einschränkungen.

Spaßeshalber habe ich noch mal bei meinen Comics reingeguckt, die ich erst seit kurzem lese und von Anfang an gezielter ausgewählt habe (sind aber auch nur 16 Stück): jeweils 40% aller Comics enthalten lesbische, schwule und bi-/pansexuelle Charaktere, allerdings weder asexuelle noch Transgender-Charaktere. Sowohl WoC als auch MoC machen erfreuliche 60% aus, aber auch bei den Einschränkungen hapert es, da diese nicht vorhanden sind bisher.
Das ist alles ausbaufähig, aber geht schon eher in die richtige Richtung.

Was also fehlt, sollte offensichtlich sein: PoCs (besonders WoCs!), Homosexualität (besonders Lesben!), Bisexualität, Transgendercharaktere (nicht nur Transcharaktere, auch Intersexuelle, Charaktere, die genderfluid oder gender-queer sind etc.), Asexualitat … ALLES! Und wenn wir einmal dabei sind: Polyamorie! Warum muss sich die Heldin bei einem „Liebesdreieck“ entscheiden? Für viele Menschen funktioniert es, mehrere Partner (auch miteinander) zu haben. Warum geben wir diesen Lebensentwürfen keinen Platz?
Außerdem: physische und psychische Einschränkungen, auch wenn sich die Leute selbst nicht als eingeschränkt/behindert/disabled wahrnehmen. Es dürfen nicht immer nicht-behinderte Charaktere sein, deren größte Einschränkung eine leichte Sehschwäche ist. Und da wir gerade beim Thema sind: Wie wäre es mal mit dem, was captain cow bezüglich Therapeut_innen ansprach? Zeigt doch mal, dass nicht alle Therapeut_innen schlecht sind. Therapie hilft nämlich vielen, vielen Menschen, also warum wird das Bild vermittelt, dass es eh keinen Sinn ergibt? Es hat sowieso schon so ein Stigma, da sollten die Leute ermutigt werden, zur Therapie zu gehen. Hilfe anzunehmen ist keine Schande; genauso braucht die aber auch nicht jeder.

So, und nun? Es gibt da ein Problem, mein Regal ist alles andere als vielfältig und ich würde dreist behaupten, dass das nicht nur bei mir so aussieht, die (deutschen) Verlage sind immer noch zu konservativ … aber was machen? Wir können ja schlecht alle eigene Verlage gründen. Ein bisschen was können wir aber doch machen, dazu gibt es aber morgen mehr – und auch ein paar Empfehlungen.

Advertisements

22 thoughts on “Liebe Buchproduktionswelt, selbst weißes Licht enthält viele Farben | Teil 1: Das Problem

  1. Wirklich sehr interessanten Gedanken, über die ich so wirklich noch nie nachgedacht habe. Ich habe zwar persönlich auch nicht wirklich Interesse eine Liebesgeschichte aus der Sicht eines homosexuellen Charakters zu lesen, einfach, weil ich dort klassisch mag, aber wenn es nicht einmal wirklich Auswahl gibt, für Leute, die so etwas sehr wohl lesen wollen, ist das blöd und ich glaube, dass sich mehr Leute dafür interessieren als Verlage das vielleicht denken.
    Aber bei Persons of Color fände ich es z.B. super auch einmal nicht die stereotypen Charaktere kennenzulernen. Blondes wunderhübsches Modepüppchen, dass entweder eine Zicke oder super nett ist, den supersportler, der immer um die Ecke wartet, das nerdige Mädchen, dass eine Rundum Erneuerung erhält und plötzlich so sexy ist. blablabla. Wobei ich mich frage, wie nennt man Personen die weder WoC noch MoC sind, aber eben PoC? Also die außerhalb der binären Klassifikation?
    Und wie ist das bei Transsexuellen mit Homosexualität/Heterosexualität? Würde sich eine Transsexuelle, die sich als Frau identifiziert als homosexuell bezeichnen, wenn sie auf Männer steht, weil sie als sie noch dachte ein er sein zumüssen homosexuell war? Sowas finde ich echt verwirrend. XD

    • Es könnten dann ja aber z.B. auch bi-/pansexuelle Charaktere sein, die trotzdem in einer (Cis?)Mann-(Cis?)Frau-Beziehung sind; so eine Konstellation schließt Vielfalt ja auch nicht aus. :3 (Wobei die Grundelemente doch unabhängig von der Sexualität die gleichen wären?)
      Aber rein grundsätzlich: ja. Wäre das Verhältnis etwas ausgeglichener, würde wohl auch kein Mensch etwas gegen die (angeblich) „normale“ Konstellation sagen.
      Ich komm grad bei PoC und blondes Modepüppchen nicht ganz mit? xD Aber dass alle Charaktere wie reale Menschen dargestellt werden, ist natürlich auch wichtig. Deswegen muss ich immer lachen, wenn Leute den klischeehaften modebewussten schwulen besten Freund als Repräsentation aufführen; es mag solche Menschen geben, aber auf diese große Gruppe an Leuten bezogen ist diese einzige, prominente Darstellung doch kaum mehr als ein Abziehbild.

