Edinburgh Book Festival 2015 | Moira Young

IMG_9821_2_300 Wie am überbelichteten Foto zu sehen ist, war bei diesem Event nicht nur Moira Young (rechts) zu Gast, sondern auch Melinda Salirsbury (links), Autorin von „The Sin-Eater’s Daughter“, war anwesend, mit Philip Ardagh als Moderator. Ich hab mich beim Gespräch auf Moira Young konzentriert, aber Melinda Salisbury ist auch eine sehr sympathische Autorin, weswegen ich am Ende ihr Buch auch mitgenommen habe. Nervös war sie sichtlich, aber das ließe sich auch über Philip Ardagh sagen. ;) Ansonsten wird’s hier aber um Frau Young gehen – manches, was sie so erzählte, war mir persönlich nicht neu, aber auch nur weil sie es beim letzten Book Festival in Edinburgh schon erwähnt hatte – nur hab ich nie darüber geschrieben.

Starten wir doch mal mit Moira Young selber!

● Wichtigstes zuerst: Ihr gefühltes Alter ist 14. xD
● Unabhängig davon mag sie es, junge Charaktere zu schreiben, weil in dem Alter alles zum ersten Mal passiert und die Erfahrungen dementsprechend ganz anders sind als später im Leben.
● Vor dem Schreiben hat sie aber noch viel anderes gemacht; so war sie zum Beispiel zunächst Tänzerin, Stepptänzerin um genau zu sein. Sie machte das, seit sie jung war – wurde dafür aber auch ausgebuht und mit Gemüse beworfen.
● Zehn Jahre lang war sie aber auch Opernsängerin, was sie letztendlich auch zum Schreiben brachte, wie sie sagt. (Allerdings nicht, wie genau das funktionierte.) Abgesehen davon erwähnte sie nur, dass es sehr schwer ist, mit Oper einen Lebensunterhalt zu verdienen.
● Später hatte sie auch mal eine Sketchshow … nur trug sie für den allerersten Auftritt zu hohe Schuhe, knickte um und brach sich beide Handgelenke. Folglich kam sie nie für ihren Auftritt an; stattdessen nahm sie diesen Vorfall als Zeichen, dass sie nicht dort sein sollte und schrieb nie wieder einen Sketch, sondern meldete sich für einen Kurs für Kinderliteratur an. Dort fand sie eine Kritikgruppe, ohne die sie das Schreiben sicherlich aufgegeben hätte.
● Das mag vielleicht auch damit zu tun haben, dass sie, laut eigener Aussage, eine sehr faule Autorin ist, die sich mit Leidenschaft vom Schreiben ablenkt.

Apropos Schreiben:

● Für ihr erstes Buch brauchte sie vier Jahre – ständig musste sie es umschreiben, gab es zwischendurch immer wieder auf und so dauerte es ewig, den ersten Entwurf zu beenden und besonders gut war er wohl auch nicht. Sie hatte einfach Probleme mit der Stimme des Buches, dem Setting, den Charakteren … sie wusste einfach, dass es da eine Geschichte über Saba gibt, die in einer post-apokalyptischen Welt spielt und dass Sabas Bruder gerettet werden muss.
● Sie spielt gerne mit dem Alter der Charaktere, weil das stark die Stimme des Buches beeinflusst.
● Apropos Stimme, die ist ihr besonders wichtig, weil sich dadurch die Story ergibt und welche Art von Charakter sie erzählt – und wenn sie nicht passt, funktioniert die Geschichte nicht richtig.
● Momentan arbeitet sie an einem neuen Buch: Sie weiß, was passiert, hat aber die Stimme noch nicht ganz gefunden. Erzähler ist aber ein Junge.
● Auch Namen sind ihr sehr wichtig. Wenn sie einem Charakter den falschen Namen gibt, geht gar nichts. Nehmt z.B. Auriel Tai, eine Sternenleserin, die zunächst aber Pen Winterborn hieß, was für sie ein sehr erdgebundener Name ist. Deswegen ging ihr Auriel/Pen zunächst nicht allzu leicht von der Hand, aber nach einer Namensänderung funktionierte es ganz wunderbar.
● Die Namen bekommt sie von unterschiedlichen Quellen, sie sind meist aber gut überlegt. Allerdings nicht immer: Creed war ein sehr spontaner Name, der dann glücklicherweise auch passte.
● Sie sagt, sie schreibt, was die Geschichte verlangt – sowohl was den Plot angeht, aber eben auch Details wie das Alter. (Sie würde also theoretisch auch einen erwachsenen Charakter schreiben.)

