Otherbound | Corinne Duyvis

balken_blau otherbound_cover Genre: YA, Fantasy
Verlag: Amulet Books
ISBN: 978-1-419-70928-9
Preis: $17.95
Erscheinungsdatum: Juni 2014
Format: Hardcover

Goodreads

Amara is never alone. Not when she’s protecting the cursed princess she unwillingly serves. Not when they’re fleeing across dunes and islands and seas to stay alive. Not when she’s punished, ordered around, or neglected.

She can’t be alone, because a boy from another world experiences all that alongside her, looking through her eyes.

Nolan longs for a life uninterrupted. Every time he blinks, he’s yanked from his Arizona town into Amara’s mind, a world away, which makes even simple things like hobbies and homework impossible. He’s spent years as a powerless observer of Amara’s life. Amara has no idea . . . until he learns to control her, and they communicate for the first time. Amara is terrified. Then, she’s furious.

All Amara and Nolan want is to be free of each other. But Nolan’s breakthrough has dangerous consequences. Now, they’ll have to work together to survive–and discover the truth about their connection.

Content Note: Brutale Gewalt ist ein beständiger Begleiter in der Geschichte, und Consent ist ein anderes großes Thema – in der Regel wird es von verschiedenen Seiten vollkommen missachtet und Menschen einfach benutzt.

Diversity-Check: Beide Hauptfiguren (und im Grunde alle Charaktere) sind Personen of Colour; Nolan speziell hat einen spanisch-mexikanischen Hintergrund, Amara ist für ihre Welt recht hellhäutig. In Nolans Fall ist die Geschichte auch sprachlich divers: Er und seine Schwester, Pat, sprechen Englisch miteinander, in der gesamten Familie dominiert aber Spanisch. Pat und ihr Vater sprechen auch manchmal Nahuatl, eine der indigenen Sprachen Mexikos.
Nolan hat nach einem Unfall außerdem eine Beinprothese, was logischerweise seinen Alltag beeinflusst – zudem muss er auf etwas achten, was andere als epileptische Anfälle diagnostiziert haben (in Wahrheit befindet er sich während dieser Episoden in Amaras Welt). Amara dagegen wurde in jungen Jahren die Zunge abgeschnitten, damit sie nicht sprechen kann. Sie und die Charaktere um sie herum verwenden die dortige Gebärdensprache. Außerdem ist sie multisexuell, das sehe ich ja immer gerne. :‘)

Zum Buch:
Im Diversity-Check wurde es ja schon angesprochen: Die Haupt- und Nebenfiguren sind sehr divers, und das ist nicht alles. Sie alle haben sehr komplizierte Beziehungen zueinander: Nolan und Amara sowieso, da er ihren Körper übernimmt, so unwillentlich wie es auch geschehen mag. Aber genau diese Beziehung spiegelt sich auch in Amaras eigener Welt: Sie ist eine Dienerin wie auch ihr bester Freund Maart, in den sie ebenfalls verliebt ist. Auch für Cilla interessiert sie sich – welche die Prinzessin ist, der sie dienen muss. Und das bringt einiges mit sich, da auf Cilla ein Fluch lastet. Aktiviert wird dieser, sobald sie blutet, sogar ihre Menstruation muss unterdrückt werden. Wenn es aber soweit kommt, muss Amara die Konsequenzen tragen. Da sie sich selbst heilen kann, muss sie durch einen Zauber den Fluch ertragen, was unter anderem heißen kann, dass Wurzeln sich in ihr Fleisch bohren und sie unter die Erde ziehen wollen. Wie kann sie also mit der Prinzessin überhaupt eine Freundschaft aufbauen, so freundlich sie auch sein mag? Letztendlich gibt es hier keine einfache Beziehung – was den Reiz des Buches ausmacht.

Mir gefiel außerdem der Kontrast zwischen den Welten. Nolan lebt in der unseren, modernen Welt ohne Magie (zumindest keine, die offiziell anerkannt wäre), während Amaras Welt technologisch nicht weit ist, dafür aber magisch stark beeinflusst ist. Das übrigens auch im negativen Sinne: Magier_innen, die rücksichtslos ihre Magie nutzen und die Geister damit erzürnen, müssen mit einem Backlash rechnen, der für alle furchtbare Konsequenzen hat: Stürme und andere Katastrophen fordern ständig Menschenleben.