      Das ist eine gute Frage! Ganz andere Begriffe sind mir noch nicht über den Weg gelaufen, aber Person of Color ist an sich ja ein neutraler Begriff; ansonsten seh ich es nur immer mal, dass dann eben ein „of color“ hinzugefügt wird, also „trans woman of color“ z.B. (Das geht dann für jede Genderidentität, mit der sich die Menschen wohlfühlen.) Wobei Transfrauen ja genauso Women of Color sind, wenn sie sich als Frauen identifizieren; die Begriffe sind ja nicht auf Cissexuelle begrenzt. Letztendlich hängt es immer von den einzelnen Personen ab, welche Begriffe sie bevorzugen – und wenn wir z.B. durch ein Buch darüber reden wollen, uns aber nicht sicher sind (weil es im Buch nicht genauer benannt wird z.B.), ist ein neutraler Begriff bestimmt der respektvollste und angemessenste Weg. :)

      Also bei der speziellen Situation, dass eine Transfrau sich ausschließlich von als Männer idetifizierenden Personen angezogen fühlt, wäre sie heterosexuell – sie ist schließlich eine Frau. (Jetzt rein von der Definition von Heterosexualität ausgehend.) Zumal ein typischerweise als männlich wahrgenommener Körper nicht heißen muss, dass die Person jemals ein Mann war.
      Rein grundsätzlich ist Sexualität aber fließend, da kann es gut sein, dass sich eine Transfrau zuvor als schwul outet, weil sie sich ihrer Transsexualität noch nicht bewusst war, oder erst mal in die MOGII-Gemeinschaft reinkommen wollte oder oder oder. Oder sie war von Anfang an bi oder pan (oder asexuell und hat sich nur romantisch zu Männern hingezogen gefühlt). Da gibt’s, fürchte ich, keine pauschale Antwort (erst recht nicht von mir, da ich selber cis bin) und ist ganz individuell. :D

  2. Wie recht du doch hast. In der Hinsicht will ich gar nicht in meinem Regal zählen, denn das Ergebnis wäre wohl mehr als dünster, selbst wenn ich meine Pferdebücher da raushalten würde (auch wenn mir da spontan sogar ein paar mit PoC einfallen – allerdings würde es mich überraschen, wenn das mehr als 1% ausmachen würde). Mein erster Impuls war nun zu schreiben, dass ich aber auch nicht so viel in dem Genre lese – und war prompt entsetzt. Und doch ist es ja leider die traurige Wahrheit, dass diese Themen oft mehr ihre eigene Genre-Nische bilden, anstatt – wie es eigentlich sein sollte – über alle Gernes hinweg selbstverständlich zu sein.

    Was ich dann immer überhaupt nicht verstehe, ist das Argument, dass man sich ja nicht mit den Charakteren identifizieren könnte, wenn sie nicht so sind wie man selbst. Das ist einfach nur lächerlich. Ich fiebere und fühle mit allen Charakteren mit, ganz egal, welche Hautfarbe sie haben und mit welchem Geschlecht/sexueller Orientierung sie sich identifizieren, oder welche Behinderung sie haben, so lange sie mich charakterlich ansprechen (bei so Charakteren wie Joffrey ist natürlich Hopfen und Malz verloren).

    • Erkenntnis ist der Weg zur Besserung. :) Und: Du sagst es! (Wobei ich Extraregale in Buchläden z.B. nicht schlecht finde, einfach damit die Leute einen direkten Anlaufpunkt haben und sich nicht erst durch den Haufen weißer und/oder heterosexueller Literatur wühlen mussen – bis der Verhältnis ausgewogener ist jedenfalls; die Regale selbst enthalten dann ja auch zig Genres. Allerdings müsste dann auch wenigstens eine Kopie im jeweiligen Genreregal stehen, denn die komplette Trennung kann’s auch nicht sein. Hab ich bisher aber auch nur für „Gay and Lesbian Literature“ und „Black Literature“ und nie in deutschen Läden gesehen, da gibt’s generell noch sehr viel zu tun.) Je mehr ich drüber nachdenke, desto reizvoller erscheint mir ein eigener Buchladen. xD