Und da es ihr erstes Buch war, ging es freilich auch kurz um „Blood Red Road“:

● Jüngere Leser_innen mögen das neue (rote) Cover meist lieber, während Erwachsene das Cover mit Nero zu bevorzugen scheinen.
● Sie selbst hatte Zweifel über das Rabencover. Dann kam das neue (rote) aus den USA, was sie insofern zu schätzen weiß, da es mehr wie ein Filmcover wirkt und auch eher erzählt, worum es geht und was Leser_innen erwarten können.
● Manche internationalen Cover findet sie echt furchtbar – sie sagte aber nicht, welche das sind.
● Was Übersetzungen angeht, erzählte sie sehr amüsiert davon, was für große Probleme die Deutschen hatten. Wir waren da wohl sehr beschützerisch mit unserer Sprache, weswegen die Übersetzung dem ursprünglichen Text alles andere als treu ist. Sie hat das aber erlaubt, weil ihr erklärt wurde, dass das Buch ansonsten nicht sehr gut ankommen wurde und es selbst die Läden nicht reingenommen hätten – und wie sollte es sich dann verkaufen? Die deutsche Übersetzung ist auch die einzige, die Anführungszeichen einfügen durfte. (Eigener Kommentar: Find ich echt schade, da der Schreibstil ein so essentieller Teil von Sabas Charakterisierung ist. Wenn ich mir aber das Gejammer vieler Leser_innen ansehe, das es trotzdem über die Sprache gab, war es wohl keine falsche Entscheidung.)

Und das war’s! Letztes Jahr erwähnte sie schon einmal ganz kurz das neue Buch, glaube ich, konnte aber ansonsten nichts weiter darüber sagen. Jetzt wissen wir immerhin schon, dass es einen jungen Protagonisten hat. Wer weiß, vielleicht kommt sie nächstes Jahr wieder und dann kann ich ein bisschen mehr darüber erzählen. ;)

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8 thoughts on “Edinburgh Book Festival 2015 | Moira Young

  1. Ich bin ja schon ein wenig neidisch, ich würde sie auch so gerne mal treffen :D
    Ich frag mich nur, warum es ausgerechnet im Deutschen so schwer gewesen sein soll, die Bücher zu übersetzen. Das muss doch in jeder anderen Sprache auch so sein und zudem kann man sich als Autor doch auch denken, dass es nicht übersetzet werden kann, wenn man einen (erfundenen) Slang benutzt. Bücher mit einem bayrischen Dialekt könnte man auch nicht einfach so ins Englische übersetzen (sollte man besser auch nicht xD)

    Hab Teil 2 ja auf Deutsch gelesen und war in der Tat dankbar, dass die Gänse Füßchen hatten. Ich finde immer, dass liest sich sonst total schwamming.
    Was die internationalen Cover betrifft, kann man ihr aber echt nur zustimmen. Hab sie mir auf GR mal angeguckt, das tschechische ist mein Favorit. Sieht aus wie ein Frauenschicksalsroman aus Afrika XD

    • Sie war die letzten zwei Jahre jetzt da, vielleicht ist sie auch nächstes Jahr wieder dabei und es lohnt sich ein kleiner Miniurlaub in Edinburgh? :D Bzw. reist sie vielleicht auch endlich mal etwas weiter, wenn ihr neues Buch dann irgendwann rauskommt. Irgendwann.
      Aber es lässt sich einem anderen Dialekt entsprechen; gleich sein wird es da nie, aber der wichtigste Faktor ist dann doch das Anderssein – dass es eben nicht Standardenglisch oder eben Standarddeutsch ist und dass das Level des Andersseins ähnlich ist. (Ich weiß, was ich meine, kann es aber nicht richtig ausdrücken. xD) Jedenfalls ist es im Englischen ja deutlich vom Standard entfernt, aber im Deutschen fehlen dann meistens nur ein paar Es – find ich persönlich im Nachhinein eher enttäuschend. (Und ich kann mir gut vorstellen, dass im Deutschen bei Büchern eher der Standard verlangt wird oder dass die Verlage meinen, dass es verlangt wird. Würde mich zwar überraschen, wenn wir da die einzige Kultur sind, aber dass ausgerechnet die deutschen Verleger_innen da mit die störrischsten sind … ich hab da keine Probleme damit, es zu glauben. xD)

      Für mich war das aber auch ein wichtiger Aspekt dafür, wie sich das Buch liest und wie Saba klingt. Ich mach bei Anführungszeichen gedanklich eine Pause, weil es nun mal direkte Rede vom Text trennt, aber ohne liest es sich flüssiger. Oder eben schwammig, aber ich find, das passte gut xD Ist sicherlich auch eine Gewohnheitssache. Hab nichts Konkretes gehört, aber ich kann mir vorstellen, dass es z.B. in Frankreich nicht so ein Problem war, weil sie dort regulär auch keine Bindestriche haben, oder? (Nur Anführungsstriche am Anfang der Zeile?)

