Jahresabschluss mal anders

Eigentlich hatte ich ja schon eine Art Jahresabschluss gepostet (und dieser wäre auch reichlich spät …), aber diese Bücher sind die letzten aus 2015 und die ersten aus 2016. Gefallen haben sie mir alle gut, und ein bisschen haben sie auch was gemeinsam: Alle tragen feministische Themen in sich oder die Autorinnen sind bekannte Feministinnen. Ansonsten könnten sie aber unterschiedlicher nicht sein.

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secret loves of geek girls_300 The Secret Loves of Geek Girls ist ein Projekt, das von Hope Nicholson ins Leben gerufen wurde. Es handelt sich hierbei um eine Anthologie über das Lieben und Leben von Geek Girls, wenn ihr so wollt. Dabei kommt eine ganze Liste von Namen zusammen, von denen ich nur Margaret Atwood (hier als Comiczeichnerin) und Marguerite Bennett (hier als Autorin) kannte. Daher kommt aber auch eine ganze Menge an verschiedenen Personen zusammen: Die Mehrzahl von ihnen sind Frauen, manche cis, manche trans, ein paar andere haben nicht-binäre Gender (laut Minibiografie). Sie alle haben unterschiedliche Datingerfahrungen gemacht und gehen da anders heran – online, nicht online, manche daten gar nicht. Genauso handeln manche Geschichten von den Beziehungen, während andere in keiner sind. Manche von ihnen stehen auf Männer, andere aber so gar nicht, oder nur ein bisschen. In einer Geschichte wird auch mal Demisexualität angesprochen. Auch der Ton der Geschichten wechselt immer wieder: viele sind unterhaltsam, manche ernst, ein erotischer Text ist auch dabei. Oftmals sollen die Texte hilfreich sein und Mut machen, à la „so war es bei mir und so kann es eben auch gehen“.
Weniger abwechslungsreich ist das Format der Geschichten. Beinahe alle sind Prosatexte, Comics gibt es nur ganz vereinzelt, stattdessen haben die meisten Geschichten eine oder mehrere kleine Illustrationen. Fand ich persönlich schade, weil gerade die Illustrationen meine Aufmerksamkeit erregt hatten und ich einige Texte aus Desinteresse einfach übersprungen habe.

balken_blau_kleinAmericanah Americanah stammt aus der Feder von Chimamanda Ngozi Adichie, von der die meisten von euch sicherlich schon einmal gehört haben. Vielleicht durch ihren TED-Talk We Should All Be Feminists (CN: Cissexismus) oder das darauf basierende Essay, das zuletzt in den Medien war, weil das Heft 16-Jährigen in Schweden geschenkt werden soll.
„Americanah“ handelt von Ifemelu, die in Nigeria aufwächst, während des Studiums aber in die USA reist und dort zum gegenwärtigen Zeitpunkt des Buches noch lebt. In der Gegenwart ist sie eine junge, erfolgreiche Frau, die über ihr Leben als Schwarze Nicht-Amerikanerin in den USA bloggte, nun aber ihre Wohnung verkauft und Beziehung beendet hat, um nach Nigeria zurückzukehren. In all der Zeit ist aber so einiges passiert und Stück für Stück laufen wir Ifemelus Weg mit ihr ab: Sie als Schülerin, ihre große Liebe Obinze, die Probleme ihrer Familie, die Streiks und Strukturen, die das Studieren hindern – und später dann ihre Einsamkeit und Verzweiflung in den USA. Das klingt jetzt alles furchtbar tragisch und manches davon ist es auch. „Americanah“ gibt uns aber auch kleine Einblicke in manche Leben in Lagos, und wie es ist, sich in verschiedenen Kulturen heimisch zu fühlen. Der jungen Ifemelu sind die USA vollkommen fremd, der erwachsenen Ifemelu fallen auf einmal Dinge in Lagos auf, die sie nun in einem vollkommen anderem Licht sieht.
Ein immer wiederkehrendes Thema ist Rassifizierung. In Nigeria nimmt sich Ifemelu nie vornehmlich als Schwarz war, weil sie es dort einfach nicht ist. Schwarz wird sie erst in den USA. Das Buch betrachtet dieses soziale Konstrukt sehr genau, wie es diskriminierende Realitäten schafft und wie es Menschen sehr unterschiedlich betreffen kann, je nachdem ob sie damit aufwachsen oder nicht. Es kommen einfach sehr viele Themen zusammen, die in Relation zu Ifemelus Leben und dem ihrer Freund_innen und Familie angesprochen werden. Was gerade jetzt auch recht aktuell ist: Oft werden Menschen, die aus wirtschaftlichen Gründen flüchten, kritisiert oder als weniger „aufnahmewürdig“ angesehen – dass das nicht fair ist, wird auch thematisiert. Als Fazit: „Americanah“ verlangt ein bisschen Zeit beim Lesen, liefert dabei auch ordentlich Gedankenfutter.

balken_blau_kleininvasion of the tearling The Invasion of the Tearling von Erika Johansen ist Band 2 der Reihe und setzt an, wo Band 1 aufhörte: Kelsea weigert sich, weiterhin Menschen nach Mortmesne zu liefern und nun steht der Krieg gegen die Rote Königin unmittelbar bevor. Auch im Land werden die Konflikte immer größer. Die Kirchenleitung stellt sich immer deutlicher gegen Kelsea, während sie im Inneren einen homophoben Kreuzzug startet. Ohnehin … werden die Dinge etwas komplizierter. Kealseas persönliche Beziehungen werden alle etwas verstrickter (was mich zum Großteil eher ablenkte), ihr Umgang mit ihrer Macht ebenfalls (was ich schon eher nachvollziehen konnte). Auch auf Fragen zu Kelseas Familie gibt es Antworten … aber noch lange nicht genügend. Hinzu kommt eine neue Erzählerin, mit der ich anfangs nicht viel anzufangen wusste, deren Geschichte mich dann aber mehr und mehr in ihren Bann gezogen hat: Lily Mayhew, die in den USA lebte, bevor Schiffe in Richtung Tear in See stachen. Die Welt dort hat noch eine krassere Linie zwischen armen und reichen Menschen gezogen, als Frau ist Lily quasi dazu verpflichtet, all den Wünschen ihres Ehemanns beizukommen. Wie das alles aber in die eigentliche Geschichte reinspielt, ist am Anfang eher unklar, was letztlich auch den Reiz ausmacht.
Was mich allerdings störte: Sowohl das Buch als auch Kelsea geben sich feministisch, und doch gibt es Momente, in denen Kelsea eine andere Frau abwertet und aus keinen Gründen, die Sinn ergeben: Wenn da wer der feindlichen Armee helfen würde, wäre es doch vollkommen egal, ob sie den Leuten von dort vielleicht auch noch Sex anbieten würde oder nicht. Was das wohl sollte … Dafür gibt also Punkteabzug und gerade für Lilys Kapitel noch eine CN: Missbrauch, Vergewaltigung und abwertende Sprache.

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