Über Damen, die die Vorschriften satt haben

Diese drei Bücher haben zwei Sachen gemeinsam: Ihre Protagonistinnen, die Erwartungen der anderen bzw. diverse Vorschriften ein wenig satt und halten sich dementsprechend wenig daran. Die andere Sache wäre, dass ich die Bücher an sich gut fand, aber auch nicht richtig, und deswegen mal wieder bei 3,5 Sternen landete. Die Bücher, von denen ich rede, sind „The Young Elites“ von Marie Lu, „Prudence“ von Gail Carriger und „No More Confessions“ von Louise Rozett. Ein Klick auf’s Cover führt euch wie immer zu Goodreads für mehr Infos zum Buch. Da es Fortsetzungen sind oder Bücher, von denen die meisten schon längst gehört haben, lass ich mal von Inhaltszusammenfassungen ab; wer aber noch nicht Bescheid weiß, kann bei Goodreads vorbeischauen.

balken_blauYoung Elites_300 The Young Elites hat eine Protagonistin, die nicht zwangsläufig zu den Guten gehört – aber ist sie deshalb eine der Bösen? Mitnichten, und Adelinas Start in der Geschichte ist auch keineswegs der einer bösen Königin. Stattdessen lernen wir eine junge Frau kennen, die viel Wut in sich trägt, weil sie immer wieder verachtet und missbraucht wird, und dann wird sie auch noch dafür verurteilt, dass sie das nicht einfach lächelnd hinnimmt. Sie hat wirklich keinen Grund, gut auf die Menschen um sie herum zu sprechen zu sein, was (inklusive der Reaktionen der anderen) für mich auch den interessantesten Teil der Geschichte ausmachte. Können wir ihr ihre Wut und ihren Hass übelnehmen? Sind diese Gefühle nicht ihr gutes Recht? Leider schleicht sich recht schnell ein Love Interest ein, wobei das deutlich besser abgehandelt wird als in anderen Büchern. Das ändert leider nichts daran, dass der Typ an sich weniger interessant ist und ich mir konstant wünschte, andere Figuren der Gruppe würden mehr im Fokus stehen. Letztendlich ist der erste Band eine interessante Einleitung, die gegen Ende auch sehr spannend wird – was sie sich für den zweiten Band hoffentlich auch beibehält. In Sachen Diversity ist das Buch auch nicht zu verachten, sowohl was Sexualitäten als auch Ethnien angeht.

balken_blau_kleinPrudence_300 Wer Gail Carrigers bisherige Romane kennt, weiß, was von Prudence zu erwarten ist. Rue ist die meiste Zeit über nicht allzu gut auf ihre Mutter zu sprechen, ist ihr letztendlich aber sehr ähnlich, vor allem was ihren Dickkopf angeht. Glücklicherweise hat sie in Prim auch eine sehr gute Freundin gefunden, die sie zu schätzen weiß, und die sie nicht ständig beleidigt, wie es ihre Mutter noch mit Prims Mutter, Ivy, tat (mit der Alexia ja angeblich auch befreundet war). Und während das hier Rues ganz eigenes Abenteuer ist, tauchen so einige Charaktere der vorangegangenen Serie auf oder finden wenigstens Erwähnung – und deuten so einige Entwicklungen für den zweiten Band an, die nicht sonderlich überraschend sind, die ich aber schon länger freudig erwarte. Abgesehen davon erweitert dieser Band die übernatürliche Welt beträchtlich – ist aber auch kein Wunder, da Rues Reise sie nach Indien führt und es dort ja wohl kaum genauso aussieht wie in der UK.
Andere Aspekte sind allerdings weniger überzeugend. Wenn eine Engländerin nach Indien reist, sollte den meisten wohl ein Thema in den Sinn kommen: Kolonialismus. Zwar wird es hier nicht wie so oft einfach ignoriert, aber ein kritisches Wort findet sich auch nicht wirklich – im Gegenteil, es wird beinahe positiv dargestellt. Was angesichts der Protagonistin nicht unbedingt überraschend ist, aber andere Charaktere hätten da meines Erachtens nach etwas deutlicher sein können. Ansonsten war der Plot auch eher uninteressant, zumindest hat mich nichts daran wirklich zum Lesen verleitet – was geholfen hat, war die amüsante Beziehung zwischen Prim und dem Franzosen Quesnel (ja, der Knirps von Vieve), und natürlich zu ihrer besten Freundin Prim und deren Zwillingsbruder, der den Kopf meist in den Wolken hat. (Zumal mich keine_r überzeugen kann, dass Prim NICHT in Tasherit verknallt ist. Es wäre auch schön, wenn daraus was wird und wir endlich mal eine gleichgeschlechtliche Beziehung haben, die nicht im Desaster endet.) Von daher war es nicht schlecht, aber auch nicht so gut wie es hätte sein können – aber vielleicht kommt das dann mit dem zweiten Band.