      War ja auch bei THG sehr reizend, als Rassist_innen mitbekommen haben, dass Rue schwarz ist und ihnen ihr Schicksal prompt nicht mehr nahe ging. -.- Sowas ist widerlich und eigentlich ein klares Indiz dafür, dass die Person nicht dazulernen will und an unrealistischen Vorurteilen festhält, um an den eigenen Privilegien ja nichts ändern zu müssen.
      Zumal: Was sollen dann all die lesbischen, bisexuellen, asexuellen, schwarzen, asiatischen, arabischen, behinderten etc. Menschen sagen, die von Charakteren lesen, die nicht wie sie sind? Wenn sie deswegen aufhören würden zu lesen, wäre die Situation der Verlage und Buchläden sicherlich sehr viel kritischer. >:(
      Mit manchen Charakteren kommt mensch halt nicht klar – ich kann meistens nichts mit Charakteren anfangen, die z.B. gern auf Partys gehen, viel Alkohol trinken … aber das ist doch dann eine ganze Persönlichkeit und nicht von der Hautfarbe, körperlichen und geistigen Verfassung oder der Sexualität und Genderidentität abhängig. v-v

  3. Stimmt, so gesehen, würde sich zumindest im Buchladen die Aufsplittung wieder lohnen. Ja, das wäre auf jeden Fall ein ziemlich gutes Konzept für nen Buchladen ;D !

    Das fand ich soooo krass, als die sich dann plötzlich alle drüber aufgeregt haben. Das kam doch ziemlich klar im Buch raus, dass Rue nicht weiß ist. So eine Ignoranz verstehe ich einfach nicht.
    Ganz genau so geht es mir auch. Wenn ich einen Charakter nicht mag, bzw. mich nicht mit ihm identifizieren kann, dann liegt das an der Persönlichkeit.

    • Wenn einmal die Repräsentation fair verteilt ist (was zugegebenermaßen recht utopisch ist), kann so eine Aufsplittung ja aufgehoben werden … aber eh das so weit ist, wird wohl noch einige Zeit ins Land gehen. :(
      Vielleicht mach ich das als ältere Dame dann, wenn es sich noch immer nicht deutlich gebessert hat. Lust hätte ich ja. xD

      Das kommt noch erschwerend hinzu, aber schon der grundlegende Gedanke, dass das nur bei kleinen, weißen. blonden Mädchen traurig ist … >:(

  4. Pingback: Liebe Buchproduktionswelt, selbst weißes Licht enthält viele Farben | Teil 2: Eine Lösung | Muh, das Telefonbuch

  5. Die fehlende Vielfalt bei den Hauptcharakteren ist ein unbestreitbares Problem. Selbst wenn man die Ansprüche weiter zurückschraubt und nur eben nicht die typische YA-Protagonistin haben will, ist die Auswahl schon deutlich beschränkt. Wenn man HC mit spezifischeren Merkmalen haben will… na, solche Bücher zu finden fällt unter den Begriff ‚Schwerstarbeit‘. Besonders bei farbigen Protagonisten ist es mir unverständlich. Sind denn die meisten Autoren weiß? Oder nutzen auch farbige Autoren weiße Protagonisten, um Mainstream zu bleiben? [Wobei es ja immerhin immer häufiger farbige Nebencharaktere gibt. Man nimmt ja schließlich, was man kriegen kann].

    Das Thema, das ist hingegen weitaus komplizierter finde und wo mich die Statistiken nicht überraschen würden [wenn es sie denn gäbe ^^], ist die fehlende Vielfalt bei der Sexualität der Charas. Die Frage ist ja, ob es an den Verlagen liegt, die konservativ bleiben und auf Nummer sicher gehen wollen oder ob sich die Autoren selbst nicht an solche Themen heran wagen. Themen wie Transgender und Co. sind ja nicht ganz einfach und wenn man als Autor damit überhaupt keine persönliche Verbindung hat, ist es sicher auch schwierig einen Mainchara zu erschaffen, der den Problemen, den Gefühlen und Gedanken einer Transgender Person wirklich gerecht wird. Als Autor ohne persönliche Verbindung zu diesem Thema begibt man sich dann willentlich in ein Minenfeld. Vielleicht ist es zum Teil also schlichtweg die Angst den Anforderungen nicht gerecht zu werden oder irgendetwas falsch zu beschreiben, die Autoren davon abhält, sich damit zu beschäftigen.

    • Ich würde vermuten, dass beides irgendwie mit reinspielt. Ich bezweifle ernsthaft, dass alle (oder auch die meisten) Autor_innen weiß sind … aber ob sie dann veröffentlicht werden, ist noch mal eine ganz andere Frage. (Self-Publishing ist zwar ein Ausweg, aber auch die herkömmlichen Verlage müssen da nachziehen.) Ich glaube, es gäbe viele Leute, die über diese Themen oder zumindest die, die auch sie selbst betreffen, schreiben möchten, aber solange es heißt, dass es für „solche Bücher“ keine Nachfrage gibt, haben diese Menschen es schwerer, auch ihre Bücher in die Läden zu kriegen. (Bzw. manchmal möchten sie auch einfach über andere Charaktere schreiben – Malinda Lo z.B. hat in Adaptation eine weiße Protagonistin, auch wenn wichtige Nebencharaktere PoCs sind, wenn ich mich recht entsinne.)

