A Love That Disturbs | Medeia Sharif

balken_blau Love that disturbs
Genre: YA, Contemporary
Verlag: Evernight Teen
ISBN: 978-1-772-33891-1
Preis: $4.99
Erscheinungsdatum: Juni 2016
Format: eBook

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an Evernight Teen. (via NetGalley)

Goodreads

Maysa Mazari is alarmed by her mother’s talk about arranged marriage. As a hijab-wearing Pakistani-American, she wants to find love on her own. Her judgmental Muslim clique has protected her from racist taunts, although the leader is turning on her as Maysa strays from the group because of her attraction to Haydee.

Haydee Gomez is a former gang member and juvenile detention student. Now living with a clean-cut aunt, she wants to turn her life around, even though one person will never let her forget her roots—Rafe, her abusive pimp. Haydee attempts to pull away from a life of prostitution when she develops feelings for Maysa, although Rafe isn’t willing to give her up too easily.

Finding themselves in danger from Maysa’s friends and Haydee’s pimp, it’s apparent their love disturbs everyone around them as they fight to stay together.

Content Note:
Die Charaktere im Buch werden mit Islamophobie, Homophobie und brutaler Gewalt konfrontiert (u.a. auch aus diesen Gründen) – es gibt Schläge, Vergewaltigungen und noch einiges mehr. Zudem gibt es eine recht detaillierte Beschreibung von einem Albtraum, in dem der Figur diverse Körperteile wegschmelzen. Das Buch ist dahingehend wirklich keine leichte Kost. Wer mehr Infos braucht, kann mir gerne schreiben!

Zum Buch:
Vielleicht sollte ich damit anfangen, was mit gefallen hat: die Hauptfiguren. Sowohl Haydee als auch Maysa waren mir schlagartig sympathisch, ohne 100% perfekte Charaktere zu sein. Haydee hat in der Vergangenheit viele falsche Entscheidungen getroffen und schleppt – berechtigterweise – große Schuldgefühle mit sich mit. Diese führen dazu, dass sie sich beständig selbst bestraft – mit dem, was sie macht und wie sie über sich denkt. Und gerade diese Schuld zeigt uns, wie leid ihr das alles tut, dass sie an sich kein schlechter Mensch ist und dass sie sich ernsthaft bessern möchte.
Maysa dagegen hat andere Probleme: Als eine der wenigen Musliminnen an der Schule fühlt sie sich allein und nicht zugehörig – weswegen sie auch mit Aamal, Imani und Ruhat befreundet ist, den drei anderen Musliminnen. Dabei kann sie die meisten von ihnen nicht wirklich leiden. Sie will raus, sie will bessere Freundschaften, und gerade anhand ihrer Abneigung zu Aamal, eine unglaublich missgünstige und egozentrische Figur, zeigt sich, dass sie das Herz am rechten Fleck hat. Ihre Freundinnen sind leider alle recht wenig entwickelte Charaktere, aber sie bringen ein wenig Varietät mit sich. Sie mögen alle vier muslimisch sein, aber das heißt nicht, dass es da keine Unterschiede gibt. Imanis und Maysas Familien kommen zum Beispiel aus Pakistan, während Aamals Eltern aus Syrien stammen. Diese drei tragen auch einen Hijab, während das auf Ruhat nicht zutrifft – der Text lässt uns wissen, dass das im Irak, aus dem ihre Eltern stammen, einfach nicht üblich ist.
In Sachen Diversity lässt sich „A Love That Disturbs“ da wirklich nicht viel vormachen. Haydee zum Beispiel ist auch eine Latina (mit puerto-ricanischen Wurzeln seitens des Großvaters), und sowohl Haydee als auch Maysa sind lesbisch, und selbst Bisexualität wird kurz als legitime Option angesprochen. Es gibt auch nie „oh verdammt, ich steh auf Mädchen?“-Momente – die beiden nehmen es ganz unaufgeregt hin, was auch einmal schön zu lesen ist.

