How to play quidditch

Ja, wie spielt mensch denn nun Quidditch? Nächste Frage: Mein ich das denn jetzt ernst? Ich hab es schon mehrmals erwähnt, aber für den Fall, dass ihr das bisher noch nicht gesehen habt: Ja, ich mein es ernst, ich spiele selbst Quidditch! Nur hab ich nie so ganz konkret darüber geschrieben, wie das denn nun funktioniert und das will ich hiermit mal ändern, vor allem auch weil der IQA* World Cup 2016 am 23./24.7. in Frankfurt stattfinden wird (*International Quidditch Association). Falls ihr Lust habt, euch das anzusehen, solltet ihr vorher wohl die Regeln kennen. ;)

balken_wer

Das ist das Beste am Sport: alle!
Bist du ein totaler Harry-Potter-Fan und wolltest schon immer mal den Sport ausprobieren? Nur zu!
Kannst du mit Harry Potter so gar nichts anfangen? Macht auch nichts! Überraschend viele Spieler_innen haben weder die Bücher gelesen noch die Filme gesehen, oder waren generell nicht so begeistert. Der Sport macht trotzdem Spaß und erfordert absolut kein Hintergrundwissen.
Bist du selber sportlich oder spielst vielleicht sogar schon einen Teamsport? Quidditch bringt einige Elemente mit sich, die so in der Sportwelt einzigartig sind, und ist deswegen auch einen Versuch wert. Und damit meine ich nicht nur, dass wir einen „Besenstiel“ zwischen den Beinen haben – wir haben auch viel mehr Bälle als alle anderen. ;)
Bist du nicht allzu sportlich oder hast dich noch nie an einem Teamsport versucht? Ich auch nicht, aber Quidditch ist da ideal zum Einsteigen. Zum einen weil der Sport noch sehr jung ist und deswegen nicht alles gleich ein knallharter Wettkampf ist. Zum anderen weil die verschiedenen Positionen und Spielweisen sicherstellen, dass Menschen unterschiedlichster Staturen und Fähigkeiten gebraucht werden.

Ganz wie die Buchvorlage ist Quidditch außerdem ein gemischter Sport, der keine Trennung aufgrund des Genders vornimmt. Zudem gilt nie das Geschlecht, das euch bei eurer Geburt zugewiesen wurde, sondern eures, ob ihr nun weiblich seid oder agender oder auch wenn ihr das noch nicht wirklich wisst. Eine der wichtigsten Regeln des Sportes ist die Gender Rule oder auch Four Maximum Rule, die besagt, dass ein Maximum von vier Personen zur gleichen Zeit auf dem Spielfeld das gleiche Gender haben können. Wenn ihr also ein hauptsächlich weibliches Team habt, dürfen maximal vier Spielerinnen auf einmal auf dem Spielfeld sein, die anderen zwei Spieler_innen müssen ein anderes Gender haben (egal welches). (Nach achtzehn Minuten ändert sich das ein bisschen, aber das sind Details, die braucht ihr jetzt erst mal nicht. xD)

Ich will’s nicht schöner reden, als es ist. Wie die einzelnen Teams damit umgehen, ist immer noch eine andere Sache und was sich momentan in den USA scheinbar beobachten lässt, ist, dass Teams vornehmlich männlich werden und andere Spieler_innen nur soweit eingesetzt werden, wie es die Regeln verlangen. (Das gilt freilich nicht für alle US-amerikanischen Teams.) Hier in der UK kam letztens eine Debatte auf, dass Spielerinnen zunehmend selten den Quaffle zugespielt bekommen, und generell auch Spieler_innen, die bei ihrer Geburt als weiblich eingestuft wurden. Wie es in Deutschland konkret aussieht, weiß ich nicht, aber zumindest im europäischen Gebiet scheinen diese Probleme angesprochen und bearbeitet zu werden (meine persönliche Erfahrung).

die bälle

Auf zu den konkreten Spielregeln! Im Spiel befinden sich stets vier bis fünf Bälle, es gibt aber, wie in der Buchvorlage, nur drei verschiedene Arten von Bällen.
Der Quaffle ist dabei ein nicht ganz aufgepumpter Volleyball, der nur von den Jäger_innen und Hüter_innen gespielt werden darf. Diese versuchen, den Quaffle durch einen der drei Torringe am Ende der jeweiligen Spielfeldseite zu werfen, oder das bei den eigenen Toren zu verhindern.
Von den Klatschern, die auch im deutschsprachigen Bereich Bludger genannt werden, glaube ich?, gibt es drei Stück. Hierbei handelt es sich um nicht ganz aufgepumpte Dodgeballs. Sie dürfen nur von den Treiber_innen gespielt werden, die diese auf alle beliebigen Spieler_innen werfen können, um diese „auszuknocken“ – wer vom gegnerischen Bludger getroffen wurde, muss vom Besen runter und erst die eigenen Tore berühren, ehe sie zurück ins Spiel dürfen.
Der Schnatz ist ein Tennisball, der in das Ende einer hellgelben Socke gesteckt wird. Diese Socke wird hinten an der Hose eines_r Schnatzläufer_in befestigt und die Sucher_innen müssen versuchen, diese Socke zu stehlen. (Klingt wie Schwänzchenhasche, ist es irgendwie auch. Nur schwerer.) Der Schnatz betritt frühestens nach 17 und bevor 18 Minuten um sind das Spielfeld, die Sucher_innen treten dem Spiel nach 18 Minuten bei.

balken_jägerinnenhüterinnen

Hüter_innen tragen grüne Stirnbänder und Jäger_innen weiße.

