Edinburgh Book Festival 2015 | Patrick Ness

PatrickNessPatrick Ness war nun schon zum 6. Mal beim Edinburgh Book Festival, diesmal nun zum Start seines neuen Buches, „The Rest of Us Just Live Here“. Passend dazu gab es für alle, die das Buch im festival-eigenen Shop gekauft haben, ein Poster mit dem Buchcover und einen Button dazu. Und generell für alle noch mal einen Button beim Signieren. Hat sich also sehr gelohnt. :) Aber auch so war das Event (wie letztes Jahr auch, glaube ich) komplett ausverkauft – auch wenn zwischendurch ein paar Sitze wieder frei wurden, weil eine Person mit einem jüngeren Kind die Veranstaltung verließ – eventuell weil Patrick Ness zu viel fluchte. xD Wir wissen es nicht sicher, aber die Vorstellung ist amüsant. (Später ging noch eine weitere Person, vermutlich aus Zeitgründen, er wurde aber zu folgendem Kommentar verleitet: „Is it because I swear? Bum! Boobies!“) Gelohnt hat sich es auch, weil anfangs mal alle seiner Bücher aufgezählt wurden und ich zuvor ehrlich noch nie von „The Crash of Hennington“ (erschien 2003) gehört hatte.

Fangen wir mit ein paar Fakten zum Autor an, die während der Veranstaltung zu Tage kamen (kann natürlich nicht versprechen, dass es auch für euch neu ist):

● Als genereller Gedanke: Ein wichtiger Teil des Erwachsenwerdens ist zu erkennen: Ich bin, wer und was ich bin – und ich bestimme, wer ich bin.
● Er selbst war schon immer eine sehr unsichere Person, was er nicht beschönigen will. Das einzig Gute daran war bisher auch nur, dass es für ihn immer um die Zukunft geht und es ihn daher weniger kümmert, was bereits in der Vergangenheit ist. Er bereut daher auch nicht wirklich was – im Hinblick auf Bücher hat er zu dem Zeitpunkt die beste Geschichte geschrieben, die er schreiben konnte. Heute würde er sie (vielleicht) anders schreiben, aber er ist zufrieden mit dem, wie es damals rauskam.
● Buffy ist die beste YA-TV-Show. (Ich lass das jetzt mal so stehen, auch wenn ich die Serie nie gesehen habe. xD)
● Er würde einen Arm geben, um eine letzte Zeile schreiben zu können, die so gut ist wie Toni Morrisons in „Sula“.
● Den Amerikaner in sich wird er wohl auch nicht ganz los: „A to Zee … Zeeeed!“ (Ich unterstütze hier vollkommen die Variante der UK und stimme für Zed statt Zee.)

Freilich ging es auch ums Schreiben, wie das bei ihm so läuft, und was er sich sonst so für Gedanken drüber macht:

● Jede Geschichte ist zu einem Grad fantatisch (im Sinne von „erfunden“) – wichtig ist nur, dass die Dinge innerhalb der Geschichte wahr wirken und funktionieren. Die Frage, die er sich also immer stellt, ist: Warum sollte er nicht ein wenig herumspielen und ein bisschen die Regeln brechen?
● Für ihn kommt die Geschichte zuerst, aber Teil einer Geschichte sind Themen wie mentale Erkrankungen, Sexualität, dysfunktionale Familien (alles Themen seines neuesten Buches) und anderes eigentlich immer, und darüber muss die Wahrheit erzählt werden. Oder spaßiger ausgedrückt: Jede Familie hat was, und wenn tatsächlich alles perfekt ist, dann ist das das Komische. ;) (Mehr bezogen auf die dysfunktionalen Familien, nicht Themen wie Sexualität.)
● YA und generell gute Geschichten sollten dich einladen. Schlechte Geschichten schließen Leser_innen aus.
● Es kann kein Patrick-Ness-Event geben, ohne dass seine Chaos-Walking-Trilogie angesprochen wird – die Idee für the Noise (keine Ahnung, wie es im Deutschen genannt wird) hatte er, weil Privatsphäre im Westen niedriger denn je ist (heute mehr noch als damals, als er die Bücher schrieb). Er wollte dem Gedanken folgen, was es bedeutet, die eigene Privatsphäre komplett zu verlieren, vor allem für eine junge Person.
● Seine liebsten Charaktere aus seinen Büchern sind Wilf (weil er ein Unfall war, er tauchte einfach auf) und Tomasz (weil er auch so einer ist, der nie der Held ist … und dann ist er es doch).
● Manchee ist und bleibt ein Thema für Leser_innen. Es ist egal, was er tweetet, irgendwer fragt immer. Seine Reaktion: „Keep asking, I keep trolling.“ xD