      Es ist definitiv ein schwieriges Thema – das einfachste wäre ja, dass die Menschen selbst über ihre Erfahrungen schreiben. Viele Transfrauen wissen am ehesten, wie die Leben von Transfrauen aussehen können; aber gemessen daran wie intolerant die Gesellschaft da im allgemeinen noch ist, glaube ich nicht, dass es da im Verlagsbereich (großflächig) besser aussieht. Das heißt nicht, dass es diese Autor_innen nicht gibt – aber sie haben es zweifelsohne schwieriger, und as jede_r auf ihre eigene Art. (Schwule (weiße, Cis-)Autoren haben genauso ihre Hürden, aber vielleicht weniger hohe, einfach weil es gesellschaftlich mehr akzeptiert ist.)
      Andererseits müssen Autor_innen da eventuell auch einfach durch. Es gibt dank des Internets mittlerweile so viele Möglichkeiten, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und auch viele Quellen, bei denen die Menschen willens sind, zu reden. All das zu umgehen und z.B. nur über heterosexuelle oder Cischaraktere zu schreiben (oder alles zusammen!), ist vollkommen unrealistisch und auf eine ganz eigene Art und Weise hetero- und cissexistisch.
      Dass das jetzt vielleicht nicht der Hauptcharakter ist – okay. Auch wenn es nur ein (wenngleich ungemein wichtiges) Detail der Identität ist, kann da viel falsch gemacht werden, gerade wenn die Leser_innen direkten Einblick in die Gedanken des Charakters bekommt. Es ist ja auch gut, wenn sie es anderen Autor_innen, die sich da sehr viel besser auskennen, überlassen, diese Bücher zu schreiben. Einige wenige sind auch bekannt genug, um andere Autor_innen zu unterstützen, damit sie verlegt werden.
      Aber es komplett rauslassen … Wenn wir Privilegien haben, müssen wir die doch auch nutzen, um es für andere besser zu machen, so gut es eben geht, oder? Und auch wenn das Reindenken anfangs schwierig ist, wenn kontinuierlich recherchiert wird – nicht nur für ein Buch, sondern mehr oder minder regulär, einfach weil mensch sich dafür interessiert – dann ist das auch durchaus machbar.

      • Es wird allerdings nur einen begrenzten Markt für autobiographische Werke mit derartigen Themen geben, selbst wenn die seltenen Umstände, dass jemand z.B. Transgender UND auch noch ein fähiger Schreiberling ist, zusammen kommen [was natürlich die optimale Ausgangslage wäre]. Die Schnittmenge ist eher gering, um nicht zu sagen kaum vorhanden. Und selbst wenn beides zutreffen würde, spielen immer noch jede Menge äußerer Faktoren mit rein. Familiärer Druck, eigene Ängste… ich persönlich stelle mir das unglaublich schwierig vor und ich ziehe meinem Hut vor jedem, der diesen Schritt geht. Einfach ist es sicher nicht, sein eigenes Leben, seine Gefühle und praktisch sein Innerstes in einem Buch vor völlig fremden Leuten auszubreiten. Ein 0815-Autor steht da mit Sicherheit vor weitaus weniger Problemen.
        Ich will damit nicht behaupten, dass es für die [wenigen] Transgender [bleiben wir beim Beispiel] Autoren nicht per se schwierig ist überhaupt einen Verlag zu finden, der sich an ein solches Thema heranwagt, aber das fehlende Angebot/die Auswahl ist sicherlich auch ein Problem an sich. [ich glaube nämlich nicht, dass wir die Nachfrage in absehbarer Zeit derart steigern können, dass es sich für Verlage tatsächlich auszahlt, gezielt nach solchen Autoren zu suchen… das ist traurig, aber in meinen Augen eine realistische Sicht der Dinge.]

