Edinburgh Book Festival 2015 | David Levithan

DavidLevithan_300 Das Edinburgh Book Festival ist zurück und heute war Eröffnungstag; mich hatte auch gleich eine Lesung interessiert, nämlich die von David Levithan. Er war letztes Jahr schon da, dieses Jahr ging es um sein neuestes Buch, „Another Day“, das die Geschichte von „Every Day“/“Letztendlich sind wir dem Universum egal“ aus der Sicht von Rhiannon erzählt – bzw. diese noch ausbaut, da in As Geschichte viel vorkam, das Rhiannon nicht beinhaltete und dementsprechend wird auch ihre Version Seiten haben, in denen A zumindest körperlich nicht anwesend ist.
Ich kann nicht versprechen, dass ich mich an alles von der Lesung erinnere. Beim Warten in der Signierschlange hab ich mir ein paar Notizen gemacht, aber ihr wisst ja, wie das so ist mit dem Gedächtnis. Und meines ist ganz besonders siebig. Deswegen, hier all die Sachen, an die ich mich noch erinnert habe!

Der Anfang der Lesung
Das Beste vielleicht zu Beginn. Da eine gewisse Autorin vor kurzem ihre ohnehin schon schlecht geschriebene Geschichte noch mal aus der Sicht des ach so tragischen „Helden“, der die Protagonistin pflichtbewusst missbraucht, veröffentlicht hat, sprach die Moderatorin die offensichtliche Parallele an: die gleiche Geschichte wird noch mal aus der Perspektive der anderen Person erzählt. Kommentieren Leute das? Was hält er davon? Und ja, er ärgert sich ein bisschen, zumal sein Buch Monate, bevor EL James ihres ankündigte, bereits fertig war – aber, und hier zitiere ich mal, weil’s zu schön war, das wäre „the cheesy, badly written cross I have to bear“.

Mein Senf
Generell fand ich es schön, wie oft es um Charaktere des LGBTIAQ+-Spektrums ging. Natürlich bietet sich das bei der Geschichte auch an, gerade wenn es um „Every Day“ geht. Aber David Levithan selbst sprach an, wie oft sowas noch ins Licht getragen werden muss – und dass es selbst bei seinem Buch geholfen hat, dass die Geschichte ein fantastisches Element hat. Wenn es um eine ganz normale genderqueere Person gegangen wäre, hätten letztendlich wohl weniger Leute und Medien darüber geredet. Ich hab mich für den Moment aber gefreut, dass so viele Jugendliche im Publikum waren und die nicht bis zur Uni warten müssen, bis sie mal von Menschen hören, die transgender oder genderqueer sind. (Auch wenn Herr Levithan entweder noch immer nicht davon gehört hat, dass ein genderneutrales Pronomen im Englischen „they“ ist, oder er hat es vorgezogen, das zu verschweigen.)
Was er auch – im Bezug auf eine Publikumsfrage – ansprach: Er findet es toll, dass es immer mehr Geschichten gibt, in denen LGBTIAQ+-(Haupt-)Charaktere vorkommen, ohne dass ihre Zugehörigkeit zum LGBTIAQ+-Spektrum im Zentrum der Geschichte steht. Die Wichtigkeit dieses Aspekts einer Identität darf aber auch nicht heruntergespielt werden, wie er betonte: Oft bekommt er die Frage so gestellt, dass es heißt, dass es „gar nicht mehr wichtig ist“, welche Sexualität oder welches Gender ein Charakter hat – aber es ist wichtig und spielt eine Rolle. Es steht nur nicht mehr immer als Einziges im Fokus der Geschichte, und das findet er gut.

