Joah, kann mer lesen

Es gibt diese Bücher, die kannst du lesen … muss aber auch nicht sein. Enttäuscht war ich von „Every Day“, die anderen beiden konnten mich einfach nicht überzeugen. Was sie aber auch nicht schlecht macht. Wer mehr Daten zu den Büchern möchte, muss nur kurz auf’s Cover klicken.

balken_blau

Every Day_300 Every Day von David Levithan kann ich eigentlich mit einem Satz beschreiben: Ein Satz mit X, das war wohl nix. Dabei hätte es so cool sein können: A wacht jeden Tag in einem anderen Körper auf und es wird schnell klargestellt, dass A sehr genau weiß, wer xier ist, dass das aber absolut nicht auf dem Gender oder der Sexualität einer Person basiert, auch wenn sich A an manchen Tagen einem Gender besonders zugehörig fühlt, was nicht immer mit dem Gender der „beherbergten“ Person übereinstimmt. Genauso toll fand ich, dass es auch absolut keine Einschränkungen gab, was die Figur einer Person anging, oder die Ethnie, oder psychische Erkankungen. Apropos: psychische Erkrankungen blieben, auch wenn A einen Körper übernahm, weil’s eben mit dem Körper zu tun hat und nicht mit einer Seele – was einmal mehr unterstreicht, dass solche Dinge nicht eingebildet sind.
Und dann wurd’s mistig. Die Geschichte plätschert die meiste Zeit so vor sich her, hauptsächlich weil As Motivation, trotz wechselnder Körper mit Rhiannon zusammensein zu können, eher lächerlich wirkt, weil A Rhiannon zum ersten Mal trifft und *puff* ist es Liebe. (Mal abgesehen davon, dass mir oftmals mulmig zumute war, weil A sich beinahe stalkerisch verhielt.) Rhiannon derweil misgendert A absichtlich, als xier sich im Körper eines Transjungen befindet, und A versucht kein einziges Mal, sie zu korrigieren. Später befindet sich A im Körper eines fetten Jungen, der natürlich faul und ohne jede Persönlichkeit ist. Letzteres kann das Resultat der Reaktion anderer sein, ersteres mag teilweise zutreffen, ist aber bestenfalls klischeehaft und langweilig. Erklärungen, wie all das funktioniert, gibt es auch nicht – muss ja auch nicht immer sein. Es wird aber angedeutet, dass es welche gibt und nichts weiter und da muss ich leider sagen: David, mach’s ordentlich oder lass es einfach bleiben.

balken_blau_kleinDoor that led to where Auch Sally Gardners The Door That Led to Where legt einen guten Start hin. Mit AJ haben wir einen Charakter, der in der Schule sehr schlecht abschließt, aber er ist trotzdem sehr intelligent – weil sowas eben nicht nur von Schulergebnissen abhängt. Ähnlich geht es seinen Freunden, die zudem das ethnisch diverse Bild Londons widerspiegeln. Was alle drei gemeinsam haben: Sie wurden in unglücklichen Umständen aufgezogen und manche Chancen wurden ihnen einfach nie geboten. Und im ersten Drittel ist die Geschichte auch ordentlich interessant – AJ findet überraschend Anstellung in einer Bank, findet dort einen Schlüssel mit seinem Namen, dann wird sein Boss vergiftet … da steckt ordentlich was drin.
Auch Zeitreisen, übrigens, über die sich AJ seltsamerweise kaum überrascht zeigt. Ohnehin kommen alle sofort erstaunlich gut im 19. Jahrhundert zu recht, das mir im Buch ohnehin ein wenig romantisiert erscheint. Da hört’s leider nicht auf. Ich hatte die meiste Zeit über nicht wirklich eine Ahnung, was vor sich ging – aber nur, weil so viel vor sich ging: die Vergiftung hier, Zeitreisen da, fortgelaufene Freunde dort … anderes wiederum war so offensichtlich, dass es extra konstruiert wirkte, wenn AJ mal wieder zufällig ein wichtiges Detail vergaß. Auch die Aufklärung gibt es nicht, weil AJ eins und eins zusammenzählt, sondern weil die schuldige Figur wirklich alles (mehr als gefragt war) erklärt.
Von daher, das Buch ist wunderschön anzusehen und keineswegs schlecht, fällt am Ende aber eher flach. Kleine Content-Anmerkung auch für Ableismus, der nicht nur von AJ ausgeht, sondern in der ganzen Geschichte hier und da vorkommt.

balken_blau_kleinread me like a book_300 Bei Read Me Like a Book von Liz Kessler weiß ich bis heute nicht so genau, was ich davon halten soll. Ich wurde die ganze Zeit über nicht so wirklich mit Ash warm. Ich habe an Stellen mit ihr mitgefühlt und sie hatte ihre lustigen Momente, aber dann gab es wieder Szenen, in denen die Autorin die Narrative unterbricht, damit Ash andere Mädels dafür runtermachen kann, dass sie viel über Jungs und Make-Up reden, und um uns allen klarzumachen, dass Ash „nicht wie die anderen Mädchen“ ist. Wozu? Es war in dem Moment vollkommen irrelevant, passte nicht und mit diesen Mädels ist auch nichts falsch. Da baute sich bei mir eine leichte Distanz auf, was ein Problem ist, immerhin dreht sich das Buch komplett um Ash und wie sie sich ihrer Sexualität bewusst wird. Sie verliebt sich nämlich in ihre Lehrerin, Miss Murray. (Das Buch enthält aber keine verbotene Lehrerin-Schülerin-Beziehung.) Und für die, die sich ihrer Sexualität selbst noch nicht ganz sicher sind oder noch ganz am Anfang stehen, ist es sicherlich ein interessanteres Buch.

balken_blau

Advertisements

2 thoughts on “Joah, kann mer lesen

  1. Ach schade, dass Every Day bei dir so enorm durchgefallen ist, ich kann deine Kritik aber größtenteils nachvollziehen. Eine Erklärung hätte ich für As „Fähigkeiten“ nicht gebraucht und auch Rihannons Verhalten fand ich realistisch, aber insgesamt hat mich die Liebesgeschichte genausowenig gepackt wie dich. War einfach nicht glaubwürdig, weil Rihannon so ein Toastbrot ist.

    • Deswegen meinte ich auch, dass es wirklich nicht zwangsläufig eine Erklärung braucht, aber dann muss er auch nicht halbherzig hinhauen, dass es eine gibt. In dem Fall bin ich Team „ganz oder gar nicht“. xD
      Bzw. konnte sie auch gar nix anderes sein, weil weder wir noch A sie kannten. Wer weiß, was David sich da gedacht hatte.

Und ihr so?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s