The Gracekeepers | Kirsty Logan

Gracekeepers

Genre: laut Verlag: „not applicable“. Sie haben nicht Unrecht.
Verlag: Harvill Secker
ISBN: 978-1-846-55916-7
Preis: £12.99
Erscheinungsdatum: April 2015
Format: Hardcover

Goodreads

The sea has flooded the earth. North lives on a circus boat, floating between the scattered islands that remain. She dances with her beloved bear, while the rest of the crew trade dazzling and death-defying feats for food from the islanders. However, North has a secret that could capsize her life with the circus.

Callanish lives alone in her house in the middle of the ocean, with only the birds and the fish for company. As penance for a terrible mistake, she works as a gracekeeper, tending the graves of those who die at sea. What drove her from home is also what pulls her towards North.

When a storm creates a chance meeting between the two girls, their worlds change. They are magnetically drawn to one another, and the promise of a new life. But the waters are treacherous, and the tide is against them.

Content Note: Menschen mit einem ganzen Batzen Vorurteilen. Das Töten eines Kindes wird erwähnt. Und ein Nice Guy (TM) hat sich eingeschlichen.

Diversity-Check: Frauen, die sich mögen! (Also, mehr als Freundschaft.) Charaktere, deren Gender bis zum Schluss unklar bleibt! (Ob sie als nicht-binär gelesen werden können, ist eine andere Frage.)

Zum Buch:
Ein Hoch auf Spontankäufe! Vor ein paar Tagen erst hat Captain Cow „The Gatekeepers“ gesehen und konnte sich nicht so recht davon losreißen – als sie dann auch noch eine Rezension fand, die das Buch mit Laura Lams „Pantomime“ verglich, musste ich es dann auch gleich haben. Im Nachhinein muss ich sagen, dass es nicht so viel mit „Pantomime“ zu tun hat, vor allem weil Gender und auch Sexualität Hauptthemen von Laura Lams Buch sind; hier sind sie „nur“ ein Teil der Geschichte, der auch nie hinterfragt wird – oder hinterfragt werden muss.

Aber mal zurück zum Anfang! Die Erde hat nicht mehr allzu viel Erde an der Oberfläche übrig. Städte und Länder wurden überschwemmt und befinden sich jetzt meterweit unter Wasser. Die paar Inseln, die es noch gibt, bieten nicht Platz für alle – wer an Land wohnt, hat Glück, auch wenn die, die gezwungenermaßen auf dem Wasser leben, das nicht immer so sehen (möchten). Der Situation entsprechend, sind die gesellschaftlichen Strukturen ein bisschen anders. Auf vielen Inseln werden Bäume angebetet und einen zu zerstören, kommt der Gotteslästerung gleich und wird hart bestraft. Andere sehnen sich nach alten Zeiten und wenden sich einem Monotheismus wieder zu, der stark an sehr konservative Ausrichtungen verschiedener Religionen erinnert. Auf dem Wasser dagegen hat die See alle Macht. Und wie es in Notsituationen oft der Fall ist, hat das Militär die Kontrolle übernommen. All das kommt aber nur marginal vor, erschließt sich mit dem Fortschreiten der Geschichte, die mit jedem Kapitel zwischen verschiedenen Perspektiven hin und her springt, allen voran North und Callanish. Trotzdem sind das Faktoren, die ich mit am spannendsten fand: Wie die Landlockers (an Land Lebenden) auf die Damplings (auf dem Wasser Lebenden) herabsehen und sie zwingen, sich zu erkennen zu geben, und wie die Damplings darauf reagieren, indem sie es z.B. als schmutzig und unwürdig ansehen, Erde zu berühren … Wie die einen ohne die anderen aber auch nicht wirklich auskommen. Wie es keine Friedhöfe mehr geben kann, weil Erde knapp sind, und die Toten deswegen verbrannt oder im Meer (auf Graceyards) versenkt werden, was noch mal ganz neue Traditionen mit sich bringt. An meinem Gebrabbel ist vermutlich auch schon zu erkennen, dass ich das alles sehr faszinierend fand, nicht?

In Sachen Spannung kann das Buch nicht allzu viel aufwarten, fürchte ich. Interessant ist es, und garantiert nicht langweilig – am Ende wird es auch mal spannender, als alles zusammenkommt, aber bis dahin schippert die Geschichte ruhig vor sich hin wie ein Segelschiff bei nur leichtem Wind. (Der Kitschpunkt geht an mich.) Was es so interessant macht, sind die Charaktere: Callanish, die beständig ihre Hände und Füße verstecken muss aus Angst, dass andere sehen könnten, was sie wirklich ist. North, deren Eltern bei einem Auftritt mit einem Bär getötet wurden, und die nun mit ihrem eigenen Bär auftritt, den sie über alles liebt – und die ihre Liebe bald ein wenig teilen muss. Norths Zirkus-Crew: Jarrow, der Zirkusleiter, der verzweifelt das Beste für seinen Sohn will und allen anderen grausam seine Wünsche aufzwingt. Avalon, Jarrows Frau, die dagegen das Beste für ihre Familie will, für Jarrow, ihr ungeborenes Kind und sich selbst, und die bereit ist, alles dafür zu tun. Ainsel, Jarrows Sohn, der sich vor allem um sich selbst und seine Pferde sorgt. Etwas weniger präsent: Melia und Whitby, die Geschwister-Liebhaber-Ehepaar-Akrobaten. Bero, Feuerspeier und emotionale Stütze. Cyan, Mauve und Teal, die Glamours, und Dash, Dough und Cash, die Clowns, die nicht nur Zirkusbesucher bezaubern, indem sie sich nicht klar einem Gender zuordnen lassen und über die auch das Buch nie verrät, wo sie sich selbst sehen. Ein paar mehr gibt es noch, und alle spielen ihre Rolle, auch wenn einige von ihnen nicht gerade angenehm zu lesen sind.

