The Hate U Give | Angie Thomas

balken_blau

Genre: Contemporary
Übersetzer*in: Henriette Zeltner
Verlag: Walker Books
ISBN: 978-1-406-37728-6
Preis: £7.99
Erscheinungsdatum: Februar 2017
Format: Paperback

Goodreads

„What’s the point of having a voice if you’re gonna be silent in those moments you shouldn’t be?“

Sixteen-year-old Starr lives in two worlds: the poor neighbourhood where she was born and raised and her posh high school in the suburbs. The uneasy balance between them is shattered when Starr is the only witness to the fatal shooting of her unarmed best friend, Khalil, by a police officer. Now what Starr says could destroy her community. It could also get her killed.

Content Note:
Rassismus, anti-Schwarze Gewalt, „Slut“-Shaming

Zum Buch:
Mein erstes Fazit zu „The Hate U Give“ war damals schnell geschrieben: Fuck, that book. Einfach, weil es sich hier um ein unglaublich eindrucksvolles und umso wichtigeres Buch handelt. Und manchmal, wenn wir über etwas Tiefgreifendes stolpern, dann fehlen uns die Worte. Und deshalb: Fuck, … that book!

Angie Thomas nimmt sich hier eines aktuellen Themas an – in den USA, in Deutschland, und noch vielen Ländern mehr. Ein Thema, das sie selbst direkt betrifft und mit ihr Millionen anderer Menschen: Rassismus.

Rassismus in großen und kleinen Formen. Zuallererst ist da natürlich Starrs bester Freund Khalil, der allein aufgrund seiner Hautfarbe von einem Polizisten ermordet wird. Aber auch in den kleinen Momenten finden sich Handlungen, die Außenstehende erst einmal nicht als Rassismen wahrnehmen (wollen) würden: Wenn Starrs Mitschüler*innen erwarten, dass sie mit dem einzigen anderen Schwarzen Mitschüler zusammenkommt. Starrs Code-Switching, das Wechseln zwischen verschiedenen Dialekten in verschiedenen Kontexten: AAVE* (African American Vernacular English) mit ihrer Familie, „Standardenglisch“ in ihrer Schule, damit sie von ihren Mitschüler*innen und Lehrer*innen ernstgenommen wird. Wenn Starr ihre Persönlichkeit unterdrücken muss, damit sie „nett“ wirkt und nicht als „Angry Black Woman“ gesehen wird.

Das Buch weist gleichermaßen das Falschsein dieser Mikroaggressionen auf und zeigt den Schrecken der Haupthandlung. „The Hate U Give“ ist eine Geschichte über rassistische Brutalität und Ungerechtigkeit: Schwarze Menschen werden von weißen Menschen aufgrund von rassistischen Vorurteilen umgebracht. Das trifft Jugendliche wie Khalil, oder außerhalb der fiktionalen Story: wie Mike Brown. Das trifft Kinder wie Tamir Rice, welcher gerade einmal 12 Jahre alt werden durfte. In allen Fällen sollen sie selber Schuld gewesen sein, weil sie sich z.B. angeblich aggressiv verhalten oder Drogen gedealt hätten, in Gangs gewesen wären.

Und manchmal haben sie einige dieser Dinge getan. Menschen sind nicht perfekt. Manche Menschen, so wie die Charaktere im Buch, haben Falsches getan, oder moralisch Fragwürdiges. Aber es sind Menschen. Mal abgesehen davon, dass ihre Fehler nie der tatsächliche Grund sind, warum sie ermordet werden, diese würden die Tat auch niemals rechtfertigen. Khalil hat Drogen gedealt. Aber nicht, als er und Starr den Polizisten antrafen, und selbst wenn: Darauf darf es keine Todesstrafe geben. Und trotzdem ist dieses Victim Blaming essenzieller Teil unserer Gesellschaft, und ebenso etwas mit dem sich Starr konfrontiert sieht.

Gleichzeitig ist so viel Liebe in diesem Buch. Starrs Liebe zu ihren Freund*innen**, ihrer Familie, ihrer Nachbarschaft. Es ist eine Gemeinschaft, in der Menschen füreinander einstehen und auch darauf bestehen, dass das getan wird; auch weil klar ist, dass viele außerhalb dies nicht tun werden.
Auch Starrs Familie tut unglaublich viel, für die Gemeinschaft, für ihre Kinder und Familie. Sie wollen Starr unterstützen und beschützen: generell und wenn sie vor der wohl schwierigsten Entscheidung ihres Lebens steht. Zu sprechen oder zu schweigen, sollte eine schnelle Entscheidung sein, nicht aber für sie als Schwarzes Mädchen, das sich umso mehr Hass aussetzen würde, sollte sie sich gegen die mediale Darstellung von Khalil aussprechen.
Das Buch setzt hier ein klares Zeichen gegen Stereotype und Vorurteile gegenüber Schwarzer Menschen, Familien und Gemeinschaften. Wir müssen nur zuhören.

Das Einzige, was ich tatsächlich bemängeln könnte, wäre gelegentliches „Slut“-Shaming, das einer (ehemaligen, wenn ich mich recht entsinne) Sexarbeiterin gegenüber gezeigt wird. Es ist enttäuschend, dass dies nie hinterfragt wird, zumal es durchaus Gründe gibt, diesen Charakter zu kritisieren – nicht aber dafür.

Angie Thomas hat hier ein Buch geschrieben, dass die Wahrheit vieler Menschen widerspiegelt, die sonst ignoriert wird. Vieles davon wird weißen Leser*innen, vor allem in Deutschland, noch neu sein. Nicht aber, weil unsere Gesellschaft nicht genauso auf Rassismus aufbaut – das machen wir Weißen uns hier nur gerne vor. Von daher meine Bitte: Lest das Buch, falls ihr es noch nicht getan habt, empfehlt es weiter, gebt es weiter. Ich hab selten ein Buch angetroffen, dass den Hype so sehr verdient hat.

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*Zum Thema AAVE noch kurz: An einigen Stellen (nicht im Buch) habe ich es als „Slang“ beschrieben sehen. Das ist es nicht. Ein Slang ist inhärent informell und beschränkt sich vor allem auf einzelne Wörter und Phrasen; und oftmals impliziert Slang, dass es sich hier um ein „Tabuwort“ handelt. AAVE ist ein Dialekt des amerikanischen Englischen mit eigenen grammatischen, phonologischen und lexikalischen Merkmalen.

**Nicht du, Hailey, du kannst dich verpissen.

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