Kirstys kurze Geschichten

Ich mach’s mal kurz und schmerzlos: Ich bin kein großer Fan von Kurzgeschichten. Meistens komme ich nicht richtig in die Geschichte rein und wenn doch, dann ist es mir zu schnell vorüber. Genießen kann ich die eine oder andere zwar schon, aber im zweifelsfalls greife ich dann doch lieber zu einem anderen Buch als zu einer Kurzgeschichtensammlung. Aber mir gefiel Kirsty Logans Buch The Gracekeepers so gut, dass ich schlichtweg mehr wollte – nur war das „mehr“ bisher nur zwei Kurzgeschichtensammlungen. Und da die Autorin auch wunderbar sympathisch ist, konnte ich am Ende nicht widerstehen; bereut hab ich es auch nicht.

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Rental heart and other stories_300 The Rental Heart And Other Fairytales ist eine Kurzgeschichtensammlung rund um die Liebe und wie wir sie zu ersetzen zu versuchen, um mal den Klappentext zu paraphrasieren. Eine davon ist übrigens „The Gracekeeper“, welche nicht nur so ähnlich wie Kirsty Logans Roman heißt, sondern der Grundbaustein für diesen ist.
Was kann ich groß sagen? Je nach Geschichte ist Kirsty Logans Sprache mal melancholischer, mal grober, mal erotischer. Inhaltlich geht es auch quer durch – um mal ein paar meiner Lieblinge anzusprechen: In „Underskirts“ geht es um eine Dame von Stand, die immer wieder Mädchen aus einfacheren Verhältnissen in ihren Diensten aufnimmt und mit ihnen eine Beziehung eingeht; Reaktionen gibt es dazu viele: von den Mädchen, der Haushälterin, Gästen, dem Ehemann, der Tochter …
„The Broken West“, die mit einem Mann beginnt, der seinen Bruder küsst, mit dem zusammen er auf der Suche nach einem weiteren Bruder ist. Es gibt einen Jungen, der mysteriösen Besuch erhält und über den Tod seiner Schwester hinwegzukommen versucht. Es gibt auch eine Hexe – oder mehr? Die Wälder halten überraschende Abenteuer bereit. Da ist außerdem ein Mädchen, das im Bordell groß wird, und eine Abenteuerin, die in der Wildernis eine einsame Kaiserin findet. Das ist wirklich nur ein kleiner Teil und ich kann mir nur schwer vorstellen, dass nicht alle die eine oder andere Geschichte hier für sich finden.

balken_blau_kleinportable shelter_300 A Portable Shelter ist Kirsty Logans neueste Veröffentlichung und erzählt von zwei Frauen, die ihr erstes Kind erwarten und diesem ohne das Wissen der anderen Geschichten erzählen, um es auf das Leben vorzubereiten. Ich muss sagen, dass mir hier weniger Geschichten zugesagt haben als bei ihrer vorangegangenen Sammlung, beziehungsweise gefielen mir manche anfangs sehr gut, fielen am Ende dann eher flach, zum Beispiel „Cutting Teeth“, in der sich eine Jägerin zwischen ihrem Mann und einem Wolf entscheiden muss. Insgesamt sollen es feministische Märchen sein, aber nicht alle hatten für mich einen märchenhaften Charakter. Wer es übrigens nicht so mit Erotik hat oder wem es bei „The Rental Heart“ zu viel war, kann hier unbesorgt zugreifen. Wie zuvor aber auch schon schafft Kirsty Logan es, jeder Geschichte ihren eigenen Ton, ihre eigene Stimme zu verleihen.
Um nur kurz meine Lieblinge zu nennen: „Flinch“ über einen jungen Mann, der anders ist und nie zu viel vom Leben nehmen will, das für die Liebe aber vielleicht tun muss. „The Exact Sound Of Grief“, die mich ein bisschen damit geschockt hat, wie gut sie tatsächlich den Klang von Trauer einfängt. „Stars, Witch, Bear“, in der eine Mutter nach Antworten zum Verschwinden ihrer Kinder sucht. „The Mothers of Giants“, in der Mütter zum Wohle der ganzen Familie harsche Entscheidungen treffen müssen.

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