Ruhe, Shiku, ich will Funfacts!
Ist ja gut, hier sind sie ja schon!
1) Da David Levithan ja recht bekannt dafür ist, auch mal mit anderen Autor_innen zusammenzuarbeiten, kam die Frage auf, mit welcher Person er denn unbedingt mal ein Buch schreiben wollen würde. Seite Antwort: Libba Bray! Scheinbar treffen die beiden sich jeden Montag und sie ist eine der witzigsten Personen, die er kennt. (Ihr Buch „Beauty Queens“ war ja auch bei ihm im Lektorat, wenn ich mich recht entsinne.) Dementsprechend würde er es nicht zulassen, dass eine_r von ihnen beiden stirbt, bevor sie nicht ein Buch zusammen geschrieben haben.
2) Eine andere Frage galt eventuellen Fehlern, ob er wohl etwas seiner Autorenkarriere bereut? Jein, denn an sich gibt es da nichts, das er ändern würde – bis auf eine einzige Zeile. Die stammt aus „The Realm of Possibilities“ und an sich hat er gar nichts gegen sie, nur liest er gerne laut aus dem Buch vor bei Lesungen, und diese eine Zeile ist Teil davon. Und als er damals die Worte „treasure chest ashtray“ schrieb, ahnte er ja nicht, wie schwer das zusammen auszusprechen ist. Das Ende vom Lied: Entweder er wurschtelt alles zusammen und klingt betrunken, oder er betont alles ganz besonders, was auch seltsam klingt. Zwischenzeitlich war es so schlimm, dass er beim Lesen ständig denken musste: „Noch vier Seiten bis treasure chest ashtray … noch drei Seiten … zwei … eine Seite … treshchesshtray.“
3) Ich persönlich habe „Invisibility“ von ihm und Andrea Cremer nie gelesen (und hab es auch nie vor), aber hier und da hatte ich vernommen, dass sich Leute gefragt haben, warum es ausgerechnet zu dieser Zusammenarbeit kam? Nun, auch das hat er angesprochen. Scheinbar waren die beiden zusammen mit John Green bei einem Event und zuvor (oder kurz danach?) scherzte Frau Cremer auf ihrem Blog, warum er denn nicht endlich mit ihr ein Buch schreibe. Es wäre doch mal Zeit für Paranormal Fantasy! Als er sich dazu entschloss, das echt mal zu machen, kannte er sie vielleicht eine Dreiviertelstunde. Als sie bei circa Kapitel 7 ankamen, merkten sie dann, dass sie sich vielleicht mal gemeinsam hinsetzen und das Magiesystem ausarbeiten sollten – haben sie dann auch innerhalb einer Stunde gemacht.
4) Bezüglich des Titels von „Every Day“: Ursprünglich sollte das Buch „A“ heißen, was er total super fand, seine Lektorin eher weniger. Nachdem er sich erst mal entrüstet hatte, als sie meinte, er müsse den Titel ändern, sah er es dann doch ein, als sie ihm erklärte, dass kein Buchhandel das Buch mit dem Titel jemals im System suchen können würde – schließlich werden Artikel bei der Suche ignoriert.
5) Erinnert ihr euch an „Naomi and Ely’s No Kiss List“/“Naomi & Ely: Die Liebe, die Freundschaft und alles dazwischen“? Scheinbar gab es da einen Hund? Nun, offenbar hatte der sogar mal sein eigenes Kapitel aus seiner Sicht (er meint sich zu erinnern, dass es Kapitel 6 war). Dagegen hat Rachel Cohn aber Veto eingelegt, weil sie absolut dagegen war, dass sie zu Autor_innen werden, die aus der Sicht eines Hundes schreiben.

Sonst noch was?
Weniger Fun, aber auch interessant: Da er beim Schreiben nicht vorplant, wusste er auch nicht im Voraus, in welchen Körpern A so aufwachen wird. Bei einem Gespräch mit einer Bekannten hat er aber gemerkt, dass er sich sehr innerhalb seiner eigenen Komfortzone bewegt hat – alle Charaktere haben eine Eigenschaft, mit der er entweder selbst oder eine Person aus seiner Familie/von seinen Freund_innen/etc. zu tun hat. Erwähnte Bekannte fragte ihn nämlich mal, wie das wohl wäre, wenn A in einem Körper wie dem ihres Sohnes aufwachen würde, der in diesem Fall autistisch ist. Wozu er meinte: Der Gedanke wäre ihm beim Schreiben gar nicht gekommen, weshalb er gemerkt hat, dass er sich gar nicht so weit rausgewagt hatte, wie vielleicht gedacht wurde.
Wenn wir einmal beim Schreibprozess sind: Er erwähnte auch, dass es ihm sehr geholfen hat, dass er zuerst als Lektor arbeitete und daher wusste, dass alle Autor_innen ihren ganz eigenen Schreibstil haben. Daher musste er sich, als er sein erstes Buch schrieb, gar nicht mit Fragen wie „Mache ich das überhaupt richtig?“ herumquälen, denn er wusste, dass es genau so richtig ist, wie es sich für ihn gut anfühlt. Wobei er bei seinen Ideen eher danach geht, was ihm Angst macht, bei welcher er denkt, dass er das nicht schreiben kann – das ist normalerweise ein gutes Indiz für ihn, dass er es schreiben sollte. Wenn es eine Idee ist, die so noch nicht auf dem Markt ist, wird es sein nächstes Projekt.

Jetzt aber mal zum Punkt, was gibt’s in Zukunft so von ihm zu lesen?
Was zukünftige Titel angeht, so erwähnte er an einer Stelle, dass sein nächstes Buch mal wieder erwachsene Charaktere haben wird. Später hieß es dann außerdem, dass das nächste (oder ein nächstes?) Buch wieder eine Zusammenarbeit sein wird, in der eine schwule und eine lesbische Person die zentralen Rollen einnehmen werden. Mit wem er das Buch schreibt, wollte/durfte er noch nicht verraten.
Abgesehen davon ließ er durchblicken, dass „Every Day“ und „Another Day“ nicht das Ende von As Geschichte ist. Was genau das heißt, wurde aber auch nicht verraten. Ich hoffe ja, dass an das Ende von „Every Day“ angeknüpft wird und wir endlich mal mehr über das Wie von As Körperwechseln erfahren.

