Harry Potter and the Cursed Child | Jack Thorne, John Tiffany

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Ein Theaterstück scheidet die Geister – ist es gut? Ist es schlecht? Ist es notwendig? Sind das wirklich noch die alten Charaktere? Ich will auch gar nicht so viel zum Inhalt sagen, weil a) schon einiges gesagt wurde, was das Ganze gut zusammenfasst und b) Spoiler ja immer noch vermieden werden sollten. Deswegen geht’s nachher kurz um den Inhalt, aber zunächst würd ich dann doch lieber über die Produktion des Stückes sprechen.

Und Holla, die Waldfee.
Ich muss zugeben, dass ich die Schauspielerei nur bedingt einschätzen kann, da die Sitze von Alisa, meiner treuen Assistentin, und mir sehr, seeeehr weit oben waren. Wer Höhenangst hat, wäre da oben nicht gut aufgehoben gewesen. Von daher ließen sich Gesichter auf der Bühne nicht wirklich erkennen und ohnehin waren die Leute eher von schräg oben zu sehen. Aber rein vom Hören und eingeschränkten Sehen her? Wunderbare Leistungen rundherum. Zumindest darauf bezogen, was ihnen die Charaktere so, wie sie geschrieben wurden, an Möglichkeiten geboten haben. Die eine oder andere Figur war ein bisschen überzogen, und ich muss zugeben, dass ich mich von Anthony Boyle (Scorpius) anfangs ein bisschen angebrüllt fühlte, was aber lediglich daran lag, dass er eine recht heisere Stimme hat. Nach einer Eingewöhnungsphase war auch das egal und ich konnte seinen Charakter genauso ins Herz schließen wie so ziemlich alle anderen, die mit der Geschichte vertraut sind.

Worin aber die große Stärke des Stücks liegt, ist die Machart, die Produktion. Im Buch gibt’s das ja nun überhaupt nicht und ich denke wirklich, dass es einigen im Gesamtpaket dann doch besser gefallen hätte. Bleibt zu hoffen, dass irgendwann eine DVD des Stückes erscheint, damit auch alle in den Genuss kommen, das Stück zu sehen.
Wir starten bei King’s Cross, wo bekanntermaßen junge Schüler*innen den Zug nach Hogwarts nehmen. Im Stück starten sie in Muggelkleidung – mit einer Drehung um sich selbst schweben dann aber plötzlich die Hogwartsroben um sie herum und von meinem Platz aus wirkte es fast wirklich wie Magie.

Das gilt für vieles. Im Grunde können wir uns hier und da denken, wie diese Effekte erreicht wurden. Die Hogwartsroben waren dann wohl unter der Muggelkleidung und wurden beim Drehen übergeworfen. Bei Szenenwechseln scheinen Schüler*innen die Stühle auf der Bühne unter ihren Umhängen verschwinden zu lassen, aber bei Tischen war dann offensichtlicher, dass die Umhänge wieder nur geschickt drüber geworfen werden, während sie die Requisiten wegschieben/-tragen. Papiere, die chaotisch auf einem Tisch lagen und zur Ordnung gezaubert werden, waren eventuell mit Magneten bestickt … aber selbst dann ist es einfach wundersam, wenn Charaktere die Gestalt wandeln und die zweite Person zuvor auf der Bühne nicht zu sehen war. Wenn eine Person scheinbar körperlos in etwas hineingesaugt wird. Wenn Magie das Umfeld so stark beeinflusst, dass die ganze Bühne, alle Requisiten sich wellenartig zu bewegen scheinen, obwohl sie mit 100%iger Sicherheit vollkommen fest und stabil sind. Und noch so vieles mehr! Hier kam einfach wirklich die Magie zu Tage, die sich viele wohl vom Stück allgemein versprochen hatten.

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Ab hier folgen Spoiler zum eigentlichen Inhalt des Stückes. Falls ihr die noch immer vermeiden wollt, hört hier auf zu lesen.

Im Grunde wurde schon alles irgendwo zum Stück gesagt. Gerade weibliche Charaktere werden ziemlich an den Rand gestellt (hätten sie Ginny mal mehr Ginny sein lassen, hätte Harry auch weniger Mist gesagt) – Rose existiert ja quasi nur dazu, dass andere einen Crush auf sie haben. Manches Verhalten ist reichlich OOC (Harrys Vollüberwachungsanwandlungen anyone?), wobei ich da auch sagen muss, dass das auch einfach am Geschehen liegen kann – nach dieser ersten Zeitreise waren so einige Charaktere ja ein wenig anders, ansonsten ließe sich auch nicht erklären, warum Hermine auf einmal Schüler*innen tätlich angreift. Ron dagegen wurde zum reinen Kasper degradiert, der zwar witzig war, nur war er das in den Bücher auch so schon. Der Plot an sich … ja, da läuft die willentliche Aussetzung der Ungläubigkeit zu Hochtouren auf. Schon was Albus‘ Komplexe angeht, denn ganz ehrlich? Er ist ja nicht mal das erste Potterkind nach Harry auf der Schule. Das negiert andere Details nicht, aber der Gute macht da so ein Trara raus, das nicht gänzlich nachvollziehbar ist. Wurde alles schon gesagt und ich kann da allem nur zustimmen.

