Changers | T Cooper, Allison Glock

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Reihe: Changers #1-3
Genre: YA, Contemporary mit einem Schuss Fantasy
Übersetzer: Manuela Knetsch (Band 1-2), Ulrike Brauns (Band 3)
Verlag: Kosmos
ISBN: 978-3-440-14362-9, -14363-6, -15114-3
Preis: 16,99€
Erscheinungsdatum: Feb 2015, Aug 2015, Sep 2016
Format: Hardcover

Goodreads

Der 14-jährige Ethan wacht eines Morgens als Mädchen auf und plötzlich ist alles anders.

Ethan ist jetzt Drew. Sie erfährt, dass sie ein Changer ist – einer von wenigen Menschen, die viermal ihre Identität wechseln, bevor sie sich für eine entscheiden müssen.

Die Gebote der Changers sind streng: Vertraue dich niemandem an. Missbrauche nie die Macht, die dir gegeben wurde. Doch vor allem: Verliebe dich nie, aber auch wirklich nie, in einen anderen Changer …

Content Note:
Als Drew erlebt d*ie Protagonist*in zum ersten Mal Alltagssexismus am eigenen Leib, das Buch thematisiert außerdem eine versuchte Vergewaltigung. Als Oryon sieht sich d*ie Protagonist*in zum ersten Mal Rassismus, den entsprechenden Mikro-Aggressionen und polizeilicher Gewalt ausgesetzt. Als Kim wird d*ie Protagonist*in Opfer von Fat Shaming und kämpft mit einer wachsenden Depression (aus anderen Gründen als ihrem Gewicht, wobei die Reaktionen anderer darauf durchaus Einfluss haben). Diverse Organisationen sind von Cissexismus und Heteronormativität gekennzeichnet.

Zum Buch:
Es war ein langer Weg, bis ich endlich bei Changers ankam und von Anfang an gab es immer wieder Details, mit denen ich so einige Probleme habe. Lohnt es sich trotzdem? Und wie. Es ist schon lange her, dass ich eine Buchreihe hatte, bei der ich die Bände allesamt geradezu eingeatmet habe.

Die Ausgangssituation von „Changers“ könnte besser eigentlich nicht klingen: Eine Person wechselt viermal die Identität und wählt am Ende eine davon, um für immer als diese Person zu leben. Eigentlich die ideale Chance, um gesellschaftliche Strukturen zu unterwandern und zu hinterfragen. Welche Privilegien haben wir, die uns zuvor vielleicht gar nicht aufgefallen sind? Wer sind wir, wenn sich unser Körper komplett verändert, welchen Einfluss hat das auf uns? Wie wirkt sich das auf unsere Gefühle aus, auf unser Selbstverständnis? Die Reihe geht diesen Fragen bisweilen nach – manches bleibt aber komplett außen vor oder wurde zumindest noch nicht angesprochen.

Ein bisschen Hoffnung habe ich diesbezüglich noch für den letzten Band. Während der ersten beiden Bände hatte es mich doch arg gewundert, dass die Diskussionen von Gender doch eher ciszentrisch (obwohl es sich in dieser Hinsicht auch um ein #ownvoices-Buch handelt, T Cooper ist trans) und binär blieben. So wechseln die Changers scheinbar immer nur von männlich zu weiblich oder umgekehrt und das ist an ihre entsprechenden Körper gebunden: Drew ist ein Mädchen, weil sie die „entsprechenden“ Genitalien hat. Oryon ist daher dann auch ein Junge und Kim wieder ein Mädchen. Band 3 spricht zum ersten Mal Alternativen an – nur im Kleinen, aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Was mir noch größere Sorgen macht, ist, wie klischeehaft die Gender teilweise dargestellt werden. Teilweise musste ich mich schon fragen, ob Autor und Autorin vergessen haben, worum es in ihrem Buch eigentlich geht. Da kann Drew plötzlich kein Skateboard mal fahren, obwohl Ethan es liebte. Angeblich, weil sie jetzt Links- statt Rechtshänderin ist, aber das hat sie auch nicht davon abgehalten zu schreiben, warum sollte sie nicht wieder lernen, mit dem Skateboard zu fahren? Und kaum wird sie Oryon, kehrt das Skateboard zurück. Oryon ist auch ganz zufällig weniger nah am Wasser gebaut als Drew. Warum? Weiß der Henker. Sinn ergibt es jedenfalls nicht.

Und trotzdem … und trotzdem. Es ist letztendlich nicht so, als würde die Reihe nichts kritisch hinterfragen. Nicht so viel, wie sie sollte und könnte, aber die Bücher setzen sich mit den widersprüchlichen und heuchlerischen Standards unserer westlichen Gesellschaft auseinander und kritisiert, dass sich so viele Menschen immer noch der irrigen Vorstellungen hingeben, dass wir das Schlimmste überwunden hätten. Und diese Bücher wurden geschrieben, bevor die Öffentlichkeit einen unübersehbaren Rechtsdreh hingelegt hat, der trotzdem noch ignoriert wird. „Changers“ hat einen Blick darauf, was die Erwartungen und Reaktionen anderer mit uns machen und auf welche Art und Weise Menschen aus völlig willkürlichen Gründen noch immer diskriminiert werden – und warum selbst „kleine“ Manifestierungen von Vorurteilen immer noch schlimm und falsch sind.