      Vielleicht haben sie das Buch nicht so genau gelesen und dachten einfach, dass es darum geht. xD Die Niederlande (?) haben ja auch eines dieser Klischee-Fantasy-Cover mit einer Frau, deren Gesicht durch eine Kapuze verdeckt wird und … es ist nicht direkt unpassend, hat aber auch herzlich wenig mit dem Inhalt zu tun. xD

      • Sehe gerade das Wort „schwamming“ im ersten Kommentar – hab ich meiner Auto Korrektur also tatsächlich endlich „Denglisch“ beigebracht xD
        Dass die deutschen Verlage da verbohrt sind, glaube ich auch gut und gerne! Aber so gewisse Stilbrüche vertrage ich leider wirklich sehr schlecht. Ich hasse es z.B. auch wenn deutsche Dialekte in Büchern aufgegriffen werden. Wobei einfach den letzten Buchstaben wegzulassen dann ehr wie Tippfehler aussehen. Dann hätten sie es echt ganz sein lassen sollen…

        Am besten ist das Cover von Doubleday Canada. Einfach nur Rot. Kannste nix mit falsch machen und kost nix xD

      • Ich weiß Denglisch zu schätzen, ich werd privat auch grad zur Denglischkönigin, weil ich die Sprachen durcheinander bringe. v-v
        Ach, nö, lasst mir wenigstens das, es ist dann doch besser als gar nichts. xD Zumal das Weglassen des Es bei Verben etwas ist, dass wir sprachlich sowieso machen, und darum geht’s ja auch.

        Na jaaaa, die Straße ist ja auch blutrot. Also, komplett. Nix mehr zu sehen, kommen Sie bitte morgen wieder.

  2. Diese Sprachdiskussion finde ich am spannendesten. Ist sicher alles andere als einfach Sabas Erzähstil ins Deutsche zu übersetzen. Ich weiß nicht genau wie es gelöst wurde, aber in solchen Fällen finde ich es dann auch entschuldbar und sogar gut, wenn mehr auf die eigene Sprache eingegangen wird und man nach Entsprechungen sucht, die sinnvoll klingen.
    Das mit den Anführungszeichen ist eine andere Sache. Da gibt es ja keine sprachliche Begründung sie einzuführen. Finde ich immer sehr schade, dass Bücher, die sich stilistisch mal was trauen, oft so negativ aufgenommen und bewertet werden. Ich finde es toll, wenn ein/e Autor/in mal was anders macht.

    • Im Deutschen fehlen aber zum Großteil nur Es von Verben, und ist halt umgangssprachlich, aber das trifft ja auf die meisten Jugendbücher irgendwie zu. Das ist nicht mal ansatzweise so weit vom Standard entfernt wie die englische Variante; da hätte sich sicherlich deutlich mehr machen lassen. So, wie es sie erzählt hat, war es auch weniger einer Entscheidung à la „im Deutschen ist das so nicht möglich, wir können es nicht umgangssprachlicher machen“ (bzw. wenn sie das gesagt hätten, wäre es eine Lüge, da muss mensch sich nur die zig Dialekte im Deutschen angucken, die auch ein paar komische Anwandlungen in Sachen Grammatik haben xD), sondern eine à la „wir könnten es umgangssprachlicher machen, wollen/sollen aber nicht, weil die Leute Standardsprache erwarten“. Ich verstehe auch, dass so eine Entscheidung mit Blick auf die Verkaufszahlen getroffen wurde – gerade weil die deutsche Übersetzung wirklich sehr, sehr zahm ist und manche trotzdem nicht zufrieden sind. Ich find’s aber echt enttäuschend, gerade weil Sabas Sprache so ein wichtiger Aspekt ihrer Charakterisierung ist. (Für mich. xD)
      Letztlich ist es dann wie bei den Anführungszeichen weniger eine Entscheidung, die auf sprachlichen Gegebenheiten basiert, sondern dass sie sich stilistisch etwas nicht trauen wollten/konnten.
      (Falls es noch nicht aufgefallen ist, mir liegt der Erzählstil der Bücher echt nah am Herzen. xD)

      • Ach so ist das, wie schade :(
        Wie schon geschrieben, ich bin da total auf einer Seite. Autoren sollen sich auch mal ausprobieren können und die breite Leserschaft soll bitte mal die Fühler aus dem Schneckenhaus strecken und sich auf was Neues einlassen :P

      • :D Und wir müssen eh alle ein bisschen toleranter werden, was sprachliche Vielfalt angeht. xD (Also, wenn’s trotzdem gut geschrieben ist. Miese Schreibstile entschuldigt das auch nicht. xD)

Und ihr so?

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