Holy Shit: A Brief History of Swearing | Melissa Mohr

balken_blau Holy Shit
Genre: Sachbuch, Linguistik
Verlag: Oxford University Press
ISBN: 978-0-199-74267-7
Preis: £14.99
Erscheinungsdatum: April 2013
Format: Hardcover

Goodreads

Almost everyone swears, or worries about not swearing, from the two year-old who has just discovered the power of potty mouth to the grandma who wonders why every other word she hears is obscene. Whether they express anger or exhilaration, are meant to insult or to commend, swear words perform a crucial role in language. But swearing is also a uniquely well-suited lens through which to look at history, offering a fascinating record of what people care about on the deepest levels of a culture–what’s divine, what’s terrifying, and what’s taboo.

Holy Sh*t tells the story of two kinds of swearing–obscenities and oaths–from ancient Rome and the Bible to today. With humor and insight, Melissa Mohr takes readers on a journey to discover how „swearing“ has come to include both testifying with your hand on the Bible and calling someone a *#$&!* when they cut you off on the highway. She explores obscenities in ancient Rome–which were remarkably similar to our own–and unearths the history of religious oaths in the Middle Ages, when swearing (or not swearing) an oath was often a matter of life and death. Holy Sh*t also explains the advancement of civility and corresponding censorship of language in the 18th century, considers the rise of racial slurs after World War II, examines the physiological effects of swearing (increased heart rate and greater pain tolerance), and answers a question that preoccupies the FCC, the US Senate, and anyone who has recently overheard little kids at a playground: are we swearing more now than people did in the past?

A gem of lexicography and cultural history, Holy Sh*t is a serious exploration of obscenity–and it also just might expand your repertoire of words to choose from the next time you shut your finger in the car door.

Content Note:
Das N-Wort wird wiederholt verwendet.

Zum Buch:
Ich muss offen geben, dass ich ein Mensch bin, der gerne mal flucht. In der Öffentlichkeit nicht, aber daheim und unter Freund*innen? Da fluch ich gerne mal los. Von daher hab ich bei „Holy Shit: A Brief History of Swearing“ nicht lange gefackelt, bis ich es aus der Bibliothek auslieh. Schon der Titel ist da amüsant – wird auf dem Cover noch mit „Holy Sh*t“ das Schimpfwort vermieden, so steht es auf der Titelseite im Buch ganz normal mit I, vermutlich weil davon ausgegangen werden kann, dass die, die das Buch lesen werden, sich da dann nicht mehr dran stören.

Das Buch orientiert sich hauptsächlich am Englischen, beginnt aber mit dem Fluchen im antiken Rom und bringt auch später hier und da Beispiele aus anderen Sprachen. Wer das eigene Vokabular erweitern möchte, kann sich wohl die eine oder andere Sache aufschreiben. Hauptsächlich ist es aber eben ein Geschichtsbuch, ein Sprachgeschichtsbuch. Das kann bisweilen ein wenig langweilig werden, wenn ihr a) nicht sooo sehr an Sprache interessiert seid (aber warum dann dieses Buch lesen?) oder b) es eher mit synchroner als diachroner Linguistik habt. Aber nicht verzagen! Später geht’s auch um den gegenwärtigen Stand des Fluchens.

Apropos Linguistik: Ihr müsst nicht studiert haben, um das Buch lesen und genießen zu können. Die Erklärungen beschränken sich auf Grundkonzepte der Linguistik und erklärt diese jedes Mal, und geht dementsprechend auch auf die zum Verständnis notwendige Sprachgeschichte (z.B. Englands) ein.

Wenn die Grundvoraussetzungen also stimmen, erwartet euch ein größtenteils amüsantes Buch. Da wird angesprochen, welchen Einfluss die Kirche und andere kulturelle Elemente hatten und irgendwann nicht mehr hatten: „The Holy was declining in power, the Shit gaining it“ (S. 172); früher war es da viel schlimmer, Gottes Namen zu „missbrauchen“ als Fäkalsprache zu verwenden, heute sieht’s ja eher anders herum aus. Es geht um Wortherkünfte, ob nun richtig oder falsch – bei „fuck“ hieß es z.B. mal, dass es für „fornicate under command of the King“ hieß, als der König verlangte, dass sich die Bevölkerung öfter fortpflanzt. Es geht um kulturelle Missverständnisse: „frig“ ist in der UK ein Slangwort für „masturbieren“, in den USA ist es wohl nur ein falsch geschriebenes „fridge“. Je nachdem wer dann Schilder à la „note: small frig needed on Tuesday“ liest, kann das ganz unterschiedliche Reaktionen hervorbringen.

Ich war allerdings überrascht, dass die Autorin meinte, dass es ihr sehr schwer fiel, das N-Wort zu verwenden – es dann aber immer wieder macht. Sie erwähnt es auch erstaunlich oft dafür, dass das Kapitel zu rassistischen Beleidigungen so kurz ist. Ich hätte mir da auch unbedingt mehr Differenzierung gewünscht: Das Buch endet eher positiv und lobt die lange Geschichte von Schimpfwörtern, und dem möchte ich grundsätzlich auch nicht widersprechen. Aber es gibt Unterschiede. Nicht nur zwischen dem Heiligen („verdammt“) und der Scheiße (muss ich da ein Beispiel bringen?), sondern auch zwischen Schimpfwörtern, die sich nicht mal gegen andere wenden und wenn doch, dann gegen bestimmte Charakterzüge der Person und nur gegen sie persönlich – und zwischen denen, die sich nicht nur gegen die Person richten, sondern gegen eine ganze Personengruppe allein aufgrund ihrer (gedachten) Herkunft oder Religion, was diese auch entmenschlichen soll. Andere Bereiche wurden außerdem gar nicht angesprochen, beispielsweise queerphobe und transphobe Sprache.

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Lohnt sich „Holy Shit“? Schon, wenn ein bisschen Geschichte sein darf und wenn ihr euch darauf vorbereitet, dass die Autorin eher unnötig oft das N-Wort verwendet. Es ist auch kein gänzlich umfassendes Werk: Zum einen beschränkt es sich größtenteils auf Englisch, zum anderen werden auch dort nicht alle Bereiche angesprochen. Wenn das alles passt, dann macht das Buch durchaus Spaß. Ich hab mir zumindest zig Notizen zu Fakten und Hintergründen gemacht, bei denen ich immer noch nicht sicher bin, ob ich sie wirklich wissen wollte.

balken_blau Seit kurzem gibt es das Buch auch als Taschenbuch.

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