Bitch Planet: Extraordinary Machine | Kelly Sue DeConnick & Valentine De Landro

balken_blau Bitch Planet

Reihe: Bitch Planet Vol. 1, #1-5
Genre: Comic, Sci-Fi, Dystopie
Verlag: Image Comics
ISBN: 978-1-632-15366-1
Preis: $9.99
Erscheinungsdatum: Oktober 2015
Format: Paperback

Goodreads

In a future just a few years down the road in the wrong direction, a woman’s failure to comply with her patriarchal overlords will result in exile to the meanest penal planet in the galaxy. When the newest crop of fresh femmes arrive, can they work together to stay alive or will hidden agendas, crooked guards, and the deadliest sport on (or off!) Earth take them to their maker?

Content Note:
Am deutlichsten bisher Sexismus, Rassismus, Fatshaming, Ageism … und vieles, vieles mehr, die Ansätze für Queerphobie und Transphobie sind da.

Zum Buch:
This comic, y’all. This comic.
In der Welt von „Bitch Planet“ wurde so ziemlich jede patriarchalische Ansicht aus Gegenwart und Vergangenheit genommen, so erhalten und vereinzelt ein bisschen ins Extremere getrieben und fortan können Frauen für jedes noch so kleine Pseudovergehen inhaftiert werden. Ist die Ehefrau nicht beständig zum Sex bereit? Kann angezeigt werden. Hat sie ihren eigenen Kopf? Kann angezeigt werden. Wiegt sie zu viel? Kann angezeigt werden. Hat sie dich verführt, aber der Sex war enttäuschend? Auch das kann angezeigt werden. Im Grunde: Sobald eine Frau ihr Dasein nicht nach den Wünschen der Männer um sie herum formt, kann sie in Schwierigkeiten geraten. Und ob das nun dafür sorgte, dass es zu viele inhaftierte Menschen für einen Planeten gab oder ob es da andere Gründe für gibt – sie werden nicht nur inhaftiert, sondern auch auf einen anderen Planeten verfrachtet, der allgemein als Bitch Planet und offiziell als „Auxiliary Compliance Outpost“ oder A.C.O. bekannt ist.

Die Serie findet sich eher im Sci-Fi- und Dystopie-Genre an, aber die angeblichen Vergehen kennen wir zur Genüge, auch wenn wir in der Regel deswegen nicht ins Gefängnis wandern. (Ausnahmen gibt es: Abtreibungen können auch hier und heute zum Problem werden, je nachdem wo ihr lebt und wie weit die Schwangerschaft vorangeschritten ist.) Von daher ist es wohl nicht überraschend, dass es sich hier um ein feministisches Werk handelt – und glücklicherweise auch um ein intersektionelles. Allzu sehr ins Detail ging die Reihe da noch nicht, aber ein sehr großer Teil der Insassinnen scheinen Frauen of Colour, und zumeist Schwarze Frauen, zu sein. An anderer Stelle wird angedeutet, dass sich in Sachen ignoranten Rassismusses auch nichts geändert hat, als ein Mann einen anderen – dem Namen nach japanischer Herkunft – in Karatestellung und mit den paar Fetzen Japanisch, die er kennt, begrüßt. Wir können uns zumindest denken, dass neben den sonstigen Schönheits- und Verhaltensstandards noch weitere für Frauen of Colour bestehen.
Auch in Sachen Sexualität und Gender gibt es hier und da Hinweise. Gründe für eine Inhaftierung können auch „sexual deviancy“ und „gender treason“ sein. Der Vater einer Hauptfigur war angeblich ein „gender terrorist“. Meistens werden solche Details nur nebenbei erwähnt, und wir können teilweise nur ahnen, was damit gemeint ist (sind „capillary disfigurements“ nun Tattoos oder Dehnungsstreifen?), aber der Comic macht dennoch deutlich, wie falsch es ist. Nicht zuletzt mit einem kleinen Hinweis auf Leelah Alcorn, einem Transmädchen, das sich 2014 das Leben nahm: „Leelah. We didn’t have to know you to love you. Find peace, our sister.“

Einer der stärksten Punkte des Comics ist wohl auch, wie echt die Frauen sind und wie vielfältig. Dadurch entsteht auch ein wunderbarer Kontrast zu den Frauen, die ihnen und uns in Videos und Hologrammen gezeigt werden, die sie sein sollen: weiß, sexy, verfügbar. In einer fantastischen Szene läuft im Hintergrund ein „Fitness“-Video, das eher dazu gedacht sein scheint, möglichst oft und möglichst sexy das Dekolletée und den Hintern zu präsentieren, statt Sport zu machen. Im Vordergrund läuft Kamau, eine athletische und muskulöse Frau, die hier und da mit anderen Insassinnen spricht. Meiko ist ebenfalls schlank, Penny ist fett (was unter anderem auch ein Grund ist, warum sie festgenommen wurde). Beide sehen anders aus als Kamau, sind aber auf ihre Art und Weise sportlich. Penny ist stark, Meiko dafür sehr flink. Der Comic zeigt wirkliche Varietät: Da sind Bäuche, die mal größer und mal kleiner sind. Verschiedene Körpergrößen und -typen. Manche Brüste hängen, manche sind sehr flach. Manche Frauen sind auch sexy im gesellschaftlich anerkannten Sinne.

Die Handlung an sich startet eher langsam. Wie in der Zusammenfassung erwähnt, wird ein Sportteam gebildet. Und viel mehr passiert bisher auch nicht – es braucht erst ein bisschen Überzeugungsarbeit hier und da, und ansonsten gibt es auch Einblicke in die dortige Gesellschaft, warum jemand verhaftet werden kann und wie stark alles manipuliert ist, wie wenig ein Leben, besonders das Leben einer als nutzlos erachteten Frau sein kann. Das ist nicht immer leicht zu lesen, weil die Ereignisse hier wirklich unfair sind, und grausam. Kombiniert mit interessanten und auch sympathischen Protagonistinnen … aber ich bin gespannt, wo uns all das noch hinführt. Manche sind bereit zu kämpfen, aber können sie es? Andere zweifeln, aber reicht das, um selbst zur Tat zu schreiten? Wenn ein System derart verkorkst ist, was kann da noch gemacht werden? „Bitch Planet“ hat da noch einiges zu sagen.

04

„Bitch Planet“ ist laut und alles andere als konform. Es stellt wichtige Fragen und hält hier und da einen Spiegel vor. Was den Frauen hier vorgeworfen wird? Vieles kennen wir in der einen oder anderen Form auch von unserer Zeit und der Comic versucht nicht mal zu tun, als seien diese Dinge wirklich Fehler, die Frauen machen. So schwierig der erste Band aufgrund der Unfairness manchmal auch zu lesen war, es ist ein bisschen frischer Wind, es macht Laune und, ja, auch ein bisschen selbstbewusst. Meine ganzen „Fehler“? Um es mit Pennys Worten zu sagen: „If it ain’t broke, don’t fix it. I ain’t broke.“
Von daher bleibt vor dem Lesen nur noch eine Frage zu beantworten: Are you woman enough? Ja? Dann los.

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