False Hearts | Laura Lam

balken_blau False Hearts
Reihe: False Hearts #1
Genre: Science Fiction, Thriller
Verlag: Macmillan
ISBN: 978-1-447-28642-4
Preis: £12.99
Erscheinungsdatum: Juni 2016
Format: Hardcover

Goodreads

Orphan Black meets Inception: Two formerly conjoined sisters are ensnared in a murderous plot involving psychoactive drugs, shared dreaming, organized crime, and a sinister cult.

One night Tila stumbles home, terrified and covered in blood.

She’s arrested for murder, the first by a civilian in decades. The San Francisco police suspect involvement with Verve, a powerful drug, and offer her twin sister Taema a chilling deal. Taema must assume Tila’s identity and gather information – then if she brings down the drug syndicate, the police may let her sister live. But Taema’s investigation raises ghosts from the twins’ past.

The sisters were raised by a cult, which banned modern medicine. But as conjoined twins, they needed surgery to divide their shared heart – and escaped. Taema now finds Tila discovered links between the cult and the city’s underground. Once unable to keep secrets, the sisters will discover the true cost of lies.

Content Note:
Es geschieht ein Mord und viele Menschen leben in ihren Träumen Gewaltfantasien aus, was an wenigen Stellen recht detailliert beschrieben wird. Folter wird erwähnt, und es gibt sehr manipulative Charaktere.

Zum Buch:
Habt ihr eure Bücher gerne spannend, diverse und gesellschaftskritisch? Dann ist „False Hearts“ für euch. Hinter dem Titel steckt eine Geschichte, bei der ich sowohl den groben Verlauf als auch die kleinen Details liebe.

Fangen wir mal beim Großen und Ganzen an: Taema und Tilas Geschichte wird aus zweierlei Perspektiven erzählt. Zum einen ist da Taema, die sich nun für Tila ausgeben muss, um aufzuklären, was wirklich hinter diesem Mord steckt. Durch sie verfolgen wir die Gegenwart und decken nach und nach auf, woran Tila gearbeitet hat. Zum anderen ist da Tila, die sich der Vergangenheit widmet und in ihrer Zelle aufschreibt, wie das Leben im Kult, Mana’s Hearth, war, warum sie mit Taema floh und wie sie in San Francisco in alles, was Taema jetzt aufklären muss, verwickelt wurde. Spannung kommt dabei nicht zu kurz: Ob da nun die Frage im Raum steht, ob Tila wirklich eine Mörderin ist, was hinter dieser Tat steckt und wer am Ende da die Strippen zieht … Hinweise sind im Text immer wieder zu finden und die Auflösung ist nicht gänzlich überraschend, wenn aufgepasst wird, aber manche Details haben trotzdem das Potential, euch kurz aus den Socken zu hauen. So oder so, die Beziehung der zwei Schwestern ist ein zweiter zentraler Punkt der Geschichte und wird hier absolut auf die Zerreißprobe gestellt. Letztendlich lernen wir Taema deutlich besser kennen als Tila, aber wie wichtig sie einander sind, wird trotzdem klar. Selbst wenn die Ermittlungsgeschichte nicht sehr interessant wäre, das Lesen lohnt sich schon für die Frage, wie T und T am Ende zueinander stehen werden.

Womit wir beim zweiten Punkt wären. Dem Buch ist wunderbar anzumerken, dass Laura Lam weiß, wovon sie schreibt, und dass sie sich informiert hat. Tila beispielsweise ist eine Sexarbeiterin, was im Buch zum einen überhaupt nicht verdammt wird, und zum anderen hat sich die Autorin Feedback tatsächlicher Sexarbeiter*innen eingeholt, damit sie kein Klischeebild präsentiert. Und so ist es am Ende auch viel nuancierter als alles, was sonst dazu geschrieben wird (Bücher von tatsächlichen Sexarbeiter*innen mal ausgenommen). Mit solchen kleinen Details wird auch immer wieder unsere eigene Zeit kommentiert und kritisiert. Sexualität ist deutlich fließender, weswegen sowohl Taema als auch ihr Detektivpartner problemlos mit Menschen verschiedener Gender flirten und da sind sie nicht die Einzigen. (Taema und Tila sind bisexuell, bei anderen Charakteren kommt es nicht zur Sprache.) Außerdem: Als die Polizei vorbeikommt ist die erste Person eine Offizierin, und immer wieder werden so Genderrollen ignoriert: Es gibt eine Ärztin, der Krankenpfleger („nurse“) ist ein Mann, in der Werbung sind Frauen abgebildet, wie sie davon träumen, in Rüstung Monster zu bekämpfen und Athletinnen zu sein. Im Club, in dem Tila arbeitete, taucht eine Kollegin von ihr mit einer muslimischen Frau als Klientin auf, polyamoröse Beziehungen sind ganz normal und werden ohne mit der Wimper zu zucken hingenommen, der Schwarze Polizist wird als unbedrohlich beschrieben, weil er sehr jung wirkt – während bei uns gerade Schwarze Jungen angeblich besonders bedrohlich wirken sollen und selbst dann als „Männer“ bezeichnet werden, wenn sie noch Kinder sind.