        Eine Entwicklung in die richtige Richtung gibt es wahrscheinlich nur, wenn sich entweder ein plötzlicher Trend entwickelt [vielleicht schreibt mal jemand Twilight mit Transgender-Charas] oder die Alteingesessenen anfangen auf derartige Themen aufmerksam machen [Green, Levithan]. Aber selbst dann muss sich daraus nichts entwickelt und es kann bei einem Buch bleiben. Für Neuautoren ist es ohnehin schwer Fuß zu fassen. Mit Nicht-Mainstream-Themen umso mehr. Ich glaube nicht, dass es daran liegt, dass die Jungautoren sich nicht die Mühe machen wollen sich in die Problematik einzuarbeiten. Für mich wäre es eine Aufwand-Nutzen-Gleichung, die schlichtweg nicht aufgeht: verdammt viel Aufwand, ohne auch nur ansatzweise Garantie auf Erfolg. In irgendeiner Form. Wenn du Pech hast, kriegst du doppelt auf den Deckel: nicht nur, dass du kein Geld mit deiner Arbeit machst, schlimmstenfalls regnet es auch noch Kritik über deine Handhabung des Themas.
        Bücher zu schreiben ist ja auch nicht der profitabelste aller Berufe. Selbst Autoren, die z.B. in der Bloggerwelt ziemlich bekannt sind, meinten, dass das leider bei Weitem nicht ausreicht, um anständig von der Schreiberei leben zu können. Da wirkt die Bloggerwelt plötzlich gar nicht mehr so groß. Wir sind eben nur ein Teil des großen Ganzen. [Ein Grund, warum ich es für utopisch halte zu glauben, dass wir die Nachfrage genug steigern können, um Autoren einen leichteren Einstieg zu ermöglichen, was nicht heißt, dass wir es nicht trotzdem tun sollten ;)]
        Klar haben wir einander eine gewisse Verantwortung, aber wenn man diese mit der Versorgung der eigenen Familie in eine Waagschale legt, kann ich mir gut vorstellen, was gewinnt. Wenn ich also als unbekannter Neuautor die Möglichkeit habe ein Buch zu veröffentlichen und damit [gutes] Geld zu machen, dann fange ich vielleicht nicht gleich mit dem sensibelsten Thema an, das mir einfällt.
        Wenn es also funktionieren und endlich in die richtige Richtung gehen soll… dann braucht es höchst wahrscheinlich ein Wunder. Vielleicht bin ich auch nur pessimistisch, aber ich rechne nicht damit, dass sich an der Situation so schnell etwas ändern wird. Ich bin ja ehrlich gesagt schon froh, dass es heutzutage relativ häufig homosexuelle [größtenteils schwule] Nebencharaktere gibt.

        Ich finde es ja unsagbar traurig, dass wir solche Gespräche überhaupt führen müssen. In einer perfekten Welt wäre das nicht nötig.

      • Wieso seltene Umstände? Es gibt viele Cismenschen, die gut schreiben können, warum sollte sich das bei anderen Personengruppen anders verhalten? (Natürlich bleiben dann die Umstände, die das Schreiben/Veröffentlichen anderweitig verhindern, schon allein weil die Menschen dann eventuell einer noch größeren Öffentlichkeit ausgesetzt sind, oder sie sich vielleicht noch gar nicht geoutet haben. Dann geht das natürlich nicht. Aber dass die Leute nicht schreiben dürfen/wollen, heißt ja nicht, dass sie es nicht können.)
        Aber warum denn nur Biografien? Diese Erfahrungen können ja in jedem Genre Einzug finden; was den (momentanen) Markt nicht sehr viel größer macht, bedingt dadurch, dass die Akzeptanz nicht allzu weit verbreitet ist. Letztlich spielt ja alles irgendwie rein: die generelle gesellschaftliche Haltung, die individuelle Haltung der Verlagsmenschen und Leser_innen. Zumindest bei großen Verlagen/Buchläden – wenn sich ein Verlag auf MOGII-Themen spezialisiert hat, mag das sicherlich etwas besser aussehen, aber ich würde generell nicht sagen, dass Transgender-Autor_innen es nicht schwieriger haben – um überhaupt angenommen zu werden, muss der Verlag sie akzeptieren, und danach geht es mit dem Verkauf und wie die Zahlen aussehen weiter. Da spielen die oben genannten Aspekte wieder rein – wie gesagt, zumindest in Mainstreamverlagen/-läden.
        (Große Sprünge wird es vermutlich nicht geben, so optimistisch bin ich nicht. Aber kleine Schritte sollten auf jeden Fall drin sein und irgendwann … wir können nur dran arbeiten, und vielleicht begreifen es irgendwann auch die letzten.)

        Es würde auch schon ein bisschen helfen, wenn mehr Menschen bewusster Bücher kaufen … Riesenschritte gibt’s dadurch nicht, da hast du Recht, keine Frage. Aber alles was hilft, nicht?
        Ich meine auch nicht, dass der Debütroman gleich ein bahnbrechendes Werk an Diversity werden muss; wäre wünschenswert, ist auch nicht unmöglich (siehe „Otherbound“), aber in vielen Fällen schwierig, gerade wenn die Autor_innen selbst von vielen Privilegien profitieren und erst recht, wenn sie erst mal Geld verdienen wollen/müssen. Nur heißt das auch nicht, dass sie einen komplett privilegierten Cast haben müssen – manche schreiben Fantasy, manche schreiben Magical Realism … da ist es sicherlich nicht zu schwer, Charaktere einzubauen, die nicht hetero, nicht weiß, nicht cis, nicht able-bodied etc. sind. Wenn es wenigstens Nebencharaktere sind, sagen auch hoffentlich die meisten Verlage nichts (mehr), gerade im Bereich Homosexualität oder People of Color. (Oder bin ich da doch zu optimistisch und lebe in meiner Filterbubble?)

