Lies We Tell Ourselves | Robin Talley

balken_blau
Genre: historischer Jugendroman, Coming-of-Age
Verlag: MIRA Ink
ISBN: 978-1-848-45292-3
Preis: £7.99
Erscheinungsdatum: Oktober 2014
Format: Paperback

Goodreads

It’s 1959. The battle for civil rights is raging. And it’s Sarah Dunbar’s first day of school, as one of the first black students at the previously all-white Jefferson High. No one wants Sarah there. Not the Governor. Not the teachers. And certainly not the students – especially Linda Hairston, daughter of the town’s most ardent segregationist. Sarah and Linda have every reason to despise each other. But as a school project forces them to spend time together, the less their differences seem to matter. And Sarah and Linda start to feel something they’ve never felt before. Something they’re both determined ignore. Because it’s one thing to be frightened by the world around you – and another thing altogether when you’re terrified of what you feel inside.

Content Note:
Rassismus, N-Wort und andere Schimpfwörter, verinnerlichte Queerfeindlichkeit, verinnerlichte Misogynie.
Außerdem sind beide Protagonistinnen nicht „out“, was wenig überrascht, aber wer solche Geschichten nicht lesen möchte, ist hier falsch.

Zum Buch:
Ich hätte es besser wissen müssen, als ich sah, dass auf dem britischen Cover ein Zitat der rassistischen Hauptfigur ist. Angesprochen hatte mich damals zuerst das historische Setting mit zwei – wie später von der Autorin bestätigt, auch wenn das Wort im Buch selber nicht verwendet wurde – bisexuellen Mädchen. Ich hatte trotz allem nicht damit gerechnet, dass Linda so derart krass rassistisch ist, gar nicht lernen will und es am Ende noch immer nicht gelernt hat.

Das Buch hat durchaus seine gute Seiten. Da ist Sarah als Figur und es scheint, als wäre in die Zeit, in das gesellschaftliche Bild viel Recherche geflossen. Robin Talley (eine weiße Autorin) beschreibt u.a. die Geschichte einer Schule, die ehemals nur für weiße Schüler*innen offen war, auf die nun aber, nach langen rechtlichen Kämpfen, auch Schwarze Schüler*innen gehen sollen. Die Situation könnte für Letztere nicht schlimmer sein. Dass sie an der Schule nicht erwünscht sind, ist ihnen bewusst. Die Schule wurde über mehrere Monate geschlossen, damit sie nicht in die Schule konnten – auch wenn das hieß, dass auch die weißen Schüler*innen keinen Unterricht bekamen. Nun ist die Schule wieder offen und am ersten Tag warten alle versammelt vor dem Gebäude auf die „Neuankömmlinge“. Was folgt, sind verbale und körperliche Angriffe eines rassistischen Mobs, und es wird den Rest des Buches über nicht besser. Vereinzelt gibt es Personen, die die Veränderung willkommen heißen, aber zum Großteil sehen sich Sarah und die anderen – u.a. ihre jüngere Schwester Ruth – Beleidigungen und Missbrauch gegenüber.

Es ist gefährlich. Teil der Geschichte ist es, wie schwer es für diese ersten Schüler*innen war. Nicht alle aus der Gruppe wollten überhaupt die ersten sein – an ihrer alten Schule für Schwarze Schüler*innen hatten sie Ruhe und konnten tatsächlich etwas lernen, die Lehrenden haben sie ernst genommen. Aber um des Fortschritts Willen müssen sie; die tägliche Tortur ist nicht nur emotional und körperlich ermüdend, Sarah muss sich auch ernsthaft Sorgen um ihren Abschluss und ihre Zukunft machen.

Und deswegen funktioniert die Liebesstory überhaupt nicht. Sarah muss all das ertragen, Linda sorgt teilweise dafür, dass sie es ertragen muss. Zudem zeigt sie keinerlei Anstalten, sich zu bessern. Es ist eine Geschichte, wenn eine Figur rassistisch ist und realisiert, wie falsch es ist, sich ändert. Es ist eine ganz andere Geschichte, wenn diese Figur erst anfängt, ein bisschen umzudenken, weil sie sich in ein Schwarzes Mädchen verliebt, und trotzdem nichts! Rein gar nichts lernt. Spoileralarm: Am Ende sieht Linda noch immer nicht, dass Schwarze Menschen die gleichen Rechte haben sollten, es geht ihr nur um Sarah: weil diese besonders sei und nicht wie andere „ihrer Art“. Und wenn du denkst, es kann nicht viel schlimmer werden, macht Sarah es sich zur Aufgabe, Linda verstehen zu lassen – weil das freilich die Aufgabe der Schwarzen Hauptfigur ist, und nicht der weißen. Und all das geschrieben von einer weißen Autorin? Da passt was ganz gehörig nicht.

Hätte tatsächlich gut werden können, und gegen den queeren Part der Story lässt sich nicht viel sagen. Das verblasst aber sehr schnell, weil gegen die Beziehung an sich viel gesagt werden kann. Die weiße Autorin halst Sarah, der Schwarzen Hauptfigur, all die emotionale Arbeit auf; sie soll Linda, der weißen Hauptfigur, „beibringen“, ihren Rassismus zu hinterfragen. Und was macht die? Sieht Sarah als Sonderfall, was ihr eine Ausrede gibt, alle anderen Schwarzen Menschen nach wie vor als minderwertig anzusehen. Dass scheinbar viel Recherche über den historischen Kontext mit einfloß, hilft dann auch nichts mehr.

balken_blau

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