Bi Visibility Day 2017

Disclaimer: Die Bücher im Bild sind keine Bi-Bücher, ich hab sie nur wegen der Farben ausgewählt. (Außer ich hab vergessen, dass Nebencharktere bi/pan/queer (bpq) sind, was bei „Juliet Takes a Breath“ tatsächlich der Fall sein könnte.)

Seit 1999 ist der 23. September ist Bi Visibility Day, das heißt, seit genau 18 Jahren seid ihr einmal jährlich in der Lage, mich wahrzunehmen! Meine Existenz wird volljährig!

Aber mal Scherz beiseite, heute geht es darum, Bisexualität (sowie Biromatizität und bpq-Menschen) anzuerkennen, die Menschen zu feiern – ob ihr nun Teil der Community seid oder nicht. Nicht etwa, weil wir es so super geil fänden, einen Tag Beachtung für uns zu beanspruchen, sondern weil trotz der Fortschritte Bisexualität oft ignoriert wird. Das zeigt sich in vielen kleinen Dingen: Frauen, die bi sind, sind ja eigentlich hetero, und Männer eigentlich schwul, so der Mythos. (Sexuelle/Romantische) Beziehungen zwischen Frauen sind lesbisch, zwischen Männern schwul und bisexuelle Menschen wechseln sowieso ständig ihre Sexualität, je nachdem mit wem sie zusammen sind. Es ist alles unglaublich binär und für viele hat es deutlich ernstere Konsequenzen.

Und darum gibt es diesen Tag. Ein Schritt in die richtige Richtung ist es, Vorbilder und Charaktere zu haben, die bi sind – in allen Facetten, Formen und Lebenslagen. Nun ist mir aufgefallen, dass ich euch nie explizit meine liebsten Bi-Bücher genannt habe, das soll sich hiermit ändern. Und weil ich eine dieser egozentrischen Bisexuellen bin, sind es tatsächlich nur Bücher mit bisexuellen Charakteren. Without further ado:

Bi: Notes for a Bisexual Revolution, Shiri Eisner
Ein Buch von einer bisexuellen Person für bisexuelle Menschen: Shiri Eisner wirft einen Blick auf Bisexualität; politisch, gesellschaftlich, persönlich. Ein guter Einstiegstitel für alle, die noch überlegen, und eine ebenso fantastische Ressource für alle, die sich schon sicher sind. Oder, um es mit dem Klappentext zu sagen: „Bi is a radical manifesto for a group that has been too frequently silenced, erased, and denied—and a starting point from which to launch a bisexual revolution.“

Far From You, Tess Sharpe
Ein Thriller der emotionalen Art: Mina ist Sophies beste Freundin, und das Mädchen, das sie liebt – was erwidert wird, doch nun ist Mina tot. Angeblich starb sie bei einem Drogendeal, den Sophie initiierte; dass das nicht stimmt, möchte ihr aber kein Mensch glauben. Und so muss Sophie nach Monaten des Entzugs, obwohl sie keinen Rückfall hatte, die Ermittlungen selbst in die Hand nehmen. Sophie ist bisexuell und einen großen Teil des Buches macht auch ihre Beziehung zu Mina aus, und was es für sie heißt, bisexuell zu sein. Besonders gut hat mir gefallen, dass betont wird, dass wir keine Wahl darin haben, von wem wir uns angezogen fühlen und uns als Frau z.B. nicht einfach für einen Mann entscheiden können.
CN: Mina ist lesbisch, daher bedient das Buch insofern den Dead Lesbian Trope. (Sie stirbt nicht wegen ihrer Sexualität.)

Not Otherwise Specified, Hannah Moskowitz
Etta ist so einiges: bisexuell, Ballerina, magersüchtig; Probleme bringt ihr das viele: Ausschluss von ihren lesbischen Freundinnen. Ablehnung, weil sie Schwarz ist. Unglauben, weil sie nicht „dürr genug“ ist. Und warum? Weil ignoriert wird, dass sie so viel mehr ist. Weil ignoriert wird, dass diese Wörter so viel mehr bedeuten, als die Klischeebilder in den Köpfen.
Hannah Moskowitz‘ Buch ist nicht in jeder Hinsicht ein own-voices-Buch, aber es spricht sich deutlich dafür aus, sich selbst und den eigenen Weg zu finden.