        Ein bisschen bewegen wir uns ja auch schon in die richtige Richtung, finde ich. Im englischsprachigen Raum viel mehr als im deutschsprachigen, denke ich, aber dass es Verlage wie Riptide Publishing (z.B.) gibt und die auch bleiben, ist mehr als noch vor einer Weile. Es ist noch lange nicht genug, aber es wurde schon einiges geschafft, indem die Leute einfach keine Ruhe gaben. Wobei der literarische Bereich nicht ausreicht, da muss die Gesellschaft generell offener werden. Und da sind wir nicht auf den falschen Weg, zumindest ist das mein bisheriger Eindruck.

      • Zwischen gut schreiben und ein Buch verfassen können, liegen meiner Meinung nach Welten. Es gibt auch allgemein gesehen nur eine bestimmte Anzahl an Menschen, die nicht nur gerne schreibt, sondern es tatsächlich auch kann [und dann – wie gehabt – eben auch verlegt wird]. Dass also eine Person Transgender UND in der Lage ist ein gutes Buch zu schreiben, halte ich für ein seltenes Gut. Das liegt nicht daran, dass ich es für unwahrscheinlicher halte, dass jemand als Transgender gut schreiben kann, als das bei einer anderen Person der Fall ist. Dass man wenige Bücher von Autoren aus Lichtenstein finden kann, hat ja schließlich auch ziemlich simple Gründe.

        Sicher kann man die Themen überall hinein verpacken, aber ein biographisches Werk dürfte sich in diesem Fall anbieten [und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Verlag das Buch veröffentlicht, erachte ich als deutlich höher – umso mehr, wenn man in Sport oder TV bekannt ist, wie etwa Balian Buschbaum].

        Das Problem ist ja neben dem fehlenden Angebot auch, dass es nicht so einfach ist Bücher mit entsprechenden Inhalten zu finden. Google spuckt meist nur das Offensichtliche aus, aber vor allen Dingen – und ich lese ja solche Bücher recht gerne – wenn nicht in Großdruckbuchstaben auf dem Buchrücken steht, dass der Hauptcharakter homosexuell/schwarz/ein Alien ist, findet man solche Bücher meist nur durch Zufall. Oder in den wenigen Listen online, die es dazu gibt.
        Ich habe mir mal überlegt, ob man die Bookshelf-Funktion auf Goodreads nicht dafür nutzen könnte, um Licht ins Dunkel zu bringen. Dort könnte man mit einfachen Stichworten auf das aufmerksam machen, was normalerweise untergeht: homosexuelle und/oder farbige Nebencharaktere usw. Wenn man eine Kennzeichnung zusammenstellen würde, könnte sie auch von mehreren Personen genutzt werden.

        Der englische Raum bietet sich sicher an und wer auf Englisch liest, ist klar im Vorteil. Das ist aber auch bei ‚stinknormalen’ Büchern so.

      • Ich glaub, ich leg da die Messlatte etwas niedriger – ich sehe da generell viele Leute und für den Feinschliff gibt’s dann Lektor_innen (sehr vereinfacht gesagt). (Rein grundsätzlich dürfte die Verlagswelt gar keine Ansprüche an Talent stellen, wenn ich mir angucke, was sonst noch so veröffentlicht wird, aber das ist ja noch ein anderes Thema …)
        Kleine Verständnisfrage: Du setzt dabei aber voraus, dass es ingesamt (sehr) wenige Leute gibt, die sich als Transgender identifizieren?

        Klar würde sich das anbieten, aber das gilt ja für fast alle Themen (selbst Romanzen, wenn sie besonders tragisch, problematisch oder was auch immer waren) und trotzdem werden sie nicht vornehmlich als solche veröffentlicht.
        Also klar, die Nachfrage ist da sicherlich höher im Moment, aber ich hoffe mal nicht, dass sich Autor_innen (und Verlage) deswegen nur darauf versteifen, fänd ich schade. :) Gerade bei denen, die nicht so bekannt sind wie Balian Buschbaum oder Laverne Cox.

        Also ich find es mittlerweile gar nicht mehr so schwer, weil mir ständig verschiedenste Listen auf Tumblr über den Weg laufen und da auch jedes Mal was anderes dabei ist – sowohl thematisch als auch von den genannten Titeln her. Wenig sind das da nicht, mensch muss nur erst mal auf die richtigen Seiten stoßen – ich hab da aber aber von Anfang an nie gezielt gesucht; ich bin über einen Blog gestolpert, hab über Listen und Diskussionen neue Blog kennengelernt und so weiter und so fort. Hast du denn Tumblr? Mir ist das da zumindest eine sehr große Hilfe.
        Ein bisschen wird das auf GR ja schon gemacht, zumindest sehe ich bei den meisten wenigstens ein glbt-shelf; großflächigere Strukturen und detaillierte Unterscheidungen könnten da wirklich nicht schaden; gerade wenn z.B. nur nach transsexuellen Charakteren gesucht wird, gehen die Treffer unter glbt höchstwahrscheinlich unter.

