Not Otherwise Specified | Hannah Moskowitz

balken_blau Not Otherwise Specified

Genre: YA, Contemporary
Verlag: Simon Pulse
ISBN: 978-1-481-40595-9
Preis: £7.99
Erscheinungsdatum: März 2015
Format: Paperback

Goodreads

Etta is tired of dealing with all of the labels and categories that seem so important to everyone else in her small Nebraska hometown.

Everywhere she turns, someone feels she’s too fringe for the fringe. Not gay enough for the Dykes, her ex-clique, thanks to a recent relationship with a boy; not tiny and white enough for ballet, her first passion; not sick enough to look anorexic (partially thanks to recovery). Etta doesn’t fit anywhere—until she meets Bianca, the straight, white, Christian, and seriously sick girl in Etta’s therapy group. Both girls are auditioning for Brentwood, a prestigious New York theater academy that is so not Nebraska. Bianca might be Etta’s salvation…but can Etta be saved by a girl who needs saving herself?

Content Note: Wenn euch nicht nach biphoben Charakteren ist, legt dieses Buch erst mal zur Seite. (Diese Vorurteile werden allerdings hinterfragt.)

Diversity-Check: Sowohl die Protagonistin als auch eine wichtige Nebenfigur haben eine Essstörung, und Etta ist trotz ihrer Anorexie nicht spindeldürr. Es gibt schwule und so einige lesbische Nebenfiguren, Etta selbst ist bisexuell. Etta ist außerdem Schwarz, weswegen sie viele auch als Ballerina nicht ernst nehmen wollen (unter anderem).

Zum Buch:
Etta, oh Etta. Es gibt diese Bücher, da liest du ein paar Sätze und weiß sofort, dass du und die Protagonistin quasi füreinander geschaffen seid. „Not Otherwise Specified“ ist eines dieser Bücher, denn ich hab mich sofort in Ettas Stimme verliebt. Wobei der Aspekt, der besonders zu mir sprach, wohl ist, dass sie so ohne jede Entschuldigung bi ist, und trotzdem ihren Platz in der LGBTIAQ+-Gemeinschaft einfordert. Aber auch so ist Etta ein Charakter, der einfach zu den Leuten spricht – weil sie voller scheinbarer Widersprüche ist, weil sie auch mal scheitert, und weil sie trotzdem weitermacht.

Genaugenommen gibt es nur zwei Dinge, die ich nicht so toll fand. Zum einen ist da Ettas Schwester. An sich ist an ihr nichts verkehrt. Das Buch erzählt aber nicht nur von Ettas Leben und ihren Problemen, sondern auch von denen der Menschen um sie drumherum. Auch das ist an sich nicht verkehrt. Nur geht gerade Ettas Schwester ein bisschen unter, was auf jeden Fall schade ist.
Dann gab es noch eine Stelle, in der Etta von sich als „half-gay“ und „half-straight“ spricht, was auf einer persönlichen Ebene sicherlich okay ist und einige finden das für sich in Ordnung, ich bin nur kein allzu großer Fan – vor allem weil darauf oft die Annahme basiert, dass Bisexualität nicht wirklich existiert oder keine Sexualität für sich ist, sondern nur ein Mischmasch und für Leute, die sich halt noch nicht entschieden haben. Ist in dem Fall aber auch verzeihbar, weil das Buch ganz klar zeigt, dass Bisexualität vollkommen legitim ist.

Nun aber zu all dem, was ich am Buch geliebt habe! Wie schon erwähnt, liebe ich, dass Etta ganz einfach sie ist, ohne sich dafür zu entschuldigen. Und dass das Buch all jene, die Etta anzweifeln, zweifelsohne im negativen Licht darstellt. Kein „jep, dieser Charakter ist biphob, aaaaaaber das ist ja gar nicht so schlimm/nur eine Meinung/wie auch immer“, sondern ein „dieser Charakter ist biphob, hat vollkommen unbegründete Vorurteile und das muss keineswegs entschuldigt werden“.

Ich liebe, dass Etta ihren eigenen Weg geht. Dass sie versucht, das zu tun, was sie liebt und sich dabei nicht an irgendwelche ungeschriebenen Regeln halten muss. Du musst dünn sein, um Anorexie zu haben? Keineswegs. Ballerinas sind weiß und schlank? Etta ist keins von beidem, und sie ist trotzdem eine Ballerina. Ballett muss so und so aussehen? Nö, Platz für Innovationen ist immer. All das macht sie zu einem Vorbild für andere – und sie kann trotzdem ihre Probleme haben und zeigen: Selbst wenn nicht alles perfekt ist, du kannst für dich einstehen.

Ich liebe, dass es im Buch eine ganz zwanglose Beziehung gibt, die sich erst entwickelt und vor allem körperlicher Natur ist – und dass kein Charakter vom Buch dafür verurteilt wird. Weil daran nun mal nichts Verwerfliches ist, und auch wenn das Buch nie Menschen anspricht, die sich auf dem aromantischen Spektrum wiederfinden (und Etta wohl auch nicht dort zu finden ist), so ist es auf für diese schön zu sehen, dass eine Beziehung, auch eine sexuelle Beziehung möglich und okay ist, ohne dass romantische Gefühle involviert sind. (Anmerkung: Mir ist bewusst, dass es ein ganz anderes Stigma mit sich bringt, wenn (auch) eine sexuelle Beziehung nicht erwünscht ist, sondern vielleicht nur eine platonische, oder eine romantische – und dass all das genauso wichtig ist.)