Eins sei aber noch erwähnt: Haydee ist zudem eine Sexarbeiterin, aber das Buch zeigt ein sehr negatives Bild davon. Das sei jetzt erst einmal wertfrei, da es auch Arbeiter*innen gibt, denen es wie Haydee geht. Wer sich aber eine Erzählung erhofft, die von den sonstigen gesellschaftlichen Bildern zum Thema Sexarbeit abweicht, ist hier beim falschen Buch. Haydee hat nämlich mit einem gewalttätigen Zuhälter zu kämpfen und arbeitete zwar ursprünglich freiwillig für ihn, es ist in ihrem Fall aber mehr eine Art Selbstbestrafung und etwas, das sie „verdient“ hätte. Ihr wird es da auch nie gegönnt, sich selbst zu verzeihen: Alle Änderungen geschehen vor allem für Maysa, nicht für sich selbst und immer wieder gibt sie sich selbst und ihrer Arbeit die Schuld für Dinge, die gar nicht damit zusammenhängen.

Und so kommen wir zum Negativen, und was mich hat stolpern lassen, hatte im Grunde immer damit zu tun, wie das Buch geschrieben wurde. In vielerlei Hinsicht wird sehr viel gesagt – aber wenig gezeigt. Das ist der Fall, wenn Haydee mal wieder irgendetwas über Maysas Familie mutmaßt, mit dem sie auch richtig liegt, was wir wissen, weil wir auch Maysa als Erzählerin haben. Maysa und Haydee reden über genau diese Dinge aber nie gemeinsam im Buch – es bleibt bei Haydees Annahme, die nie weiter aufgegriffen wird. Auch ist es z.B. sehr deutlich, dass sich die beiden Mädchen zueinander hingezogen fühlen, aber da ist dann irgendwann von Liebe die Rede, dabei kriegen wir kaum zweisame Gespräche der beiden zu sehen.

Manchmal war ich auch nicht sicher, wie viel oder wenig uns die Autorin zutraut. Beispielsweise wird erst erwähnt, dass sich Maysa und Imani besonders nahe stehen, weil sie beide nicht so missgünstig wie Ruhat und Aamal sind. Dann zeigt sich Imani aber doch so und es wird mehrmals erwähnt, wie ungewönlich das ist, obwohl das vollkommen ersichtlich ist. (Lustigerweise hieß es kurz danach, auch beinahe gleich formuliert, dass sich diese zwei nahe sind, weil sie Wurzeln in Pakistan haben.) An anderer Stelle wird Maysa als „terrorista“ beschimpft – und dann erklärt uns die Autorin, dass die Figur Maysa damit als Terroristin beschimpfen will.
Es fehlt da ein bisschen die Balance zwischen zu vielen und zu wenig Details. Ich verstehe z.B. nicht, warum immer und immer wieder Aamals Nase und ihre Nasenflügel erwähnt werden müssen, da es über sie doch auch deutlich mehr zu sagen gibt. Dafür hätte ich mir hier und da doch ein paar mehr Details zum Innenleben der Figuren gewünscht, z.B. als Maysa ihre Schwester um Hilfe bittet und diese zugesagt bekommt. Ist sie erleichtert? Dankbar? Dazu kommt dann nichts.

Enttäuschen muss ich leider auch nicht-binäre und polyamoröse Leser*innen. Zum einen ist immer nur von Jungen und Mädchen die Rede, zum anderen gibt es diese Passage: „How could Darla share her body with other men when she seemed to be into Rafe? Ever since meeting Maysa, Haydee didn’t want anyone else touching her. Darla and Rafe couldn’t possibly be in love like she was.“ Es ist ja vollkommen in Ordnung, dass Haydee so über ihre eigene Sexarbeit und Maysa denkt, aber Darla und Rafe? Da gibt es so vieles, warum diese Beziehung keine wirkliche Liebesbeziehung sein kann. Rafe ist gewalttätig und missbräuchlich, die beiden sind überhaupt nicht gleichberechtigt … aber ihre Beziehung ist bestimmt nicht ungesund, nur weil sie nicht monogam sind. Und trotzdem beweist die Autorin, dass Haydee recht hat. Warum.

03

Letztendlich … „A Love That Disturbs“ fing gut an, und Maysa und Haydee können ihre Geschichte tragen. In den Details hapert’s dann aber. Manches wird zu viel beschrieben, zu oft wiederholt, anderes wird nicht einmal erwähnt. Das strengt beim Lesen leider an und lenkt ab – was wiederum das Leseerlebnis eher negativ beeinflusst.

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