        Es ist wirklich meistens so, wobei Deutschleser bei „normalen“ Themen auch bei sich ziemlich sicher was finden.

      • Im Vergleich zur gesamten Weltbevölkerung gibt es sicher ‚wenige’ Menschen, die sich als Transgender identifizieren. Aber das meinte ich damit eigentlich nicht. Es geht mir um die Schnittmenge: Wenn wir Bücher über ein Thema wie Transgender aus der Feder von Menschen haben wollen, die selbst Transgender sind, dann müssen verschiedene Faktoren zusammen kommen. Derjenige muss Transgender sein [logisch], er muss sich psychisch in der Lage fühlen sein Leben vor Wildfremden auszubreiten, er muss gerne schreiben und er muss es [in meinen Augen zumindest] auch tatsächlich können [ein Lektor kann Schnitzer ausbessern, aber er kann kein Buch neu schreiben. Vielleicht bin ich da verwöhnt und erwarte auch einen gewissen Standard. Ich bin auch kein großer Freund von Erfahrungsbüchern die mit Co-Autoren geschrieben wurden. Mir ist der Stil da schlichtweg meistens viel zu holprig.]. Was ich damit sagen will ist lediglich, dass da am Ende nicht allzu viele Personen übrig bleiben. Sicher bin ich da etwas penibler, als andere Leser. Für mich reicht es nicht, wenn ein Buch ein interessantes Thema behandelt, wenn es nicht auch gut geschrieben ist.

        Da ich nicht gerne typische Biographien lese, wäre es mir auch lieber, wenn Autoren Erfahrungsberichte in Romane verpacken und man muss ja dazu sagen, dass es tatsächlich immer häufiger vorkommt.

        Nein, ich bin auf Tumblr nicht aktiv. Folglich kann es gut damit zusammen hängen. Seiten wie goodreads sind mir in Bezug auf derart spezifische Suchen meist zu unübersichtlich. Oder ich bin einfach wenn ich etwas suche viel zu ungeduldig, um mich Stunden lang durch goodreads zu kämpfen, bis ich etwas Passendes gefunden habe. Mich ärgert es dann aber auch die zwanzigste Zusammenfassung eines BL-Romanes mit ein- und demselben Setting zu lesen *hmpf*
        Es ist sicher einfacher für die Nerven dem Zufall freien Lauf zu lassen. Ich bin ja leider der Typ Mensch, der eine plötzliche Eingebung hat und dann jetzt sofort eine bestimmte Art von Buch lesen will *hust*

        Ich muss dazu sagen, dass ich deine Links im zweiten Teil wirklich hilfreich finde [und die anderen Seiten sonst wohl selbst nie gefunden hätte].

      • Ah okay, mich hatte nur der indirekte Vergleich zu Lichtenstein aus der Bahn geworfen, da dass doch eine sehr winzige Zahl ist, bzw. hatte ich die ganzen äußeren Einflüsse (also die Bereitschaft, derart öffentlich aufzutreten) erst mal außen vor gelassen bei meinen Überlegungen. :)
        Was die Qualität der Texte angeht, müssen wir uns wohl einfach drauf einigen, dass wir uns nicht einig sind; aber da kommt’s ja wirklich auch auf die eigenen Ansprüche und den eigenen Geschmack an.

        Ich kann die Tumblr wirklich nur empfehlen – selbst wenn du dich nicht anmeldest, kann sich ja jede_r Blogs raussuchen, bei denen immer nachgelesen werden kann und dort tauchen ja auch immer wieder Listen auf – und wenn nicht, können den Leuten auch direkt Fragen nach Buchtipps gestellt werden, irgendwer weiß da immer was.

        Vielleicht reichen die auch schon, dass die Recherche das nächste Mal nicht ganz so stressig ist, einen Versuch wäre es ja wert. Aber ich seh’s auch oft, dass wirklich irgendwer nach einer bestimmten Art Buch fragt und selbst wenn die Betreiber_in des Blogs nichts weiß, wird das weiter gebloggt, es kommen mehr Antworten – ein gutes Ergebnis garantiert das zwar auch nicht, kann aber bestimmt nie schaden. :)

  6. Großartiger Artikel. Sehr informativ und zum Nachdenken motivierend.
    Ich bin total überrascht, dass die psychischen Krankheiten nur knapp 5% ausmachen. Ich finde die sind unser geringstes Problem in der Literatur, denn gerade zu Depressionen, Selbstverletzung (zählt das da mit rein?) usw. gibt es ja zum Glück einige Bücher.

