I liked you, but there is this one very off-putting thing about you

Falls der überlange Titel es noch nicht klarmacht: Hier geht’s mal eben um Bücher, die ich an sich eigentlich sehr mochte – wäre da nicht diese eine Sache. Ist bei allen dreien was anderes, aber es hat am Ende doch ein bisschen das Buch ruiniert – unter anderem weil ich dadurch nicht mehr weiß, wie ich es bewerten soll. An sich wären es alle 4-Sterne-Bücher, aber so richtig wohl fühle ich mich damit auch nicht. (Ein Klick aufs Cover bringt euch zu Goodreads.)

balken

blue is the warmest color Blue is the Warmest Color ist zuallerst mal wunderschön gezeichnet, zumindest was die Farben angeht. Der Zeichenstil an sich ist wie immer Geschmackssache, bei mir schwankte es zwischen „schön“ und „eeeeeeh“. Generell ist alles in Sepia-Farben gehalten und gerade die Gegenwart wirkt dadurch – passend zum Inhalt – sehr trostlos. In der Vergangenheit ist aber die Farbe Blau, als Emmas Haarfarbe, wichtig und das spiegelt sich auch in den Zeichnungen wider.
Die Geschichte an sich ist nichts für die, die Aufmunterung brauchen; wer aber eine traurige und einfühlsame Geschichte über die Liebesbeziehung zweier Frauen lesen will, und darüber, dass Liebe allein nicht immer reicht, wenn sich Langeweile und Unverständnis in den Alltag mischen, ist hier grundsätzlich beim richtigen Titel. Allerdings habe ich ein bisschen ein Problem damit, wie Clementines Geschichte erzählt wird. Ein paae Dinge vorab: Emma ist lesbisch, und Clementine auch, denke ich. Clementine hat aber auch Beziehungen zu Männern, was Emma nie so richtig unkommentiert lässt, anfangs noch meint, sie würde am Ende doch nur wieder bei einem Jungen landen und noch einiges mehr, was aber Spoiler sind. Das hat mich doch sehr unangenehm an die Vorurteile erinnert, die die Leute gegenüber Multisexualität (z.B. Bisexualität) haben. Um das noch mal klarzustellen: Es ist unwahrscheinlich, dass Clementine bisexuell ist und Julie Marohs Erzählung ist nicht zwangsläufig durch Vorurteile Multisexualität gegenüber beeinflusst. Aber es hat mich doch mit einem sehr unguten Gefühl zurückgelassen, weswegen es von mir keine bedingungslose Empfehlung geben wird.

kiss in the dark A Kiss in the Dark bietet an sich eine schöne Geschichte, die auch zeigt, dass das Gender vielleicht nicht immer das Wichtigste ist, und vor allem nicht die Genitalien einer Person. Als Kate und Alex sich treffen, nimmt Kate nämlich an, Alex sei ein Junge und Alex macht erst mal mit, weil sie Kate mag und sich ihre Chancen nicht verbauen will. Nicht die beste Entscheidung und irgendwann ist es einfach unehrlich, aber das ist erst mal auch der Reiz der Geschichte – beide Mädchen machen Fehler, aber sie sind verständlich.
Abgesehen davon bringt die Geschichte auch einen Hauch von Cisnormativität mit sich – zum Beispiel wird ständig Gender mit Genitalien gleichgesetzt – und freilich auch Homophobie, was in dem Kontext aber zu erwarten war. Ist auch alles gar nicht so sehr mein Problem, weil es sich in der Geschichte erklären lässt, auch wenn die Cisnormativität ruhig hätte wegbleiben können. Stattdessen finde ich das Ende schlichtweg unakzeptabel. Für alles andere gilt eine Spoilerwarnung: Nachdem Kate erfährt, dass Alex ein Mädchen ist, wendet sie sich erst mal von ihr ab und folgt dann dem Beispiel ihrer Mutter und behauptet, Alex hätte sich an ihr vergriffen und zieht diese Anschuldigungen wirklich erst in allerletzter Sekunde zurück. Ich kann verstehen, dass sowas zu einer Lawine werden kann und dass Kate irgendwann Angst hatte, aber zu der Zeit, zu der sie realisiert, dass sie hier den Mythos füttert, Frauen denken sich einfach aus, dass sie vergewaltigt wurden, wenn ihnen was an den Partner_innen nicht gefiel, und dass sie damit Alex‘ Leben ruinieren könnte, hätte sie wirklich aufhören müssen. Tut sie erst mal nicht und das Buch will uns weismachen, dass Liebe über allem steht, aka Alex vergibt Kate quasi sofort. Find ich so nicht richtig.