Tila und Taema selbst sind ebenfalls Schwarz, mit einem weißen Elternteil, andere wichtige Figuren sind die japanisch-amerikanische Forscherin Dr. Kim Mata und der aus der Türkei stammende Detective Nazarin. Hier sind endlich mal die weißen Figuren in der Unterzahl – eine Polizistin gibt es da, glaube ich, und das Opfer. (Und die Autorin, sollte dazugesagt werden.) All diese Sachen (und noch einige mehr) fließen ganz natürlich in die Geschichte mit ein, werden nie hinterfragt oder angezweifelt, sodass ich schon ganz happy werde, wenn ich nur daran zurückdenke.

Was den SciFi-Aspekt angeht, ich fand ihn nicht sehr stark ausgeprägt, auch wenn wir eigentlich an jeder Stelle daran erinnert werden, dass „False Hearts“ in der Zukunft spielt. Identifiziert werden Menschen über einen Identitätschip, Gehirne werden künstlich optimiert, Nachrichten und dergleichen werden direkt auf die Netzhaut projiziert, und die Schönheitschirurgie ist so weit fortgeschritten, dass innerhalb weniger Stunden ein ganzes Gesicht verändert werden kann, und das ohne geschwollene Schnittstellen später. Hey, es kann sogar die DNA verändert werden, sodass dein Haar direkt in der Wunschfarbe nachwächst. Aber wie mit allem anderen fließt das ganz natürlich mit ein und wird nicht ständig betont oder übermäßig erklärt, es ist einfach mit da. Der größte Aspekt ist dann wirklich der, der auch im Laufe der Ermittlungen eine größere Rolle spielt: Menschen können sich dank einer Substanz namens Zeal in Traumwelten begeben – auch gemeinsam – und dort ihre Fantasien ausleben. Im Vergleich wird manchmal Inception angesprochen – Zeal ist der Grund dafür, und so in etwa könnt ihr euch das auch vorstellen.

Wirklich gestört hat mich nichts, höchstens die eine oder andere unbeantwortete Frage am Ende, die aber auch Sachen sind, die die Protagonistin einfach nicht wissen kann. Alternativ hätten ihre Gegenspieler*innen am Ende einen Monolog halten müssen, in dem sie detailliert erklären, warum sie tun, was sie tun, ganz wie sich das für viele Film-Bösewichte gehört. Da bin ich aber nicht traurig, dass es dazu nicht gekommen ist. Da wäre dann höchstens noch das Ende, das ein wenig … abgedreht wurde, wie das in Träumen eben manchmal so läuft. Ich muss ehrlich zugeben, manches hab ich dann einfach nur noch hingenommen und nicht hinterfragt. Hat mich persönlich freilich weniger gestört.

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Ah, Laura Lam, sie kann es ja wirklich richtig gut. „False Hearts“ überzeugt mit einer spannenden Geschichte, sowohl was den Mordfall als auch die Beziehung der Schwestern angeht. Hier wird nicht nur gut unterhalten, sondern auch Kritik an unserer gegenwärtigen, westlichen Gesellschaft geäußert und ich habe jeden Aspekt davon geliebt.

balken_blau

Heyne hat sich die Rechte an der deutschen Ausgabe gesichert, aber wann diese erscheinen soll, weiß ich leider nicht. Eine Fortsetzung, Shattered Minds, ist für 2017 angekündigt. Laut der Tags der Autorin wird es dort um Serienkiller gehen.

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One thought on “False Hearts | Laura Lam

  1. Pingback: 2016 – wie war’s? | Muh, das Telefonbuch

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