Webcomic | Sharp Zero

Ich finde es manchmal ganz lustig, mein Leseverhalten über die Jahre hinweg zu betrachten – während es anfangs immer mehr Bücher wurden (von ein paar Jahren Mangaphase mal abgesehen), hab ich es dann ja irgendwann doch geschafft, mich in die Welt der Comics vorzukämpfen. Dass das recht schnell eskaliert ist, wissen die meisten wohl. Vor ein paar Monaten bin ich dann über die Seite Tapastic gestolpert, auf der Leute ihre eigenen Webcomics online stellen können, auf die wir dann kostenlos Zugriff haben. Zunächst hab ich nur zwei, drei Titel gelesen, aber auch hier haben sich mittlerweile so einige gesammelt und viele davon hab ich sehr ins Herz geschlossen, weswegen ich ein paar etwas genauer vorstellen möchte. (Nicht alle davon werden von Tapastic sein, aber das seht ihr dann ja alles.) Und weil gerade eine neue Seite veröffentlicht wurde und ich wieder ganz verliebt bin, wird Sharp Zero von Robotsharks den Anfang machen.

balken_blau

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Die Tapastic-Beschreibung:
An LGBTA+ superhero webcomic centering around Elliot Hong, a delinquent musician who gets caught up in the fast pace world of superheroes.

Und vom Tumblr:
Our story centers around Elliot, a delinquent indie rock musician who gets caught up in the world of vigilantism through an unexpectedly stupid accident.

Gerade die zweite Beschreibung ist wunderbar passend. Entdeckt hab ich den Comic durch Zufall, als ich die Leseliste einer Autorin eines anderen Comics durchging; zu sehen war da erst mal nur ein Minibild und der Titel, aber irgendwie hat es mein Interesse geweckt, sodass ich mir nicht mal die Beschreibung durchgelesen und mich gleich ins erste Kapitel gestürzt habe. Hat auch vollkommen gereicht, denn wenn etwas sofort ins Auge sticht, dann ist es der Humor der Reihe. Ich hab zwar ohnehin die Tendenz, das Lachen frei herauszulassen, wenn mir danach ist, aber beim Lesen von Sharp Zero war ich echt ständig am Wiehern. Es geht schon damit los, dass unser Protagonist, Elliot (Person ganz links im Banner), gerade mal 160 cm groß ist, sich deswegen aber noch lange nicht vom Gedanken abbringen lässt, Superheld zu sein, während er Hello-Kitty-Unterhosen trägt und seinem Zwillingsbruder ein bisschen zu nah auf die Pelle rückt. Spätestens als Danny auftauchte (Person rechts neben Elliot im Banner), seines Zeichens über 1,90 m groß und heimlich mit der Wissenschaft verheiratet, war ich vor Lachen den Tränen nahe. Ich will von den späteren Ereignissen nicht zu viel spoilern, aber an einer Stelle rennt ein Charakter nur mit Hoodie bekleidet rum und kämpft gegen Bösewichte.

Was bei der Geschichte auch sehr schnell ins Auge fällt, ist die Vielfalt der Charaktere, und das, was auf den ersten Blick offensichtlich ist oder konkret benannt wird, ist auch nur die Spitze des Eisbergs. Ohne alles einzeln aufzuzählen: bisher sind alle Charaktere Personen of Color, selbst Danny, dessen Familie zum Teil vietnamesisch ist, der im Comic aber auf den ersten Blick von vielen wohl als weiß wahrgenommen wird. Eine Person, die heterosexuell und heteroromantisch ist, muss sich auch erst noch blicken lassen, wobei das im Comic bei den meisten Charakteren noch nicht direkt angesprochen wurde – Tumblr ist da etwas detaillierter. Innerhalb der Geschichte wurde erst ein Charakter konkret als transgender beschrieben, insgesamt sind es bisher zwei, alle anderen sind (bisher) cisgender. Mal sehen, wie sich das mit der Zeit noch entwickelt.

Abgesehen vom Humor und der Vielfalt ist die Story an sich bisher auch sehr vielversprechend. Wie in der Beschreibung oben steht, stolpert Elliot (wortwörtlich) in die Welt der Superheld_innen und hat natürlich erst mal überhaupt keinen Plan, was da so vor sich geht – was ich von anderen Charakteren weniger behaupten kann. Da bisher erst zwei Kapitel beendet sind und das dritte vor kurzem erst gestartet wurde, konnte die Geschichte noch nicht allzu weit fortschreiten, aber es deutet sich bereits an, dass diverse Personen sehr, sehr viel mehr wissen als anfänglich angenommen und das wiederum verspricht ein paar interessante Dynamiken, wenn Privatleben und die Weltenretterei konfliktreich aufeinandertreffen. Aber auch so, wie es momentan ist, kann ich es kaum erwarten, mehr über die Charaktere und ihre Hintergründe zu erfahren, schon weil Elliots Freund_innenkreis eine recht interessante Vergangenheit zu haben scheint. (Ich weiß jetzt schon, dass mir manches ein bisschen das Herz brechen wird.)