The Summer Prince The Summer Prince lohnt sich rein grundsätzlich schon wegen seines Covers. Im Tageslicht leuchtet es auch ganz zauberhaft! Ansonsten klang das Buch wohl ein bisschen zu gut, um wahr zu sein. Im Brasilien der Zukunft wurde ein Matriarchat errichtet, das auf Misandrie verzichtet – mal abgesehen davon, dass einmal im Jahr der König geopfert wird und dabei die neue Königin ernennt. (Und davon, dass es trotzdem Klassenkämpfe und Rassismus gibt.) In der Hauptstadt verbringt Protagonistin June ihre Zeit heimlich damit, Street Art zu kreieren; die Dinge werden etwas über den Haufen geworfen, als sich alle in den neuen König, Enki, verlieben; einschließlich June und ihrem besten Freund Gil. Es hat durchaus seine guten Seiten: June lebt für ihre Kunst, sucht ihren eigenen Weg und ist auch sehr von sich selbst überzeugt, hat aber auch allen Grund dazu – ich mag sie. Und auch wenn in dieser Gesellschaft so einiges im Argen liegt (nicht zuletzt dass Menschen geopfter werden …), zumindest Sexualität scheint absolut kein Thema zu sein. Ist mal sehr erfrischend! Allerdings fehlte irgendwie ein roter Faden, etwas, worum es in diesem Buch geht. Und auch wenn es schön war, dass June und Enki zunächst nicht das „Hauptpärchen“ sind (ohnehin hat Enki nicht nur eine_n Partner_in), als die beiden sich näher kommen, fehlt die Chemie. Schade.
Das eigentliche Problem ist aber, dass Alaya Dawn Johnson keine Brasilianerin ist und für ihre Geschichte scheinbar die klischeehaftesten Elemente genommen hat, um ihre Geschichte ein wenig exotischer zu machen. Nennt sich cultural appropriation und musste wirklich nicht sein. Wer mehr darüber wissen will, kann hier und hier ein bisschen nachlesen.
Trotzdem, eine Fortsetzung wäre spannend, zumal das Ende Platz lässt für viele Neuerungen.

balken

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2 thoughts on “I liked you, but there is this one very off-putting thing about you

  1. Ich wollte schon jubeln als ich Brasilien und Zukunft gelesen habe, aber argh. Nicht mal die Namen (bis auf Gil) klingen wirklich brasilianisch, irgendwie alle eher europäisch oder US-amerikanisch und das macht mich ein bisschen wütend weil da die Stimmung eh schon verhalten ist, weil alles immer so Europa- und Nordamerikanisch-zentriert ist.

    • Also June, ja, aber Enki? Ist, soweit ich weiß, ein Begriff aus der sumerischen Mythologie, was jetzt zwar auch nicht direkt mit Brasilien zusammenhängt (oder gab’s da Kontakte?), aber es ist zumindest nicht euro- oder US-zentrisch. xD
      Hab mir leider auch die ganzen anderen Namen nicht aufgeschrieben und hab das Buch nicht zum Nachgucken da. :( Weiß nur noch, dass Junes Stiefmutter Yaha genannt wurde und eine Freundin von ihr Bebel hieß. Ansonsten fällt mir noch Ueda-sama ein, aber der war auch aus Japan.

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