Ganz verwehren konnte ich mich der Geschichte trotzdem nicht. Zum Teil lag es wohl einfach daran, dass ich das alles auf der Bühne statt auf dem Papier mitverfolgen konnte. Aber es gab auch schlichtweg spannende Elemente. Zeitreisen und ihr Einfluss? Da sag ich doch niemals Nein. Und ich fand es sehr schön, dass sich das Stück näher mit Dumbledores und Harrys Beziehung auseinandersetzt, damit dass Dumbledore kein unfehlbarer Charakter war, dass all das noch immer einen großen Einfluss auf Harry hat. (Schade nur, dass sich mal wieder alle um ein paar Ecken biegen, damit Snape als supertoller Held dasteht.) Diese Momente sind es dann auch, die mitreißen können und, in meinem Fall, zu Tränen rühren. Zwei von Harrys Szenen haben mich tatsächlich zum Weinen gebracht.

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Ich werd das Buch auch weiterhin nicht lesen und als herkömmlicher Prosatext hätte die Geschichte so, in dieser Form, definitiv nicht funktioniert. Sollte ich aber die Möglichkeit bekommen, das Stück noch einmal (vergleichsweise günstig) sehen zu können, ich würde nicht zögern.

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7 thoughts on “Harry Potter and the Cursed Child | Jack Thorne, John Tiffany

  1. Oh wow, du hast das Buch vorher nicht gelesen? Hast du dich gespoilert oder war das Stück für dich komplett neu?
    Ich kann mir vorstellen, dass die Inszenierung schon ne Menge hermacht. Kritik am Inhalt hin oder her, wenn man im Theater sitzt und alles mit Musik, Bühne, Kostümen und Atmosphäre mitverfolgt, entwickelt das schon immer seinen ganz eigenen Zaubern :)

    • Ich hatte mich anfangs bewusst gespoilert. :D Hatte keine Lust, das Buch zu lesen, aber Freundinnen waren so entsetzt von Spoilern, die sie gelesen haben, da wurde ich nach ein paar Tagen zu neugierig und hab auch mal reingelesen. xD Hatte vieles bis zum Gucken dann aber auch einiges schon wieder vergessen … aber wirkliche Überraschungen gab’s dann für mich nicht. :)
      Jaaaa! Wie gesagt, die „Special Effects“ waren richtig, richtig klasse. Ich komme ins Schwärmen, wenn ich nur dran denke. xD Aber es war wirklich sehr cool, beim ersten „Magiemoment“ ging so ein kleines „oh“ durch’s Publikum und danach fühlte es sich prompt schon viel mehr wie eine Pottergeschichte an. <3 Deswegen hoffe ich echt, dass da irgendwann eine DVD kommt. Da geb ich dann gerne wieder Geld für auch.

      • Ich glaube, wenn man es so mit Publikum sieht, macht das auch noch mal einen Unterschied, so dieses Gruppengefühl. So ne DVD wird das bestimmt nicht vermitteln können :/ aber wäre immerhin schön für die, die es interessiert und denen die Möglichkeiten fehlen das Stück vor Ort anzuschauen.

      • Und für die, die es schon kennen, aber zu weit weg saßen, um Gesichter sehen zu können. :’D Aber stimmt schon, auf DVD wirkt das alles sicherlich noch mal anders. Aber es wäre definitiv besser als nichts und viel andere Wege (außer vielleicht eine Ausstrahlung im Kino, aber mediummäßig läuft das ja schon eher auf das Gleiche drauf hinaus) gibt es ja leider nicht, das Stück möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen. Außer sie touren dann durch den Rest der Welt. xD

      • Oh, Kino ist doch aber eine hervorragende Idee! Das gibt es dochsogar manchmal schon von Konzerten, Opern und Theaterstücken. Warum haben die das denn nicht gemacht???

      • Ich würde mal vermuten, dass sie das Stück zumindest in der ersten Aufführungsperiode erst mal durchlaufen müssen, damit die, die Tickets haben und extra anreisen (können), das dann auch als erstes sehen? Und danach werden vielleicht solche Sachen noch geplant. Wäre meine Vermutung. D:

Und ihr so?

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