    • Das freut mich zu hören! :)
      Normalerweise hab ich auch das Gefühl, dass psychische Krankheiten recht gut integriert sind, eventuell hab ich in dem Fall doch zu eng gezählt. (Sowas wie „Rebel Heart“, in der eine posttraumatische Belastungsstörung mit eingearbeitet ist, habe ich nicht gezählt – hauptsächlich weil ich viele Bücher im Regal habe, bei denen ich nur noch die groben Details weiß, weil es bis zu zehn Jahre her ist, dass ich sie gelesen habe; da hab ich durchweg nur die prominenten Themen beachtet, sodass dann Bücher wie z.B. „Rage“ von Jackie Morse Kessler (also ja, zählte auch dazu) gezählt wurden.
      Meine eigenen Leseschemata haben da ja auch noch mal einen Einfluss, es sind echt nur richtungsweisende Zahlen. :)

      • Ich finde gerade wenn Magersucht und co. da auch mit reinzählen, gibt es eigentlich massig Bücher zu dem Thema. Die meisten haben das dann natürlich gezielt als Hauptkonflikt (Wintergirls) und es ist seltener, wenn das z.B. ein einem Fantasyroman integriert wird… finde ich aber meist ok. Ich mag es nämlich auch nicht, wenn schwere Themen nur angeschnitten werden und dann nicht den Raum bekommen, den sie nötig hätten.

  7. Pingback: Juni 2014 | Muh, das Telefonbuch

  8. Sehr schöner, nachdenklich stimmender Artikel! Auch wenn ich persönlich nicht alles lese, was es gibt, finde ich es dennoch super, wenn alle Interessen bedient werden können. Dass sich nicht alle großen Verlage und Produktionsfirmen diese Interessen auf die Fahne schreiben, muss man nicht gut finden – aber ist ja (leider) normal. Denn obwohl sich die Gesellschaft meiner Ansicht weitaus offener ist als noch vor einigen Jahren, sind einige der Dinge, die du hier thematisiert hast, nicht im Mainstream angekommen. Finde ich aber auch gar nicht so schlimm – denn Mainstream ist immer seltener wirklich, wirklich gut. Da lob ich mir doch zusehends Indie-Werke mit Herzblut!

    Als jemand, der gerade versucht, seinen ersten Roman zu schreiben, kann ich auch nur sagen, dass Unsicherheit, Dinge nicht korrekt wiederzugeben, eine Rolle spielen. Eine Hauptfigur wird nymphomanisch und bisexuell sein, eine Nebenfigur andeutungsweise bipolar – alleine diese beiden Sachen machen mir ein bisschen zu schaffen, weil ich selber mit keinem dieser Dinge zu kämpfen habe, also nicht aus Erfahrung schreiben kann. Wenn ich das also trotzdem nicht ordentlich umsetze, bekomme ich das um die Ohren gehauen… Da spielt man vor lauter Befürchtungen bezogen auf das Ergebnis doch mit dem Gedanken, es sich als Autor doch einfacher zu machen :p Worauf ich persönlich allerdings keine Lust habe, denn das Leben ist einfach nicht so einfach.

    • Geht ja, glaube ich, auch gar nicht – und verlangt wohl auch kein Mensch. :) Und die Genres müssen sich an sich ja auch gar nicht ändern, nur die Charaktere müssen mal etwas vielfältiger werden als bisher.
      Besser als früher ist es auf jeden Fall, aber noch lange nicht gut genug. Dass es nicht im Mainstream angekommen ist, finde ich aber ganz besonders schlimm. Immerhin hat nicht jeder Mensch die Ressourcen (wenn z.B. nur auf kleine, städtische Bibliotheken zurückgegriffen werden kann, und die führen meistens weniger Indiewerke) hat, sich kündig zu machen oder da so einfach ranzukommen. Die Themen müssen einfach im Mainstream ankommen, denn so schön manche Indiewerke auch sein können: Die Reichweite ist doch ein wenig kleiner, und das ist zwar ein erster Schritt, bringt allein aber nicht so viel. Das macht’s den Leuten, die sich unsinnigerweise noch immer gegen Veränderung stemmen, etwas zu leicht, den Themen einfach aus dem Weg zu gehen. Und das gönne ich denen wirklich nicht. ;)

      Mit Bisexualität muss ja auch nicht zwangsläufig gekämpft werden … :D Aber hey, dass du dich ranwagst, ist doch schon mal super! Dass da eine gewisse Unsicherheit herrscht, ist doch eigentlich auch gut. Das zeigt, dass du dir Gedanken machst und das führt (hoffentlich) zu Recherchen, und wenn das ordentlich gemacht wird, schließt es doch aus, dass einfach nur auf Stereotype zurückgegriffen wird, was in der Tat schlimm wäre. (Z.B. wenn sie nur nymphomanisch wäre, weil sie bisexuell ist.) Aber wenn die Mühe sichtbar ist, dann reagieren die meisten auch nicht allzu streng, wenn doch was schiefgeht – die krassesten Reaktionen sehe ich eigentlich nur, wenn ein_e Autor_in vollkommen ignorant an ein Thema rangegangen ist, sich keinerleich Gedanken gemacht und dann Vorurteile weiterverbreitet hat – und dann gibt’s die Reaktionen auch zu Recht.

Und ihr so?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s