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6 thoughts on “Edinburgh Book Festival 2015 | David Levithan

  1. Danke für die schöne Zusammenfassung, ich bin schrecklich neidisch.

    Die Geschichte noch mal aus der Sicht der anderen Person zu erzählen, ist ja schon lange nichts Neues mehr. Seit Midnight Sun boomt das eigentlich. Lustigerweise habe ich bis zu deinem Post noch keinen einzigen Vergleich damit zu Another Day gezogen, dabei ist es ja schon die gleiche Schiene xD

    Libba und David, das wär was :D Ich frage mich in welches Genre das gehen würde… für ihn wünsche ich mir ja eigentlich eher Contemporary (weil das mit Invisibility so derbe in die Hose ging), aber vielleicht könnte Libba da das gewisse Etwas rauskitzeln… nur dass wir wahrscheinlich noch 20 Jahre auf dieses Buch warten müssen.

    An den Naomi & Ely Hund kann ich mich tatsächlich auch nicht erinnern, aber es ist eh viel zu lange her, dass ich das Buch gelesen hab.

    Oh, wie aufregend, ich bin gespannt wer mit der geheimen Zusammenarbeit gemeint ist :D hoffentlich jemand Tolles (hoffentlich Maggie Stiefvater xD).
    Noch ein Buch zu A finde ich allerdings eher blöd. Ich sehe schon Another Day sehr skeptisch. Das Buch war super wie es ist, das braucht nicht dieses ganze Zusatzgedöns, was jeder erfolgreiche Roman im Moment bekommt. Ich finde auch nicht, dass As „Zustand“ erklärt werden sollte, das nähme dem ganzen den magischen Realismus.

    • Dabei soll es informieren und nicht neidisch machen. xD

      Nee, ist es echt nicht – hier passt’s wohl auch nur so schön, weil die Bücher relativ nah beieinander veröffentlicht wurden. Ich glaube, mich würde das auch ärgern, wenn ich da monatelang ein Buch plane und schreibe, und dann taucht Christian Grey auf einmal auf und erscheint auch noch eher. xD Nicht weil die Idee, das Buch noch einmal aus einer anderen Perspektive zu schreiben, so wunderbar originell ist, sondern … einfach so. Jede Nähe zu Shades of Grey kann nichts Gutes sein. xD (Bin mir nicht mehr sicher, aber ich glaube, die Moderatorin sprach auch an, dass Grey sich nicht gut verkauft hat.)

      Dachte mir, dass dich so ein Buch sofort interessieren würde. :D Beauty Queens ist doch auch mehr oder minder … na, nicht Contemporary, aber zumindest nicht Fantasy?
      Und nicht verzagen – selbst wenn es 20 Jahre dauert, es ist das Warten wohl wert. :D

      Aber wenn die Zusammenarbeit wirklich das Buch mit erwachsenen Charakteren ist, weiß ich nicht, ob das so Maggie Stiefvaters Gebiet ist? xD Hab zwar an sich keine Wunschkandidat_innen für das spezielle Projekt, aber sie sehe ich da so gar nicht.
      Another Day interessiert mich momentan auch nicht die Bohne, aber ich bin auch nicht der größte Rhiannon-Fan. Am meisten hat mich im Buch echt der fantastische Aspekt interessiert – wenn schon nicht das Wie, dann aber auch das Wer und Warum. Wie viele Leute wie A gibt’s noch, wie gehen sie damit um, was denken sie davon, wie viele denken auch, dass sie Körper übernehmen können etc. Hat halt alles Potential für eine ganz neue Seite der Geschichte, in der es aber auch weiter darum geht/gehen kann, wie A jeden Tag erlebt und übersteht.

      • Geht beides ;)

        An Beauty Queens hab ich auch gedacht. Und Going Bovine kann man ja auch als magischen Realismus verbuchen xD Wobei mir Libba immer besser gefällt, wenn sie Historisches schreibt. Aber vielleicht kitzelt DL ja dann das Beste aus ihr heraus :D

        Achso, die beiden Sachen hab ich gar nicht miteinander in Verbindung gebracht. Maggie hätte sicherlich auch schon mal ein secret novel Projekt erwähnt. War auch mehr Wunschdenken meinerseits xD

        Mit Rhiannon konnte ich auch nichts anfangen, aber das Buch kam nichtsdestotrotz heute bei mir an, weil es eben DL ist <3 Ich hoffe das Beste.

      • Ich hab da ja momentan keine Meinung, weil ich eh nur „The Diviners“ kenne. xD „Beauty Queens“ muss ich mir bei Gelegenheit auch endlich mal zulegen, aber das ist wieder so ein Buch, das die Läden hier nicht einfach so im Regal haben. v-v

        Wer weiß, wer weiß, vielleicht eines Tages. xD

        Das Gute ist ja, dass wir jetzt doppelt so gute Chancen haben, dass eine von uns beiden das erwünsche Szenario bekommt und wir können uns dann für die andere freuen. Oder so. xD

      • Glaube nicht, kann es zumindest nirgendwo finden bzw. hat Waterstones nur das eBook gelistet. Über Amazon ginge es dann natürlich.

Und ihr so?

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