Eon & Eona | Alison Goodman

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Eon Eona

Reihe: Eona #1-2
Genre: YA, High Fantasy
Verlag: Firebird
ISBN: 978-0-142-41711-9, 978-0-142-42093-5
Preis: $10.99
Erscheinungsdatum: August 2010, März 2012
Format: Paperback

Goodreads

Swordplay, dragon magic–and a hero with a desperate secret

Twelve-year-old Eon has been in training for years. His intensive study of Dragon Magic, based on East Asian astrology, involves two kinds of skills: sword-work and magical aptitude. He and his master hope that he will be chosen as a Dragoneye–an apprentice to one of the twelve energy dragons of good fortune.

But Eon has a dangerous secret. He is actually Eona, a sixteen-year-old girl who has been masquerading as a boy for the chance to become a Dragoneye. Females are forbidden to use Dragon Magic; if anyone discovers she has been hiding in plain sight, her death is assured.

When Eon’s secret threatens to come to light, she and her allies are plunged into grave danger and a deadly struggle for the Imperial throne. Eon must find the strength and inner power to battle those who want to take her magic…and her life.

Content Note: Innerhalb der Geschichte ist oft Sexismus (auch gewaltsame Formen davon, z.B. versuchte und tatsächliche Vergewaltigungen) Thema und wird auch kritisch hinterfragt. Die Autorin geht aber sehr cissexistisch mit einem Charakter um, einer Transfrau, und scheint auch körperliche Behinderungen nur als reines Requisit eingebaut zu haben.

Diversity-Check: Das Land, in dem die Geschichte spielt, und dessen Nachbarn wurde von ostasiatischen Kulturen inspiriert, und alle Charaktere sind (unterschiedlicher) asiatischer Herkunft. (Alison Goodman ist übrigens Australierin und hat, soweit ich weiß, keine direkten Verbindungen im ostasiatischen Raum.) Eine der Figuren, Lady Dela, ist, wie gesagt, eine Transfrau, aber der Umgang der Autorin mit dem Thema lässt mehr als zu wünschen übrig, gleiches gilt für körperliche Behinderungen.

Zum Buch:
Ich hatte Band 1 Ewigkeiten im Regal stehen, hab mich total drauf gefreut, kam dann immer wieder nicht zum Lesen und war weiterhin total gespannt … aber am Ende war das alles eher enttäuschend. Ursprünglich hatte mich der Crossdressingaspekt am Haken, weil mich solche Geschichten eigentlich immer reizen. Und das kam auch viel vor (gezwungenermaßen), aber der Rest fiel unschön flach.

Dabei hab ich zum Teil absolut bekommen, worauf ich mich gefreut hatte. Eona muss sich als Junge ausgeben, weil sie in einer reichlich sexistischen Gesellschaft lebt, in der es unter anderem untersagt ist, dass Frauen an der Auswahlzeremonie teilnehmen, bei der jedes Jahr ein irdischer Vertreter für einen der zwölf Himmelsdrachen ausgewählt wird – angeblich weil sie zu unrein und hysterisch sind. Dabei übersteigen Eonas Fähigkeiten die der meisten anderen – so konnte sie zum Beispiel schon immer die Energiewelt und alle Drachen sehen (normalerweise können nur Auserwählte ihren „eigenen“ Drachen sehen); das heißt, alle bis auf einen: Der Spiegeldrache gilt seit 500 Jahren als verschollen. Aber eben weil ihre Fähigkeiten die der anderen deutlich übersteigen, nimmt es ein Mann auf sich, sie zu unterrichten und an der Auswahlzeremonie teilnehmen zu lassen, und so vielleicht selbst wieder zu Ruhm zu kommen. In dem Kontext zeigt die Autorin wunderbar auf, dass nicht nur das Verbot Unsinn ist, sondern auch dass das, was in Gesellschaften gemeinhin als männlich und weiblich klassifiziert ist, gelernt ist. Eona vergisst wortwörtlich, wie sich eine Frau benimmt, nachdem sie jahrelang als Junge gelebt hat und dafür schon neue Verhaltensweisen lernen musste. Das betrifft selbst Kleinigkeiten wie die Sitzposition, aber auch angeblich angeborenes Verhalten.

Schön war auch, dass die ganze Zeit auch wirklich was auf dem Spiel stand. Sollte Eona entdeckt werden, würde das den Tod für sie bedeuten. Zumal viele Charaktere, vor allem die in Machtpositionen, sehr brutal sind und definitiv nicht vor Gewalt zurückschrecken. Auch ansonsten geraten Charaktere in Dinge hinein, die sie so nicht ahnen konnten – aber das schützt sie nie vor den Konsequenzen. Also, fast nie.
Um noch kurz beim Positiven zu bleiben: So einige der wichtigeren Charaktere haben mich regelmäßig auf die Palme gebracht, vor allem wenn sie mal wieder Eona die Schuld für etwas in die Schuhe schieben wollen, was sie unmöglich vorausahnen konnte. Aber an sich ist das ja auch was Gutes – sie haben alle ihre eigenen Ansichten, Standards und Ziele und da gibt es zwangsläufig Konflikte. Das gilt übrigens auch für Eona und den Herrn in der unausweichlichen Romanze, die sich anbahnt. Die beiden haben auch tatsächlich mal etwas Chemie und verlieben sich nicht von heute auf morgen ineinander, und das allerwichtigste: Eona gibt ihm ordentlich Kontra.

