George | Alex Gino

balken_blau george_uk_300

Genre: Kinderbuch, Middle Grade, Contemporary
Verlag: Scholastic
ISBN: 978-1-407-15827-3
Preis: £8.99
Erscheinungsdatum: August 2015
Format: Hardcover

Goodreads

When people look at George, they think they see a boy. But she knows she’s not a boy. She knows she’s a girl.

George thinks she’ll have to keep this a secret forever. Then her teacher announces their class play is going to be „Charlotte’s Web“. George really, really, REALLY wants to play Charlotte. But the teacher says she can’t even try out for the part …because she’s a boy.

With the help of her best friend, Kelly, George comes up with a plan. Not just so she can be Charlotte – but so everyone can know who she is.

Content Note:
Es gibt eine gewaltvolle Szene, aber nicht weil Melissa trans ist. Melissa spricht ab und an ihre Dysphorie an. Die Sprache der anderen ist in der Regel nicht transphob per se, aber sehr binär und ciszentrisch, was Melissa ebenso verletzt. Außerdem wird Melissas richtiger Name vom Buch selbst erst gegen Ende verwendet, zuvor ist immer von George die Rede.

Zum Buch:
Ist „George“ ganz große Literatur? Nein. Die Story ist weder besonders spannend oder ausgefallen oder überhaupt neu – ein anderes Buch, „Gracefully Grayson“, läuft ganz ähnlich ab: Protagonistin ist ein junges Mädchen, das trans ist und sie möchte bei einer Schulaufführung die weibliche Hauptrolle übernehmen. Mal abgesehen davon, dass Grayson 12 und Melissa circa 10 ist, gibt es aber einen sehr wichtigen Unterschied: Grayson stammt aus der Feder einer Cisautorin, Alex Gino dagegen ist selber trans und/oder nicht-binär. Ami Polonsky hatte bei ihrer Geschichte sicherlich auch transgender Leser*innen im Kopf, aber „George“ ist zuallererst für diese gedacht. Und vor allem für Kinder, die trans sind.

Deswegen ist es auch gar nicht so schlimm, dass „George“ nicht den ausgefallensten Plot oder den wundertollsten Schreibstil hat. Wir müssen uns einfach mal vor Augen führen, für wen dieses Buch gedacht ist: Melissa ist in der 4. Klasse und „George“ soll vor allem eines: Kindern wie ihr zeigen, dass sie in Ordnung sind, dass sie das hinkriegen, ihnen Mut machen. Und das schafft das Buch wunderbar. Hier geht es nicht um eine spannende Story, es wurde nicht für die geschrieben, die es hauptsächlich zur Unterhaltung lesen würden. Natürlich können wir es lesen und sollten es auch – aber wir sind nicht die primäre Zielgruppe. Und das ist gut so.

„George“ ist sehr einfach erzählt und ein sehr kurzweiliges Buch. Es umspannt gerade mal ein paar Tage und hört auf, wenn noch sehr vieles offen ist. Bei gerade mal rund 200 kleinen Seiten, einem sehr großen Schriftbild und viel Platz zwischen den Zeilen passt auch nicht sehr viel ins Buch. Und so lernen wir Melissa kennen, als Melissa noch ihr privater Name ist, den niemand sonst kennt. Sie schleicht sich nach der Schule mit ihren heimlich ergatterten Magazinen ins Bad und bewundert die dort abgebildeten Mädchen. Sie mag Pink, hätte gerne lange Haare, und der Gedanke daran, einen Rock tragen zu können, bereitet ihr Freude. Bei Grayson wurde deswegen kritisiert, dass sie einem klischeehaften Mädchensein nacheifert, und ich hab’s damals schon gesagt: Kein Wunder. In dieser binären Gesellschaft (in Deutschland wie auch den USA), in der Babys gleich nach der Geburt in Pink und Blau aufgeteilt werden, in der Mädchen ihre eigenen, pink bedruckten Ü-Eier kriegen müssen und in der selbst Erstlesegeschichten mit Piraten und Abenteurern (in blau) für Jungs und mit Prinzessinen und Einhörnern (in pink) für Mädchen veröffentlicht werden … natürlich wendet sich ein Mädchen, dem das Mädchensein verweigert wird, genau diesen Dingen zu. Aber das ist auch nicht alles, für was sich Melissa interessiert, genauso wie andere Mädchen – z.B. Kelly, Melissas beste Freundin und eine zentrale Figur of Color – in der Geschichte nicht immer feminin sind.

In dieser Einfachheit macht dieses Buch vor allem eines sehr gut: Es baut auf. Es ist nicht so, dass Melissa keine Probleme hat. Aber obwohl es eine Szene mit physischer Gewalt gibt, so gibt es die nicht, weil sie trans ist. Es gibt nicht nur eine einzelne Person, die Melissa unterstützt, und bei denen, die negativ reagieren, werden Alternativen aufgezeigt. Eine Person in deiner Familie will es nicht akzeptieren, aber gibt es da noch andere? Gibt es in der Schule Instanzen, die sich für die Sicherheit von LGBTQIA*-Schüler*innen einsetzen? Manche Mitschüler*innen werden nichts Gutes zu sagen haben, aber alle? „George“ ist nicht grausam, aber deswegen nicht unrealistisch oder nicht authentisch. Alex Gino beschreibt hier keinen Idealfall, aber eben auch kein Schreckensszenario – die mag es sicherlich auch geben, aber ganz ehrlich? Als Kind ein Buch vorgesetzt zu kriegen, das dir zeigt, wie schrecklich es wird, solltest du dich outen, hilft auch nicht. Es braucht da eine Balance, eben Bücher, die vor negativen Reaktionen warnen, aber vor allem eben auch die, die aufbauen und informieren. Dank Alex Gino gibt es so ein Buch jetzt, und wir brauchen noch immer mehr davon – dann vielleicht auch endlich für die Kinder und Jugendlichen, die eben nicht schon seit dem 3. Lebensjahr wissen, dass sie trans sind.

04

„George“ ist zuallererst ein Buch für transgender Kinder und als solches sollte es auch gelesen werden – was zu lernen gibt’s für alle, aber Alex Ginos Buch soll vor allem aufbauen und das tut es. Dabei kam keine besonders ausgefallene Story zustande, aber darum geht’s in diesem Fall auch nicht. Daher ist Melissas Geschichte eine sehr notwendige – es wird auch noch deutlich mehr brauchen, aber hiermit ist ein guter Anfang getan.

balken_blau Vor ein paar Tagen erschien „George“ nun auch auf Deutsch. Wenn ihr die Möglichkeit habt, schenkt doch eurer Bibliothek oder ein paar Eltern in der Verwandtschaft/Bekanntschaft eine Ausgabe. 8D

Advertisements

Und ihr so?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s