Und dann wäre da natürlich noch „The Rest of Us Just Live Here“. Falls ihr noch nicht davon gehört habt: Es erzählt die Geschichte von Mike, der eigentlich nur die Schule abschließen will, bevor seine High School mal wieder in die Luft gejagt wird. Anders als er und seine Freund_innen gibt es nämlich auch die „Chosen Ones“, die super besondere Namen haben (und halt immer wieder den gleichen), und die die Welt retten müssen – immer wieder, ob’s nun gegen Vampire oder Zombies oder welche Apokalypse auch immer geht. Und das ist nicht mal sein einziges Problem: In seiner Familie läuft kaum was rund, ihm selbst geht es auch immer schlechter und romantisch gibt es auch einigen Tumult.

● Wie bereits erwähnt (bzw. wenn ihr das Buch gelesen habt, wird es euch ja ohnehin aufgefallen sein), haben die … besondereren Charaktere sehr seltsame Namen. Das liegt daran, dass die Held_innen von YA-Büchern generell seltsame Namen zu haben scheinen. Seine genannten Beispiele: Katniss, Hazel, Augustus … (Eigener Kommentar: Wobei ich Katniss noch nachvollziehen kann. Andere Welt und so.)
● Er sagt zumindest, dass er das Buch nur geschrieben hat, um einen Witz zu erzählen. ;) (Er vermutet, dass er in Kapitel 10 ist.)
● Ein anderer Grund war aber auch, dass es in Geschichten meist darum geht, wie besonders die Charaktere sind – was auch wichtig ist. Allerdings verdienen die, die es eben nicht, sondern … ganz normal sind, auch ihr Buch. (Und was wichtig ist: normal im Sinne von „ohne Superkräfte“. Nicht zwangsläufig was gesellschaftlich als „normal“ anerkannt wird.)
● Es soll auch liebevolle Satire sein. Er liebt YA und will mit dem Buch keineswegs YA ins Lächerliche ziehen. (Macht er auch nicht, finde ich.) Gleichermaßen erzählt er aber auch eine ernste Geschichte über harte Zeiten und OCD (unter anderem) – und zwar wirklich über diese Dinge. Wenn du dein Haus oft putzt, ist das nicht (zwangsläufig) OCD, du bist einfach nur ein sehr sauberer Mensch. Gerade das Thema schien ihm sehr am Herzen zu liegen, da er kurz auch etwas persönlicher wurde und über seine eigenen Erfahrungen mit OCD sprach.
● Eine Szene, die ihm sehr wichtig war (und ist), ist als der Gott der Katzen eine Katze heilt und einem Freund von sich etwas Wichtiges mitteilt. Es ist ein ruhiger Moment und er wusste nicht, was genau gesagt wird und wie, aber die Szene war ihm wichtig, weswegen er auch um diese eine Szene drumherum arbeitete, damit sie auf jeden Fall im Buch ist.