balken_blau_kleinNo More Confessions_300 Im Gegensatz zu den vorherigen zwei Bänden ist No More Confessions im Selbstverlag veröffentlicht worden und ich weiß nicht, ob es daran liegt, aber das Buch ist insgesamt sehr … unfertig. Dabei hat es seine wirklich fantastischen Elemente: Rose ist und bleibt ein sehr realer Charakter; sie mag eine Richtung gefunden haben, in die sie gehen mag, aber das heißt noch nicht, dass sie den besten Weg entdeckt hat. Und so scheitert sie, fällt ordentlich auf die Nase, versucht aber trotzdem weiterzugehen. Und in Sachen Jamie verdeutlicht der dritte Band einmal mehr, dass es nicht ausreicht, einfach nur verliebt zu sein – es gehört schon etwas Arbeit dazu und das liegt dann ganz in der Verantwortung der Beteiligten … und wer weiß, vielleicht reicht selbst das manchmal nicht.
Allerdings gibt es zu viele Dinge, die einfach nicht zum Abschluss kommen und geradezu fallen gelassen werden. Erinnert ihr euch an Regina, die in den ersten beiden Bänden doch eine wichtige Rolle einnahm? Hier wird sie einmal erwähnt und das war’s. Ebenso werden im Text Dinge angesprochen, die zwar immer mal wieder aufgegriffen werden, aber zu vieles davon findet keine Lösung – und zwar nicht im Sinne von „im Leben lässt sich halt vieles nicht so schnell lösen“, sondern im Sinn von „hat die Autorin hier nicht was vergessen?“ Abgesehen davon erschien mir die Erzählung oft sehr episodenhaft: Ein Ereignis wird erwähnt, dann kommen eins, zwei andere Szenen, dann das Ereignis. In der Zwischenzeit wurde ein anderes wichtiges Ereignis erwähnt, das dann an der Reihe ist und diese Formel wiederholt sich wieder und wieder und wieder. Selbst das große Ereignis zum Schluss kündigt sich quasi so an.
Wenn’s denn einen vierten Band geben wird, werd ich aber trotzdem weiterlesen – trotz allem ist mein Interesse an Roses Werdegang noch immer nicht abgeebbt.
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12 thoughts on “Über Damen, die die Vorschriften satt haben

  1. Ich muss noch „Finishing School“ und „The Parasol Protectorate“ lesen, bevor ich „Prudence“ beginne, aber schön, dass einige Charaktere aus den vorherigen Bänden auftauchen! Ok, ist ja fast nicht zu vermeiden xD
    Schade, dass auf die Kolonialisierung kein kritischer Blick geworfen wird. Vielleicht kommt das ja im zweiten Band noch?

    Liebe Grüße,
    Bramble

    • Wenn du es nicht erwarten kannst, hat „Finishing School“ auch bis später Zeit. xD Stimmt, vor allem bei TPP und TCP; sind alle zu sehr miteiander verknüpft …‘
      Ich fürchte, das wird auch nicht so wirklich passieren … ich hab gerade nicht im Kopf, wo sie sich dann aufhalten (ob noch in Indien, wieder in der UK oder woander), aber ich hab da eher weniger Hoffnung. :/

  2. Ich finde es so unglaublich schade, dass der Verlag die Confessions Reihe hat fallen lassen. So ein Verlagsteam macht halt schon was aus beim Endergebnis. Ich fand den Band nicht furchtbar, aber mir hat auch irgendwie was gefehlt. Er war nicht so nahezu perfekt wie die Vorgänger, auch wenn er ebenfalls tolle Momente enthielt.

    • Ich frag mich ja, wie die Verkaufszahlen so sind. Vielleicht greift der Verlag die Reihe irgendwann wieder auf? Andererseits, wenn es beim ersten Mal nicht geklappt hat, werden sie es wohl nicht noch mal versuchen.

      • Glaub ich leider auch nicht. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass das selbstverlegte plötzlich so boomt, dass der Verlag sie zurückhaben will :( Aber vielleicht hat sie Glück und ein anderer, kleinerer Verlag nimmt sie auf… wobei wir ja auch gar nicht genau wissen, ob es an Verkaufszahlen oder anderen Differenzen lag oder?

      • Liegt auch nahe. Ich meine, ich mir fällt aus dem dritten Band jetzt inhaltlich nichts Krasses ein, was einen Streit zwischen Autorin und Verlag hätte entfachen können.

      • Keine Ahnung, war nur das Erste, was mir so in den Sinn kam. xD
        Ich bin aber nicht sicher, ob das noch was wird … ich hoffe auch fast, dass es nichts wird. Nicht weil ich ihnen kein Glück gönne, aber manchmal ist es wirklich nicht genug, einfach ineinander verliebt zu sein, und das mal in der Geschichte zu haben, fänd ich cool.

  3. Pingback: The Rose Society | Marie Lu | Muh, das Telefonbuch

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