Abgesehen davon können die Bücher auch unglaublich witzig sein. D*ie Protagonist*in ist nicht perfekt – Ethan ist anfangs selbst noch ziemlich sexistisch drauf und als Drew hinterfragt sie die Organisation, die hinter den Changers steht, nie und nimmt alles hin, was ihr vorgekaut wird. Aber wir haben es hier mit einem sarkastischen Charakter mit losem Mundwerk zu tun, der außerdem bereit ist zu lernen, da lassen spaßige Momente nicht allzu lange auf sich warten. (Zugegeben, manchmal braucht es einen seltsamen Humor. Wenn sich Drew zum Beispiel mit dem T-Shirt die Nase putzt, weil das Klopapier zu dünn ist, statt einfach mehrere Lagen zusammenzufalten … da werden nicht alle drüber lachen können.)

Was mich letztendlich aber am meisten von den Büchern überzeugt hat, waren die Charaktere … oder zwei. Die Nebencharaktere haben die Tendenz, außen vor gelassen zu werden und das ist in vielen Fällen mehr als schade, weil da ganze Plotpoints in der Luft hängen bleiben. Drew/Oryon/Kim und Audrey dagegen … Audrey ist eine Mitschülerin de*r Protagonist*in, welche wiederum von Anfang an an Audrey und Chase, einem anderen Changer, interessiert ist. Und was soll ich sagen? I ship it. I ship it so hard. Drew und Audrey sind eine Romanze, bei der ich sofort mitgehen kann. Die beiden sind Freundinnen und aus dieser Basis entsteht noch etwas anderes, ich hab selten so stark mitgefiebert, dass sich zwei Personen doch endlich ihre Gefühle füreinander gestehen. Und dann bleibt natürlich die Frage: Ist Audrey lesbisch oder fühlt sie sich auch zu anderen Gendern hingezogen? Für welche Identität wird sich d*ie Protagonist*in am Ende überhaupt entscheiden? Sollten Audreys Gefühle nur für Drew sein und sollte das am Ende die richtige Identität sein, können die beiden nach drei Jahren da weitermachen, wo sie aufgehört haben? Letztendlich lebt die Geschichte auch ein bisschen durch dieses Ship, denn eine Handlung außerhalb der High School gibt es nur bedingt, auch wenn da durchaus etwas vor sich geht. Für mich hat das gut funktioniert und ich kann den vierten Band kaum erwarten.

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Die Romane könnten kritischer und subversiver sein, das Material gibt das deutlich her. Ein bisschen was wird in diese Richtung auch gemacht und manch eine*r könnte hiermit zum Nachdenken angeregt werden. Außerdem überzeugen Humor und Hauptcharaktere der Reihe. Zu kritisieren hätte ich eigentlich viel, aber wenn ich einmal am Lesen bin, kann ich auch nicht mehr aufhören und bin mit Spaß bei der Sache. Sind die Bücher deswegen perfekt? Nein, aber sie haben doch deutlich mehr zu bieten als andere ihres Genres und wer mal wieder ein tolles Paar und eine Romanze zum Mitfiebern sucht, ist hier genau richtig.

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Es ist wieder Zeit für den Disclaimer: Ich bin seit Oktober 2016 selbst beim Verlag tätig. Weder diese Besprechung noch mein Blog allgemein stehen in Verbindung zum Verlag. Es handelt sich hier nach wie vor um mein Hobby und alle meine Beiträge spiegeln meine ehrliche und unabhängige Meinung wider.

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3 thoughts on “Changers | T Cooper, Allison Glock

  1. Ich hab noch nie was von den Büchern gehört (obwohl mir das Originalcover doch irgendwie bekannt vorkommt). Krass, dass die es sogar alle 3 in die deutsche Übersetzung geschafft haben. Wobei sie jetzt nicht so klingen als wenn ich sie gern lesen würde. Dafür sprichst du mir doch von zu viel verschenktem Potenzial.

    • Ich glaube, die Bücher fliegen auch ziemlich unter dem Radar. Ich hatte ein, zwei Mal von den englischen Titeln gehört und auf meine Liste gesetzt und selbst da nicht mitbekommen, dass es da schön längst Übersetzungen gab. Erst als ich dann meine Kosmosrecherchen begann, um meine Bewerbung vorzubereiten, hab ich bemerkt, dass es Übersetzungen gibt … hatte mich auch sehr (positiv) überrascht.

      Hmmm, dä wär ich nicht ganz so sicher. Also, klar, da sind die allgemeinen Mädchen-Jungen-Sachen und es ist zum Großteil eine High-School-Story, da muss mensch Lust drauf haben. Aber das verschenkte Potential sehe ich vor allem bei der Gesellschaftskritik – die trotzdem da ist, aber nicht so scharf, wie ich das gerne hätte. Aber bei sowas hör ich auch oft, dass es den Leuten zu preachy ist, während ich das genau richtig und angebracht finde, weil viele sonst eher lernresistent sind. Die Preachiness fehlt hier, was für mich ein Minuspunkt ist, für andere dann vielleicht ein Pluspunkt. 8D

      • Auf Moralkeule stehe ich zwar auch nicht, aber es klingt irgendwie schon zu lasch. Und über die Highschoolstory bin ich eh hinaus. Ich glaube das würde mich nur annerven ;D

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