Der Abend, an dem ich Rachel Caine beinahe mit einer Krücke schlug

Von links nach rechts: ich, Rachel Caine und meine treue Assistentin, Alisa.

Von links nach rechts: ich, Rachel Caine und meine treue Assistentin, Alisa.

Rachel Caine kannte ich bisher nur durch ihre Morganville-Reihe, oder auch „Haus der Vampire“, wie sie hierzulande bekannt ist. Beendet hab ich die Reihe bisher nicht, aber die neun Bücher, die ich gelesen habe, haben mir gut gefallen. Trotzdem hat’s mich nie so richtig in den Fingern gejuckt, endlich mal weiterzulesen oder mir Rachel Caines neuere Bücher (Prince of Shadows, Ink and Bone) zuzugelegen. Das änderte sich dann, als sie sich dazu entschloss, mal in meiner Nähe vorbeizuschauen (und meine treue Assistentin Alisa auch zur Lesung gehen wollte).

Ihre Lesung war Teil ihrer UK-Tour, um ihr neuestes Buch, Midnight Bites, zu promoten. Es handelt sich hierbei um eine Kurzgeschichtensammlung zur Morganville-Reihe mit Geschichten, die teils schon seit einer Weile auf dem Markt sind und mit solchen, die bisher noch kaum ein Mensch zu Gesicht bekommen hat. Letztendlich hat sie aber nicht viel vom Buch erzählt und nur in den letzten Minuten eine der Kurzgeschichten kurz angelesen. Aber fangen wir doch einfach mal von vorne an …

… nämlich damit, wie ich ihr beinahe meine Krücke ins Gesicht geknallt habe. Für die, die es nicht wissen: Ich habe mir vor genau einem Monat ein paar Frakturen im Bein zugezogen und bin seither mit Krücken unterwegs. Im Buchladen befinden sich außerdem ein paar Treppen und die steigt es sich mit einer Krücke einfacher als mit zwei. Meine bisherige Herangehensweise: Eine Krücke wird am Arm hochgeschoben, bis sie fest am Oberarm sitzt und von da herabbaumelt – mit der Hand kann ich mich dann am Geländer festhalten, ohne dass die Krücke stört. In meinem Fall heißt das allerdings auch, dass die unbenutzte Krücke gerne mal stark nach hinten schwingt, was in diesem Fall auch wieder geschah. Zum Glück hab ich (gerade so) rechtzeitig bemerkt, dass da wer hinter mir die Treppe hochkam – als ich mich dann umdrehte, um ihnen zu sagen, dass sie zu ihrer Sicherheit besser vor mir die Treppe hochgehen, stand ich dann plötzlich vor der Autorin.

Am Ende gab's auch ein paar Extras: Einen Beutel passend zur Tour, Armbänder für die aktuellsten Buchreihen und einen Auszug von der Fortsetzung zu "Ink and Bone".

Am Ende gab’s auch ein paar Extras: Einen Beutel passend zur Tour, Armbänder für die aktuellsten Buchreihen und einen Auszug von der Fortsetzung zu „Ink and Bone“.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt, wie mein Mathetutor immer so gern sagte. Der Rest des Abends verlief dann eher unspektakulär. Im Buchladen waren in der Leseecke auf der Verkaufsfläche ein paar Stühle zu den Sofas gestellt worden und da wir alle etwas früh dran waren, erzählte Rachel einfach vorab schon mal ein bisschen von sich und ihrem Tag (eine halbe Stunde zuvor hatte sie einen Text – vor Ablauf der Deadline – fertiggestellt). Auch die Buchhändlerinnen vor Ort gingen das alles sehr entspannt an – die Einleitung fiel beinahe weg, und bestand zum Großteil auch daraus, wie aufgeregt sie alle waren, Rachel Caine in ihrem Laden begrüßen zu dürfen. Und so ging’s dann locker-flockig weiter – zum Teil wohl auch, weil das Publikum relativ klein war, da blieb beim Signieren Zeit für Smalltalk und Fotos.

Kommen wir aber zum wichtigsten Teil: was hat sie denn so erzählt?