Was alles andere angeht … Ich hab für jedes der beiden Bücher fast einen Monat oder länger gebraucht und ich weiß nicht so recht, woran es lag. Langweilig war es nicht, Kulturen und Charaktere waren interessant, die Bücher sind auch definitiv gut geschrieben – vielleicht haben mich die Störfaktoren zu sehr aus dem Lot gebracht. Am meisten geärgert hab ich mich über Lady Dela, die ich als Figur an sich sehr mochte. Wie die Autorin mit ihr umging weniger.
Lady Dela ist eine Contraire, was hier einer Transfrau entsprechen würde. Die Erklärung im Buch ist dafür sehr binär, aber da muss ich auch ehrlich zugeben, dass ich nicht weiß, ob der Begriff „Contraire“ und dessen Erklärung vielleicht auf Gendern basiert, die es im ostasiatischen Bereich gibt oder ob die Autorin sich das selbst ausgedacht hat. Weniger entschuldbar ist, dass Alison Goodman schon bei Delas allererster Erwähnung ihre Genitalien erwähnt – warum? Vermutlich um zu zeigen, dass Eonas Heimat Contraires generell misstrauisch oder gar mit Abneigung gegenübersteht, während Dela in ihrer eigenen Heimat hoch angesehen ist. Aber absolut nicht entschuldbar ist, dass die Autorin Dela immer und immer und immer wieder mit einem Mann gleichsetzt und vor allem auch ihrem eigenen feministischen Standpunkt (dass Frauen eben nicht „so und so“ sind) widerspricht. Immer wieder ist im Text von Delas „Mannesstärke“ die Rede, von ihren „Mannesmuskeln“ oder „Mannesirgendwas“. Als könnten Frauen nicht körperlich stark sein oder ausgeprägte Muskeln haben. Und da muss ich mich ehrlich fragen: Warum baut mensch eine Figur ein, die trans ist, nur um sie ständig zu invalidieren? War das jetzt reines Unwissen oder mit Absicht?
Ich meine, es ist nicht alles schlecht …? Zwischen Lady Dela und einem männlichen Charakter bahnt sich eine Romanze an, was an sich schon mal gut ist. Aber auch da gibt es Aspekte, die aus Delas Geschichte *die* typische Geschichte für Transcharaktere macht und das ist nicht wirklich etwas Gutes.

Die andere Sache ist der Umgang der Autorin mit Behinderungen. Ohne zu viel spoilern zu wollen: Sie schreibt sie sie einfach weg. Richtig gelesen, die verschwinden einfach. Nicht von selbst, aber Wunderheilungen (ja, Plural) lassen es fast so scheinen. Bisweilen wird ignoriert, was die Figur selbst wollen würde, was zum Glück ansatzweise thematisiert und zumindest nicht als wünschenwert dargestellt wird. Aber ich muss mich ehrlich wundern, was das alles sollte. Sollte das die Geschichte interessanter machen? Bestimmte Leute besonders mächtig wirken lassen? Das glaub ich anhand anderer Beispiele auch gerne so, und ganz ehrlich, ich fände es wesentlich interessanter, wenn sie Behinderungen nicht nur als Deko verwenden würde.

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Da hatte ich mir deutlich mehr erwartet, oder eher: Das, was ich anfänglich erwartet habe, bekam ich auch, aber anderes hat mir den Spaß ordentlich vermiest. Allem voran der Umgang der Autorin mit Lady Dela, die als Transfrau ständig indirekt misgendert wurde, und mit Behinderungen, die die Dinge wohl auch nur interessanter erscheinen lassen sollten. Da können die Bücher noch so schön geschrieben sein – wenn ich mich ständig ärgern muss, wird das nichts.

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2 thoughts on “Eon & Eona | Alison Goodman

  1. Huijuijui, das klingt mal wieder nach Kritik, die mir selbst so extrem nie aufgefallen wäre. Ich find’s wirklich spannend, was sich so alles für blöde Aussagen in allen möglichen Büchern (Medien usw.) verstecken, meist bestimmt sogar eher unbewusst. Ich fänd’s schön, wenn es mehr Lektoren gäbe, die ein Gespür (oder Interesse) für so etwas haben und auf sowas mehr achten würden, die Autoren drauf stoßen und bitten noch mal genau zu überlegen, ob sie das so in die Welt hinausposaunen wollen.

    • Mehr Gespür wäre da wirklich wünschenswert. :/ Zumal die ganz groben Sachen wirklich schnell ausgemerzt werden könnten: Wenn ich einen Charakter habe, der cis ist, bezieh ich mich bei deren Muskeln z.B. ja auch nicht darauf, dass sie männlich oder weiblich sind, sondern es geht mehr um Größe, Attraktivität, etc.? (Ausnahme wären Sachen à la „[Person] wirft wie ein Mädchen“, aber letztlich spielt sowas wohl auch mit in die ganze Problematik mit rein.) Das würde nicht alle Probleme lösen, aber echt schon mal helfen.

Und ihr so?

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