Und das war’s für Patrick Ness‘ Event! Sehr spaßig war’s, aber das hat auch kein Mensch anders erwartet. Mittlerweile hab ich auch „The Rest of Us Just Live Here“ gelesen und kann es euch nur ans Herz legen. :)

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10 thoughts on “Edinburgh Book Festival 2015 | Patrick Ness

  1. Patrick Ness und unsicher? Wo hat er das denn bitte versteckt? Als ich ihn getroffen hab, war er die charmante Selbstsicherheit persönlich :0

    Was meint er denn, was irgendwer immer über Manchee fragt? „How could you?“

    Ich muss sagen, dass ich an The Rest of Us diese Parodie-Teile am langweiligsten fand. Irgendwie haben die mich gar nicht zum Lachen gebracht. Ich hatte bisher auch nicht das Gefühl, dass die YA-Helden übermäßig viele seltsame Namen haben.

    • Ist evtl. auch nicht ganz die ideale Übersetzung (hab meine Notizen gerade nicht zur Hand, aber er sagte „anxious“, glaube ich – nur haben es Sachen wie ‚ängstlich‘ und ‚besorgt‘ auch nicht ganz getroffen xD), aber wie gesagt: das betrifft vor allem Sachen, die in der Zukunft liegen, wenn es dann z.B. um Bücher geht, die bereits geschrieben/veröffentlicht sind, ist alles okay. Bzw. lässt sich das ja manchmal auch gut verstecken/ignorieren … also, manchmal. Ich persönlich bin da nur semi-erfolgreich. xD

      Z.B., oder eben ob er deswegen nun endlich mal ein schlechtes Gewissen hat. xD

      Das hat dir auf jeden Fall das Problem erspart, dass du ständig losgekichert hast, dann der Person neben dir aber nicht wirklich erklären konntest, warum es so lustig ist. :’D
      Mich hat auch nicht alles 100%ig überzeugt (z.B. die ganzen Finns. Ganz so arg wiederholen sich die Namen dann doch nicht. Andererseits war das alles ja auch etwas überspitzt. Mir laufen in YA zumindest häufiger ’seltsame‘ Namen über den Weg als im realen Leben.)

      • Ich muss gestehen, dass ich mir einen Manchee-Kommentar auch nicht verkneifen konnte als ich ihn getroffen hab xD

        Mir war bisher auch nicht bewusst, dass Finn so ein ungewöhnlicher Name ist. Oder ist der eher europäisch? Auf jeden Fall fällt mir kein YA-Buch ein, in dem jemand so heißt. Vielleicht nehme ich die seltsamen Namen schon gar nicht mehr wahr und denke die sind voll normal in Amerika xD

      • Ich glaube, das geht vielen von uns so. xD Immer wenn irgendwie Schuldgefühle oder Reue angesprochen wurden, in welcher Weise auch immer, war mein erster Gedanke Manchee. xD

        Weiß nicht, ich hab bisher keine Finns getroffen, außer du zählst FinFin, diesen fliegenden Delphin oder was das war. xD Ich glaube aber, die Namen im Buch waren jetzt nicht konkret die Namen, die sonst oft vorkamen, sonder eher versinnbildlichend gedacht, (Von Finns hab ich sonst auch noch nicht gelesen. xD)

  2. Und ich hab immer noch kein einziges Buch von ihm gelesen. Schande über mein Haupt. Dabei ist er mir auch auf Twitter total sympathisch. Ah, halt, Goodreads sei Dank und hat meinem löchrigen Gedächtnis auf die Sprünge geholfen, A Monster Calls hab ich ja gelesen! Na immerhin etwas. Und zwei weitere hab ich zumindest schon im Regal. I’m redeemable after all.

      • Stimmt ja! Hatte ich fast schon wieder vergessen, aber es gibt ja sogar schon nen ersten Trailer. Ich hab noch More Than This und CW #1.

      • Eben deswegen! Mensch Cara. :’D
        Beides gute Bücher. ;D (Wobei ich The Rest of Us Just Live Here besser fand als More Than This. Und den ersten CW-Band fand ich auch eher nur okay und die späteren Bände dann jeweils noch mal besser, aber damit bin ich ja eher allein. xD)

Und ihr so?

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