● Es scheint als schreibe sie recht langweilige Outlines, denn immer wieder sind Verlagsleute überrascht, dass ihre Manuskripte so viel spannender sind, als sie zunächst wirkten. Mittlerweile verlassen sie sich darauf.
● Als sie das erste Mal von einem Verlag gefeuert wurde, war sie sehr panisch (und dramatisch), aber ihr Agent hat da nur ganz cool gemeint: Dann kriegt sie halt einen neuen Namen und dann geht’s wieder von vorne los – deswegen hat sie auch recht viele Pseudonyme mittlerweile: Rachel Caine, Julie Fortune, Roxanne Longstreet, Roxanne Conrad und Ian Hammel.
● Ihr Schreibprozess startet sehr früh (gegen fünf) und ist sehr linear, sie arbeitet sich von Anfang bis Ende durch; die ersten drei bis vier Kapitel gehen da immer etwas schwieriger, dann läuft’s ganz einfach, bis der Mittelteil dann wieder etwas schwieriger wird und das Ende schreibt sich dann quasi von selbst.
● Wenn sie dann schreibt, ist sie sehr gut darin, alles andere zu ignorieren. Sie erzählte von einer Zugfahrt, in der sie kein einziges Mal von ihrem Laptop aufblickte und von einer Konferenz, in der es andere sich zum Spiel machten, zu versuchen, ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken … was nicht klappte, weswegen sie den Spitznamen „The Machine“ verpasst bekam.
● Sie schreibt, seit sie 14 ist, in den ersten Jahren hat sie aber niemals auch nur irgendwen ihre Texte lesen lassen. Irgendwann hat sich ein Freund dann mal einen Text erkämpft, ihr dann heimlich ein Ticket für eine Autor_innenkonferenz besorgt, sie ohne ihr Wissen dort hingefahren und dann abgesetzt. Und sie hatte Glück: Eine Person dort war auf der Suche nach neuen Talenten und obwohl sich Rachel alle Mühe gab, keinen Vertrag zu bekommen (nein, sie habe noch nie wirklich was geschrieben etc.pp.), wurde sie gebeten, ihren liebsten Text mal einzuschicken. Sie schickte dann ihren liebsten Halbtext ein, weil sie bisher noch kein Projekt beendet hatte, es gefiel und der Rest ist Geschichte.

● Thema aktuelle Projekte: Ursprünglich wurde sie gebeten, drei weitere Morganville-Bücher zu schreiben. Da die Protagonist_innen nun aber alle über 18 sind, fragte sie, ob sie denn „Erwachsenenbücher“ schreiben könne – der Verlag wollte aber mehr YA. Der Kompromiss war dann die Kurzgeschichtensammlung, weil da alle wieder etwas jünger sein können, auch wenn es – erst mal, aber nichts genaues weiß mensch nicht – nur ein Buch ist.
● Es könnte in Zukunft trotzdem auch wieder ganz neue Morganville-Bücher geben, aber da ist wirklich nichts besprochen oder festgelegt. Wenn dann wohl mit anderen jüngeren Charakteren, wenn auch nicht zwangsläufig den Kindern der vorherigen Protagonist_innen. Das gab’s ja schon in der Literaturwelt. ;)
● Ansonsten würde sie aber gern mal ein Buch über die Vampire schreiben – die Idee von einem Buch über Myrnin wurde vom Publikum zumindest sehr begrüßt.
● Konkrete Pläne gibt es momentan für drei verschiedene Serien: eine aus dem YA-Bereich (die sie zusammen mit wem anders schreibt und wohl im Weltall angesiedelt ist), eine gehört dem Thriller-Genre an und bei der dritten Reihe werden es historische Romane sein.

● Und da sie ja nicht nur Autorin, sondern auch Leserin ist: Sie wünschte, sie hätte Bücher wie „White Cat“ (Holly Black), „Lair of Dreams“ (Libba Bray) und „Six of Crows“ (Leigh Bardugo) geschrieben.
● Ihr Buchregal hat leider so gar kein System. Sie hat’s mal chronologisch probiert, aber sie kriegt immer so viele Bücher, dass sie sie zunächst auf dem Boden stapelt und wenn dann mal wieder Besuch kommt, werden sie nur hastig dort ins Regal gestellt, wo gerade Platz ist.
● Was auch zur Folge hat, dass sie immer sehr lange nach einem Buch suchen muss und dabei zig ältere Titel entdeckt, die sie spontan wieder zu lesen anfängt.

Und das war’s dann im Grunde auch vom Abend! Es war eine sehr kurzweilige Angelegenheit, bei der zum Glück auch eine Buchhändlerin dabei war, die zig Fragen parat hatte. Das Publikum bestand nämlich aus vielen Leuten, die mehr so wie ich sind: Fragen fallen mir entweder zu spät ein, oder ich trau mich nicht so recht, sie zu stellen. Hat dann am Ende aber alles geklappt und ich hab Rachel Caine kein blaues Auge verpasst. Das nenn ich doch mal einen erfolgreichen Abend!

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2 thoughts on “Der Abend, an dem ich Rachel Caine beinahe mit einer Krücke schlug

  1. Ein toller Bericht der alles Wichtige auf den Punkt bringt.

    Ich wünsche dir ein wundervolles Restwochenende und eine schöne Woche,
    zauberhafte Grüße
    Caro

    PS: Eine in Schottland lebende Quidditchspielende Buchliebhaber*in? Ab in meinen Feedreader!

    • Dann willkommen auf dem Blog. :D Auch wenn ich nicht weiß, wie viel Quidditch sich noch hierher schleichen wird. xD

      Dir auch noch eine schöne Woche!

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