Ich liebe es, dass hier zwei Jungs eine wunderbare und komplizierte Freundschaft haben, deren Auf und Abs aber nicht daher stammen, dass einer der beiden schwul und der andere hetero ist. Ohnehin liebe ich die ganze Gruppe: Etta; Bianca, die mit ihrer eigenen Essstörung zu tun hat und das Tanzen liebt und zu Etta aufblickt und Angst um ihren Bruder James hat, weil sie befürchtet, ihn an dessen festen Freund Ian zu verlieren; James, der sich genauso Sorgen um seine Schwester macht, aber auch sein eigenes Leben haben will und erst mal entscheiden muss, ob er sich outen will; Mason, der da irgendwie mit drin steckt und – was für die anderen auch gilt – seine Freund_innen schlichtweg liebt.

Ich liebe, dass Ettas Essstörung immer Thema ist – weil es eben nicht einfach verschwindet, sondern bleibt und jeden Tag angegangen werden muss – und sie trotzdem Tage hat, an denen sie okay oder gar glücklich ist. Weil so eine Erkrankung eben nicht heißt, dass es der Person jeden Tag furchtbar geht – genauso wie ein guter Tag, oder eine gute Woche, oder ein guter Monat nicht heißt, dass alles für immer super ist.

Ich liebe, dass auch mal was schiefgeht, und dass Etta immer wieder Neues ausprobieren muss, um herauszufinden, was sie überhaupt machen will. Dass sie zeigt, dass es okay ist, auch mal falsch zu liegen und dass ein Schritt in die falsche Richtung nicht heißt, dass du nie wieder zum richtigen Weg – zu dem Weg, der für dich richtig ist – zurückfindest.

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„Not Otherwise Specified“ präsentiert uns mit einer wichtigen Geschichte und einer wichtigen Protagonistin, die einfach nur versucht, sich selbst und ihren Weg zu finden, und auch mal eine falsche Entscheidung trifft, und dann mit den Konsequenzen zu leben weiß. Das Buch lebt aber vor allem durch Hannah Moskowitz‘ Schreibstil, der Etta ihre ganz eigene, authentische Stimme verleiht. Ganz ehrlich, ihr müsst Etta einfach kennenlernen!

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5 thoughts on “Not Otherwise Specified | Hannah Moskowitz

  1. Ich möchte Etta unheimlich gern kennen lernen :D Finde es total toll welche Themen da alle aufgetischt werden und die Diversity und so. Ich wünschte nur das Cover wäre schöner! Ich meine, es ist super, dass man so offensichtlich eine schwarze Protagonistin zeigt, aber irgendwie gelingt das meistens nicht… ich meine natürlich nicht, dass ein weißes Mädchen in der Position besser aussähe, ich hab nur oft das Gefühl, dass Cover die bewusst kein white-washing betreiben nur so halbgar werden, vielleicht weil das Stockmaterial von schwarzen Mädels nicht so eine große Auswahl bietet, keine Ahnung :/

    • Es lohnt sich auch! :D

      Hm, kann ich jetzt so nicht beurteilen, weil mir spontan kaum Bücher einfallen wollen, auf denen die Schwarze Protagonistin auch als solche repräsentiert ist. (Spontan nur die US-Ausgaben von „Lies We Tell Ourselves“ und da mag ich beide Varianten eigentlich gern. Oh, und „Prosperity“, Piccadilly hat’s da auch auf’s Cover geschafft. :D); vielleicht fallen da die weniger schönen Cover mehr auf, weil es insgesamt so wenige gibt? Aber an sich kann es durchaus so sein, bzw. würd ich auch vermuten, dass die Verlage da vielleicht noch nicht ganz willens sind, viel Geld für das Cover aufzuwenden, wenn viele es immer noch als „riskant“ sehen, überhaupt mal eine Person abzubilden, die nicht weiß ist (das Problem gilt ja für alle Personen of Colour) und dann eben nicht als Silhouette oder so.
      In dem Fall bin ich mir nicht sicher, ob es ein Stockfoto ist, ich erinnere mich nur daran, dass die Autorin mal meinte, dass sie wen gefunden haben, die auch wie Etta aussieht. Das kann ein Stockfoto sein oder auch nicht. xD Mir gefällt der Hintergrund nicht wirklich, der ist so langweilig, und die Strumpfhosen verschwinden quasi davor.

      • Hoffentlich ist das eBook bald mal billig, da bin ich dann sofort dabei xD

        Ich hab auch die Befürchtung, dass die Verlage da nicht so viel Geld oder Zeit o.ä. reinstecken. Ich hab einfach das Gefühl die Cover sehen oft so gestellt aus (viele mit weißen Mädchen natürlich auch). Ich fänd’s auch schön, wenn auf diesen ganzen sinnlosen Mädchen-in-schickem-Kleid Covern mal ein paar Models schwarz (oder asiatisch etc.) wären, also die wo im Buch nie explizit die Hautfarbe erwähnt wird. Frauen mit unterschiedlichen Herkünften können schließlich genauso toll in Ballkleidern aussehen.

        Ich finde auch das Model steht einfach so gelangweilt und teilnahmslos da. Mag ja zur Rolle passen, spricht mich aber nicht an.

      • Dann hoff ich mal, dass das bald der Fall ist. :D

        Jup, das ist genauso wichtig. Ansonsten gilt weiß auch immer nur als „normal“, und das ist genauso falsch als auf dem Cover eine weiße Person abzubilden, obwohl es der abgebildete Charakter gar nicht ist.

        Leider wird’s hier wohl nie ein neues Cover geben. :(

  2. Pingback: Muh, das Telefonbuch

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