Edinburgh Book Festival 2015 | Kirsty Logan

IMG_9644_300 Kirsty Logan habe ich erst dieses Jahr mehr oder minder zufällig entdeckt, weil Hannah ihren ersten Roman im Laden entdeckte und gar nicht mehr aus der Hand legen konnte. The Gracekeepers gefiel sehr gut, und deswegen freute es mich auch ungemein, Kirsty Logans Namen auf der Liste der Autor_innen zu sehen, die zum Edinburgh Book Festival kommen würden. Sie hatte zwei Veranstaltungen, beide gemeinsam mit anderen Autor_innen, ich habe mir aber nur für eine ein Ticket holen können. Gelohnt hat sich’s allemal, denn sie ist ein furchtbar sympathischer Mensch, für den ich mich am Ende gleich zweimal angestellt habe – das erste Mal zum Signieren der zwei bisherigen Bücher, die ich von ihr hatte (besagter Roman und ihre zweite Kurzgeschichtensammlung), und nachdem ich zufällig ein allerletztes Exemplar von ihrer ersten Kurzgeschichtensammlung im Regal entdeckt hatte, ging es damit und für ein Foto noch ein zweites Mal an den Tisch. Und auch wenn ich mit ihr direkt nur Nichtigkeiten ausgetauscht habe, das war das erste Mal, dass ich mit einer Autorin einfach so schwatzen konnte. :D

Was bei so einem Event nicht fehlen darf, sind natürlich ein paar Worte zu ihrem aktuellsten Werk:

● Ihren ersten Kontakt mit Trauer hatte sie vor einigen Jahren, als ihr Vater mit 58 starb und sie nicht so recht wusste, wie sie damit umgehen sollte. Das war auch das erste Mal, dass sie Menschen mit Religion beneidete (z.B. ihre Partnerin, die katholisch ist), und bei einer Bootsfahrt mit ihrem Onkel eines Tages begann sie tagzuträumen und wünschte sich etwas, das ihr zeigt, wie lange sie trauern würde. Ein unsinniger Gedanke, das weiß sie, aber er findet sich trotzdem im Buch wieder.
● Sie wollte außerdem eine magische und fantastische Geschichte schreiben, die gleichermaßen aufmundert, aber auch die dunkleren Ecken besucht – so wie normale Trauer eben auch ihre hellen und lustigen Momente hat, wenn mensch sich beispielsweise daran erinnert, wie schön es war, diesen Menschen gehabt zu haben.
● Sie weiß nicht, woher North und der Zirkus kommen, die waren auf einmal da. Sie hatte höchstens als Dreijährige mal einen Zirkus besucht, aber ob das Bild noch von dann stammt?
● Im Hinblick auf Änderungen, die Übersetzungen mit sich bringen können, erwähnte sie, dass „The Gracekeepers“ in den USA ganz anders aufgenommen wurde als in der UK. Hier gelten Handschuhe zum Beispiel mehr als Metapher für Sexualität und Gender, während es in den USA – sicherlich auch durch den Einfluss, den Ferguson und die rassistischen Morde durch die Polizei (sie hat es etwas netter ausgedrückt) sicherlich haben – eher als Metapher für Ethnie wahrgenommen wurde. Die Interpretation ist auch stark von der Kultur abhängig.

Und wie das bei Autor_innen nun mal so ist, drehten sich einige Fragen rund ums Schreiben:

● Wenn du denkst, dass eine Passage klasse ist, ist sie vermutlich viel zu umständlich formuliert und Müll – wenn du dich mit einer Passage sehr unwohl fühlst, weil sie z.B. zu persönlich ist, ist das in ihrer Erfahrung ein Zeichen dafür, dass sie wirklich gut ist.
● Das Schlimmste am Schreiben sind die Selbstzweifel. Manche denken vielleicht, dass sie einen Berg erklimmen müssten, und danach ginge alles leichter, aber wie im Leben auch gibt es danach nur noch mehr Berge zu erklimmen, und das sorgt schon mal für negative Grübeleien.
● Das Beste am Schreiben ist es, aufzuwachen und daran zu denken, dass es dein Job ist, dir Geschichten auszudenken.
● Lesen ist allerdings auch wichtig: Sie lies alle und jede, speziell nannte sie aber Margaret Atwood, Ali Smith und Angela Carter. Außerdem liest sie viele Debütarbeiten (scheinbar war es ein gutes Jahr für schottische Autorinnen) und ein weiterer großer Einfluss ist „Kissing the Witch“, welches feministische Nacherzählungen von Märchen enthält und das sie mit 19 gelesen hat. Sie meint, dass Autor_innen von allem beeinflusst werden, das sie lesen, oder: „How can I steal that for my work?“ ;) Trifft bei „Kissing the Witch“ zum Beispiel auch zu, da es „The Gracekeepers“ inspirierte und, wie ich denke, auch in ihren Kurzgeschichtensammlungen „The Rental Heart“ und „A Portable Shelter“ Widerklang findet.

Last but not least, das Wichtigste:

● Ihr Plan ist es, immer Kurzgeschichtensammlungen mit Romanen abzuwechseln, und ihr viertes Buch (der zweite Roman) ist jetzt in Arbeit. Momentan dürfte sie sich in Finnland aufhalten, wohin sie sich zum Schreiben zurückgezogen hat.

Ich für meinen Teil freue mich schon sehr auf ihr neues Buch – und nicht nur, weil ich mit Romanen immer etwas besser zurechtkomme als mit Kurzgeschichten. :D

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