In vielen Fällen sind sich diese Positionen sehr ähnlich, nur dass die Hüter_innen in der keeper zone um die eigenen Tore drumherum besondere Rechte haben. Generell können Jäger_innen und Hüter_innen nur einander tacklen, wenn die andere Person den Quaffle trägt. Mit dem Quaffle können sie Bludger abwehren und natürlich können alle einem Bludger auch einfach („einfach“) ausweichen. Jäger_innen dürfen auch den Quaffel abwehren, um ein Tor zu verhindern.
In der keeper zone können Hüter_innen allerdings weder getacklet noch ausgeknockt werden und wenn sie den Quaffle haben, kann er ihnen nicht weggenommen werden. Außerdem ist es ihnen erlaubt, die Hand durch einen Torring zu stecken, um ein Tor zu verhindern.
(Um als Spieler_in einer anderen Position ein Tor zu verhindern, müsst ihr es wie ich machen und die armen Jäger_innen so sehr verängstigen, dass sie den Quaffle auf dich als Treiber_in werfen statt durch einen Ring, ehehehe.)

Anmerkung für die nächsten Abschnitte: Ich selber bin Treiberin und spiele nur ab und an Jägerin und mag es nicht besonders. Deswegen sind das alles Beobachtungen, die ich vor allem in meinem Team gemacht habe, andere Spieler_innen – vor allem mit mehr Erfahrung in den Positionen – könnten einiges eventuell anders sehen.
Für Hüter_innen ist eine gewisse Größe von Vorteil, um auch den höchsten Torring leicht erreichen zu können. Stärke ist da eher zweitrangig, denke ich. Wir haben im Team sehr kräftige Hüter, die eine_n angrefende_n Jäger_in zur Not auch mal zu Boden tacklen können, um ein Tor zu verhindern. Wir hatten aber auch schon eine weniger kräftige Hüterin und andere Hüter, die das nur bedingt konnten – aber selbst dann lohnt sich ein Tackle, um die Person zu bremsen, das Werfen zu erschweren und entweder anderen Jäger_innen die Chance zu geben einzuschreiten oder den Treiber_innen Zeit zu geben, die Person auszuknocken.
Auch Schnelligkeit ist nützlich, aber nicht immer notwendig. Wir haben einige Hüter_innen, die sehr schnell sind und bei der Offensive mit den Jäger_innen mitlaufen, dann aber auch fix wieder bei den Toren sind, sobald das andere Team den Quaffle hat. Ein anderer Hüter ist nicht so fix auf den Beinen, ist aber fantastisch, wenn es darum geht, Bälle abzuwehren. Deswegen ist es auch vollkommen okay, dass er meist in der Defensive bleibt, weil unser Zusammenspiel, wenn er auf dem Spielfeld ist, so am besten funktioniert.

Gerade was die Schnelligkeit und die Stärke angeht, gilt das auch für Jäger_innen. Wer schnell ist, kann sehr gut für die Offensive sein und den Quaffle voranbringen, auch wenn ihr vielleicht nicht sehr stark oder kräftig seid. Wir hatten z.B. eine sehr kleine, schlanke Spielerin, die sich das aber auch zu Nutze gemacht hat und anderen Spieler_innen, die sie tacklen wollten, schnell und geschickt ausgewichen ist. Seid ihr eher kräftig, aber nicht so schnell? Besprecht es mit eurem Team, sodass andere die Offensive übernehmen, während ihr eher defensiv spielt und angreifende Quaffleträger_innen des anderen Teams tacklet oder abbremst.

Abgesehen davon ist das Positionieren aber auch wichtig: Dass ihr da steht, wo eure Mitspieler_innen euch den Quaffle zuwerfen können. Schaut euch das Spielfeld genau an. Es macht z.B. keinen Sinn, wem den Quaffle zuzuwerfen, wenn ein_e Treiber_in vom anderen Team direkt hinter ihnen steht und sie sofort ausknocken kann. Gerade sowas ist aber auch Erfahrungssache und verbessert sich deutlich, je mehr ihr spielt und trainiert.

balken_treiberinnen

Kommen wir zum besten Teil! ;) Treiber_innen tragen ein schwarzes Stirnband, und tacklen können sie nur andere Treiber_innen, die einen Klatscher halten. Gegnerische Klatscher können gefangen oder mit dem eigenen abgewehrt werden.