Ich bin ja auch ein bisschen in den Zeichenstil verliebt, der an sich eher simpel ist und mit flachen Farben und schlichten Hintergründen aufwartet, auch wenn sich trotzdem hier und da spaßige Details wiederfinden. Robotsharks arbeitet aber viel mit den Gesichtern und hochgezogenen und zusammengezogenen Augenbrauen, und das ist bei mir aus irgendeinem Grund das wichtigste. Egal ob traurig, amüsiert, schockiert oder einfach nur an der Welt zweifelnd – solange sich das gut im Gesicht zeigt, könnte ich das Panel ewig anstarren und in Sharp Zero funktioniert das sehr gut, finde ich.

Hier zum Beispiel. © Robotsharks

Hier zum Beispiel. © Robotsharks

Außerdem ist Sharp Zero der erste Webcomic, der mir über den Weg gelaufen ist, der auch mit GIFs arbeitet, wenn es gerade passt, und irgendwie passt selbst das gut mit dem Humor der Geschichte zusammen.
Falls ihr jetzt auch Interesse habt: Die Links habt ihr ja oben. Es wird empfohlen, die Geschichte auf Tapastic zu lesen, da das Posten auf Tumblr wohl irgendwann eingestellt wird. Einen Account braucht ihr dafür nicht – außer ihr wollt den Comic abonnieren, um gleich benachrichtigt zu werden, wenn es eine neue Seite gibt. Dann müsstet ihr euch natürlich entweder anmelden oder ihr folgt dem Comic auf Tumblr/Twitter. Neue Seiten gibt es jeden Montag und Freitag, falls nichts dazwischen kommt, auch wenn ich vermute, dass es zwischen jedem Kapitel immer eine kleine Schaffenspause gibt. Die Zeit kann aber sinnvoll dafür genutzt werden, die bisherigen Kapitel einfach noch mal zu lesen!

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6 thoughts on “Webcomic | Sharp Zero

  1. Mir ist gerade aufgefallen, dass ich viel zu selten Webcomics lese! Was zum einen am langsamen Internet des größten Kaffs der Welt liegt, in dem ich wohne x)
    Bevor ich den Kommentar schrieb, musste ich mir einfach „Sharp Zero“ durchlesen, so neugierig hast du ich gemacht! Ab Elliots kleinem Unfall bei Danny kam ich auch aus dem Lachen nicht mehr raus. Einfach herrlich! Ich bin ja gespannt, wie er sich so als Superheld meistern wird :D Madina finde ich allerdings auch ziemlich cool und sehr sympathisch!
    Vielen Dank für deine Rezension, sonst wäre ich nie drauf aufmerksam geworden!

    Liebe Grüße,
    Bramble

    • Ich bin mittlerweile so ein verwöhntes Stadtkind, ich find es schwer, mir vorzustellen, dass es in Deutschland Ecken gibt, in denen Internet fast noch Luxus ist. xD Aber auch das wird eines Tages besser werden und dann kannst du alle Webcomics dieser Welt lesen!
      Ooooh, das freut mich! Madina ist echt super, vor allem auch am Anfang des dritten Kapitels – ich sag nur: well, diddly darn! xD Einen richtigen Favoriten hab ich aber nicht – Elliot ist super, Danny auch, über Alex will ich eh mehr wissen, Kate und Ace wirken auch so cool; und dann gibt’s ja noch eine bestimmte Fantheorie bezüglich Cranks und Dispatchs Identität, die wohl stimmt, wenn ich mir die letzten zwei Seiten angucke. xD
      Nicht der Rede wert, dass mehr es lesen, war ja meine Intention! :D

      • Es hieß mal, dass es bald schneller werden soll, aber bisher habe ich davon noch nichts zu spüren bekommen -,- Naja, die Hoffnung stirbt zuletzt!
        Irgendwie finde ich Cranks Haare verdächtig, auch wenn sie eine andere Farbe haben (vielleicht lag es am Licht xD).

      • Ich drücke weiterhin die Daumen! xD Vielleicht wenn das Internet irgendwann auch für Frau Merkel und ihre CDU-/CSU-Freund_innen kein Neuland mehr ist?
        Es gibt Superheld_innen, da lässt sich bestimmt auch die Haarfarbe fix mal enden. xD Auf Tumblr gab es auch einen Post, bei dem darauf hingedeutet wurde, dass alle Stellen, an denen Ace und Kate Tattoos haben, bei Crank und Dispatch verdeckt sind. Und Ace hat jetzt genau da einen blauen Fleck, wo Elliot Crank den Kinnhaken verpasst hat. Ich glaube, mittlerweile ist es so gut wie sicher. xD

  2. Pingback: Kickstarter | Sharp Zero | Muh, das Telefonbuch

  3. Pingback: Januar 2017 | Muh, das Telefonbuch

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