Prosperity, Alexis Hall
Keine Comedy, aber trotzdem verdammt witzig, das ist Alexis Hall Steampunk-(Erotik-)Geschichte, die nicht wirklich einen roten Faden in der Story stecken hat, aber das macht hier auch nichts. Das Buch lebt von seinen Charakteren, allen voran Piccadilly, seines Zeichens der bisexuelle Charakter, über den ich auf das Buch aufmerksam wurde. „Carpe fucking diem“, ist sein Motto und das Buch bringt das wunderbar rüber.
CN: Voyeurismus

False Hearts, Laura Lam
Hmhmmmm, schon wieder ein Thriller mit bisexueller Hauptfigur! Vielleicht funktionieren die einfach gut? In dem Fall geht es um Taema, die die Rolle ihrer Zwillingsschwester Tila übernehmen muss, nachdem diese wegen Mordes festgenommen wurde. Sie soll Informationen über ein Drogenkartell sammeln, mit dem Tila angeblich in Verbindung stand. Sollten ihre Informationen gegen das Kartell verwendet werden können, kommt ihre Schwester frei. Hierbei handelt es sich tatsächlich mal um eine Story, in der das Bi-Sein ganz nebenbei Teil der Geschichte ist; wichtig, aber nicht im Zentrum. Auch mal sehr erfrischend!

Honourable mentions, in denen es vielleicht nicht explizit erwähnt wird oder in denen es um bpq Charaktere geht oder die ich noch nicht gelesen habe, die aber fantastisch zu werden versprechen:
Legend of Korra: Turf Wars: In der Serie durften Korra und Asami nicht mal einen Kuss teilen, now it’s their time to shine. Wenn jetzt nur mal mein Exemplar ankommen würde! Im Oktober vielleicht endlich. >:(
Ariah: Hinterfragt wird hier vieles: Sexualität, Gender, Rollen in der Gesellschaft – in einem Fantasy-Setting, das seinem Namen alle Ehre macht. Ein ungewöhnliches Buch!
Out On Good Behaviour: Endlich mal eine pansexuelle Protagonistin! Dazu eine spaßige Liebesgeschichte mit einem Schuss Erotik.
Ramona Blue: Viele Themen finden sich hier wieder, vor allem Armut, Chancenlosigkeit und die Suche der Protagonistin nach sich selbst. Ist sie nun bi, pan, queer oder doch lesbisch? Sie weiß es nicht, aber sie liebt, wen sie liebt und manchmal ist das auch genug.

Das sind natürlich – zum Glück! – nicht alle Bücher, eine deutlich längere Liste findet ihr hier (Englisch). Habt ihr Favoriten mit bisexuellen Charakteren? Bpq Charakteren? Ich bin für Empfehlungen immer zu haben und dass da noch mehr tolle Bücher rumschwirren, steht außer Frage!

Zum Abschluss noch eine Nachricht anderer bi+ Menschen für euch bi+ peeps da draußen, die vielleicht über diesen Beitrag gestolpert sind. Und wie recht sie haben!

💖💜💙

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4 thoughts on “Bi Visibility Day 2017

  1. Was für ein cooler Post und wichtiger Tag, ich hab auch das Gefühl, dass alles ganz schön binär ist in dieser Hinsicht. Die Reihe von Laura Lam, das Ramona Blue Buch und Prosperity (das ja immer noch ungelesen im Regal steht, graa) habe ich aber auch auf dem Schirm und bin wahnsinnig neugierig :)
    Ich hab das Gefühl, dass bisexualität (oder pan ? so genau wird das eh nie gesagt) in Büchern auch öfter mal die mysteriösen Figuren sind, die in der Gegend umher flirten und irgendwie „skandalös“ sind, weil sie hinsichtlich des Geschlechts bei ihren romantischen/sexuellen Partnern keine speziellen Vorlieben haben. Ist zwar irgendwie fortschrittlich, aber echt nicht die einzig wahre Repräsentation.

    • Gut Ding will Weile haben! :D (Ich wünschte nur, es gäbe mehr aus der Prosperity-Welt. Es kam dann noch eine KG-Sammlung, die auch super war, zumal eine bein OTP im Zentrum hatte, aber … da geht doch mehr, mennesch.)

      Sowas ist auch absolut eins der Klischees und Vorurteile, die über die existieren, die sich zu mehr als einem Gender angezogen fühlen: Solche Partner*innen würden dich definitiv betrügen, weil sie sich ja nie entscheiden können und übertragen auf Geschichten sind sie dann „shady“, nicht vertrauenswürdig. Es ist echt ein zweischneidiges Schwert, weil dass dann die Leute unter den Bus wirft, sie z.B. nicht monogam oder promiskuitiv leben, was alles legitim ist. Aber dann kommen wird es von außen verurteilt, weswegen einige sich dazu berufen zu betonen, dass das nicht inherent mit Bisexualität (z.B.) zusammenhängt – was auch stimmt. Das wiederum bedeutet nicht, dass die, die so leben, deswegen „schlechter“ sind. Deswegen: Je mehr und variierter die Repräsentation ist, desto besser … dann steht nicht ein Beispiel als Stellvertretung für eine sehr breit gefächerte Gruppe. Wie mit allem eigentlich, z.B. wenn es nur ein Mädel in einer Gruppe von Jungs gibt.

Und ihr so?

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