Das aber wohl wichtigste Thema des Buches ist Consent, und es dreht sich zumeist um Amara. Wie auch Maart ist sie eine Dienerin und kann dementsprechend nicht uneingeschränkt ihrem eigenen Willen folgen und ist gezwungen, Missbrauch und Brutalität zu ertragen. Zudem ist da Cilla, deren Naivität frustrierend ist. Sie erkennt nicht, dass ihr alleiniges Verhalten nichts daran ändert, dass Amara und Maart einen vollkommen anderen sozialen Status angehören und sie keinerlei Entscheidungskraft haben, auch wenn sie sich das gerne einredet – sie erkennt auch nicht, dass ihre Nettigkeit die beiden nicht vor der Brutalität ihres Aufpassers schützen kann. Sie spiegelt ein wenig die Menschen unserer Welt, die die Augen vor ihren eigenen Privilegien verschließen, und hoffen, dass gutgemeintes Verhalten das Problem löst.
Etwas klarer wird das Thema noch mal bei Amara und Nolan. Amara ist zurecht wütend und entsetzt, als Nolan lernt, die Kontrolle zu übernehmen und sie versteht, was vor sich geht – letzen Endes gehört nichts, wirklich nichts allein ihr und ihr Zorn darüber ist etwas, das das Buch deutlich und gut aufzeigt. Nolan wird dabei nicht verteufelt, denn das geht auch nicht. All dies geschah seit dem fünften Lebensjahr der beiden und war für den Großteil seines Lebens ohne seine Kontrolle – und hatte auch für ihnvharsche Konsequenzen: Er verlor seinen linken Fuß, lag bereits zweimal im Koma, weil er zu sehr in Amaras Welt gezogen wurde, und er lebt durch diese Weltenwechsel sehr zurückgezogen. Das macht es nicht okay, was das Buch auch nie behauptet – er hat trotzdem, wenn auch unwissend, Amaras Leben ruiniert. Deswegen nützt ein „so war es nicht gemeint“ auch nichts – am Ergebnis ändert es nichts.

War das Buch nun spannend? Jein. Die Beziehungen zwischen den Charakteren, allen voran Cilla und Amara und Nolan, auf jeden Fall. Und die Flucht, auf der sie in Amaras Welt im Grunde immer sind, ist definitiv abenteuerlich, wirklich packen konnte sie mich aber nie, auch wenn ich nicht sagen kann, woran es lag. Gefallen hat’s mir ja trotzdem.
Ein großens Lob gibt es aber auch für das Ende, das nicht plötzlich einfach Friede-Freude-Eierkuchen ist. Wirklich offen ist es auch nicht, aber die Geschehnisse haben Konsequenzen, und wie die sich später noch manifestieren werden, wissen wir einfach nicht.

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Wenn irgendwer mal wieder jammert, dass Diversity erzwungen ist und eine Geschichte wohl ruinieren wird, weist die Person ruhig in diese Richtung. „Otherbound“ hat weder einfache Charaktere noch einfache Antworten, aber genau das macht es aus. Wichtigstes Thema des Buches ist dabei Consent: Wie viel kann davon eigentlich da sein, wenn die Machtverhältnisse vollkommen ungleich sind? Diesbezüglich nimmt das Buch eine klare Stellung ein – und das alles, ohne die Geschichte langweilig oder gar nicht-existent sein zu lassen.

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5 thoughts on “Otherbound | Corinne Duyvis

  1. Das Ende hört sich toll an! Oft sind mir Bücher am Ende ein bisschen zu perfekt, wobei es bei manchen Büchern natürlich passt, dass die Geschichte schön ausgeht. Bei anderen dagegen ist es wiederum geschickt eingefädelt, wenn die Geschichte schlecht ausgeht (bzw. schlechter als erwartet, wie z.B. bei „Allegiant“). Aber der Schluss einer Geschichte ist auch immer so ein Balanceakt, er soll nicht unrealistisch sein, aber den Leser zufriedenstellen. x)
    „Otherbound“ hätte mich eigentlich nicht interessiert aber die komplexen Persönlichkeiten und Charakterbeziehungen haben mich nun doch neugierig gemacht! :D

    Liebe Grüße,
    Bramble

    • Einfach ist es definitiv nicht. :D Wobei „Allegiant“ für mich eher ein Beispiel dafür ist, wie es nicht sein sollte – aber das liegt eher an einer Szene kurz vor Tris‘ Opfer, als ihre Ma ihr sagt, dass ihre Aufgabe nun erfüllt sei (nicht in den Worten, ich paraphrasiere nur), was mir vollkommen unsinnig erschien und mir als Gedanke sogar etwas zuwider ist. xD
      Vielleicht findet es ja doch mal den Weg in dein Regal! :D Die Autorin bringt dieses Jahr auch ein neues Buch raus: „On the Edge of Gone“. Geht in Richtung SciFi/Apokalypse und spielt in Amsterdam; die Protagonistin will sich und ihre Familie vor der Apokalypse auf ein Raumschiff retten, mit dem andere Planeten besiedelt werden sollen. Die Passagiere werden aber nach ihrer Nützlichkeit für diese neuen Welten ausgewählt, und Denise‘ Schwester ist verschwunden, ihre Mutter drogenabhängig und sie selbst fürchtet, dass sie wegen ihres Autismuses nicht aufgenommen werden wird. Wird also alles etwas schwieriger. xD

      • Auf jeden Fall! „On the Edge of Gone“ hört sich ebenfalls lesenswert an, auch wenn die Thematik mit Autismus bestimmt sehr kompliziert zum Einbauen in die Geschichte ist, damit es gut umgesetzt ist. Bin gespannt, wie ihr das gelingt!

      • Ich glaub, da können wir ihr aber vertrauen. :) Die Autorin hat aber selber Autismus und arbeitet auch für Disability in Kidlit, da wird sie auch mit mehreren Formen von Autismus vertraut sein und manches davon vernünftig einbringen können. :)

  2. Ah, das wusste ich nicht! Dann MUSS ich das Buch wirklich lesen! Ist bestimmt äußerst interessant, wenn sie sich perfekt mit der Thematik auskennt. :D

Und ihr so?

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