Neben all dem hat das Buch auch ein leichtes Märchenelement und ich wünschte, es wäre etwas größer gewesen. Hier und da tauchen nämlich auch mal Meerwesen auf – mehr als Erwähnungen aber, und auf dem Cover unter dem Schutzumschlag befinden sich deutlich mehr als tatsächlich im Buch sind. Trotzdem, es war so ein schönes Element, und wenn ihr Meermenschen liebt, dann lohnt es sich schon deswegen ein bisschen.
Der Schreibstil tut da sein Übriges. So wie Kirsty Logan ganz subtil die Fakten darbietet, ist auch ihr Schreibstil eher ruhig und lyrisch, ohne je zu dick aufzutragen und den Text mit Metaphern zu übersättigen. Da wird selbst die Beschreibung eines Apfels wunderschön!

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Ganz kurz gesagt: Lest das Buch! „The Gatekeepers“ ist eine schöne Geschichte mit ein paar komplizierten Personen, Geheimnissen, einem Bären, einem Zirkus und Meerwesen, die sich alle zu etwas leicht Märchenhaftem verbinden lassen. Vergesst Atlantis, oder Städte unter Wasser generell (okay, vergesst es nicht ganz), die Leben der Menschen auf der überfluteten Erde sind erst mal ein bisschen wichtiger.

Rental heart and other stories_200portable shelter_200 „The Gracekeepers“ ist das erste Buch von Kirsty Logan, aber geschrieben und veröffentlicht hat sie vorher schon. Ich persönlich bin normalerweise kein Freund von Kurzgeschichten, aber zwei ihrer Sammlungen haben es dann doch auf meine Liste geschafft: „The Rental Heart and Other Stories“ und „A Portable Shelter“. Ersteres wurde schon letztes Jahr veröffentlicht, letzteres kommt aber erst diesen August heraus und handelt von einem Paar an der Nordküste Schottlands, das die Geburt des gemeinsamen Kindes erwartet. Beide Frauen erzählen dem Ungeborenen ohne das Wissen der anderen märchenartige Geschichten von „Selkie-Fischern, zahmen Werwölfen, kinderfressenden Hexen und Drachen mit kaputten Zähnen“ (unter anderem). Außerdem ist jede Geschichte von einer Illustration begleitet, und ich freu mich schon sehr auf das Buch!

Wer eine vollständige Liste ihrer Werke möchte, kann sich hier mal durchklicken.

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11 thoughts on “The Gracekeepers | Kirsty Logan

  1. Der Klappentext hört sich schon so fabelhaft an, gut zu wissen, dass „The Gracekeepers“ auch so außergewöhnlich und leicht märchenhaft ist! Und yay, Meerwesen :D Ist das dann so ein cooles Cover unter dem Cover?

      • Ich find sowas auch immer super. Kennst du „The Door That Led to Where“ von Sally Gardner? Ich les es gerade und der Schutzumschlag bedeckt die vordere Seite nur unvollständig, sodass es ein bisschen wie eine Tür aussieht (siehe Bild in der Sidebar xD) und drunter ist eine Karte von London. Verlier durch sowas aber auch immer etwas Lesezeit, weil ich das Buch einfach nur anstarre. xD

      • Jetzt kenne ich es xD Von Sally Gardner wollte ich eh schon immer was lesen, dann kann ich mir gleich „The Door That Led to Where“ kaufen. So einen coolen Schutzumschlag will ich auch! Ist das Buch gut? :)

      • Bisher mag ich es. :) Manchmal erscheint es mir, als sei es für jüngere Leser_innen geschrieben und die Charaktere geben sehr schnell zu/akzeptieren, dass Menschen dürch Türen in der Zeit reisen können, aber abgesehen davon ist es ziemlich spannend, weil überall Leichen auftauchen und in beiden Zeiten die gleichen Namen auftauchen. ;)
        Wenn du was Märchenhafteres magst: „Tinder“ von ihr ist auch sehr toll (und sehr düster) und wunderschön illustriert!

      • Vielleicht hole ich mir ja doch „Tinder“ vor „The Door That Led to Where“, das hört sich noch einen Tick besser an. Danke für den Tipp! :D

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