Diese Position scheint auf den ersten Blick sehr einfach: Schnapp dir einen Klatscher und knock gegnerische Spieler_innen aus. Nur kommen da halt immer mehrere angerannt, bringen vielleicht auch noch andere Treiber_innen mit, die entweder ihre eigenen Klatscher haben oder dir deinen wegnehmen wollen (und können). Ihr müsst entscheiden, ob ihr bei der Offensive mitspielt, oder besser in der Defensive bleibt. Und wenn nach achtzehn Minuten die Sucher_innen dem Spiel beitreten, müsst ihr auf die auch noch ein Auge haben. Es muss ständig beachtet werden, welches Team gerade zwei Klatscher im Besitz hat oder nur einen. Wenn ihr gerade keinen Klatscher habt: Könnt ihr eine_n der anderen Treiber_innen niedertacklen, oder habt ihre bessere Chancen, wenn ihr dem Klatscher nachjagt, sobald er geworfen wurde? Oder reizt ihr eine_n andere_n Treiber_in solange, bis sie versuchen, euch auszuknocken und fangt den Klatscher dann? Wann genau macht ihr das?

Und auch hier gilt: Schnelligkeit und Stärke sind nicht alles. Zielgenauigkeit ist da schon etwas wichtiger, aber ich würde meine als eher mittelmäßig einstufen, aber das schränkt mich bei Würfen aus der Nähe eher weniger ein. (Aus der Ferne ist das ein anderes Thema). Ich bin auch keine besonders schnelle Spielerin, weswegen ich hauptsächlich defensiv spiele und nur ab und an in die Offensive gehe – wenn ich weiß, dass ich nach zwei, drei Durchgängen auswechseln kann, weil ich dann wohl erst mal eine Verschnaufpause brauche.
Kurz gesagt, wenn ihr, selbst ohne Klatscher (indem ihr konstant versucht, den anderen Treiber_innen ihre Klatscher wegzunehmen), die gegnerischen Spieler_innen so richtig nerven könnt, indem ihr ihnen immer wieder die Suppe versalzt, dann macht ihr euren Job richtig. ;)

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Sucher_innen tragen gelbe Stirnbänder, während Schnatzläufer_innen wenigstens teilweise in gelb gekleidet sind.

Die Sucher_innen haben im Vergleich zum Schnatz klare Nachteile: Zum Fangen/Stehlen dürfen sie nur eine Hand benutzen, tacklen dürfen sie gar nicht und gegen Bludger können sie sich auch nicht zur Wehr setzen, nur ihnen ausweichen – während sie versuchen, den Schnatz zu fangen, bevor es das andere Team macht.
Der Schnatz hingegen braucht keinen Besen (logisch), kann beide Hände benutzen und hat … deutlich weniger Regeln. Sie können dir deinen Besen zwischen den Beinen hervorziehen, dich zu Boden werfen, dich mit beiden Armen zurückhalten – auch wenn ein zu harsches Vorgehen nicht erlaubt ist.

Schnelligkeit ist in beiden Fällen zwar wichtig, aber nicht zwangsläufig essentiell – ebenso Stärke. Es gibt Schnatzläufer_innen, die laufen vor den Sucher_innen weg, andere nutzen ihre Stärke und halten sie sich anders vom Leib. Und genauso gibt es Sucher_innen, die nicht kräftig, aber schnell sind und so versuchen, einfach schneller zu sein … Es gibt da wirklich zig verschiedene Kombinationen: Ein großer, kräftiger Schnatz kann gegen eine_n kleine_n, schnelle_n Sucher_in vielleicht nicht viel machen, weil die sich schnell wegducken und dann nach der Socke greifen.

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So viel zu meiner nicht so kurzen Einführung! Letzten Endes gilt: Wenn ihr Quidditch spielen wollt, dann spielt. Es dauert vielleicht ein bisschen, ehe ihr eure eigenen Stärken und Schwächen kennt und ehe ihr wisst, in welcher Position ihr euch am wohlsten fühlt. Vieles verbessert sich auch mit der Zeit, wie es im Sport eben so ist.

Wer es ganz, ganz genau wissen will, kann ruhig mal einen Blick ins Regelbuch werfen. (Achtung, der Link ist ein PDF-Download!) Es ist das US-amerikanische Regelbuch, das mit einigen Erweiterungen auch im europäischen Bereich so verwendet wird.

Und wer jetzt endlich mal ein Spiel sehen möchte, muss nur kurz bei Youtube suchen. Hier sind einige Videos vom Northern Cup 2015 in Durham. Darf ich aber dieses empfehlen?
Ab 1:55 könnt ihr mich sehen, wie ich uns einen zweiten Bludger sichere. ;)

Und für wen angucken nicht genug ist: Der Deutsche Quidditchbund hat Informationen und Links zu allen aktuellen Teams in Deutschland, und ebenso die Facebook-Gruppe, in der Interessierte auch nach anderen suchen und um Hilfe bitten können, falls es in eurer Nähe noch kein Team gibt, ihr aber vielleicht eins gründen oder dabei helfen wollt.

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