Ariah | B. R. Sanders

balken_blau Ariah
Genre: Fantasy
Verlag: Zharmae
ASIN: B00WRWHVVA
Preis: $4.99
Erscheinungsdatum: May 2015
Format: eBook

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an Zharmae. (via NetGalley)

Goodreads

Ariah’s magical training has been interrupted. Forced to rely on a mentor, Dirva, who is not who he claims to be, and a teacher who is foreign and powerful, Ariah is drawn into a culture wholly different from the elven one that raised him.

As his friendship with Dirva’s brother blossoms into a surprising romance, and he slowly learns how to control the dangerous magic in his blood, life finally appears to be coming together for Ariah—but love and security are cut short by a tyrannical military empire bent on expanding its borders.

War, betrayal, passion, and confusion follow Ariah as his perilous journey leads him beyond the walls of the Empire, and into unfamiliar territory within himself. Along the way, he’ll discover just how much he’s willing to give up to find his place in the world, and he’ll learn what it means to sacrifice himself for freedom—and for love.

Content Note:
Übergriffigkeiten, die mit der Beschaffenheit der Magie zu tun haben, und Vergewaltigungen, was aber alles problematisiert und nicht beschönigt wird. Rassismus – als Allegorie gegen Elfen und geschrieben von einer weißen Person. Queerphobe Sprache, die anfänglich auch vom Hauptcharakter verwendet, aber durchweg hinterfragt wird.

Zum Buch:
„Ariah“ … „Ariah“ war eigentlich ein ganz besonderes Buch für mich. Es war schon ganz anders, als ich erwartet hatte, was zum Teil meiner Vergesslichkeit geschuldet ist. Es handelt sich hier mehr um eine Art Autobiografie des titelgebenenden Charakters, die er als erwachsener und erfahrener Mann schreibt, die aber in seiner Jugend beginnt. Jugend heißt hier, dass die Geschichte losgeht, sobald er volljährig ist – da er aber auch ein Elf ist, bedeutet das, dass er bereits 30 Jahre alt ist. Am Ende des Buches wird er Mitte 50 sein.
Ein wenig handelt es sich hier auch um eine Coming-of-Age-Geschichte. Ariah ist jung, lebte bisher in einer sehr strikten Gesellschaft, aufgrund der er Angst vor seinen eigenen magischen Fähigkeiten hat und diese zu verstecken versucht, und auch sehr queerphob ist. Erst mit der Zeit, nachdem er verschiedenste Elfen kennenlernt, in fremden Kulturen lebt und einfach sieht, dass andere ganz anders leben und mit den gleichen Situationen vollkommen anders umgehen, lernt er dazu. Sein Selbstverständnis wird neu geformt, seine Beziehung zur Magie und auch seine Sexualität.

Plottechnisch ist das Buch eher langsam oder sollte ich sagen: richtungslos? Es gibt kein Ereignis, auf das hingearbeitet wird, kein Ziel … Es ist einfach Ariahs Leben, wie es verläuft. Und auch wenn manche Dinge da sehr zufällig wirken, ist es deswegen nicht langweilig, nur ruhiger. Zum einen passieren trotzdem sehr aufrüttelnde Dinge, zum anderen sind es andere, übergreifende Themen, die das Interesse ausmachen. Was ein wenig stören kann, ist, dass die Ereignisse manchmal sehr zusammengezogen sind, da vergehen innerhalb von ein paar Sätzen mal zwei Jahre, innerhalb weniger Kapitel zehn. Damit können zwar über zwei Jahrzehnte in 300+ Seiten besprochen werden, aber manchmal fehlt dann doch das Detail, die Tiefe. B. R. Sanders schafft es trotzdem, dichte Netze und Beziehungen zwischen den Charakteren zu weben. Lediglich das Ende wirkt nicht wie ein solches, da hätte die Geschichte ganz genau mit dem bisherigen Erzählmuster weiterlaufen können.

Ein größerer Kritikpunkt wären für mich mangelnde Erklärungen. Sanders erklärt nie explizit und im Detail, welche Arten an Elfen es gibt und was sie ausmacht. Das wird alles mehr nebenbei und stückchenweise erwähnt, wenn eine Figur auftaucht, bei der es passt. Das ist auch mal angenehm und kann toll sein, klappt hier aber nur bedingt, weil ich nach wie vor nicht 100%-ig sicher bin, ob ich das alles nun richtig mitbekommen habe. Was ich aber verraten kann: Es gibt mindestens vier verschiedene Arten an Elfen, die sich sowohl optisch als auch gesellschaftlich unterscheiden. Es gibt Silberelfen – dunkelhäutig und weißhaarig –, die sehr strenge und queerphobe gesellschaftliche Normen haben. Rotelfen – hellhäutig, rothaarig und mit grünen Augen –, sind da etwas freier und leben auch problemlos polyamorös. Gleiches gilt für die Dunkelelfen – mit blauer, grauer und schwarzer Haut und dunklem, krausem Haar. Goldelfen – braunhäutig und blondhaarig –leben als Nomaden und in einer vollkommen genderneutralen Gesellschaft. Natürlich gibt es auch gemischte Familien und die Merkmale treten auch in Kombinationen auf, zum Beispiel hat Ariah helle Haut und grüne Augen, aber weiße Haare, während einer seiner Love Interests graue Haut und rote Haare hat. Verschiedene Gesellschaften haben da auch ganz andere Herangehensweisen an Magie. Während Silberelfen sie kontrollieren und verstecken wollen, wird da bei anderen viel offener mit umgegangen: Goldelfen sind beispielweise stets durch die Magie miteinander verbunden und teilen so zu jeder Zeit ihre Gefühle miteinander.

