Life is scary

Die Bücher hier haben alle mit den furchterregenderen Seiten des Lebens zu tun … oder sind selbst ein bisschen gruselig, wie „Tinder“ von Sally Gardner und David Roberts. „Complicit“ von Stephanie Kuehn und „The Impossible Knife of Memory“ von Laurie Halse Anderson dagegen setzen sich aber mit ganz realen Problemen auseinander und sind nicht gerade die leichteste Lektüre. Ein Klick auf’s Cover führt euch wie immer zu Goodreads für mehr Infos zum Buch.

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Tinder Nachdem ich Tinder beendet hatte, war mein erster Gedanke: „Das hätte episch sein können!“ Ganz so stark fand ich das Buch am Ende dann doch nicht, aber klasse war es trotzdem – für die Epik fehlte dann nur ein bisschen Fülle, die sich auch wirklich gelohnt hätte bei den ganzen wunderbaren Details, die sich in der Geschichte verstecken. So hat das Buch mehr etwas von einem Märchen – einem Märchen mit wunderbar düsteren Illustrationen (aus der Feder von David Roberts), das wohl auch eher was für junge Erwachsene und aufwärts ist, keine starke Moral hat wie bei klassischen Märchen und das sehr, sehr düster ist. Nicht dass klassische Märchen ein Zuckerschlecken sind, aber hier sind Vergewaltigungen, Mord und Gnadentode unter anderem Thema, und das ist alles wirklich nicht ohne. Abgesehen davon ist der Hauptcharakter nur in den Zeichnungen zweidimensional, nicht aber in der Geschichte. Insgesamt hat mich Sally Gardners Geschichte da vollkommen überrascht, weil ich eher etwas Düsteres für jüngere Leser_innen erwartet hatte; solche Überraschungen nehme ich aber sehr, sehr gerne in Kauf.

balken_blau_kleinComplicit With Complicit, you’re in for a mindfuck. Auch wenn der ein bischen auf sich warten lässt. Bei dem Buch, wie auch bei Stephanie Kuehns vorherigem, ist es am besten, sich gar nicht erst den Klappentext durchzulesen und gleich in das Buch einzusteigen – vor allem weil der Klappentext fast ein bisschen zu viel verrät, was das Buch aber nicht verdirbt. Was ihr wissen müsst: Jamie wohnt bei seinen Adoptiveltern und hofft, dass er seine Schwester nie wieder sehen muss. Diese wurde dafür verurteilt, dass sie den Stall der Nachbarn niederbrannte. Jetzt aber ist Cate zurück, und sie hat einige Dinge zu erledigen. Wie schon für „Charm & Strange“ gilt: Kuehns Bücher sind düster und ihren Charakteren sollte nicht getraut werden. Sie kennen immer nur eine Seite, ihre eigene, und selbst bei der gestehen sie sich nicht alles ehrlich ein. Kuehns Bücher sind brutal, sowohl was die Ereignisse als auch die Emotionen angeht. Die Autorin arbeitet aber wunderbar mit diesen Elementen und präsentiert eine Story, die selbst mit leichten Spoilern noch spannend bleibt – bis zum Schluss. Eine Sache hat mich dann aber doch gestört: Jamie hat die Tendenz, Opfern die Schuld zuzuschieben und verurteilt seine Schwester dafür, dass sie angeblich ihren Körper und sich selbst nicht schätzt, weil sie sexuell sehr aktiv ist. Es kommt nicht zu oft vor, aber wenn euch gerade nicht nach diesem Arschlochverhalten ist, dann seid hiermit gewarnt.

balken_blau_kleinimpossible knife of memory The Impossible Knife of Memory ist ein Buch über PTBS/PTSD und sowohl Halyleys Vater als auch sie selbst haben es, wenn auch aus verschiedenen Gründen. Hayleys Vater war Soldat und die Rückblicke, die sein Leben als solcher beschreiben, sind ein sehr wichtiger Teil der Geschichte. Es hilft auch zu erklären, warum er ist, wie er ist, ohne alles zu entschuldigen. Denn was seine Tochter wegen ihm durchmachen muss, ist nicht okay. Statt ihn aber als schlechten Vater zu verteufeln, zeigt Laurie Halse Anderson: Was er tat, war falsch, aber er braucht Hilfe, nicht nur (berechtigte) Vorwürfe. Für Hayley ist der Grund ihr Vater, das Leben, das sie wegen ihm bisher führen musste, und in ihrem Fall geht damit ein Erinnerungsverlust einher, der auch titelgebend ist. Überraschenderweise ist das ein eher kleiner Teil der Geschichte, aber zusammen mit der Darstellung des Vaters bietet die Autorin ein einfühlsames Bild von den ganz persönlichen Folgen des Krieges. Abgesehen ist es aber auch die Geschichte eines Mädchen, das einen Weg für sich selbst finden muss, und hat dabei wunderbar feministische Untertöne. Hayley Kincain hat leuchtend blaue Haare und kriegt Ärger, weil sie Lehrer_innen korrigiert, die ihren Stoff oder grundlegenden Respekt nicht richtig kennen. Sie ist allergisch gegen „vielleicht hat sie ihre Tage“-Kommentare, steht nicht schweigend oder gar gutheißend da, wenn andere Drogen ausprobieren, und wenn ein Pärchen rummacht, aber dann entscheidet, dass sie erst mal doch keinen Sex haben wollen, dann ist das auch kein Problem. Ich fand das alles eine sehr erfrischende Darstellung und wünschte, mehr Autor_innen würden sich trauen, ohne im nächsten Atemzug Feminismus als das böse F-Wort abzutun. (Anmerkung: Soweit ich mich erinnern kann, nutzen weder Autorin noch Protagonistin das Wort „Feminismus“, aber zu oft verhalten sich Protagonist_innen feministisch, nur um sich dann darüber lustig zu machen oder es als etwas gänzlich Schlechtes darzustellen.)
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