The Song of Achilles | Madeline Miller

balken_blau Song of Achilles

Genre: Romantik, historischer Roman mit fantastischen Elementen
Verlag: Bloomsbury
ISBN: 978-1-408-82613-3
Preis: £6.99
Erscheinungsdatum: April 2012
Format: Paperback

Goodreads

Greece in the age of heroes. Patroclus, an awkward young prince, has been exiled to the court of King Peleus and his perfect son Achilles. Despite their differences, Achilles befriends the shamed prince, and as they grow into young men skilled in the arts of war and medicine, their bond blossoms into something deeper – despite the displeasure of Achilles’s mother Thetis, a cruel sea goddess. But when word comes that Helen of Sparta has been kidnapped, Achilles must go to war in distant Troy and fulfill his destiny. Torn between love and fear for his friend, Patroclus goes with him, little knowing that the years that follow will test everything they hold dear.

Content Note:
Ein zentrales Ereignis des Buches ist der Trojanische Krieg, dementsprechend gibt es Verwundete und Tote, aber auch andere Grausamkeiten wie Morde, Entführungen, Sklaverei und Vergewaltigungen finden Erwähnung.

Diversity-Check:
Das Buch spielt in Griechenland und um Troja, welches in der heutigen Türkei verortet war, wenn ich mich recht entsinne. Dementsprechend finden sich in der Geschichte allerlei Ethnien, (erwähnte) Sprachen und Kulturen wieder.

Zum Buch:
„The Song of Achilles“ hat einen recht langsamen Start – nicht nur handlungstechnisch, was in dem Fall ja auch Sinn macht. Wir lernen erst einmal den jungen Patroclus kennen, folgen ihm ins Exil und machen mit ihm Bekanntschaft mit Achilles. Zu dem Zeitpunkt sind die beiden Jungen, und erst später im Buch werden sie zu Männern heranreifen.
Das „Problem“ war für mich nur, dass ich die grobe Geschichte an sich schon kenne, weswegen das Buch, für mich, eher von den Charakteren als der Handlung getragen wurde, auch wenn letztere mit voranschreitender Seitenzahl auch durchaus interessanter wurde, weil nun einmal nicht alles bekannt war. Aber was die beiden Jünglinge angeht … sie sind nette Charaktere, aber gerade anfangs sind sie mir nicht unbedingt ans Herz gewachsen. Patroclus ist am ehesten einer, mit dem ihr mitfiebern könnt, gerade weil so einiges in seinem Leben unglücklich und vor allem unfair verläuft. Achilles dagegen – ich denke, Patroclus‘ absolute Verehrung zu Beginn schafft da einiges an Distanz. Mir ging zwar das Schicksal der beiden nahe, aber vor allem wegen Patroclus und wegen Achilles nur, weil er für Patroclus die wichtigste Person seines Lebens ist. Vielleicht ist es auch ein bisschen mein Selbsterhaltungstrieb gewesen, dass ich mich da nicht gänzlich drauf einlassen konnte. Tatsächlich wuchs mir lediglich Briseis wirklich ans Herz und die kam etwas zu selten vor, als dass das genügen würde.

Das ist freilich alles sehr, sehr subjektiv und euch kann es da ganz anders ergehen. Was wohl wirklich überhaupt nicht anfechtbar ist, ist Madeline Millers Talent. Die Geschichte an sich ist nicht besonders neu; sie selbst sagt, dass die Interpretation von Patroclus‘ und Achilles‘ Beziehung als romantisch schon deutlich älter ist. Es ist trotzdem eine sehr schöne Neuerzählung, da die Autorin sehr gut Atmosphären heraufzubeschwören weiß. Ob das Patroclus generelle Faszination mit Achilles (und dessen Fußsohlen) ist, oder ein fauler Nachmittag in der Sonne mit Baden im Fluss, weil Chiron gerade ihre Hilfe nicht benötigt, oder später das Kriegscamp vor Troja, aus dem für sie gewissermaßen eine Heimat wird. Wir sehen den goldenen Jungen aus Patroclus‘ Augen und können gar nicht anders, als selbst ein bisschen fasziniert zu sein. Ich hatte beim Lesen den Geruch von sonnengewärmter Haut in der Nase, hab Lust bekommen, selbst in einen kalten Fluss zu springen, und hab mir beim Gedanken an das Sand-Blut-Gemisch des Krieges um Troja schnell neue Momente herbeigesehnt – die nur nie lange blieben, weil sich der Krieg zog, und zog, und zog. Nicht lesetechnisch, aber aus Jungen wurden dort Männer und auch das lässt sich im Text sehr leicht nachvollziehen. Nicht nur Patroclus und Achilles verändern sich, auch ihre Beziehung zueinander.

Ein Wort wohl noch zum Trojanischen Krieg: Es wird wohl keinen Menschen überraschen, aber darum geht es in diesem Buch nicht. Es ist ein wichtiger Punkt im Leben aller Beteiligten und sein Einfluss macht sich von Anfang an bemerkbar, als Patroclus als Junge Helenas Zukünftigem die Treue schwört, sollte ihr jemals etwas geschehen. Am Ende ist der Ausgang des Krieges aber nur eine Erwähnung am Rande, und der zentrale Auslöser im Buch, Helena (auch wenn sowas natürlich immer komplizierter ist), wird nicht einmal mehr angesprochen.
Genauso wenig ist es übrigens ein Fantasyroman, die fantastischen Elemente sind eher seicht: Götter und Göttinnen werden erwähnt und sie haben durchaus Einfluss auf das (Kriegs-)Geschehen, tauchen aber nie direkt auf. Nur Thetis, eine Wassernymphe und Achilles‘ Mutter, und Chiron, ein Zentaur, geben sich die Ehre.

04

Stellt euch bei „The Song of Achilles“ auf ein ruhigeres Buch ein, das sehr emotional sein kann oder eben auch nicht – das hängt dann ganz davon ab, wie nah ihr die Charaktere an euch ranlasst. Bei mir hat das leider nicht so richtig geklappt, aber auch ich hatte trotzdem ein atmosphärisch dichtes und vor allem gut geschriebenes Buch, das mich letztlich überzeugt hat.

balken_blau lied des achill

Rechts könnt ihr die weniger schöne deutsche Taschenbuchausgabe sehen, die unter dem Titel „Das Lied des Achill“ veröffentlicht wurde. (Klickt auf das Cover für mehr Infos.) Wer lieber ein deutsches Hardcover hätte, wird wohl nur noch bei gebrauchten Büchern fündig werden, da das deutsche Hardcover von 2011 nicht mehr regulär im Handel erhältlich zu sein scheint.

Das Buch war auch für eine Verfilmung (als kurze TV-Serie) im Gespräch, zumindest suggeriert das ein älterer Beitrag der Autorin auf ihrer Webseite – nur dass selbst der Link mittlerweile nicht mehr funktioniert und es seither wohl auch keine weiteren Neuigkeiten gab. Wer weiß also, ob daraus was wird; schön wäre es aber.

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