Anhand dieser Elfenarten ist es auch, dass im Buch Rassismus besprochen wird – allerdings mehr als Allegorie. Gegen die Elfen wird durch die Qin (Menschen?) diskriminiert. Sie werden gesondert von den Qin in ihren eigenen Vierteln untergebracht, werden häufig zu anstrengender und gefährlicher Fabrikarbeit gezwungen, werden im öffentlichen Bereich willkürlich angehalten, befragt und bestohlen, an den Grenzen unrechtmäßig eingesperrt. Die Goldelfen werden versklavt. Auch innerhalb der Elfen gibt es Vorurteile – die Silberelfen sehen auf alle anderen und ihre „lockeren“ Lebensweisen herab, von den Goldelfen ist eh wenig bekannt. Zusätzlich kommen Themen wie Sexualität hinzu und so wird auch intersektionelle Diskriminierungen betrachtet, die deutliche Parallelen zu unserer Welt darstellen. (An dieser Stelle muss jedoch erwähnt werden, dass B. R. Sanders selbst weiß, allerdings auch genderqueer ist, also nur teilweise über eigens bekannte Diskriminierungsachsen schreibt.)

Was mir ganz besonders gefiel, war, wie deutlich wurde, dass die Gesellschaft, in der Ariah lebt, so viel Einfluss darauf hat, wie er über seine Sexualität denkt. Während er Männern anfangs gänzlich abgeneigt ist, wird er mit der Zeit immer offener mit seinen Gefühlen und fühlt sich am Ende selbst zu Männern sexuell hingezogen, als es ihm nicht mehr beständig als etwas Falsches mitgegeben wird. Und wie frei die Liebe sein kann: Das Buch beinhaltet mehrere glückliche polyamoröse Beziehungen. Nicht immer funktionieren die in allen Konstellationen, aber mit den richtigen Personen und vor allem mit Kommunikation und Ehrlichkeit kann da viel erreicht werden. „Ariah“ unterscheidet sich da sehr stark von so vielen anderen fantastischen Romanen, die durchweg unsere gesellschaftlichen Probleme, Normen und Konstruktionen reproduzieren und kaum hinterfragen, eventuell mal eine Problematik behandeln. „Ariah“ geht weiter. „Ariah“ hat zig verschiedene Gesellschaftsstrukturen. Gemischte Familien sind bei den Silberelfen nicht gern gesehen – aber da wird gezeigt, dass es heuchlerisch ist, da es davon so, so viele gibt und daran auch nichts schlimm ist. Silberelfen akzeptieren auch keine polyamorösen Beziehungen oder Familien – und doch ist die Familie von Ariahs Mentor ein bestes Beispiel dafür, wie viel so eine Familienkonstellation allen geben kann. Die meisten Elfen denken in binären Gendern – dass es aber auch ganz anders geht, zeigen die Goldelfen, die einfach nicht unterscheiden, die alle eins sind, auch wenn manche eben andere körperliche Merkmale haben, so wie sich eben auch Haarfarben und Körpergrößen unterscheiden. Menschliche Körper haben je nach Gender so und so zu sein – bei den Elfen sind die Grenzen deutlich fließender, so reagieren auch männliche Elfen auf die Elternschaft, geben z.B. Milch. Mit jedem neuen Konzept, das reguläre – und auch meine! – Annahmen darüber, wie Gesellschaften und Körper funktionieren, über den Haufen warf, wuchs meine Begeisterung.

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„Ariah“ ist Fantasy, wie sie sein sollte – manches wird aus unserer (westlichen) Gesellschaft übernommen und problematisiert, aber Sanders zeigt auch andere Strukturen auf, wie Gesellschaften auch funktionieren können und fordert Leser*innen damit immer wieder auf umzudenken. Es ist auch das erste Mal gewesen, dass ich eine fiktive Geschichte gelesen habe, die sich so sehr wie eine Autobiografie anfühlt. Manchmal wäre etwas mehr Spannung gut gewesen, und definitiv ein paar mehr Erklärungen zu den verschiedenen Elfen, ansonsten gibt’s hier aber eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

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Keine Reihe per se, aber A Matter of Circumstance behandelt einen Teil der Geschichte, den Ariah nicht schildern kann, weil er einfach nicht da ist. Ansonsten gibt es eine Reihe an Kurzgeschichten und den Roman Resistance, die alle in der gleichen Welt spielen, mit „Ariah“ an sich aber nichts weiter zu tun haben.

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2 thoughts on “Ariah | B. R. Sanders

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